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'Hätt’ Maria abgetrieben ...'

22. Mai 2009 in Deutschland, keine Lesermeinung
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"Wir sind hier, um Eure religiösen Gefühle zu verletzen" - Ein Bericht von der linksradikalen Demo gegen den Psychotherapiekongress in Marburg - Von Karsten Huhn


Marburg (kath.net/idea)
„Meine Damen und Herren, liebe Homos“, sagt die Sprecherin des Bündnisses „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiöse Fundamentalisten“ zur Begrüßung. Etwa 1.000 Demonstranten haben sich zu Christi Himmelfahrt um elf Uhr vor dem Marburger Bahnhof eingefunden, bewacht werden sie von etwa 200 Polizisten. Der Marsch geht durch die Innenstadt, vorbei an der gotischen Elisabethkirche zur Stadthalle, in der der Kongress für Psychotherapie und Seelsorge stattfindet. Gegen diesen richtet sich der Zorn der Demonstranten. Reaktionär und pseudowissenschaftlich sei der Kongress und müsse deshalb verhindert werden, ruft die Sprecherin.

Im Vorfeld des Kongresses hatte man zunächst an zwei, dann an drei Referenten Kritik geübt, weil diese eine Therapie für homosexuell empfindende Menschen für möglich halten. Nun wird die Kritik weiter ausgeweitet: „Mindestens zehn weitere Referenten sind negativ aufgefallen“, sagt die Sprecherin. So sei das angebotene Seminar „Abtreibung als Trauma“ frauenverachtend. Christliche Therapeuten würden ihren Klienten Schuldgefühle einreden; zudem stehe das Ergebnis ihrer Beratung von vornherein fest.

Als nächstes kommt die Sprecherin des Marburger Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) zu Wort. Der Kongress verdränge Wissenschaftsfreiheit durch Narrenfreiheit, sagt sie. Die Evangelikalen seien auf dem langen Marsch durch die Institutionen.


Das Theologische Seminar Tabor in Marburg sei vom Wissenschaftsrat ebenso akkreditiert worden wie die Freie Theologische Hochschule in Gießen. Kritik übt sie auch an früheren Tagungen des Christustreffs Marburg und der Studentenmission in Deutschland (SMD) an der Marburger Uni: „Was zur Hölle haben diese Leute im größten Saal der Uni zu suchen?“ Der Schlusssatz der Studentensprecherin: „Für das Recht auf freie sexuelle Bestimmung – nach dem Tode Gottes“.

„Freiheit allen Perversen“

Die Demonstranten sind überwiegend zwischen 20 und 30 Jahren alt, manche haben ihre Kinder dabei. Eine Regenbogenfahne – das Symbol der Schwulenbewegung – wird geschwenkt, es wird getrommelt und Luftballons werden aufgeblasen, auf denen steht: „Wenn ich groß bin, werd ich schwul“. Auf Plakaten und Transparenten steht: „Glaubst Du noch oder denkst du schon?“, „Vögel Deinen Nächsten wie Dich selbst“ und „Wir sind hier, um Eure religiösen Gefühle zu verletzen“. Daneben ist ein Schwein abgebildet, das am Kreuz hängt.

Die Partei „Die Linke“ verteilt Handzettel mit der Forderung „Schulen müssen queerer werden“. Begründung: „Die monogame Heten-Ehe wird als Normalfall dargestellt. In der Realität stellen monogame heterosexuelle Beziehungen aber eine Ausnahme dar. Vielfalt und Variantenreichtum ist die Regel. Wir fordern daher, diese Vielfalt zu lehren.“

Jemand schwenkt eine Sex-Gummipuppe, eine Gruppe reimt: „Hölle, Hölle, schert uns nicht, weg mit der Geschlechterpflicht“. Zum Amüsement der marschierenden Menge stolpert ein Teilnehmer in Zwangsjacke durch die Reihen und ruft „Heilt mich, ich bin schwul“. Er verteilt dabei Handzettel der „Jusos Giessen“ gegen „Homophobie und Intoleranz der Evangelikalen“.

Ein Sprecher verliest die Religionskritik von Karl Marx und endet mit der Forderung: „Politischer Islam, evangelikaler Fundamentalismus und esoterische Schwätzer müssen in Theorie und Praxis bekämpft werden.“ Ein weiterer Redner endet mit den Worten: „Gegen christliche Spinner“ – „Freiheit allen Perversen“.

Die Demonstranten feiern ihren Erfolg

Nach zwei Stunden erreicht der Demonstrationszug die Stadthalle. Sie ist von Polizisten umstellt und mit Reiterstaffel und Wachhunden gesichert. Die Demo-Sprecherin gibt bekannt, dass die Kongressveranstalter die Seminare von den Universitätshörsälen in eine Schule verlagert haben.

Die Demonstranten feiern dies mit Jubel und Trillerpfeifen als ihren Erfolg. Die Kongressteilnehmer bekommen davon nicht viel mit. Sie haben die Stadthalle durch einen Seitenausgang verlassen, um in der Unimensa Mittag zu essen und danach die Seminare zu besuchen.
„Lasst uns das Gespräch mit den Evangelikalen suchen“, sagt die Demo-Sprecherin zum Schluss. Wie sich kurz danach zeigen wird, ist das ein doppeldeutiger Satz.

Eigentlich ist die Demo nun zu Ende. Etwa 100 Teilnehmer machen aber noch weiter. Sie gehen in eine Seitenstraße neben der Stadthalle. Die Polizei spricht Platzverweise aus und fordert dazu auf, die Straße zu verlassen. Die Demonstranten bleiben. Sie hüpfen, trommeln, tanzen und skandieren: „Eure Kinder werden so wie wir“, „Christen fisten“ und „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben.“

Die Polizei wartet geduldig, bis die Demonstranten müde geworden sind. Gegen 16 Uhr löst sich die Versammlung langsam auf.


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