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KNA - Küngs Nachrichten-Agentur?

27. März 2015 in Kommentar, 15 Lesermeinungen
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Kardinal Paul Josef Cordes hat die deutsche Teilkirche und Kardinal Marx kritisiert. Der KNA ist das keine Meldung wert. Sie berichtet lieber über den umstrittenen Theologen Hans Küng. Ein kath.net-Kommentar von Johannes Graf


Bonn (kath.net/jg)
Der deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes hat dem Münchner Merkur vor kurzem ein aufsehenerregendes Interview gegeben. Kath.net hat berichtet. Cordes hat darin Kritik an der Kirche in Deutschland im Allgemeinen und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, im Besonderen geübt.

Das Interview wurde nur von wenigen Medien übernommen. Dazu zunächst ein grundsätzlicher Gedanke. Jede Redaktion muss auswählen, auch wenn sie noch so groß ist. Das hat schon der amerikanische Journalist Walter Lippmann festgestellt: „Bis sie ihre Leser erreicht ist jede Zeitung das Ergebnis einer ganzen Reihe von Auswahlprozessen bezüglich der Entscheidung welche Inhalte berichtet werden, an welcher Stelle sie positioniert werden, wie viel Raum ihnen gegeben wird, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen.“ (W. Lippmann, „Public Opinion“, 1922, dt. „Die öffentliche Meinung“). Diese Erkenntnis gilt bis heute, weil es nicht anders möglich ist. Kein Medium kann über alles berichten, was vorfällt.


Für Journalisten bedeutet diese Situation große Verantwortung. Für Medienkonsumenten bedeutet das, sich der Grenzen des eigenen Wissensstandes bewusst zu sein.

Trotz dieser Bedingungen ist es schwer nachvollziehbar, warum die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) nicht über das Interview mit Kardinal Cordes berichtet hat. Cordes ist schließlich nicht irgendwer sondern einer der ganz wenigen deutschen Kurienkardinäle. Mit dem Interview im Münchner Merkur hat er sich in einer aktuellen Debatte zu Wort gemeldet. Das sollte eigentlich dafür reichen, um auf dem Radarschirm der KNA aufzutauchen, auch wenn er sich nicht im Sinne des Mehrheitseigentümers VDD (Verband der Diözesen Deutschlands) geäußert haben sollte.

In ihrem eigenen Selbstverständnis sieht sich die KNA als „katholische Fachagentur“, die über das berichtet „was in der Kirche und anderen Konfessionen geschieht, gedacht oder getan wird“. Bei einem Mitarbeiterstamm von etwa 70 festen und 350 freien Mitarbeitern ist auch kaum anzunehmen, dass das Interview den Redakteuren entgangen sein könnte.

Andererseits hat die KNA am kurz davor mehrmals über den Theologen und Buchautor Hans Küng berichtet. Eine Meldung bezog sich auf die Präsentation des ersten Bandes der „Gesammelten Werke“. Diese Nachricht ist durchaus gerechtfertigt, handelt es sich bei Hans Küng doch um einen viel gelesenen und viel diskutierten Autor. Was aber hat die KNA dazu veranlasst, Küngs Überlegungen zu den letzten Jahren von Papst Johannes Paul II. mit einer eigenen Meldung zu würdigen? Der 2005 verstorbene Heilige hätte wie sein Nachfolger Benedikt XVI. zurücktreten und nicht „sein Sterben vor der Kamera produzieren“ sollen, kritisiert der Theologe. Die letzten Jahre des Pontifikates seien von Stanislaw Dziwisz bestimmt gewesen, der sich laut Küng „vor allem mit Reliquienhandel beschäftigt“ habe. Das ist reine Polemik und ein Spiel mit antirömischen Affekten, zumal Küng seine Vorwürfe nicht belegt.

Über sein eigenes Lebensende wolle Küng selbst bestimmen. Wichtig sei, den richtigen Zeitpunkt dafür nicht zu verpassen, heißt es in der KNA-Meldung weiter. Bereits 2013 hatte Küng mit dem Bekenntnis aufhorchen lassen, Sterbehilfe für sich selbst nicht ausschließen zu wollen. Kath.net hat berichtet. Diese Haltung steht im Gegensatz zur Linie der katholischen Kirche. Einen Hinweis darauf sucht man in der KNA-Meldung ebenso vergeblich wie einen Verweis auf den Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis vor mehr als 30 Jahren.

Noch etwas fällt auf. Bei privaten Nachrichtendiensten und Blogs wird – auch von Seiten kirchlicher Medien und Würdenträger – schnell der Vorwurf der Einseitigkeit und Polarisierung erhoben, insbesondere wenn es sich dabei um kirchentreue Medien handelt. Das ist nicht immer unberechtigt, soll uns hier aber nicht weiter beschäftigen. Einseitige Berichterstattung bei kircheneigenen Medien wie Bistumszeitungen oder eben der KNA wird offensichtlich weit weniger kritisch beurteilt.

Johannes Graf ist Chef-Kommentator von kath.net


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