Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Emeritierter Kurienkardinal Sarah: „Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“
  2. Ein Signal des Himmels?
  3. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  4. „Sehr geehrter Herr Erzbischof Koch, mit großer Verwunderung haben wir Ihr Statement zum CSD…“
  5. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  6. Die Liturgie: das Gebet der Kirche und Atem des Geistes
  7. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  8. Erschütterndes Beispiel für die Kultur des Todes: Seniorin wurde gegen ihren Willen euthanasiert
  9. Fulda: Werbung für Christopher Street Day mit dem heiligen Bonifatius
  10. BILD-Kommentatorin Ruhs fordert „Festung Europa“: „Es geht nicht mehr anders“
  11. Kardinal Burke ruft zu Einsatz für Ehe und Familie auf – bis zum Martyrium
  12. 'Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt; ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen'
  13. IRRE! - Moskauer Patriarch Kyrill legitimiert nun auch Atombombe
  14. Frust beim Klima-Kleber-Jesuiten
  15. „Größer als [australischer] Football: Die unstoppbare Wiederbelebung des Glaubens“

Der ambivalente Jesuit

10. Oktober 2014 in Kommentar, 44 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Klaus Mertes SJ verfügt über die Gabe, das rechte Wort zur rechten Zeit zu finden. Leider verlässt ihn diese Fähigkeit mitunter. Ein Kommentar von Johannes Graf


St. Blasien (kath.net/jg)
Der Jesuit Klaus Mertes, derzeit Direktor des Jesuitenkollegs St. Blasien, hat sich 2010 große Verdienste erworben, als er mit der Nachricht an die Öffentlichkeit ging, dass es am Canisius-Kolleg in Berlin, dem er damals vorstand, Fälle sexuellen Missbrauchs an ehemaligen Schülern gegeben habe. Mertes bat die Opfer öffentlich um Entschuldigung und brachte mit seiner Erklärung eine Debatte ins Rollen, die endlich Licht in eine dunkles Kapitel warf. In vielen Ländern wagten sich daraufhin Opfer sexuellen Missbrauchs an die Öffentlichkeit um erstmals über das ihnen zugefügte Unrecht und die vor allem psychischen Folgen zu sprechen, die viele von ihnen ein Leben lang begleiten.

Mertes’ Verhalten in dieser Situation war allerdings ambivalent. Im Kontext der Missbrauchsdebatte gab der Jesuit auch einige kritische Stellungnahmen zur Sexualmoral der Kirche ab. Er warf ihr vor, an „Homophobie“ zu leiden und Homosexualität zu verschweigen.

Ähnlich ist der Eindruck, der bei der Lektüre der aktuellen Ausgabe des Ordensmagazins Jesuiten (September 2014) entsteht, für die Mertes als Chefredakteur verantwortlich zeichnet. Für den Artikel „Radikales Lagerdenken“ hat er selbst zur Feder gegriffen um sich mit Internetmedien der katholischen Szene auseinander zu setzen, die er im Dunstkreis des rechtsextremistischen Lagers verortet.

Mit einer geharnischten Kritik an der 2012 vom Netz genommenen Plattform kreuz.net steigt Mertes in das Thema ein. Was er zu den meist in herablassendem Ton gehaltenen Artikeln sagt, in denen anonym gegen die „Konzilskirche“, Modernisten und andere missliebige Entwicklungen und Personen gewettert wurde, ist absolut richtig. „Eigentlich passt braun und katholisch nicht zusammen“, schreibt er wörtlich, auf rechtsextreme Tendenzen bei kreuz.net anspielend. Dem kann man nur zustimmen.


Allerdings fragt man sich, warum Mertes so viel verbales Pulver gegen ein Medium verschießt, das seit mehr als eineinhalb Jahren nicht mehr zugänglich ist und nach dem heute zu Recht kein Hahn mehr kräht. Die eigentliche Zielrichtung wird deutlich, wenn man seinen Artikel weiter liest. „Es muss nicht immer so offensichtlich rechtsextremistisch zugehen, wie bei kreuz.net“, fährt der Jesuit fort. Offenbar geht es jetzt gegen Medien, die in die gleiche Richtung arbeiten, ihre Absichten aber geschickter verbergen. Zunächst folgt ein kurzer Hinweis auf katholische „Brückenmedien in die rechte Szene“, die „hetzenden Leserkommentaren“ breiten Raum geben, während sie andere Ansichten nicht zu Wort kommen lassen würden.

Dann nimmt Mertes kath.net aufs Korn, das er als „Brückenmedium zu einem Brückenmedium“ bezeichnet. Seine Belege für den Vorwurf sind allerdings schwach. Auf kath.net werde immer wieder für die „Junge Freiheit“ geworben, die „mit bürgerlich-intellektuellem Anstrich“ eine „Brücke aus dem bürgerlichen Milieu in die rechtspopulistische Parteienszene bildet“, lautet sein Vorwurf. Tatsache ist, dass die Junge Freiheit immer wieder bezahlte Werbeeinschaltungen auf kath.net hat. Tatsache ist aber auch, dass im redaktionellen Teil keineswegs für die Wochenzeitung geworben wird. Einige katholische Autoren publizieren sowohl auf kath.net als auch in der Jungen Freiheit. In beiden Medien vertreten sie denselben katholischen Standpunkt.

Der zweite Vorwurf ist ebenso wenig fundiert. Kath.net habe dem Gründer der Internetseite „Politically Incorrect“, Stefan Herre, „Platz“ gegeben. Dieser sei „jahrelang mit einem sympathischen Interview auf kath.net präsent“ gewesen, schreibt Mertes. Tatsache ist, dass Herre kath.net ein Interview gegeben hat, das wie alle Artikel einige Jahre lang über die Suchfunktion abrufbar war. Mertes’ Formulierung erweckt den falschen Eindruck, der Beitrag sei lange Zeit auf der Startseite von kath.net zu finden gewesen.

Ist kath.net mittlerweile nach der Logik Mertes’ ein Brückenmedium zum Linksradikalismus geworden, weil meine Kollegin Petra Lorleberg Gregor Gysi interviewt hat? Dieser Beitrag ist übrigens – im Gegensatz zum Gespräch mit Herre – noch immer auf kath.net abrufbar. Wenn ein einzelnes noch dazu nicht mehr verfügbares Interview als Beleg für eine bestimmte Geisteshaltung herhalten muss, dann entkräftet sich das Argument von selbst.

Im letzten Drittel des Artikel holt Mertes zum Rundumschlag aus. Er greift „solche ‚katholischen’ Medien“ kollektiv an, denen er eine „plumpe Freund-Feind-Unterscheidung“ und „Lagerdenken“ vorwirft. kreuz.net, die ungenannt bleibenden „Brückenmedien“ und kath.net werden hier völlig undifferenziert in einen Topf geworfen. Die gemeinsamen Feinde seien „Political Correctness“ und die „Gender Ideologie“. Vor letzterer haben unter anderem die Bischöfe Polens, der Slowakei, der Prager Erzbischof Kardinal Duka und Wiens Erzbischof Kardinal Schönborn gewarnt. Papst Franziskus hat sie gegenüber Weihbischof Laun als „dämonisch“ bezeichnet. Da ist kath.net in guter Gesellschaft.

Mertes’ Tirade geht weiter: Die „plumpe Freund-Feind-Unterscheidung“ werde „radikal durchgezogen“, es gehe um die Durchsetzung der „Lagerlogik“. Diskurs sei Machtkampf, der Dialog in der Kirche werde verachtet, Kritik als Verfolgung erlebt, Zurückweisung von Beleidigung als Bestreitung der Meinungsfreiheit. Papsttreu seien die angesprochenen Medien nur so lange man „in päpstlichen Äußerungen dieselbe Lagerlogik zu erkennen meint wie die eigene“. Alle außerhalb des eigenen Lagers würden mit der „Lagerbrille“ gesehen, welche die „Anderen“ stets als dem Feindbild entsprechend erscheinen lasse. Konkrete Belege für diese doch handfesten Vorwürfe bleibt Mertes schuldig. Leider drängt sich ein anderer Verdacht auf. Verfällt Mertes nicht genau dem Lagerdenken, das er kritisiert? Was tut er, wenn er kath.net in einem Atemzug mit Medien wie kreuz.net nennt? Wird Diskurs, wie er ihn in diesem Artikel führt, nicht auch zu Machtkampf gegen Andere? Wie steht es mit seiner Bereitschaft zum Dialog?

Mertes formuliert nebulos genug, um kath.net nicht direkt Rechtsextremismus zu unterstellen. Aber als „Brückenmedium für ein Brückenmedium“ ins rechtspopulistische Lager ist es – ja was nun? Das überlässt er dem Leser, den er zur gewünschten Schlussfolgerung hinführt, ohne sich selbst zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Medien müssten im Dienst der Wahrheit, des Guten und des Schönen stehen, hat Papst Franziskus, der wie Mertes aus dem Jesuitenorden kommt, zu Beginn des Jahres verlangt. In Predigten und Ansprachen der letzten Monate hat er Desinformation, Verleumdung und Rufmord wiederholt verurteilt. Gegenüber Medienvertretern hat er sie als „die drei größten Sünden“ des Journalismus bezeichnet. Die Berichterstattung katholischer Medien müsse von einer Haltung getragen werden, die im anderen den Nächsten sehe, verlangt der Papst. Daran müssen wir uns alle orientieren.

Johannes Graf ist Chefkommentator der kath.net-Redaktion


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Medien

  1. YouTube-Star "MrWissen2go" räumt Fehler bei Corona-Berichterstattung ein
  2. CSU-Generalsekretär Huber kritisiert den "Bayrischen Rundfunk" wegen Bericht über muslimische Mode
  3. Belgischer öffentlich-rechtlicher Sender lässt Moderatoren Marien- und Jesus-Statuen zertrümmern!
  4. Nach einseitig negativer Darstellung des Christentums – Programmbeschwerde an ZDF
  5. Welt: „Vorwurf der sexuellen Belästigung – ORF-Chef tritt mit sofortiger Wirkung zurück“
  6. Früherer Bundestagsvizepräsident Kubicki: „Der ZDF-Skandal muss politische Konsequenzen haben“
  7. Wenn das 'Drehbuch' schon vorher feststeht
  8. Gebetshaus Augsburg reagiert mit Stellungnahme auf ARD-Doku „Die hippen Missionare“
  9. Kardinal Müller: „Von Anfang an ist Radio Maryja zu einer Stimme in dieser modernen Wüste geworden“
  10. „Ich wünsche mir gebildete Laien!“ – Newman hätte Martin Lohmann als Beispiel genommen






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Edith Stein – Ave, Crux, spes unica
  3. Ein Signal des Himmels?
  4. „Sehr geehrter Herr Erzbischof Koch, mit großer Verwunderung haben wir Ihr Statement zum CSD…“
  5. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  6. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  7. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  8. Emeritierter Kurienkardinal Sarah: „Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“
  9. Fulda: Werbung für Christopher Street Day mit dem heiligen Bonifatius
  10. Heute, nicht morgen! Der heilige Expeditus – Patron gegen das Aufschieben
  11. „Größer als [australischer] Football: Die unstoppbare Wiederbelebung des Glaubens“
  12. Erschütterndes Beispiel für die Kultur des Todes: Seniorin wurde gegen ihren Willen euthanasiert
  13. Joan Leslie: Das Hollywood-Glaubenszeugnis einer echten Heldin
  14. 'Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt; ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen'
  15. IRRE! - Moskauer Patriarch Kyrill legitimiert nun auch Atombombe

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz