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Vatikan lässt Anklage gegen Wirtschaftsprüfer fallen

28. Juli 2018 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
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Libero Milone hatte stets seine Unschuld beteuert. Hat er seine Kompetenz überschritten oder ist er finanziellen Unregelmäßigkeiten der ‚alten Garde’ des Vatikan auf die Spur gekommen?


Vatikan (kath.net/jg)
Der Vatikan hat alle Anklagen gegen Libero Milone, den von Papst Franziskus 2015 eingesetzten Generalrevisor, fallen gelassen. Dies gab Milone in einem Interview für das italienische Fernsehen Ende Juni bekannt, berichtet Vatikanexperte Edward Pentin für den National Catholic Register.

Die Berufung des früheren Partners von Deloitte, einer internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma, zum Generalrevisor war Teil der von Papst Franziskus begonnenen Finanzreform des Vatikan. 2017 trat Milone nach einer Durchsuchung seines Büros durch die Vatikanische Gendarmerie von seiner Position zurück. Die Stelle des Generalrevisors wurde danach nicht wieder besetzt.

Milone hatte nach seinem Rücktritt stets seine Unschuld beteuert. Eine kleine Gruppe einflussreicher Personen habe seine Reputation zerstören wollen, sagte er gegenüber Reportern. Der Chef der Vatikanischen Gendarmerie habe ihm Arrest angedroht, falls er sich weigere, ein Rücktrittsschreiben zu unterzeichnen, das bereits Wochen vorher vorbereitet worden sei, sagte Milone.


Papst Franziskus habe die Finanzreform mit den besten Absichten begonnen, sei aber von der „alten Garde“ blockiert worden. Diese habe sich bedroht gefühlt, als sie erkannt hätten, was er mit eigenen Augen gesehen hätte, sagte er.

Zum tatsächlichen Hergang der Ereignisse gibt es zwei Versionen. Version 1 war im September 2017 vom damaligen Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, Substitut des Vatikanischen Staatssekretariats, vertreten worden. Becciu hatte Milones Rechtfertigung als „falsch und ungerechtfertigt“ bezeichnet. Der Wirtschaftsfachmann habe „alle Regeln gebrochen und das Privatleben seiner Vorgesetzten und Mitarbeiter ausspioniert“, sagte Becciu. „Wäre er nicht von sich aus zurückgetreten, hätten wir ihn angeklagt“, fügte er hinzu.

Diese Version wird laut Pentin von einem hochrangigen Mitarbeiter der Vatikanischen Gendarmerie bestätigt. „Er hatte keine Erlaubnis für die Untersuchungen, die er durchgeführt hat und, was noch wichtiger ist, er hatte nicht die Kompetenz dazu.“

Für die zweite Version zitiert Edward Pentin eine weitere Quelle „mit Detailkenntnisse über den Fall“. Ihr zufolge sei Milone auf Fälle von Veruntreuung von Geldmitteln gestoßen und musste entfernt werden.

Vom Beginn seiner Tätigkeit an sei der Generalrevisor marginalisiert und seine Arbeit behindert worden, berichtete die Quelle. Wenige Monate nachdem er seine Tätigkeit aufgenommen hatte, erstattete Milone Anzeige wegen unberechtigten Zugriffs auf seinen Computer. kath.net hat hier berichtet: Hackerangriff auf Computer von Vatikan-Wirtschaftsprüfer

Die „alte Garde“ hätte Milone gewähren lassen, wenn er nicht so professionell vorgegangen wäre. Doch gemeinsam mit George Kardinal Pell, dem Präfekten des Vatikanischen Wirtschaftssekretariats, sei er „zunehmend effektiv“ geworden und sei nahe daran gewesen „gefährliche Dinge aufzudecken“, zitiert Pentin seine Quelle.


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