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Christliche Volkspartei will sich neu die Mitte nennen

6. September 2020 in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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Die Parteileitung der CVP der Schweiz stellt den Parteimitgliedern einen neuen Namen – die Mitte - zur Abstimmung vor. Dabei soll bewusst auf das C im Namen verzichtet werden. Ein Kommentar von Josef C. Haefely.


Bern (kath.net)

Am Donnerstag hat die Parteileitung der Christlichdemokratischen Volkspartei der Schweiz (CVP) entschieden, seinen Mitgliedern in einer Urabstimmung einen neuen Namen zu unterbreiten – die Mitte. Auf das C im Namen soll bewusst verzichtet werden. Die CVP hat aktuell einen Wähleranteil von 11,6 Prozent, stellt einen Bundesrat und will mit der Namensänderung neu 20 Prozent gewinnen. Nach einer Umfrage unter den Kantonalparteien, erschein dies richtig, damit die Partei neue Mitglieder gewinnen kann aus dem Nicht-Christlichen Milieu. Sie soll vor allem bei den Jungen punkten. Ausserdem steht eine Fusion mit der gesellschaftlich sehr liberal agierenden BDP (Wähleranteil 2,9 Prozent) im Raume. Die konservativen und christlichen Stammwähler wurden dabei offenbar überhört. Eine Spaltung der Partei steht in der Schwebe. Im Folgenden der Kommentar von Josef C. Haefely.

 

Klammerbemerkung zur Einmittung einer Schweizerischen Partei

 

Nun ist das neue Baby also da, gezeugt und ausgetragen in der Familie der eidgenössischen Christdemokratie. Nach einer schweren Zangengeburt soll die christlich-demokratische Volkspartei CVP auf den Namen "Die Mitte" umgetauft werden, wenn auch nicht mehr in der Kirche. Analog dem sanften Wehen des Zeitgeistes darf das Kind auch seine geschlechtliche Identität später dann einmal selber bestimmen.


 

Die CVP als "Mittepartei" verstand sich schon lange auch als "Klammerpartei". Nun fällt beim neuen Parteilogo spontan auf, dass es von dieser ganzen Klammer nur gerade die eine Hälfte ins Bild geschafft hat. Ob das als subtile Abgrenzung, gar als Schild gegen rechts zu verstehen ist, bleibt offen wie die Klammer.

 

Vielleicht versteht sich das Klammersymbol auch als Zeichen, dass es auf dem politischen Parkett rechts der Mitte nichts geben darf, oder dass "die Mitte" alles Rechte miteinschliesst (vgl. ein bekannter deutscher CSU-Slogan). Ist die Klammer vielleicht als subtiler Wink zu verstehen, dass für die neue Partei die Mitte nach links hin grenzenlos offen ist?

 

Man könnte auch etwas mutmassen. Versteckt sich in jener halbem Logo-Klammer gar eine Art Emanzipationssymbol gegen das sichtbare C, indem der betreffende Buchstabe etwas gedehnt auf dem Kopf gestellt wurde? Schliesslich steht den neuen Mittelsmänner*innen noch die harte Aufgabe bevor, ihre traditionelle Stammwählerschaft in katholischen Stammlanden an Bord ihres Schiffleins zu holen, welche historisch betrachtet mal als Beiboot Petri in See gestochen war.

 

Seine Besatzung scheint unter dem Sturmwind des Zeitgeistes den Hauptmast irgendwann gekappt zu haben. Für den Motor ihres Parteischiffchens setzten die C-Demokraten in der Folge auf den Treibstoff allgemeiner humanistischer Werte. Es kann ja kaum eine Erfolgsstrategie werden, wenn Christdemo..., Mittedemokraten nach dem Zurückrudern, was alte katholische Positionen anbelangt und dem über-Bord-Kippen des sperrig gewordenen hohen C, mit einem ballastbefreiten politischen Vorwärtssegeln möglichst viele Mittelklassige und Mittelmässige ins Boot zu holen.

 

Gewiss soll den in der neuen schweizerischen "Mitte" Politisierenden ein individuelles, auf christlichen Grundsätzen beruhendes Bewusstsein nicht kollektiv abgesprochen werden. Es könnte aber sein, dass die heutigen Mitte-Enthusiasten in absehbaren politischen Turbulenzen und Orkanen den auf den Meeresgrund unwiederbringlich versenkten Anker jenes Glaubens, an dem die beschworenen Werte eigentlich hängen, irgendwann schmerzlich vermissen werden. Denn woran, um Himmels Willen, soll sich eine sich als Wertepartei verstehende Allianz letztlich orientieren als am christlichen Kompass?

 

Wer weiss, vielleicht liess sich da der Logo-Gestalter für den ausstehenden Überzeugungsakt in traditionell katholischen Stammlanden von subtilen Hintergedanken leiten: Der betont konservativen Wählerschaft könnte die halbe Klammer als aufgeblähtes Segel verkauft werden: Wehe der Wind nämlich von links werde das Segel von ihm nach rechts getrieben. Auch die neue Identität kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der politische Alltag und die Probleme ziemlich dieselben der alten CVP sein werden.

 

Auf der eidgenössischen Bühne vor Zeiten als "Katholisch-konservative Volkspartei" angetreten soll der neuen Mitte zwei Zitate mit auf ihren Mittelweg gegeben werden. Das erste stammt von der deutschen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Es möge die alt-neue Partei davor warnen, sich allzu ideologisch als Nabel der Mitte zu verstehen: "Je kleiner das Sandkörnlein ist, desto sicherer hält es sich für die Mitte der Welt."

 

Und um in der politischen Mitte die Orientierung nicht zu verlieren hier ein zweites Zitat des berühmten, einst zur katholischen Mitte konvertierten Philosophen Blaise Pascal mit auf den Weg: "Das Weltall ist ein Kreis, dessen Mitte überall, dessen Umfang nirgends ist."


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Lesermeinungen

 Ulrich Motte 7. September 2020 
 

Laudetur JC

Auch in der BRD machte eine Katholisch-Konservative Partei (KKP) doch Sinn- bitte gründen!


1

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 JBE 6. September 2020 
 

Warum?

Gibt es noch irgendeinen Grund als Christ diese Partei zu wählen?


6

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 laudeturJC 6. September 2020 

Treffende und brilliante Analyse!

Ob wohl eine Neuauflage einer kath.-kons. Partei nun denkbar wird?


4

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 Matityahu 6. September 2020 
 

Warum eigentlich die "Mitte"? Was soll die Mitte überhaupt sein?
Ich fände "Mainstream Partei" passender. Parteien die über jedes Stöckchen springen, welches ihnen hingehalten wird, haben sowieso kein Rückgrat.
So wie in der Schweiz, wird es auch in Deutschland geschehen. Eine christliche Partei gibt es schon lange nicht mehr. Adenauer würde sich ebenfalls im Grabe umdrehen.
Für Österreich habe ich "noch" Hoffnung.


7

0
 
 mameschnue 6. September 2020 

Die Gründer würden sich im Grab umdrehen

Natürlich ist es nur konsequent, wenn sich eine Partei, die längst nur noch zeitgeisthörig agiert, nicht mehr christlich nennt. Traurig ist es trotzdem, und die Gründer dieser einst treu zur katholischen Kirche stehenden Partei würden sich im Grab umdrehen ob der 180°-Wende ihres "Kindes", das sich seiner Vorfahren und seiner Herkunft zu schämen scheint.

paulablog-1844.webnode.com/


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 Walahfrid Strabo 6. September 2020 

Wenn christliche Werte sowieso keine Rolle mehr spielen bzw. konträr zur christlichen Lehre entschieden wird, ist die Umbenennung wenigstens konsequent.


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 Aquae 6. September 2020 

Der Namenswechsel ist doch nur konsequent

Was genau "christlich" ist, ist schwer zu definieren. Ist es die Treue zur Lehre der Kirche, dann hätte sich das in den Standpunkten der Partei zu Themen wir "Ehe für alle", "Fortpflanzungsmedizin", etc. auch äussern müssen. Genau diese Themen wollen die Marketingstrategen ausklammern, weil damit eben keine "neuen Wählerschichten" gewonnen werden können. Und genau da ist der Knackpunkt. Macht man Politik aus Überzeugung, oder weil man möglichst viele politische Mandate ergattern will? Bei der "Die Mitte" ist ganz klar das zweite der Fall. So wird man den Leuten nach dem Mund reden in der Hoffnung, sich an den Fleischtöpfen der Macht laben zu können. Dem kleinen Fähnlein der Katholiken wird nun auch das letzte Bisschen Illusion einer politischen Heimat genommen. Vielleicht ist es an der Zeit, die politische Vertretung des Katholizismus auf ein ganz neues Fundament zu stellen. Die von Ballast befreite "Die Mitte" wird weiter schlingern und an Bedeutung verlieren. Darauf wette ich!


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 Adamo 6. September 2020 
 

Die Schweiz, besonders die CVP

benötigt dringend einen heutigen NIKOLAUS VON FLÜE!


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