Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan veröffentlicht scharfe Kritik an deutschen Segnungsleitfäden für Homosexuelle!
  2. Papst Leo XIV. und die Zukunft der liturgischen Einheit der Kirche
  3. GAME OVER! - Vatikan erteilt deutschem Segnungs-Leitfaden am Mittwoch nochmals eine klare Absage!
  4. „Bestellt wie eine Ware“: Scharfe Kritik an Leihmutterschafts-Fall in der CDU
  5. Schisma auf leisen Sohlen
  6. Berliner Jusos für Abschaffung der Ehe
  7. Verheiratete Frauen sind (zunehmend) die glücklichsten von allen
  8. Sadomasochistische Gruppe auf dem Katholikentag in Würzburg
  9. Priester sagt, in seiner Gemeinde gebe es viele religiöse Menschen, aber nur wenig Christen
  10. Kirche wirke oft wie ein 'woker Diskutierverein'
  11. Kanadischer Priester mit gebrochener Hüfte erhält im Krankenhaus Sterbehilfeangebote
  12. Paukenschlag in der Klimadebatte: KlimaGuru Al Gore warnt plötzlich vor neuer Eiszeit
  13. Goldenstein-Nonnen nach Romreise wieder in Salzburg eingetroffen
  14. 'Nicht mehr zeitgemäß': Katholischer Kindergarten aus Österreicht streicht Muttertagsgedichte
  15. Bericht des US-Justizministeriums: Regierung Biden hat traditionelle Christen intensiv durchleuchtet

Muslimischer Theologe warnt vor Judenfeindlichkeit im Islam

18. November 2016 in Österreich, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Islamwissenschaftler Aslan und Ourghi fordern Umschreibung islamischer Schulbücher und "mutiges Aufklärungsprogramm" - Bassam Tibi fordert "europäischen Islam" und historisch-kritische Koranlektüre


Wien (kath.net/KAP) Juden werden im Islam nach Aussagen des islamischen Religionspädagogen Ednan Aslan als Feinde betrachtet und die Bezeichnung "Jude" dient in vielen islamischen Ländern als Beschimpfung. Reformen des Islams sowie eine "kritische Reflexion" des Korans seien daher nötig, erklärte der Professor am Institut für Islamische Studien der Universität Wien am Dienstagabend in Wien. Bei einer Podiumsdiskussion über die islamisch-jüdischen Beziehungen forderte Aslan die Etablierung eines "Islam europäischer Prägung" und nahm damit die Gegenposition zu seinem Mitdiskutanten Imam Tarafa Baghajati ein. Dieser betonte, man dürfe "die letzten 1.400 Jahre des Islam nicht verteufeln" - wenngleich es freilich viele Versäumnisse im muslimisch-jüdischen Dialog gegeben habe.

Weitere Teilnehmer des Gesprächs im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zur Frage "Kann es eine islamische Aufklärung geben?" waren der deutsche Politikwissenschaftler Bassam Tibi, der den Begriff des "Euro-Islam" in den 1990er-Jahren eingeführt hat, der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi von der Universität Freiburg sowie dessen Fachkollege Erdal Toprakyaran von der Universität Tübingen. Moderiert wurde die Diskussion von Kultusgemeinde-Generalsekretär Raimund Fastenbauer.


Aslan betonte, dass es bis heute in der islamischen Lehre eine "heftige Ablehnung der Juden" gebe. Das sei innerislamisch zu reflektieren und müsse in einem ehrlichen Dialog aufgearbeitet werden. Dass islamische Schulbücher "etliche Inhalte der Judenfeindlichkeit kultivieren", sei heute nicht haltbar. Statt europäisch geprägt sei der hier vermittelte Islam so, wie er im 17. Jahrhundert verstanden worden sei. Der Religionspädagoge hob das "wichtige" Potenzial des Islam auf Grundlage des Koran hervor, wonach die Juden "eine besondere freundschaftliche Stellung im Islam haben können und sollten". Aslans Ansicht zufolge werde der Islam auf der ganzen Welt scheitern, falls der "europäische Islam" scheitere.

Islam neu erfinden

Bestätigt fand Aslan seine Sorge bei Abdel-Hakim Ourghi: Moslems würden dazu erzogen, "den Juden zu hassen", so der in Freiburg lehrende Islamwissenschaftler, der ebenfalls Reformen forderte. Der Islam müsse durch ein "mutiges Aufklärungsprogramm" neu erfunden werden und es sei klarzustellen, wie man mit Suren, die zu Gewalt aufrufen, umgehen solle. Ourghi sprach sich für eine "ehrliche Debatte" aus, in der "die Finger auf die Wunden gelegt werden müssen". Er warnte vor einer "Dynamik des kollektiven Verdrängens" und vor Imamen, die eine "Pädagogik der Unterdrückung und Unterwerfung" predigten.

Imam Baghajati ging hingegen klar auf Distanz zu Aslans Vorstellung von einem "Islam europäischen Prägung", der den Moslems in den islamischen Ländern lehren solle, wie der Umgang mit Juden abzulaufen habe. Wichtig sei zu zeigen, dass Muslime und Juden in Österreich gut zusammen leben können, betonte Baghajati. Er pochte außerdem auf den Unterschied zwischen Konservativen und Extremisten im Islam, der oft nicht eindeutig formuliert werde.

Dialog auf Augenhöhe gefordert

Zu einem "Dialog auf Augenhöhe" rief der Politologe Bassam Tibi auf. Wichtig sei, Unterschiede anzusprechen und nicht als "Missverständnisse" aus der Welt schaffen zu wollen. Den Dialog zwischen Christen und Muslimen nannte Tibi wörtlich einen "Dialog der Verlogenheiten", indem man sich "gegenseitig beweihräuchert". Dialog müsse Konfliktlösung sein und Probleme müssten angesprochen werden, so sein Standpunkt; ansonsten sei der Dialog wertlos.

Tibi gab an, er sei als "Judenhasser und Antisemit" aufgewachsen und habe seine Ansichten durch das Studium bei den Philosophen Max Horkheimer und Theodor Adorno geändert. Auch er plädierte für einen "europäischen Islam", in dem Juden als gleichwertig angesehen würden. Tradition müsse neu durchgedacht werden. Der Islam brauche laut Tibi nicht nur "eine Reform und ein Uminterpretieren", sondern auch neue Elemente. Den Koran historisch-kritisch zu lesen und nicht zeitgemäße Suren zu erklären, sei dabei die "beste Methode".

Gute Phasen und Phasen, wo es nicht so gut lief: So beschrieb der Islamwissenschaftler Erdal Toprakyaran die Beziehung von Juden und Muslimen in der Geschichte. Jede positive Phase habe natürliche auch ihre "Schattenseiten" gehabt. In der Gegenwart ortete er "sehr viele Probleme" und antisemitische Tendenzen. Man müsse sich die Frage stellen, warum die "aufgeklärten Geister", die es in der islamischen Welt immer gegeben habe, nicht die Oberhand bekommen hätten, so der Historiker. Extremismus bedrohe alle, weshalb es im Kampf gegen diesen ein "Bündnis aller vernünftigen Leute" brauche sowie die notwendigen Begleitumstände, wie Freiheit, Demokratie, Säkularität und eine kritische, wissenschaftliche Theologie.

Copyright 2016 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Islam

  1. Pakistans Scharia-Gericht billigt Entführung, Vergewaltigung, Kinderehe einer 13-jährigen Christin
  2. Islamistengruppe ‚Nūr al-ʿIlm‘ breitet sich in Norddeutschland aus
  3. Wien: Einziger Christ in der Klasse wird "Schwein" genannt
  4. In muslimischen Regionen müssen Christen den Ramadan nicht selten mitbefolgen
  5. Kardinal Schönborn: "Wenn sich bei uns so viele Menschen vom Christentum verabschieden..."
  6. „Wir führen Einzelgespräche mit Muslimen im persönlichen Kontakt“
  7. Papst besucht die Blaue Moschee in Istanbul - Gebetet hat er dort aber nicht
  8. Der neue Erzbischof von Wien und der Islam
  9. Iran: Immer mehr Frauen verstoßen gezielt gegen die Hijab-Pflicht
  10. Muslime größte Religionsgemeinschaft an öffentlichen Wiener Pflichtschulen






Top-15

meist-gelesen

  1. Große SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. Vatikan veröffentlicht scharfe Kritik an deutschen Segnungsleitfäden für Homosexuelle!
  3. Schisma auf leisen Sohlen
  4. „Es war, als sähe ich Jesus wirklich“
  5. Papst Leo XIV. und die Zukunft der liturgischen Einheit der Kirche
  6. GAME OVER! - Vatikan erteilt deutschem Segnungs-Leitfaden am Mittwoch nochmals eine klare Absage!
  7. Priester sagt, in seiner Gemeinde gebe es viele religiöse Menschen, aber nur wenig Christen
  8. Kennen Sie schon das Martinshorn-Gebet?
  9. „Bestellt wie eine Ware“: Scharfe Kritik an Leihmutterschafts-Fall in der CDU
  10. Paukenschlag in der Klimadebatte: KlimaGuru Al Gore warnt plötzlich vor neuer Eiszeit
  11. Kardinal Müller: Geld war bei Papstwahl nicht entscheidend
  12. Der blinde Fleck: Wieviel Epstein steckt in uns?
  13. Goldenstein-Nonnen nach Romreise wieder in Salzburg eingetroffen
  14. Erste Enzyklika von Papst Leo XIV. wird Mitte Mai erwartet
  15. Festnahme nach Angriff auf Nonne in Jerusalem

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz