Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vom Elend der Fürbitten
  2. Peinlich - Deutsche Protestanten glauben mehrheitlich nicht an den dreieinigen Gott
  3. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  4. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  5. Der entschärfte Gott
  6. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  7. EuGH-Urteil: Deutscher Kirchenaustritt kein automatischer Kündigungsgrund
  8. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"
  9. 'Erzieherischer Unterton': Harald Schmidt rechnet mit Tagesthemen und Heute Journal ab
  10. Katholische US-Historikerin Bronwen McShea schreibt über „die Frauen, die der Vatikan vergaß“
  11. Kardinal Woelki und Bischof Oster ermutigen Münchner Lebensschützer mit kraftvollen Grußworten
  12. "Ein Vorbild für Väter und Ehemänner" - US-Präsident veröffentlicht Würdigung des Heiligen Josef
  13. Maria – Marta – Lazarus: Christus, der Freund des Lebens
  14. Panik in Magdeburg
  15. Vatikan fordert umfassenden Zugang zu Recht für Frauen

Fall Seifert: ‚Offizielle Verfolgung der Rechtgläubigkeit'

21. September 2017 in Weltkirche, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der italienische Kirchenhistoriker und Philosoph Claudio Pierantoni verteidigt Josef Seifert. Dieser habe den grundlegenden Schwachpunkt von ‚Amoris laetitia’ aufgedeckt.


Santiago de Chile (kath.net/jg)
Der italienische Kirchenhistoriker und Philosoph Claudio Pierantoni hat den „Beginn der offiziellen Verfolgung der Rechtgläubigkeit in der Kirche“ mit deutlichen Worten verurteilt. In einem Artikel für das akademische Journal AEMAET übt Pierantoni harte Kritik am Umgang mit Josef Seifert, der nach einer kritischen Anfrage zu „Amoris laetitia“ von Javier Martinez Fernandez, dem Erzbischof von Granada (Spanien), vorzeitig emeritiert worden ist (siehe Link am Ende des Artikels). Seifert war am Philosophieinstitut Edith Stein tätig, das 2005 von Erzbischof Martinez in Granada eingerichtet worden ist. kath.net hat hier berichtet: Erzbischof von Granada schickt Josef Seifert in den Ruhestand

In seinem Artikel schließt sich Pierantoni den Argumenten Seiferts an. „Amoris laetitia“ und insbesondere deren achtes Kapitel enthielten eine ganze Reihe kontrovers diskutierter Punkte, „die viele Kritiker als Häresien betrachten“, schreibt er. Dann bezieht er sich konkret auf Seiferts letzten Aufsatz, in dem der österreichische Philosoph die Frage gestellt hatte, ob die in AL 303 verwendete Argumentation die Gefahr in sich trage, die gesamte katholische Moraltheologie auszuhebeln.


Das von Seifert kritisierte Argument lautet: „Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht.“ (AL 303)

Seifert habe damit die grundlegendste Schwäche des päpstlichen Schreibens ans Licht gebracht, schreibt Pierantoni. „Amoris laetitia“ führe einen fundamentalen Widerspruch in die Ethik ein, weil das Dokument etwas als objektiv gut bezeichne, was es gleichzeitig objektiv schlecht verurteile. Denn schließlich könne Gott nicht etwas vom Menschen fordern, das nicht objektiv gut sei. „Amoris laetitia“ sei das erste päpstliche Dokument, in welches relativistisches und situationsethisches Gedankengut, das von den vorangegangenen Päpsten noch bekämpft worden sei, Eingang gefunden habe.

Josef Seifert, sei drei Jahrzehnte lang einer der hervorragendsten und klarsten Verteidiger des Lehramtes gewesen. Der heilige Papst Johannes Paul II. habe ihn persönlich bei seinen philosophischen Projekten unterstützt und in ihm einen wertvollen Verbündeten im Kampf um die unveränderliche Morallehre der Kirche gesehen. Jetzt werde er entlassen und als „Gegner der Einheit der Kirche“ bezeichnet, kritisiert Pierantoni. Diesen Vorwurf hat Erzbischof Martinez in dem Schreiben erhoben, mit dem er die Pensionierung Seiferts bekannt gegeben hat.

Im selben Schreiben wirft Martinez Seifert auch vor „Misstrauen gegen den Nachfolger Petri“ zu verbreiten. Pierantoni weist diesen Kritikpunkt zurück. Nicht Seifert sei es, der Misstrauen verbreite, sondern Papst Franziskus selbst sei für das Misstrauen gegen seine Person verantwortlich, indem er ein offizielles kirchliches Dokument veröffentlicht habe, das zu wesentlichen Punkten des bisherigen Lehramtes und der beständigen Lehre der Kirche in Widerspruch stehe.

Diese Aussagen hätten allerdings keinen lehramtlichen Charakter, fügt Pierantoni hinzu. Das wahre Lehramt der Kirche könne nicht durch persönliche Ansichten eines Papstes verändert werden. Dennoch können falsch persönliche Ansichten des Papstes verheerende Auswirkungen haben, weil viele Gläubige auf allen Ebenen der Kirche nicht unterscheiden würden, was das Lehramt sage und was der Papst als persönliche Ansicht verlautbare, warnt der italienische Philosoph.

Dennoch könne man Erzbischof Martinez in einer gewissen Hinsicht dankbar sein. „Indem er einen katholischen Denker offiziell für das Verbrechen bestraft hat, rechtgläubig zu sein, hat er das praktische Schisma unabsichtlich bestätigt, an dem wir in der katholischen Kirche leiden, weil schwerwiegende Fehler ihren Weg in ein päpstliches Dokument gefunden haben“, schreibt Pierantoni wörtlich.

Angesichts dieser Ereignisse sei eine „formale oder besser ‚brüderliche’ Korrektur des Papstes“ wünschenswert. „Möge Gott dem heiligen Vater ein offenes Herz schenken“, schreibt er abschließend.


Link zum Artikel von Claudio Pierantoni (englisch):

aemaet.de


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Amoris laetitia

  1. Papst bekräftigt Lehre von "Amoris laetitia" zu Geschiedenen
  2. Polen: 140.000 Unterschriften für Verteidigung der Ehe
  3. Kardinal Cupichs Amoris-laetitia-Seminare mit umstrittenen Referenten
  4. Seifert: Außergerichtliche Einigung mit Erzbistum Granada
  5. Katholische Universität kündigt Unterzeichnern der correctio filialis
  6. ‚Franziskus soll 8. Kapitel von ‚Amoris laetitia’ zurückziehen’
  7. ‚Amoris laetitia’ wäre unter Franziskus’ Vorgängern abgelehnt worden
  8. ‚Amoris laetitia’ ändert Lehre und Sakramentenordnung nicht
  9. Offizielles Lehramt? Kommunion für Wiederverheiratete in Einzelfällen
  10. Theologe: ‚Barmherzigkeit heißt, Zweitehe ist nicht immer Ehebruch’






Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE DIESE WOCHE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Vom Elend der Fürbitten
  4. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  5. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  6. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  7. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  8. Peinlich - Deutsche Protestanten glauben mehrheitlich nicht an den dreieinigen Gott
  9. Der entschärfte Gott
  10. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"
  11. Brasilien: 26-jähriger Seminarist stirbt – hinterlässt beeindruckendes geistliches Testament
  12. 'Erzieherischer Unterton': Harald Schmidt rechnet mit Tagesthemen und Heute Journal ab
  13. EuGH-Urteil: Deutscher Kirchenaustritt kein automatischer Kündigungsgrund
  14. Panik in Magdeburg
  15. Katholische US-Historikerin Bronwen McShea schreibt über „die Frauen, die der Vatikan vergaß“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz