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Vatikanische Finanzen, Immobilien: offene Fragen bleiben

27. Juli 2019 in Weltkirche, 9 Lesermeinungen
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Undurchsichtige Geldflüsse und Immobilienprojekte bleiben nach dem Abgang von Kardinal George Pell ungeklärt, schreibt Vatikanexperte Edward Pentin.


Vatikan (kath.net/jg)
2016 entdeckte George Kardinal Pell als Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, dass die Güterverwaltung des Heiligen Stuhls große Summen nicht deklarierten Geldes über Offshore-Bankkonten transferierte. Das berichtet Edward Pentin für den National Catholic Register. (Siehe Link am Ende des Artikels)

Der Kurienkardinal hatte festgestellt, dass die Transaktionen der Verwaltung der Güter des Heiligen Stuhls (APSA, Amministrazione del Patrimonio della Sede Apostolica) möglicherweise mit Geldwäsche oder Betrug zu tun haben könnten und hatte bestimmte Immobilientransaktionen in Frage gestellt.

Beinahe drei Jahre später sind die Fragen, die Pell damals an das Management der APSA stellte, noch immer nicht beantwortet, schreibt Pentin. Der Kardinal ist derzeit im Gefängnis in Australien und wartet auf den Ausgang seines Berufungsverfahrens. Er ist wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Pell hatte das Wirtschaftssekretariat übernommen, um Misswirtschaft und Korruption in den Finanztransaktionen des Vatikan zu beenden. 2016 hatte Pell befreundete australische Banker in London kontaktiert, um die fraglichen Konten zu untersuchen. Mit deren Hilfe stellte er fest, dass bis zu 100 Millionen Euro auf den Konten liegen könnten. Der Großteil des Geldes dürfte damals in den Filialen zweier Schweizer Privatbanken (Banca della Svizzera Italiana und Bankhaus Julius Bär) in Lugano gewesen sein.

Kardinal Pell beauftragte eine Schweizer Anwaltskanzlei damit, Bankauszüge für die letzten zehn Jahre zu besorgen und diese an Libero Milone, den von Papst Franziskus eingesetzten vatikanischen Generalrevisor, übergeben. Franziskus hatte Pell dazu schriftlich die notwendige Vollmacht erteilt.


Die Bankauszüge erreichten weder Milone noch Kardinal Pell, schreibt Pentin weiter. Beide mussten ihre Positionen im Vatikan verlassen. Milone trat 2017 zurück, nachdem die Vatikanische Gendarmerie sein Büro durchsucht hatte. Der Vatikan ließ Monate später alle Anklagepunkte fallen. Kardinal Pell wurde von einem australischen Gericht wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Unter Berufung auf anonyme Quellen mit Insiderwissen schreibt Edward Pentin, dass bestimmte Personen innerhalb des Vatikan offenbar verhindert haben, dass die Bankauszüge erstellt werden, sobald sie von der Untersuchung erfahren hätten. Mitarbeiter der APSA hätten wiederholt die Entschuldigung vorgebracht, sie hätten Schwierigkeiten, die gewünschten Daten zu ermitteln. Dies sei eine bewusste Verzögerungstaktik gewesen, sagte eine Quelle, um die Untersuchungen zu behindern.

Mittlerweile dürften die meisten der verdächtigen Konten geschlossen worden sein. Derzeit scheine es unwahrscheinlich, dass das Wirtschaftssekretariat je erfahren wird, wie viel Geld über diese Konten geflossen ist oder wem sie gehört haben, sagte die Quelle.

Eine zweite Quelle gab an, dass im Laufe der Untersuchungen klar geworden sei, dass es in der APSA Korruption gegeben habe, die mit den beiden Bankfilialen in Lugano in Zusammenhang stehe. Die Transaktionen die über diese Konten gelaufen seien, seien „in hohem Maße irregulär“ gewesen, zitiert Edward Pentin seine Quelle.

Das Wirtschaftssekretariat und die APSA haben Anfragen des Vatikanexperten zu diesem Thema nicht beantwortet.

Ein weiterer Bereich der vatikanischen Finanzen, in den Kardinal Pell Transparenz bringen wollte, war die Verwaltung ausländischer Immobilien. Nach seinen Quellen würden nur wenige Mitarbeiter von APSA das Ausmaß des Immobilienportfolios kennen, das der Vatikan im Ausland hält, weil ein großer Teil „außerhalb der Bücher“ gehalten und vertraulich verwaltet werde, schreibt Edward Pentin.

2016 soll der Wert des Immobilienportfolios mindestens 800 Millionen Euro betragen haben. Darunter befanden sich Liegenschaften in London, Paris und der Schweiz.

Eine Investition, die Pell untersuchen wollte, war der Erwerb einer Liegenschaft in London mit 108 Apartments und mehr als 5.000 Quadratmetern Geschäftsfläche. Der Kaufpreis betrug 100 Millionen Euro und sollte zur Hälfte vom vatikanischen Pensionsfonds bezahlt werden. Kardinal Domenico Calcagno, der damalige Präsident der APSA, war gleichzeitig für Präsident des Pensionsfonds. Kardinal Pell weigerte sich, das Geschäft zu genehmigen, weil zu viele Fragen ungeklärt waren. Papst Franziskus hob Pells Entscheidung auf und erlaubte die Transaktion, weil Calcagno ihm gesagt hatte, dass sonst die bereits geleistete Anzahlung in Höhe von 3,5 Millionen Pfund verloren sei.

2017 wurde eine externe Prüfung der vatikanischen Finanzen durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Price Waterhouse Coopers (PwC) vom Staatssekretariat abrupt beendet, nur wenige Monate nachdem sie begonnen hatte. Kardinal Angelo Becciu, damals als „sostituto“ der zweite Mann im Staatssekretariat, erklärte dem National Catholic Register, das Ende der Prüfung sei im Einverständnis mit PwC erfolgt, weil sie schlecht vorbereitet und geplant gewesen sei. Die Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfers seien plötzlich aufgetaucht und hätten alles sehen wollen. Das sei nicht möglich gewesen und hätte außerdem sehr hohe Kosten verursacht, die das Wirtschaftssekretariat vereinbart habe, ohne mit jemand Rücksprache zu halten.

PwC habe ebenfalls erkannt, dass die Prüfung so nicht durchzuführen sei und habe einer Beendigung des Mandats zugestimmt, ohne finanzielle Kompensation zu verlangen, sagte Becciu. Pentin hält dem entgegen, dass laut seinen Quellen PwC andere Aufgaben vom Vatikan erhalten habe, um den Verlust auszugleichen.

Erzbischof Nunzio Galantino, der gegenwärtige Präsident der APSA, und Erzbischof Edgar Peña Parra, der neue „sostituto“ des Staatssekretariats, würden nun zwar einige Fortschritte im Kampf gegen Misswirtschaft und mögliche Korruption machen. Was sich viele mit der Materie vertraute Personen wünschen würden, sei ein radikaler Austausch des Personals, schreibt Pentin unter Berufung auf seine Quellen.

Eine Änderung der Strukturen könne die Steuerung und Überwachung finanzieller Vorgänge verbessern, sie sei aber wirkungslos, wenn die selben korrupten Personen der so genannten „alten Garde“ in den verantwortlichen Positionen blieben, zitiert Pentin abschließend eine seiner Quellen.


Link zum Artikel von Edward Pentin (englisch):

Questions Persist About Vatican Finances, Real Estate


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