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Pater Karl Wallner: 'Das Rätsel des Leidens'

26. Februar 2011 in Buchtipp, 2 Lesermeinungen
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Gott verwandelt 'Leiden und Tod in eine Form der Gemeinschaft mit ihm, dem ewig Liebenden' – Heute die abschließende exklusive Leseprobe aus dem neuen Buch "Wie ist Gott" von P. Karl Wallner


Heiligenkreuz (kath.net) Das jüngste Buch des bekannten Heiligenkreuzer Zisterzienserpaters Karl Wallner wird viel gelesen, denn es beantwortet grundsätzliche Fragen unserer Generation. Hochkompetent, doch gut verständlich, führt der Professor für Dogmatik und Sakramententheologie mitten in das Herz des Christentums hinein.

Aus dem Buch „Wie ist Gott“ von Pater Karl Wallner OCist heute die letzte Leseprobe „Das Rätsel des Leidensexklusiv bei kath.net:


Unser Leben ist ein großes Rätsel. Denn es ist zwar über weite Strecken hin schön; ja, es ist wunderbar zu leben. Doch es gibt kein Leben ohne Leiden und auf uns alle wartet einmal das Sterben und der Tod. Der Tod ist unausweichlich.

Die größte Menschheitsfrage lautet doch: Warum lässt Gott das Leiden zu? Bei dieser Frage sind die Religionen zutiefst herausgefordert, denn alle Religionen glauben an einen guten Schöpfergott. Warum erkranken kleine Kinder an Krebs? Warum geschehen solche Katastrophen wie das Erdbeben auf Haiti, der Tsunami im Indischen Ozean …? Welchen Sinn haben dann Leiden, Sterben und Tod?

Die Antworten fallen unterschiedlich aus: Der berühmteste Fragende ist wohl Siddharta Gautama. Dieser indische Prinz lebte 560 bis 480 vor Christus und wuchs in einem abgeschirmten luxuriösen Leben auf; man versuchte, alles Böse und Negative von ihm fernzuhalten. Umso mehr traf es den behüteten jungen Mann, als er bei Ausfahrten aus dem Palast mit der Wirklichkeit von Leiden und Tod konfrontiert wurde: Er begegnete einem Greis, einem Kranken und einer Leiche. Traumatisch wurde ihm bewusst, dass der Mensch dem Alter, der Krankheit und schließlich dem Tod preisgegeben ist. Siddharta verließ den Palast und begann seine Suche, er wurde Asket, dann begann er zu meditieren … Schließlich hatte er mit fünfunddreißig Jahren die Erleuchtung, sodass er zum „Erleuchteten“ (Buddha) wurde. Entsprechend lautete seine Erkenntnis, kurz formuliert: Alles ist eins, Leben und Sterben, Leiden und Freude; es geht darum, durch Meditation sein eigenes Einssein mit dem Ganzen zu erkennen. Deshalb ist geistige Meditation der Heilsweg, den der Buddhismus – und mit ihm auch die anderen östlichen Religionen – zur Überwindung von Leiden und Tod anbieten.


Während die östliche Religiosität Leiden und Tod als Schein zu durchschauen suchen, ist die Haltung des Islam doch ganz anders; sie erinnert ein wenig an die christliche. Der Islam ist stark auf das Jenseits nach dem Tod orientiert: Das irdische Leben in der Welt ist nur eine Durchgangsstufe hin zu der Welt, die man erst nach dem Tod wahrnehmen kann. Der Tod ist eine Art wunderbare Heimkehr; er wird im Islam nicht durch Meditation weggeschoben oder verdrängt, sondern im Gegenteil: Der Gedanke an den Tod soll den Gläubigen immer begleiteten. Fünfmal am Tag betet der Muslim: „Flüchtig ist die Zeit! Wahrlich, der Mensch ist verloren, außer jenen, die glauben und Gutes tun und sich gegenseitig zur Wahrheit anspornen und einander zum Ausharren mahnen!“

Aber einen eigentlich theologischen Sinn im Leiden und Sterben kennt der Islam nicht; der Gläubige ist einfach nur herausgefordert, alles nach dem Willen Allahs anzunehmen und so ins Paradies zu gelangen.
Hier leuchtet gerade das Christentum mit seiner Botschaft vom Kreuz, vom leidenden und auferstandenen Gottessohn am hellsten auf. Halten wir fest, dass das Christentum die einzige Religion ist, die an einen Gott glaubt, der Mensch geworden ist.

Während die anderen Religionen Gott „draußen“ suchen, sich hinausmeditieren oder sich auf das Jenseits danach vorbereiten, glauben wir, dass unser Gott in unsere Endlichkeit „herein“-gekommen ist. Gott ist aber nicht nur irgendwie Mensch geworden, sondern er hat von der Krippe ab Armut, Not und Leiden mit uns geteilt. Zum zentralen Symbol des christlichen Glaubens ist daher das Kreuz geworden, also jenes abscheuliche Folterinstrument, mit dem die Römer ihre aufsässigen Feinde möglichst langsam und qualvoll hingerichtet haben. Es ist kein Zufall, dass Jesus diesen Tod gestorben ist. Paulus schreibt: „Er war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8).

Jesus ist eben nicht „friedlich“ im Bett gestorben; sondern er hat die unsägliche Qual des menschlichen Leidens und Sterbens am Kreuz auf sich genommen. Dabei erlitt er nicht nur körperliches Leiden. Heute hat unsere Medizin ja im Normalfall das körperliche Leiden durch Schmerztherapien gut im Griff. Jesus wollte auch das seelische Leiden, das Leiden der Trennung, des Verlustes, des Abschieds, bis zur Neige auskosten. Er, der Sohn Gottes, den er als seinen geliebten Vater kennt, ruft am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34; Mt 27,46).
Keine Religion gibt eine glatte Antwort auf die Frage nach Leiden, Sterben und Tod.

Auch das Christentum verfügt über keine mathematische Formel oder logische Erklärung. Gott will nicht, dass wir leiden; er hat den Tod nicht gewollt. Gott ist die Liebe. Daher verwandelt er Leiden und Tod in eine Form der Gemeinschaft mit ihm, dem ewig Liebenden. Wir Christen schauen im Leiden und Sterben einfach auf den Gekreuzigten, auf Jesus, wie er geschunden, blutend und elend am Kreuz hängt. Jesus ist das menschgewordene „Mit-Leid“ Gottes mit uns......


Karl Josef Wallner
Wie ist Gott?
Die Antwort des christlichen Glaubens
Gebunden, 255 Seiten
€ 18,50
Verlag Media Maria
ISBN 978-3-9813003-4-5

Als Hörbuch lieferbar ab 15.2.2011, 4 CDs
Gelesen von Pater Karl Wallner
€ 20,95


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Lesermeinungen

  28. Februar 2011 
 

Warum lässt Gott das Leiden zu?

Gäbe es kein Leid, wir wähnten uns alle gemeinsam schon im Paradies.

Das Leid erinnert uns daran, daß wir uns eben nicht darin befinden, sondern in einer gefallenen und tief verwundeten Welt leben.Einer Welt, die uns den Schmerz nicht erspart, weil das Paradies wo anders liegt.Aus der Sünde der Menschen kommen das Leid und kommt der Tod, er ist ein aus dem Paradies Vertriebener.So steht es in der Schrift.
Aber Jesus hat uns fest versprochen, daß es das Paradies, das wir verloren haben, wirklich immer noch gibt :
Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein !
Darauf dürfen wir alle hoffen.


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 Descartes 27. Februar 2011 
 

Ganz einfach.

\"Auch das Christentum verfügt über keine mathematische Formel oder logische Erklärung. Gott will nicht, dass wir leiden;\"
Was hindert ihn also daran, uns nicht leiden zu lassen? Es ist Augenwischerei, so zu tun, als gäbe es eine wie auch immer geartete Erklärung dafür ausser jener einfachen und klaren Antwort, dass \"da draussen\" gar niemand ist.


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