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Emeritierter Glaubenspräfekt Kardinal Müller: „Als Dogmatiker möchte ich nicht diplomatisch sein“

22. September 2025 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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„Die katholische Kirche muss die Wahrheit verkünden, aber auch Lügen widersprechen. Das heißt, wir müssen nicht nur Glauben positiv erklären, sondern auch Irrtümer aktiv widerlegen“ – Müller bewertet „LGBT-Jubiläumswallfahrt“ aus dogmatischer Sicht


Vatikan (kath.net) „Eminenz, wie reagieren Sie auf die jüngste ‚LGBT-Jubiläumswallfahrt‘ zur Chiesa del Gesù in Rom und zum Petersdom, die zu dem viralen Foto zweier homosexueller Männer führte, die sich dreist an den Händen hielten, einer davon mit einem Rucksack, auf dem ‚Scheiß auf die Regeln‘ stand?“ Das fragte Diane Montagna in ihrem „Substack“-Interview mit Gerhard Kardinal Müller, dem emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, auf ihrem Blog kath.net präsentiert das in zwei Teilen veröffentlichte Interview in mehreren thematischen Einzelblöcken.

Kardinal Müller antwortete auf diese Frage: Diese Personen hätten „den Tempel Gottes entweiht und ‚das Haus des Vaters zu einem Marktplatz gemacht‘ (Joh 2,17). Die LGBT-Bewegung verstößt absolut gegen den Willen Gottes, des Schöpfers, der die Ehe als heiliges Sakrament in Christus eingesetzt hat, und es ist ein absoluter Skandal, dass dies geschehen ist.“ 

Dann erinnerte der Kardinal daran, dass vor einigen Jahren auch Kardinal Reinhard Marx in München eine Messe für diese Gruppen zelebrierte „und machte das Heilige zu einer Propagandashow. Nun geschieht dasselbe in der Chiesa del Gesù in Rom: Ein italienischer Bischof spricht von der Möglichkeit, die offenbarte Lehre über Ehe und Familie entsprechend menschlichen, fleischlichen Begierden zu verändern.“

Montagna fragte, welche Bedeutung es habe, wenn „eine ganze Gruppe“ die Heilige Pforte durchschreite, „die den katholischen Glauben in Bezug auf die Sexualmoral“ offen ablehne. Müller stellte fest, dass diese Gruppe „den katholischen Glauben und die Gnade und das Symbol der Heiligen Pforte – Jesus Christus – für Propagandazwecke“ missbrauchen und dabei „im offenen Widerspruch zum Willen des Schöpfers“ leben würden. „Sie verunglimpften die Kirche Gottes durch obszöne Gesten und ihren Lebensstil. Wie der heilige Paulus sagte: „Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben zur Unreinheit, zur Entehrung ihres Leibes untereinander, weil sie die Wahrheit über Gott mit der Lüge vertauscht haben“ (Römer 1,24-25).
Der vormalige Präfekt der Glaubenskongregation erinnerte daran, dass diese Paulusworte keineswegs nur „zu Zeit der Entstehung des Römerbriefes; Homosexualität, Päderastie und Pädophilie waren in der vorchristlichen Antike weit verbreitet. Auch heute noch sind sie die Folgen der Leugnung Gottes, des Schöpfers, der den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Es ist erstaunlich, dass Bischöfe und Priester diesem Anti-Zeugnis des katholischen Glaubens, in offenem Widerspruch zu Gottes Willen, Raum geben. Sie sollten die Lehre der Kirche über Ehe und Familie konsultieren, insbesondere die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die moderne Welt, Gaudium et Spes, §47–52.


Es sei „zweifellos“ ein Sakrileg gewesen, so durch die Heilige Pforte zu gehen, bejahte Müller. „Auch die Segnung dieser Paare ist ein Sakrileg und steht im völligen Widerspruch zum Wort Gottes und zur katholischen Lehre. Dieser Ideologie geht es nicht darum, Menschen, die mit Fragen ihrer Sexualität kämpfen, zu helfen, im Einklang mit dem heiligen Willen des Schöpfers zu leben. Ebenso wenig kümmern sich ihre Verfechter um das ewige Leben oder die Rettung der Seelen. Vielmehr fördern sie eine antichristliche Ideologie, die das Konzept von Ehe und Familie – Vater, Mutter und Kinder – angreift und als Gegenzeugnis zum Evangelium Jesu Christi dient:

„Unzucht aber und jede Form von Unreinheit und Habsucht soll bei euch nicht einmal erwähnt werden, wie es sich für Heilige gehört. Unflätigkeit und albernes Geschwätz und Leichtsinn, die sich nicht ziemt, sollen nicht vorkommen; vielmehr soll Danksagung herrschen. Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger oder unreiner Mensch oder Habgieriger (das heißt ein Götzendiener) hat ein Erbteil im Reich Christi und Gottes. […] Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, um sie herrlich vor sich darzustellen, ohne Flecken, Runzeln oder etwas dergleichen, sondern heilig und makellos“ (Epheserbrief 5,3-5;25-26).

Diane Montagna schildert ihrerseits, dass sie auf der Pilgerfahrt mit einem der Hauptorganisatoren von „Jonathans Zelt“ (Tenda di Gionata) gesprochen habe: „Er behauptete, es gebe in der Bibel Hinweise darauf, dass Homosexualität moralisch zulässig sei, und sagte: ‚Wir sollen die Bibel nicht wörtlich interpretieren, sondern im Kontext eines bestimmten historischen Moments.‘“ Der Kardinal antwortete darauf: „Alle Häretiker haben die Bibel so interpretiert. Die Heilige Schrift ist in diesen Fragen sehr eindeutig, und nur das Lehramt der Kirche hat die Autorität, die authentische und unfehlbare Auslegung des Wortes Gottes im Einklang mit der apostolischen Tradition zu liefern. Wir können keine Kompromisse mit dem Heidentum eingehen, was den Glauben an den einen Gott betrifft.“

Die Interviewerin fragte dann danach, dass ja auch Pater James Martin, einer der Hauptorganisatoren der „LGBT-Jubiläumswallfahrt“, Anfang September „von Papst Leo XII. in Audienz empfangen“ wurde, der Pater „verbreitete umgehend die offiziellen Fotos in den sozialen Medien. Hätte ein solches Treffen unter Papst Johannes Paul II. oder Papst Benedikt XVI. stattgefunden?“

Die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. seien sich beide bewusst gewesen, „dass solche Fotos missbraucht werden könnten, um eine Ausrichtung des Papstes auf antichristliche Ideologien zu suggerieren. Päpste haben manchmal kommunistische Führer empfangen, aber niemand glaubte je, dass Papst Johannes Paul II. etwas mit ihnen gemeinsam hatte; er sprach sehr deutlich mit ihnen. Benedikt XVI. traf sich einmal privat mit Hans Küng, aber nicht in einer Weise, die instrumentalisiert werden konnte, und sicherlich hätte niemand je gedacht, dass Papst Benedikt XVI. Küngs Theorien akzeptieren würde. Ich glaube, dass Papst Leo XIV., der sich klar zum Wesen der christlichen Ehe geäußert hat, sich der Geschehnisse sehr bewusst ist und nicht so leicht von irgendjemandem instrumentalisiert werden kann.“

Montagna erinnerte daran, dass die „LGBT-Jubiläumswallfahrt“ noch während des vorherigen Pontifikats organisiert worden war, „aber einige Katholiken mögen fragen, warum Papst Leo überhaupt mit Pater James Martin zusammentraf und warum die Veranstaltungen nicht abgesagt wurden“. Müller erläuterte: „Als Dogmatiker möchte ich nicht diplomatisch sein. Die katholische Kirche muss die Wahrheit verkünden, aber auch Lügen widersprechen. Das heißt, wir müssen nicht nur den Glauben positiv erklären, sondern auch Irrtümer aktiv widerlegen.“

Er erinnerte in diesem Zusammenhang an „das Konzil von Nicäa“, das „die Glaubenswahrheiten bekräftigte, aber auch Arius als Ketzer verurteilte. Die Wahrheit allein zu verkünden, reicht nicht aus. Der heilige Paulus spricht von den ‚Feinden des Kreuzes‘ innerhalb der Kirche. Spricht ein Papst oder Bischof die Wahrheit, werden sie ihn angreifen. Umgekehrt, schweigt er, werden sie sein Schweigen ausnutzen, um ihre Irrtümer zu verbreiten.

Dann fragte die katholische Journalistin nach der Erklärung „Fiducia Supplicans“. Sie werde ja auch von vielen Bischöfen abgelehnt, „weil sie den falschen pastoralen Weg darstellte und auf einem mangelhaften und unklaren Verständnis der natürlichen und offenbarten Anthropologie beruhte“.

Der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation erläuterte dazu: „Zwischen Wahrheit und Lüge kann es keinen Kompromiss geben. Es geht hier nicht um eine konservative oder progressive Mentalität – es geht um die offenbarte Wahrheit und den Sinn der Schöpfung, wie er in der menschlichen Natur verankert ist.“

Gefragt nach dem aktuellen Pontifikat stellte Müller fest: „Während der letzten Synode wurde die Lehre der Kirche als ‚konservativ‘ abgestempelt, und jeder Katholik, der ihr treu bleiben wollte, wurde als jemand abgestempelt, der in der Vergangenheit feststeckte oder sogar als ‚Pharisäer‘. Ich glaube, Papst Leo möchte diese ideologische Polarisierung innerhalb der Kirche überwinden. Dies kann jedoch nicht durch Kompromisse erreicht werden. Wir müssen die Wahrheit sagen – und die Wahrheit spaltet die Menschen unweigerlich in diejenigen, die dem Wort Gottes folgen, und diejenigen, die dies nicht tun.“

Dabei sei „die ‚„LGBT-Jubiläumswallfahrt‘ … nur ein Beispiel für den Versuch, die Kirche für antichristliche Interessen zu übernehmen. Wären die Motive hinter diesen Veranstaltungen wirklich pastoral gewesen, hätten die Organisatoren versucht, allen zu helfen, in Buße und Einheit mit Jesus Christus zu wachsen. Kürzlich feierten wir die Heiligsprechungen von Pier Giorgio Frassati und Carlo Acutis. Diese beiden jungen Männer waren beispielhaft für ein christliches Leben. Sie empfingen die heiligmachende Gnade in der Taufe, wirkten aber auch mit dem Heiligen Geist zusammen, um in der Heiligkeit zu wachsen. Das ist es, was wir fördern müssen.“


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