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Besuch einer LGBTQ-Gemeinde

7. Mai 2026 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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„Kern des Problems ist, dass inklusiv oft nicht bedeutet: Jeder darf kommen, sondern: Jeder, der unsere moralischen Prinzipien teilt, darf kommen“, implizit werden „bestimmte Glaubensrichtungen“ ausgeschlossen. Von Weihbischof Rob Mutsaerts


‘s-Hertogenbosch (kath.net) kath.net dokumentiert den Beitrag „Besuch einer LGBTQ-Gemeinde“ von Rob Mutsaerts, Weihbischof von ‘s-Hertogenbosch (Niederlande), auf seinem Blog „Paarse Pepers“ von 3.1.2026 wegen seiner Wichtigkeit in voller Länge in eigener Arbeitsübersetzung:

Kürzlich feierte ich in einer Pfarrei unserer Diözese eine Firmung. Vor dem Kircheneingang wehte eine Regenbogenflagge. Ich fragte einen der Firmlinge – wir standen draußen und warteten auf die Einzugsprozession –, was er davon hielt. Er fand sie nicht besonders ansprechend und hätte lieber eine PSV-Flagge* dort gesehen. Es ist eine dieser Pfarreien, die sich selbst als inklusiv bezeichnet, wie nach der Messe beim Kaffeetrinken deutlich wurde: „Wir sind eine LGBTQ-Kirche, eine Regenbogenkirche.“

Ich dachte, ich beginne mit der einfachen Frage: Was bedeutet es eigentlich, inklusiv zu sein? Im alltäglichen Sinne bedeutet es, niemanden auszuschließen. Ein edles Ziel, das man nur schwer ablehnen kann. Doch sobald man dieses Ideal konkretisiert, sobald man es auf Glaubensvorstellungen, Moralvorstellungen und Weltanschauungen anwendet, entsteht ein Problem: Man kann nicht alles annehmen, ohne gleichzeitig etwas abzulehnen. Eine Kirche – ob sie sich nun „Regenbogenkirche“ nennt oder nicht – ist per Definition kein leeres Gebäude, sondern ein Ort der Überzeugungen. Sie bekennt sich zu etwas. Sie lehrt etwas. Sie sagt implizit und oft auch explizit: Dies ist wahr, und jenes ist es nicht. Sobald man das tut – und ich neige dazu – entsteht eine Grenze, egal wie sanftmütig und freundlich man auch sein mag.


Die „inklusive Kirche“ behauptet oft, jeden willkommen zu heißen, unabhängig von Herkunft, Identität oder Überzeugung. Das klingt großartig, fast evangelisch. Doch hier schleicht sich das Paradoxon ein: Man heißt jeden willkommen – vorausgesetzt, er teilt bestimmte Ansichten zu Identität, Sexualität und Wahrheit. Wer dies hinterfragt, wer aus klassisch katholischer Perspektive über Moral oder Anthropologie spricht, merkt schnell, dass die Tür nicht so weit offen steht wie versprochen.

Dies ist kein Alleinstellungsmerkmal der „Regenbogenkirchen“. Selbst die orthodoxesten katholischen Gemeinden ziehen Grenzen. Auch dort ist nicht jede Überzeugung willkommen. Der Unterschied liegt jedoch in der Ehrlichkeit, mit der diese Grenzen anerkannt werden. Die traditionelle Kirche sagt: Das ist unser Glaube, und wenn ihr ihn anzweifelt, treten wir mit euch in den Dialog, aber wir werden unsere Überzeugung nicht aufgeben. Die inklusive Kirche sagt etwas anderes: Wir schließen niemanden aus, während wir gleichzeitig implizit bestimmte Glaubensrichtungen ausschließen. Offenheit ist gut, aber die Frage ist: Womit oder womit ist jeder willkommen? Es ist, als würde ein Verein behaupten, jeder sei willkommen, aber was für ein Verein er tatsächlich ist, bleibt völlig unklar. Inklusivität ohne Substanz ist leer.

Der Kern des Problems ist, dass „inklusiv“ heute oft nicht mehr bedeutet: Jeder darf kommen, sondern: Jeder, der unsere moralischen Prinzipien teilt, darf kommen. Das ist nicht inklusiv, sondern eine neue Form der Orthodoxie. Wer diese Orthodoxie nicht annimmt, gilt als Ketzer und wird ausgeschlossen. Das wurde mir an diesem Kaffeetisch sehr deutlich. Wenn man vorsichtig ein paar Fragen zu ihrer Ansicht stellt und wirklich ins Gespräch kommen möchte – nicht um zu provozieren, sondern einfach um über Sexualität, die menschliche Natur, das Mann- und Frausein und ähnliche Themen zu sprechen –, wird man sofort ausgebremst, weil der eigene Standpunkt nicht mit ihrer „Regenbogenreligion“ übereinstimmt. Inklusion erweist sich hier nicht als offene Tür, sondern als sorgsam bewachtes Tor.

Die eigentliche Frage ist nicht: Sind diese Kirchen inklusiv oder exklusiv? Die eigentliche Frage ist: Welche Wahrheit wagen sie anzuerkennen und welche Grenzen wagen sie ehrlich einzugestehen? Denn eine Gemeinschaft, die ihre Grenzen leugnet, wird nicht offener, sondern unklarer und letztlich weniger einladend, gerade für diejenigen, die aufrichtig suchen.

Der Mensch kann nicht ohne Grenzen leben, aber auch nicht ohne Gnade. Eine Kirche, die beides zu bewahren weiß – die die Wahrheit verkündet und gleichzeitig die Tür für Sünder, Zweifler und Andersdenkende offen hält –, mag weniger modern sein, aber umso menschlicher. Wahre Inklusion beginnt nicht mit der Abschaffung von Grenzen, sondern mit deren ehrlicher Anerkennung und der Bereitschaft – trotz dieser Grenzen – anderen einen Platz am Tisch einzuräumen. Diese Gemeinde war dazu nicht bereit, wie sich später herausstellte. Ein Junge wurde ausdrücklich aufgefordert, sich zurückzuziehen und nicht mehr an der Firmvorbereitung teilzunehmen. Der Grund? Er hielt den „Purple Friday“** für nichts als „Unsinn“. Ich firmte ihn eine Woche später woanders. Ein Junge mit einer eigenen Meinung und einem eigenen Charakter. Offenbar passt das nicht in diese tolerante, nicht-ausschließende, inklusive, offene, zugängliche, gastfreundliche, großzügige, einladende, verständnisvolle und aufgeschlossene Gemeinde.

*PSV ist ein wichtiger niederländischer Fußballverein
** „Purple Friday“ ist ein Aktionstag für Jugendliche im Umfeld von LGBTQ+

Archivfoto Bischof Mutsaerts (c) Bistum ‘s-Hertogenbosch


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