Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  2. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  3. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  6. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  7. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  8. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  9. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  10. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  11. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen
  12. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  13. Eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts!
  14. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  15. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"

Christen, seid selbstbewusster!

1. April 2006 in Aktuelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Vor allem in Europa ist der Glaube in der Krise. Mehr Mut zur Verkündigung, wünscht sich P. Karl Wallner OCist.


Wien (www.kath.net)
Warum ist Europa ein Thema für uns Christen? Weil es das Kernland des Christentums ist. Weil das Christentum in Europa sich mit Philosophie und Kunst zu einer Kultur verbunden hat, ohne die die Welt heute nicht wäre.

Für uns Christen ist Europa gerade deshalb ein Thema, weil gerade hier der christliche Glaube am meisten in der Krise ist! Papst Johannes Paul hat uns 2003 ein Lehrschreiben geschenkt über die „Kirche in Europa“ („Ecclesia in Europa“), wo er sehr klar den Segen benennt, der von Europa ausgegangen ist. Dort werden aber auch die geistigen Krankheiten genannt, unter denen der alte Kontinent derzeit leidet und zugleich Medikamente dagegen benannt. Zwei solche Medikamente möchte ich hier herausgreifen: das neue Selbstbewußtsein und den größeren Mut.

Ein neues öffentliches Selbstbewußtsein

Europa wäre ohne das Evangelium nie zu dem Ausgangspunkt der Menschlichkeit und des Humanismus geworden, als das es heute gelten kann. Daß durch geschichtliche Instrumentalisierungen des Christentums viel Böses geschehen ist, von den Kreuzzügen über den Hexenwahn bis hin zu den Religionskriegen ist nicht zu leugnen. Nichts von all dem ist durch das Evangelium Christi gedeckt, es handelt sich um Verirrungen, die wir klar bekennen und ablehnen.

Die Folge war aber, daß seit dem 18. Jahrhundert in stets neuen Wellen Haß gegen den christlichen Glauben ausgebrochen ist. Der Haß äußerte sich intellektuell - und praktisch. Auf die französischen Atheisten der Aufklärung folgte die Katholikenverfolgung der Französischen Revolution, der Kulturkampf gegen die Kirche in fast allen europäischen Ländern, schließlich der Wahnsinn der nationalsozialistischen Ideologie und der marxistisch-kommunistischen Diktaturen.

All diese Ideologien standen unter dem Wort Voltaires: „Ecrasez l'infame! - Rottet die infame Kirche aus!“ Hitler sagte „Wenn wir mit den Juden fertig geworden sind, räumen wir mit den Christen auf!“ Wenn es heute einen ganzen Markt von Bestseller-Romanen und Schund-Thrillern gibt, wo der Kirche alles nur erdenkliche Intrigantentum und jede nur mögliche Perversität vorgeworfen wird, so ist das noch eine geradezu milde Ausblüte dieses Christentum-Hasses.

Man transportiert in diesem untergründigen Kirchenkampf immer noch die Botschaft: Human könne man nur sein, wenn man die Religion bekämpft! Und übersieht dabei, daß gerade der antichristliche Humanismus in den Horror des Nazi-Holocaust und den Terror des Staatskommunismus geführt haben. Nie hat sich die Menschheit grausamer gebärdet als im 20. Jahrhundert!

Die Feinde des Christentums betreiben hier die Strategie: „Haltet den Dieb!“, um von den Katastrophen abzulenken, die sie in ihrer antireligiösen Haltung über die Menschheit gebracht haben und bringen werden.

Aber man hat mit diesem ständigen Bombardement auch unser christliches Selbstbewußtsein beschädigt: Wenn man dauernd behauptet, die Kirche sei an allem Schuld, dann gilt leider: „Irgendetwas bleibt immer hängen!“ Innerchristlich gibt es daher mangelndes Selbstbewußtsein. Ich habe oft bemerkt: Sobald jemand zum Glauben kommt, entwickelt er einen Minderwertigkeitskomplex, als müsse er sich entschuldigen, daß er jetzt an Gott glaubt, in die Kirche geht, die Feinde liebt und Christi Einladung zur hingebenden Liebe ernst nimmt!

Wir müssen klar sagen, daß das Christentum nicht nur nicht schuld ist an der Misere der Unmenschlichkeit, sondern im Gegenteil: Ohne das Christentum gäbe es keine wahre Humanität, keine Menschenrechte, keine Grundwerte in der Gesellschaft! Wo das Christentum schwach ist, da entsolidarisiert sich eine Gesellschaft sehr schnell.

Für uns gilt: Kämpfen wir gegen die infamen Verleumdungen des Christentums! Freilich mit geistlichen Waffen, den Waffen des milden Jesus. Klarheit muß aber sein. Es kann nicht sein, daß die Verspottung des Gottessohnes und Erlösers Jesu Christi durch Film, Buch und Karikatur als schicke Mode hingenommen wird, nur weil wir Christen nicht mit Fanatismus und Terror auf solche Blasphemien reagieren!

Nochmals: Seit der Aufklärung wird die Kirche verfolgt und angeschwärzt, seit mehr als 200 Jahren! Nehmen wir diese unterschwellige Antichristlichkeit ruhig wahr, atmen wir durch und hören wir auf, uns Scham und Minderwertigkeit über unseren Glauben einreden zu lassen. Hören wir auch auf, unseren Glauben in das Private zu verschieben.

Wir brauchen nicht sosehr politische Christen-Parteien, wohl aber hundertprozentig christliche Politiker, die im öffentlichen Leben aus der Kraft der Gnade und im Blick auf das Evangelium Politik machen.

Mut zur Verkündigung

Europa wird nur zusammenwachsen, wenn es seine Seele findet. Die Seele Europas war durch Jahrhunderte der Glaube an Christus. Auf hohem Niveau mit der Philosophie unserer Zeit verkündet Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika, was wir Christen unter Liebe verstehen.

Diese Verkündigung muß alle Bereiche betreffen: Johannes Paul II. mahnt uns Christen in Europa: Wir brauchen eine „erneute Verkündigung“ unter den lauen Getauften, denn „viele Getaufte leben so, als ob Christus nicht existierte: man wiederholt, insbesondere durch die kirchlichen Bräuche, die Gesten und Zeichen des Glaubens, aber es entspricht ihnen keine tatsächliche Annahme des Glaubensinhaltes und kein Festhalten an Jesus. An die Stelle der großen Gewißheiten des Glaubens ist bei vielen ein vages und wenig verbindliches religiöses Gefühl getreten!“

Ich frage: Merken wir nicht, daß die jungen Leute von dem öden Materialismus total angewidert sind? Daß ihnen das: „Tu alles, was Du willst!“ schon langweilig geworden ist? Warum wagen wir es nicht - wie der Papst uns das vorzeigt - sie mit den Herausforderungen des Evangeliums zu konfrontieren?

Aber die Mission unter den laugewordenen Christen ist zu wenig! Wir brauchen auch eine mutige Verkündigung an die Noch-Nicht-Christen! Durch die Anti-Kind-Mentalität im postchristlichen Europa sind wir ein genetisch aussterbender Kontinent. Überall wird daher die Zuwanderung, als Heilmittel angepriesen. Viele von diesen Zuwanderern sind nicht christlichen Glaubens, ein Großteil von ihnen Moslems.

Europa braucht daher nicht nur ein inneres Erstarken des christlichen Selbstbewußtseins, sondern wir Christen brauchen auch den Mut, zu einer echten Glaubensverkündigung „ad gentes“ (an die Heiden), an die noch nicht Getauften. Es wird leider übersehen, daß viele von den Einwanderern suchende Menschen sind.

Johannes Paul II. schreibt, daß es „breite soziale und kulturelle Schichten gibt, in denen eine regelrechte Mission ad gentes notwendig wird“.

Doch das bleiben alles Appelle, die im Nichts verhallen, wenn nicht jeder einzelne von uns in Zukunft seinen Glauben ernst nimmt! Jeder Christ kann etwas für Europa tun, für diese Wiege der Kultur, der Menschlichkeit, der Kunst, der Solidarität, der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der Lebenshoffnung und Zukunftsfreude: wenn er endlich aufhört, ein lauer Christ zu sein!

Wir müssen für Europa eine neue Offenheit für Christus erbitten, eine neue konstantinische Wende, die allerdings in unser aller Herzen beginnen muß. Johannes Paul II. schließt sein Schreiben über die Kirche in Europa daher mit der innigen Bitte an die Gottesmutter: „Maria, Mutter der Hoffnung, gehe mit uns! Lehre uns, den lebendigen Gott zu verkünden; und hilf uns, Jesus den einzigen Retter zu bezeugen.“

P. Karl Wallner OCist ist Zisterzienser in Heiligenkreuz bei Wien und Dekan der ordenseigenen Theologischen Hochschule

Quelle: © Vision 2000

Foto: © Christoph Hurnaus



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Mission

  1. „Die Vision des hl. Ansgar war größer als nationale oder regionale Horizonte“
  2. P. Wallner: Weltmission Schlüssel für Aufbruch der Kirche in Europa
  3. Holy Family Mission – ein missionarisches Projekt zur Erneuerung der Kirche in Irland
  4. Befreite Ordensfrau aus Mali: Mission muss weitergehen
  5. Christlicher Missionar aus Türkei ausgewiesen
  6. Papst: Jeder ist zur Mission aufgerufen
  7. Jüngster US-Abgeordneter spricht über Bekehrung von Moslems und Juden
  8. Vatikan betont Bedeutung der Mission in Zeiten der Pandemie
  9. Hier bin ich, sende mich!
  10. Papst: Künftige Diplomaten müssen ein Jahr auf Mission






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  5. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  6. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  7. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  8. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  9. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  10. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  11. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  12. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  13. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  14. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  15. "Ich glaube, dass Gott das erste Selfie geschossen hat.“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz