Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. US-Katholiken mehrheitlich für die Todesstrafe
  2. Nach fast drei Wochen bricht die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Schweigen
  3. Vertrauliche Vorlagen des vatikanischen Konsistoriums sind aufgetaucht
  4. „Mir sind konkrete Reaktionen von Kindern bekannt, die diese Darstellung als verstörend empfanden“
  5. „Ich kann die Kommunion nicht empfangen. Ist es trotzdem sinnvoll, zur Messe zu gehen?“
  6. Hongkongs Kardinal Zen äußerte beim Konstistorium Grundsatzkritik an der letzten Bischofssynode
  7. Viel Bla-Bla zum Neuen Jahr!
  8. ‚Dubia‘ an den Vatikan – US-Priester bitten um Klärung hinsichtlich liturgischer Änderungen
  9. Santo subito? - Vatikan untersucht mögliches Wunder durch Benedikt XVI.!
  10. Brigitte Bardot bedauerte den Verlust des Geheimnisvollen in der Neuen Messe
  11. Wann enden die perspektivlosen Strukturdebatten?
  12. Papst Leo XIV. bestärkt Bischof Voderholzer auf dem Weg der Neuevangelisierung
  13. BILD-Chefin Marion Horn fordert jetzt: Daniel Günther muss das zurücknehmen oder zurücktreten
  14. Papst Leo wird die Gründonnerstags-Fußwaschung wieder im Lateran vollziehen
  15. Iran: Mindestens 12.000 Tote bei Protesten gegen das Regime

Vatikanische Finanzen, Immobilien: offene Fragen bleiben

27. Juli 2019 in Weltkirche, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Undurchsichtige Geldflüsse und Immobilienprojekte bleiben nach dem Abgang von Kardinal George Pell ungeklärt, schreibt Vatikanexperte Edward Pentin.


Vatikan (kath.net/jg)
2016 entdeckte George Kardinal Pell als Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, dass die Güterverwaltung des Heiligen Stuhls große Summen nicht deklarierten Geldes über Offshore-Bankkonten transferierte. Das berichtet Edward Pentin für den National Catholic Register. (Siehe Link am Ende des Artikels)

Der Kurienkardinal hatte festgestellt, dass die Transaktionen der Verwaltung der Güter des Heiligen Stuhls (APSA, Amministrazione del Patrimonio della Sede Apostolica) möglicherweise mit Geldwäsche oder Betrug zu tun haben könnten und hatte bestimmte Immobilientransaktionen in Frage gestellt.

Beinahe drei Jahre später sind die Fragen, die Pell damals an das Management der APSA stellte, noch immer nicht beantwortet, schreibt Pentin. Der Kardinal ist derzeit im Gefängnis in Australien und wartet auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens. Er ist wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Pell hatte das Wirtschaftssekretariat übernommen, um Misswirtschaft und Korruption in den Finanztransaktionen des Vatikan zu beenden. 2016 hatte Pell befreundete australische Banker in London kontaktiert, um die fraglichen Konten zu untersuchen. Mit deren Hilfe stellte er fest, dass bis zu 100 Millionen Euro auf den Konten liegen könnten. Der Großteil des Geldes dürfte damals in den Filialen zweier Schweizer Privatbanken (Banca della Svizzera Italiana und Bankhaus Julius Bär) in Lugano gewesen sein.

Kardinal Pell beauftragte eine Schweizer Anwaltskanzlei damit, Bankauszüge für die letzten zehn Jahre zu besorgen und diese an Libero Milone, den von Papst Franziskus eingesetzten vatikanischen Generalrevisor, übergeben. Franziskus hatte Pell dazu schriftlich die notwendige Vollmacht erteilt.


Die Bankauszüge erreichten weder Milone noch Kardinal Pell, schreibt Pentin weiter. Beide mussten ihre Positionen im Vatikan verlassen. Milone trat 2017 zurück, nachdem die Vatikanische Gendarmerie sein Büro durchsucht hatte. Der Vatikan ließ Monate später alle Anklagepunkte fallen. Kardinal Pell wurde von einem australischen Gericht wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Unter Berufung auf anonyme Quellen mit Insiderwissen schreibt Edward Pentin, dass bestimmte Personen innerhalb des Vatikan offenbar verhindert haben, dass die Bankauszüge erstellt werden, sobald sie von der Untersuchung erfahren hätten. Mitarbeiter der APSA hätten wiederholt die Entschuldigung vorgebracht, sie hätten Schwierigkeiten, die gewünschten Daten zu ermitteln. Dies sei eine bewusste Verzögerungstaktik gewesen, sagte eine Quelle, um die Untersuchungen zu behindern.

Mittlerweile dürften die meisten der verdächtigen Konten geschlossen worden sein. Derzeit scheine es unwahrscheinlich, dass das Wirtschaftssekretariat je erfahren wird, wie viel Geld über diese Konten geflossen ist oder wem sie gehört haben, sagte die Quelle.

Eine zweite Quelle gab an, dass im Laufe der Untersuchungen klar geworden sei, dass es in der APSA Korruption gegeben habe, die mit den beiden Bankfilialen in Lugano in Zusammenhang stehe. Die Transaktionen die über diese Konten gelaufen seien, seien „in hohem Maße irregulär“ gewesen, zitiert Edward Pentin seine Quelle.

Das Wirtschaftssekretariat und die APSA haben Anfragen des Vatikanexperten zu diesem Thema nicht beantwortet.

Ein weiterer Bereich der vatikanischen Finanzen, in den Kardinal Pell Transparenz bringen wollte, war die Verwaltung ausländischer Immobilien. Nach seinen Quellen würden nur wenige Mitarbeiter von APSA das Ausmaß des Immobilienportfolios kennen, das der Vatikan im Ausland hält, weil ein großer Teil „außerhalb der Bücher“ gehalten und vertraulich verwaltet werde, schreibt Edward Pentin.

2016 soll der Wert des Immobilienportfolios mindestens 800 Millionen Euro betragen haben. Darunter befanden sich Liegenschaften in London, Paris und der Schweiz.

Eine Investition, die Pell untersuchen wollte, war der Erwerb einer Liegenschaft in London mit 108 Apartments und mehr als 5.000 Quadratmetern Geschäftsfläche. Der Kaufpreis betrug 100 Millionen Euro und sollte zur Hälfte vom vatikanischen Pensionsfonds bezahlt werden. Kardinal Domenico Calcagno, der damalige Präsident der APSA, war gleichzeitig für Präsident des Pensionsfonds. Kardinal Pell weigerte sich, das Geschäft zu genehmigen, weil zu viele Fragen ungeklärt waren. Papst Franziskus hob Pells Entscheidung auf und erlaubte die Transaktion, weil Calcagno ihm gesagt hatte, dass sonst die bereits geleistete Anzahlung in Höhe von 3,5 Millionen Pfund verloren sei.

2017 wurde eine externe Prüfung der vatikanischen Finanzen durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Price Waterhouse Coopers (PwC) vom Staatssekretariat abrupt beendet, nur wenige Monate nachdem sie begonnen hatte. Kardinal Angelo Becciu, damals als „sostituto“ der zweite Mann im Staatssekretariat, erklärte dem National Catholic Register, das Ende der Prüfung sei im Einverständnis mit PwC erfolgt, weil sie schlecht vorbereitet und geplant gewesen sei. Die Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfers seien plötzlich aufgetaucht und hätten alles sehen wollen. Das sei nicht möglich gewesen und hätte außerdem sehr hohe Kosten verursacht, die das Wirtschaftssekretariat vereinbart habe, ohne mit jemand Rücksprache zu halten.

PwC habe ebenfalls erkannt, dass die Prüfung so nicht durchzuführen sei und habe einer Beendigung des Mandats zugestimmt, ohne finanzielle Kompensation zu verlangen, sagte Becciu. Pentin hält dem entgegen, dass laut seinen Quellen PwC andere Aufgaben vom Vatikan erhalten habe, um den Verlust auszugleichen.

Erzbischof Nunzio Galantino, der gegenwärtige Präsident der APSA, und Erzbischof Edgar Peña Parra, der neue „sostituto“ des Staatssekretariats, würden nun zwar einige Fortschritte im Kampf gegen Misswirtschaft und mögliche Korruption machen. Was sich viele mit der Materie vertraute Personen wünschen würden, sei ein radikaler Austausch des Personals, schreibt Pentin unter Berufung auf seine Quellen.

Eine Änderung der Strukturen könne die Steuerung und Überwachung finanzieller Vorgänge verbessern, sie sei aber wirkungslos, wenn die selben korrupten Personen der so genannten „alten Garde“ in den verantwortlichen Positionen blieben, zitiert Pentin abschließend eine seiner Quellen.


Link zum Artikel von Edward Pentin (englisch):

Questions Persist About Vatican Finances, Real Estate


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Vatikan

  1. Kurienerzbischof Gallagher: Leihmutterschaft ist eine „neue Form des Kolonialismus“
  2. „Synoden sind gute, nützliche Instrumente zur Entwicklung praktischer pastoraler Strategien, aber…“
  3. Vatikan hebt Pfarraufhebungen in US-Diözese Buffalo auf
  4. Latein nicht mehr erste Amtssprache im Vatikan
  5. Nicht nur Kardinäle an der Spitze: Papst ändert Vatikanverfassung
  6. Vatikan kündigt bevorstehende Veröffentlichung eines Dokuments zu Monogamie an
  7. Bemerkenswert großer Andrang bei „Alter Messe“ im Petersdom - Kard.-Burke-Predigt in voller Länge!
  8. Papst Leo XIV. baut Regierung des Vatikanstaats um
  9. Bußzeremonie im Petersdom wurde vollzogen – Mann hatte gezielt an Hauptaltar uriniert
  10. "Eine wahre Schändung des heiligsten Ortes der Christenheit"






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Nach fast drei Wochen bricht die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Schweigen
  3. Viel Bla-Bla zum Neuen Jahr!
  4. Santo subito? - Vatikan untersucht mögliches Wunder durch Benedikt XVI.!
  5. Vertrauliche Vorlagen des vatikanischen Konsistoriums sind aufgetaucht
  6. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  7. Hongkongs Kardinal Zen äußerte beim Konstistorium Grundsatzkritik an der letzten Bischofssynode
  8. „Mir sind konkrete Reaktionen von Kindern bekannt, die diese Darstellung als verstörend empfanden“
  9. „Ich kann die Kommunion nicht empfangen. Ist es trotzdem sinnvoll, zur Messe zu gehen?“
  10. 'Exportweltmeister in Moral, ansonsten Beobachter an der Seitenlinie. Beschämend'
  11. MEHR hippe Missionare in Augsburg
  12. BILD-Chefin Marion Horn fordert jetzt: Daniel Günther muss das zurücknehmen oder zurücktreten
  13. Brigitte Bardot bedauerte den Verlust des Geheimnisvollen in der Neuen Messe
  14. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  15. Wann enden die perspektivlosen Strukturdebatten?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz