Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Unwahrscheinlich aber eindeutig: Gemeinsamkeiten zwischen der Piusbruderschaft und Priesterinnen“
  2. Vatikan: Bischöfe fordern langfristige Begleitung von Ehepaaren
  3. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  4. Deutsche Caritas-Präsidentin fordert CDU-Annäherung an 'Die Linke'
  5. Böhmermann verhöhnt in seiner Sendung Jesus Christus
  6. USA: Zahl der Teenager-Mädchen, die sich als lesbisch oder bisexuell bezeichnen, sinkt stark
  7. Good news - Vatikan: Papst Leo ist krebsfrei und braucht keine weitere Therapie!
  8. Hartl: Wenn das in Frankreich „Schülerproteste sind, warum weht so oft die Palästinenserfahne?“
  9. Herabstürzendes Kruzifix tötet Priester während der Messe
  10. Britischer Erzbischof Longley erlaubt zwei Messfeiern im vortridentinischen Sarum-Usus
  11. Was wir mit unserem Körper tun, ist theologisch“
  12. „Wenn du ihn verstehst, ist es nicht Gott“
  13. „Die trügerische Taktik der stillen Revolution“
  14. Norwegischer Bischof Erik Varden über „Laetitiae amor“ und „Amoris laetitia“
  15. Ohne Furcht und Heuchelei. Die Freiheit für das Gute ohne Kompromisse

Mondgott Sin und seine Freunde

29. August 2015 in Spirituelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Auszug aus dem Bestsellerbuch "Tagebuch eines Jerusalempilgers. 14.000 Kilometer - 14.000 Hunde - Ein Priester" - Von Johannes Maria Schwarz


Jerusalem (kath.net)
Tag 180 - 43 km (6349 km)
Der Wind trug den morgendlichen Gebetsruf zu meinem Lagerplatz – überraschend laut, aber blechern wie die Stimme am Ende eines Joghurtbechertelefons. Ich blickte auf die Uhr. Zeitumstellung. Es war kurz nach fünf. Aber schon länger lebe ich nicht mehr nach dem, was die Zeiger sagen. Die Sonne bestimmt den Tagesablauf – mehr noch jetzt, wo die Tage kürzer werden. Es wurde hell und damit Zeit, aufzustehen.

Mein Weg führte durch eine fantastische, karge Landschaft. Die Hitze im Sommer hier wäre für mich gewiss nur schwer erträglich. Doch jetzt, Ende Oktober, war es nur warm, angenehm warm. Mein erstes Ziel lag in der vegetationslosen Steinwüste des Tektek-Gebirges. Dort bei Soğmatar befanden sich mehrere in den Kalkstein geschlagene Gestirntempel, wo man schon vor Jahrtausenden den assyro-babylonischen Mondgott Sin und seine Freunde verehrt hatte. Zwischen den wasserlosen Tälern und hellen Felsen, die das Licht der Sonne grell in die Augen zurückwarfen, war es eine Reise zurück in die Vergangenheit; in die Zeit vor 4.000 Jahren, als Abraham von diesen Hügeln aus nach Kanaan aufbrach und den Polytheismus hinter sich ließ.

Ich betrat das kleine Dorf, das heute zwischen den ehemaligen Kultstätten liegt, und wurde von einem Teenager begrüßt. Tahir bot sich als Führer an und hoffte auf etwas Taschengeld. Er sei „Fifteen“, erklärte er, und zeigte mir zwölf Finger. Ich schmunzelte. In der Schule, die wir auf unserem Weg passierten, lerne er seit kurzem Englisch, berichtete er sichtlich stolz. Das sei nach Türkisch seine zweite Fremdsprache, denn wie für die meisten Menschen in dieser Ecke des Landes war seine Muttersprache Arabisch.


Vom grau-weißen Kalksteinplateau mit seinen gravierten Götzenbildern und Jahrtausende alten Schriftzeichen, bot sich ein großartiger Blick auf die Landschaft, deren Hügel wie versteinerte Wellen eines leblosen Ozeans schienen. Auf manchen Erhebungen waren pyramidische und runde Tempelruinen. Sinkende Schiffe auf dem Göttermeer.
Die ganze Zeit während seiner Führung begann Tahir auf liebenswerte Weise jeden Satz mit „It is …“ („It is Tahir.“ „It is 'irgendwas Arabisches'.“ Oder, an mich gewandt: „It is name?“ Oder, bezüglich meiner Herkunft: „It is Holland?“). Nun fragte er mich: „It is Çay?“ Ich schmunzelte, nickte und folgte ihm nach Hause. Hier konnte ich meine Wasserflaschen auffüllen und bekam zum Tee auch ein ausgezeichnetes, scharf gewürztes Mittagessen. Wir nahmen es auf Polstern im einzigen Raum des Hauses – Bad und Küche waren vor der Tür – zu uns, während die kleinen Geschwister von Tahir über mich kicherten. Ich nutzte die Gelegenheit, ein paar neue Wörter zu lernen, auf Arabisch diesmal.

Von Soğmatar ging es Richtung Süden nach Şuayb Şehri, einer antiken römischen und byzantinischen Stadt, deren einstige Größe nur mehr die Ausdehnung des Ruinenfeldes bezeugt. Die meisten Häuser waren in den Fels geschlagen und damit teils Höhlen, teils Steinbauten. In der muslimischen Version der Geschichte soll dies die Heimat von Moses' Schwiegervater Jithro (im Koran: Şuayb) gewesen sein. Hier soll der spätere Anführer der Israeliten auch beim Schafehüten seinen berühmten Stab (siehe: Plagen, Zug durch das Rote Meer) erhalten haben.

Ich selbst hatte im Vorfeld gehofft, vielleicht in der Ruinenstadt ein improvisiertes „Höhlenhotel“ für die Nacht zu eröffnen, aber ein einzelner türkischer Besucher oder Wächter ganz oben auf der Tempelplattform machte auch in der Dämmerung keine Anstalten, woanders hinzugehen.

So kehrte ich im letzten Licht des Tages noch einmal auf die Straße zurück, ging drei Kilometer und bog dann in die einsamen, steinigen Hügel ab. Auf einem flacheren Stück schlug ich mein Zelt auf. Es war still. Und in diese feierliche Stille hinein begann ich im Licht der Taschenlampe mit dem Introitus zum alten Christkönigsfest.

Bestellmöglichkeit im Kathshop


kath.net-Buchtipp:
Tagebuch eines Jerusalempilgers: 14.000 Kilometer - 14.000 Hunde - Ein Priester.
Von Johannes Maria Schwarz
Gebundene Ausgabe, 464 Seiten
Eigenverlag 2015
ISBN: 978-3200039773
Preis 15,90

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und dem RAPHAEL Buchversand (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch nur Inlandportokosten.

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Für Bestellungen aus der Schweiz: [email protected]




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Zeugnis

  1. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  2. Patrick Schwarzenegger: Ich bete jeden Tag mit meiner Frau
  3. Früheres Playboy-Model Jenny McCarthy: Habe mich ganz Jesus überlassen
  4. Bayer-Manager Anderson über den Glauben: ‚Ich wäre sonst nicht hier‘
  5. US-Moderator Jesse Waters: Beziehung zu Jesus hat sich seit Charlie Kirks Tod vertieft
  6. Pilgerwege durch Österreich führen einen britischen Richter in die katholische Kirche
  7. ‚Zuerst möchte ich Gott die Ehre geben’
  8. 1.167 Beichten in 65 Stunden
  9. Sonnenblumengelb – Ein Mädchen namens Tulsa
  10. Disney-Star Joshua Bassett ließ sich taufen







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Vatikan sieht Kirche vor Traditionsbruch
  3. Leo XIV. will Südamerikareise offenbar antreten
  4. Papst wusste offenbar seit einem Monat von Krebsverdacht
  5. Weltmissionssonntag: Vatikan ermöglicht vollkommenen Ablass
  6. Englische Lebensschützerin Vaughan-Spruce plädiert ‚nicht schuldig‘ bei Anklage wegen stillen Gebets
  7. „Du trägst Gottes Bild“
  8. Papst Leo feiert Hl. Messe im Gemelli-Krankenhaus
  9. Der Beginn eines neuen Kapitels im Vatikan?
  10. 'The Chosen': Sechste Staffel ab Dezember auf Netflix
  11. Böhmermann verhöhnt in seiner Sendung Jesus Christus
  12. Kanadas führende Tageszeitung verlangt Euthanasie in katholischen Krankenhäusern
  13. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  14. Ermittlungsverfahren gegen christliche YouTuber eingestellt
  15. Grünwidl bei Medjugorje-Friedensgebet: Beten und Frieden stiften

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz