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Vatikanbibliothek richtet Gebetsraum für Muslime ein

12. Oktober 2025 in Weltkirche, 26 Lesermeinungen
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Wertvolle historische Büchersammlung als Studienort auch für Koranforscher interessant


Rom (kath.net/KAP) Auch in der bedeutendsten Bibliothek der Christenheit müssen Muslime nicht auf ihre Gebete verzichten. "Natürlich haben uns einige muslimische Gelehrte um einen Raum mit einem Teppich zum Beten gebeten, wir haben ihn ihnen gegeben", sagte Giacomo Cardinali, Vizepräfekt der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek, der Zeitung "La Repubblica" (Mittwoch). Die Büchersammlung des Vatikans enthalte "unglaublich alte Korane", so Cardinali weiter. "Wir sind eine Universalbibliothek, es gibt arabische, jüdische, äthiopische Sammlungen, chinesische Unikate."

Erst vor Jahren habe man auch entdeckt, dass dort das älteste mittelalterliche japanische Archiv außerhalb Japans lagere. Dies verdanke man einem Salesianer-Missionar namens Pater Marega, der sich in den 1920er Jahren dort aufgehalten habe, berichtete Cardinali. "Eine Legende besagt, dass die Kinder des Oratoriums mit einer Papierkugel spielten und er erkannte, dass es sich um zerknüllte alte Dokumente handelte. Er wurde neugierig und fand in einer Burgruine ein verlassenes Archiv." Dieses habe er verlagert und damit vor einem der späteren Atombombenabwürfe von 1945 gerettet. "Entweder war es ein sensationeller Glücksfall oder es kam eine Eingebung von oben."


Laut dem Vizepräfekten umfasst die Vatikanbibliothek insgesamt rund 80.000 Manuskripte, 50.000 Archivstücke, fast 2 Millionen gedruckte Bücher, 100.000 Stiche und Grafiken sowie 100.000 Münzen und Medaillen. Weiterhin stoße man auf neues Material. "Vor einigen Jahren entdeckte ein Gelehrter ein sehr seltenes Manuskript von Spinozas Ethik."

Seit die Bibliothek einen Online-Dienst für die Öffentlichkeit habe, kämen die absurdesten Anfragen, vor allem aus den USA, so Cardinali: "Haben Sie eine Zeitmaschine? Und die Menora des Tempels in Jerusalem, die Titus weggenommen hat? Und den Heiligen Gral?"

Den künftigen Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Archivarbeit sieht Cardinali zurückhaltend. "Das Problem ist das gleiche wie vor 500 Jahren, die Katalogisierung." Die Informatik helfe zwar, könne aber nicht die Aufgaben eines ernsthaften Wissenschaftlers erfüllen. "Ich weiß nicht, ob die Maschine eine Fälschung erkennen würde. Vielleicht ja, aber sie wäre nicht in der Lage, die komplizierte Geschichte zu rekonstruieren."

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