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Zur Buße das Durchlesen von Konzilstexten

27. Mai 2010 in Aktuelles, 29 Lesermeinungen
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Der Novus Ordo kann mindestens so transzendent und erhaben und mysterial gefeiert werden wie der Ritus von Pius V. aus dem 16. Jahrhundert - Dogma ist etwas Beglückendes - Kath.Net dokumentiert den Grundsatzvortrag von P. Karl Wallner zum Priestertum


St. Pölten (kath.net)
Aufgrund vieler Anfragen des gestrigen Artikels veröffentlicht Kath.Net, mit Genehmigung von P. Karl Wallner, den Vortrag "Welche Priester brauchen wir für das 3. Jahrtausend?" im Wortlaut:

Wir befinden uns im von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen Priesterjahr, das mit dem Herz-Jesu-Fest im Juni 2009 aus Anlass des 150. Todestages des heiligen Pfarrers von Ars Jean-Marie Vianney am 4. August 1859 eröffnet wurde. Im Vorjahr hatten wir gedacht, dass das Priesterjahr sich in schönen liturgischen Feiern und aufbauenden Rundschreiben über das Priestertum entfalten würde, doch es ist ganz anders gekommen.

Die Kirche erlebte eine große Läuterung und eine schmerzhafte Reinigung. Und das ist vielleicht gut so. Ich bin zuversichtlich, dass die Verantwortlichen sehr schnell und sehr gründlich alles rechtlich Notwendige und disziplinär Mögliche tun werden, um das besser zu regeln, was vielleicht kirchenintern aufgrund unzureichender psychologischer Einschätzung der Pädophilie oder aufgrund veralteter und inakzeptabler schwarzer Pädagogikmethoden schief gelaufen ist. Nach Abklingen der aufgeheizten medialen Entrüstung muss es doch erlaubt sein festzustellen, dass Missbrauch keineswegs ein kirchliches oder gar katholisches oder gar am Zölibat festzumachendes Thema ist.

Die nüchterne Statistik weist aus, dass 99,7 Prozent der Fälle sich im familiären Bereich ereignen, wie unlängst sogar das kirchendistanzierte Journal „Profil“ verkündet hat.

Neben den natürlichen Maßnahmen der Kirchenleitungen muss aber auch der Kosmos des Übernatürlichen ausgeschöpft werden. Denn alles, was in der Kirche gelingt, ist letztlich ein Werk göttlicher Gnade, eine Manifestation einbrechenden Gottesheiles. In der Pfingstsequenz bekennen wir gegenüber dem Heiligen Geist: „Ohne Dein lebendig Wehn’ kann im Menschen nichts bestehen, kann nichts heil sein und gesund! Was befleckt ist, wasche rein. Dürrem gieße Leben ein, heile Du, wo Krankheit quält.“ Papst Benedikt XVI. hat deshalb bei seiner Pilgerfahrt nach Fatima am 13. Mai 2010 insbesondere die Priester dem Unbefleckten Herzen Mariens anvertraut und geweiht. Nach Hans Urs von Balthasar und anderen Theologen meint ja die Übergabe des Johannes unter dem Kreuz an Maria, die Jesus gleichsam als Testament in der Stunde seines Todes vollzieht, mit Johannes, dem Apostel, insbesondere „den Priester“.

All das stimmt mich zuversichtlich, und darum möchte ich in diesem Vortrag auf das Wesentliche gehen, von dem ich glaube, dass wir es von Zukünftigen Priestern erwarten dürfen, ja erwarten müssen. Ich wurde eingeladen, zwar einen theologisch verantworteten Vortrag hier zu halten, aber keinen allzu akademischen. Sie werden ein weithin persönlich gehaltenes Plädoyer eines Mönchs (28 Jahre) und Priesters (22 Jahre) hören, der noch dazu in der Verantwortung steht, in der Priesterausbildung tätig zu sein: „Wie sollen die Priester der Zukunft sein? Welche Priester brauchen wir auf dem Weg in das 21. Jahrhundert?“

Gleich zu Beginn muss ich ausdrücklich die Punkte erwähnen, über die ich nicht sprechen werde: Wenn ich von Priestern spreche, so setze ich das katholische Verständnis des Weihesakramentes voraus, also das, was der Glaube der katholischen Kirche lehrt, abgesichert durch das pneumatische Wirken des Heiligen Geistes in 21. Ökumenischen Konzilien und in dem apostolischen Lehramt des Papstes und der Bischöfe, denen überzeitlich das Wort Christi gilt: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab!“ (Lk 10,16) Darum werde ich mich hier definitiv dem gleichsam neurotischen Zwang entziehen, im Zusammenhang mit dem Priestertum über das Thema des Zölibates zu sprechen. Ebensowenig wird es mir um die Zulassung von Frauen zum Priestertum gehen. Für letzteres besteht aufgrund der Theologie der Weihe, wonach der Geweihte gleichsam ontologisch in die Dienst- und Sklavengestalt des mensch- und manngewordenen Christus eintritt, keine Option.

Die Nicht-Möglichkeit der Frauenordination ist durch ein klares und eindeutiges „Non Possumus“ des obersten Lehramtes – Paul VI. in „Inter insigniores“ (1976) und Johannes Paul II. in „Ordinatio Sacerdotalis“ (1994) – entschieden.

Beim Thema „Zölibat“ leide ich sehr darunter, dass dieser Wert des Ganz-auf-Gott-konzentrierten-Lebens durch die innerkirchliche Diskussion permanent als Unwert betrachtet wird. Schon die Frage „Warum dürfen Priester nicht heiraten?“ - gestellt in einer Gesellschaft, wo stabile Ehe- und Familienbindungen selbst eine beispiellosen Verfall erleben - ist die Unterstellung einer Deprivation, einer Beraubung!

Es ist aber umgekehrt. Ich habe als Pfarrer immer wieder die Feststellung gemacht, dass die Leute meinen, dass wir Priester von einer Art Sondereinsatztruppe des vatikanischen Geheimdienstes gleichsam zwangsentführt wurden, um nun in dieser ehelosen frauen- und sexlosen Lebensform dahinzuschmachten. Die Menschen sind bass erstaunt, wenn man ihnen sagt, dass man freiwillig, aus Liebe zu Christus, auch unter dem bewussten Willen zum Opfer, zur Ganzhingabe, in diese Lebensform getreten ist, um auch Zeugnis dafür zu geben, dass das zukünftige „Himmelreich“ für uns nicht bloß ein schönes Märchen ist, sondern die große Hoffnung, die uns trägt, und die allein den Verzicht auf Ehe und Familie sinnvoll macht.

Leider ist für manche innerkirchlich eingerosteten Ideologen der Zölibat immer und überall an schlechthin allem schuld. (Ein Journalist hat unlängst humorvoll geschrieben: Wenn sich im nächsten Kirchenskandal etwa herausstellen sollte, dass die Vatikanbank irgendwelche Kontakte mit der Mafia hat, so würde sofort auch dafür wieder der Zölibat verantwortlich gemacht.)

Nur ein Wort noch zu unserem Nicht-Thema des Zölibats, es stammt aus dem Mund von Kardinal Schönborn. Dieser wurde vor einiger Zeit gefragt, ob man etwas am Zölibat ändern soll. Er antwortete: „Ja, man soll ihn besser leben!“ So wie die beste Werbung für Ehe und Familie das Vorbild gelingender Ehen und Familien ist, so wird die Verliebtheit in Gott, die selbstaufopferende Ganzhingabe in der spirituellen Beziehung zum jenseitigen Gott mit der Bereitschaft zum Dienst für Gläubige und Gemeinde im Zölibat auch dann zu strahlen beginnen, wenn wir Priester ihn authentisch leben.

Fünf Punkte halte ich für ein zukunftsfähiges Priesterbild für wesentlich:

1. Ein Priester der Zukunft muss authentisch-nachkonziliar sein

Das Wort „nachkonziliar“ ist heute schon fast eine Provokation, und zwar für beide Ränder, die sich in der Kirche entwickelt haben: Für steht „nachkonziliar“ gleichsam für die große Hemmung, die nach dem Konzil dem sogenannten Geist des Konzils entgegengesetzt wurden. Die „nachkonziliaren“ Entscheidungen von Papst Paul VI., die Kirche nicht durch Bischofssynoden gleichsam in einen Zustand des Konziliarismus überzuführen, seine unpopuläre Entscheidung in Humanae Vitae 1968 die unaufgebbare Verbindung zwischen Geschlechtlichkeit in der Ehe mit der Offenheit für das Kind einzufordern, seine Ablehnung des Frauenpriestertums, sein Festhalten am Zölibat… und vieles mehr wird von jenen Theologen, die im Konzil nur eine Art Anstoßereignis sahen, als Tragödie bewertet. Noch dazu die Tatsache, dass auf das Pontifikat des vorsichtigen und leidenden Paul VI. das fast 27-jährige und damit zweitlängste Pontifikat in der Kirchengeschichte von Johannes Paul II. folgte.

Der Priester der Zukunft, so möchte ich hier einmahnen, darf nicht „neben“ oder „außer“ dem stehen, was das 2. Vatikanische Konzil gebracht hat. Das letzte der insgesamt 21 Ökumenischen Konzilien wollte die Erneuerung der Kirche. Ich habe aber das Gefühl, dass die kirchliche Atmosphäre der letzten Jahre und Jahrzehnte aus verschiedendsten Motiven von einer substantiellen Konzilsverweigerung geprägt war.

Ich erinnere mich noch an mein Noviziat, wo ich die Konzilstexte von A bis Z durchgelesen habe und meinen Verdacht bestätigt fand, dass der sogenannte „Geist des Konzils“ in vielerlei Hinsicht nicht der Geist des Konzils ist, sondern der Geist der 68er Jahre. Und der war nicht nachkonziliar, sondern vielfach antikonziliar.

Tatsache ist, dass das 2. Vatikanum am 8. Dezember 1965 endete; das war zugleich der Vorabend einer Epoche, die Kardinal Walter Kasper folgendermaßen charakterisiert: „Mitte und Ende der 60er Jahre kam es in der gesamten westlichen Welt zu einem neuen Schub der Aufklärung, der Emanzipation und der Säkularisierung. Was man bei uns gewöhnlich als Studentenrevolution bezeichnet, war in Wirklichkeit eine viel umfassendere Kulturrevolution, welche in Deutschland geistig und kulturell wohl einen größeren Ein¬bruch bedeutete als der äußere Zusammenbruch von 1945.“

Wenn von Konzilsverweigerung gesprochen wird, so meint man oft nur die traditionalistische Haltung, die zum lebvebrianischen Schisma von 1988 führte. Der durch einige Mitarbeiter des deutschen Papstes Benedikt XVI. unzureichend vorbereitete und ungeschickt vermittelte Versuch, dieses Schisma vorerst durch die Aufhebung der Exkommunikation führte gerade in der jüngsten Vergangenheit zu einem schweren Erdbeben, durch das 2009 das Ansehen des Heiligen Vaters in der medialen Öffentlichkeit schwer beschädigt wurde. Hier wirkt ein geradezu dämonischer Mechanismus, denn auf diese Weise wurde gerade wieder die andere Seite gestärkt, die unter dem Namen „Konzil“ nur einen dünnen Liberalismus verstehen. Es gibt keinen „Geist des Konzils“, der von den Texten, zu deren Erstellung die Bischöfe ja um jedes Wort gerungen hatten, getrennt werden kann.


Das Konzil ist eine doktrinäre Realität, nach unserem Glauben sogar ein Werk des Heiligen Geistes. Ein Priester der Zukunft muss darum die Texte des Konzils kennen. Er muss die Aussagen des Konzils über die hierarchisch-episkopale Struktur der Kirche, über die Allgemeine Berufung zur Heiligkeit, über die Übernatürlichkeit der Offenbarung, über das Wesen des Priestertums, auch über den Zölibat usw. kennen und verinnerlicht haben.

Wenn es einen tatsächlich „heiligen“ „Geist des Konzils“ gibt, dann ist dieser die von Johannes XXIII. gewünschte Unerschrockenheit, auf die Menschen unserer Zeit zuzugehen, eine „Kirche in der Welt von heute“ zu sein. Nicht eine Kirche, die sich in der Welt von heute auflöst, sondern die aus der Glaubenskraft der eigenen Identität auf die Menschen zugeht.

Das war die Grundabsicht des seligen Johannes XXIII., die in allen Dokumenten massiv durchklingt. Das hat Johannes Paul II. vorgezeigt, indem er die Welt unermüdlich bereiste: dass die Kirche mutig in die Welt von heute geht, nicht um sich zu verweltlichen, sondern um die Welt für Christus zu gewinnen.

Dieses allererste Anliegen des Pastorlakonzils scheint mir leider am allerwenigsten erfasst zu sein. Wir erleben eine Selbstauflösung der Kirche durch klerikale Verweltlichung auf der einen Seite oder ein defensives Sich-Verschanzen in der Sakristei auf der anderen Seite.

Ein zukünftiger Priester sollte auch konkret wissen, was das 2. Vatikanische Konzil in dem Priesterdekret „Presbyterorum ordinis“ an Dogmatischem aber auch an Praktischem lehrt. Da finden sich oft auch konkrete pastorale Hinweise, die wie Perlen sind, etwa wenn gesagt wird, dass die Wohnung des Priesters so schlicht gestaltet sein soll, dass selbst Arme keine Scheu haben sie zu betreten…

Wir Priester der Zukunft müssen das Konzil kennen, und wenn wir es authentisch kennen, werden wir es lieben. Das Unwissen hier ist erschreckend, anstelle von Wissen über das Konzil sind vage Vermutungen und fixierte Vorurteile zu finden. Das Konzil war nicht die Selbstsäkularisierung der Kirche, als die es von Traditionalisten leider ausgegeben wird.

Schluss mit den Vorurteilen, die durch nichts in den Texten des Konzils gedeckt sind. Missbräuche dürfen nicht mit Inhalten verwechselt werden, wie dies gerne von jenen vorgeschoben wird, die das Konzil von der anderen Seite her verweigern, von der Seite der Tradition.

Ich glaube nicht, dass der Priester der Zukunft traditionalistisch sein sollte, sehr wohl aber sollte er aus der Tradition her leben, aus den spirituellen, liturgischen Schätzen der katholischen Tradition. Zu diesen gehört mittlerweile auch das 2. Vatikanische Konzil. (Wenn ein Priester zu mir beichten kommt, gebe ich ihm gerne als Buße das Durchlesen von Konzilstexten, etwa auch die „Allgemeine Einführung in das Messbuch“ von Paul VI., die oft für viele eine Offenbarung ist. Denn der Novus Ordo, also der ordentliche Ritus der römischen Messliturgie, kann meines Erachtens mindestens so transzendent und erhaben und mysterial gefeiert werden wie der Ritus von Pius V. aus dem 16. Jahrhundert).

Ich wünsche mir also Priester für die Zukunft, die nicht nur im chronologisch-zeitlichen Sinn „nachkonziliar“ sind, sondern im inhaltlichen Sinn. Man müsste vielleicht besser sagen: „authentisch-nachkonziliar“! Und ich muss Ihnen gestehen, dass ich viele junge Priester kenne, für die diese frohe Offenheit, die aus einer treuen Liebe zur Kirche, zum Dogma, zur Liturgie kommt, kenne.

2. Ein Priester der Zukunft muss wesentlich auf Gott konzentriert sein

Das Hauptproblem des kirchlichen Lebens ist die Veräußerlichung, und diese äußert sich natürlich auch in einer oberflächlichen Einschätzung des priesterlichen Dienstes. Der Pfarrer ist gut, der gesellig ist, der „menschlich“ ist, der einen guten Schmäh hat, der teamfähig ist usw. All diese menschlichen Eigenschaften sind wichtig. Als Priesterausbildner muss ich wirklich sagen, dass die „Normalität“ des Charakters und der Persönlichkeit eine wichtige Grundlage für ein fruchtbares Priestersein ist. Hier gilt der Satz der klassischen Gnadenlehre, dass die Gnade die Natur ja nicht ersetzt, sondern diese vielmehr voraussetzt, dann aber erhöht und zur Vollendung führt. Wenn also ein Priester von Natur aus kontaktfreudig ist, wenn er teamfähig, gesprächssensibel und zugleich auch Entscheidungen treffen und führen kann, umso besser.

Wenn er gut im Small-Talk (bzw. im Kaffee-Geplaudere) ist, dann soll das auch gut sein. Aber im Sinne Christi ist er nur dann ein guter Priester, wenn er in allem seinen Tun eine Konzentration auf das Wesentliche hat. Und dieses Wesentliche ist Gott.

Hier muss der Priester ein mutiger Trendsetter gegen die allgemeine Veräußerlichte Sicht der Kirche sein. für viele Menschen ist die Kirche nur mehr ein Religionsverein zur Veranstaltung schöner Zeremonien wie Erstkommunionen, Hochzeiten und Begräbnissen… Wo kommen die wesentlichen Themen noch vor? Gibt es Gott? Was ist Heil? Was kommt nach dem Tod? Hat mein Leben einen Sinn? Macht der Glaube glücklich? Themen wie Pfarrfeste, Kirchenrestaurierungen, Seniorenausflüge, Pfarrblattfinanzierung usw. sind auch wichtig, aber sie sind nur das - unverzichtbare aber nebensächliche -Beiwerk, das instrumentale Brimborium für das Wesentliche. Die Wesentlichkeit muss im konkreten Alltagsbetrieb des Priesters zu spüren sein.

Das 2. Vatikanum beginnt seine große dogmatische Konstitution über die Kirche mit dem Bezug auf das Allerwesentlichste, auf Christus: Christus, das Licht der Welt - „Lumen gentium“ - spiegelt sich auf dem Antlitz der Kirche wider. So der 1. Satz der Kirchenkonstitution. Das Wesen der Kirche liegt darin, das göttliche Licht Christi in die Welt hineinzustrahlen. Von diesem Wesentlichen ist oft keine Spur.

Wird über die Kirche geredet, so geht es nicht um den fortlebenden Christus, sondern um eine Institution zur Aufrechterhaltung familiärer Zeremonien und religiöser Sentimentalitäten. Die Menschen kommen, um in den schönen Kir¬chen zu heiraten, getauft, gefirmt und begraben werden und mehr nicht. (Dabei sind die Farbe des Blumen¬schmucks und der Schnitt des Brautkleides wichtiger als die Gnade, die Gott zu einem le¬benslänglichen Glück schenken möchte. Bei der Verkündigung des Evangeliums oder während der Predigt des Pfarrers wird die Videoka¬mera abgeschaltet, sobald aber die Braut auch nur in der Nase bohrt, richten sich 10 Fotoapparate auf sie… Wo die Kirche nur mehr als beitragseinhebender Trachten- und Zeremonienverein verstanden wird, hat sie ihr göttliches Wesen verloren. Was ohne Wesen ist, darf ruhig verwesen.)

Die Wesentlichkeit des Priesters in seiner Konzentration auf Gott ist nichts Kompliziertes, sie ist nichts künstlich Aufgesetztes. Sie ist so einfach: Wenn man das Taufgespräch einfach mit einem Gebet beginnt, die Probe für die Trauung in der Kirche damit, dass man dem Brautpaar die Kniebeuge erklärt, die man gerade gemacht hat. Nach einem Geburtstagsbesuch den Jubilar fragt, ob man ihm zum Segen die Hand auflegen darf… Achtung! Ich meine mit Wesentlichkeit nicht etwas Unnatürliches, Sprödes und Aggressiv-Antisäkulares. Der Priester der Zukunft muss einer sein, der deshalb wesentlich ist, weil ihm Gott gleichsam selbstverständlich ist. Weil er in einer tiefen lebendigen Beziehung zu Gott steht und diese von sich her in die Welt strahlt. Sein Strahlen soll den Namen tragen: „Meine Liebe ist Gott, mein Leben ist Christus!“

Und darum muss ein Priester der Zukunft in seinem pastoralen Dienst auch immer wieder ausdrücklich Gott thematisieren. Wir haben etwas zu verkündigen, und das ist Gott selbst! Eindeutig ist, dass wir einen Aufbruch der Religiosität erleben; ebenso eindeutig leider, dass er vielfach an den christlichen Kirchen vorbeigeht. Religiosität „in“ ist, und es hat sich geradezu ein „Jahrmarkt“ der religiösen Angebote entwickelt: das Angebot reicht von östlicher Meditation über die abenteuerlichen Ideologien mancher Sekten bis hin zum kom¬merziellen Handel mit abergläubischen Praktiken.

Spiritismus und Okkultismus sind salonfähige Gesprächsthemen geworden; und die Sensation des Religiösen und Ab¬normalen wird auch in den Medien breitgetreten. Johann Baptist Metz hat in einer scharfen Zeitgeistanalyse in den 90er Jahren die neue Mentalität treffend charakterisiert als „Religiosität ohne Gott“. Religiosität ist vielfach bloß ein erbauliches Gefühl oder ein wohliges Nervenkribbeln. Bei vielen beschränkt sich Religiosität auch auf die belanglose Feststellung: „Irgendetwas wird es schon geben“.

Für uns aber ist Religiosität zutiefst dadurch charkterisiert, dass ein personaler Gott in unsere Welt eingebrochen ist, sich hier mitten unter uns inkarniert hat.

Und dass er im Heiligen Geist diese personale Beziehung auch mit jedem von uns in der von ihm fortgesetzten Heilsgeschichte aufnehmen möchte. Gott hat sich vor zweitausend Jahren in seinem menschgewordenen Sohn endgültig ausgesprochen. Jacques Maritain formuliert, dass „…das eigentlich Charakteristische der jüdisch-christlichen Offenbarung“ darin besteht: „Sie ist nicht unaussprechlich, sie ist ausgesprochen.“ Dieser sich ausgesprochen habende Gott ist eine Sensation, denn er ist „die Liebe“. Das ist die immer aktuelle, immer erfüllende, immer befreiende Mitte des christlichen Glaubens, wie Papst Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas est“ ausgeführt hat. In diese Mitte des Glaubens, also zu Gott hinzuführen, wird die wesentliche Verkündigungsaufgabe für den Priester der Zukunft sein.
Ich meine aber nicht nur, dass der Priester oft und viel über Gott, über Dreifaltigkeit und eben die substantiellen Themen in der Kirche predigen soll, sondern er soll auch den Bezug auf Gott sonst immer durchscheinen lassen. Für viele Menschen ist Kirche eben ein Religionsverein, wo wir Religiösen irgendwelche selbsterfundenen mythischen Phantasien vertreten.

Unsere Religion hat aber eine völlig gegenteilige Struktur: Wir sind die Religion des Einbruches Gottes in diese Welt: Gott hat zu uns gesprochen, ja mehr noch, sein Wort, der ewige Logos, ist unter uns Mensch geworden. Unser Glaube bezieht sich nicht auf Menschsatzung, sondern auf Gottes Selbstoffenbarung. Ich glaube, dass ein Priester daher durchaus in die Argumentation die Worte einfließen lassen kann: „Der liebe Gott will…“ oder „Gott sagt uns doch…“ Mir fehlt einfach auch im Mund von uns Priestern oft viel zu sehr der Bezug auf Gott. Der Gott, der sich selbst ausgesprochen hat, will auch von seinen Gesandten ausgesprochen werden. Aber freilich nicht nur durch das gesprochene Wort, sondern auch durch das Zeugnis des Lebens

3. Ein Priester der Zukunft muss ein Zeuge sein.

Ich muss hier eine Analyse des Zeitgeistes geben, die mich als gläubigen Christen und noch mehr als Dogmatikprofessor zutiefst schmerzt: Meine Analyse des Zeitgeistes lautet: „Dogma out ist, Zeugnis ist in.“ Was meine ich damit? Wir leben in der Zeit des Super-Mega-Subjektivismus. Unser eigenes „Ich“ ist der Mittelpunkt des Kosmos geworden, wir messen alles daran, ob es „für mich“ gut ist, ob es „mir etwas bringt“. Der Trendforscher Mathias Horx spricht vom Zeitalter des totalen Individualismus. Daraus folgt, dass das „Objektive“ für uns Menschen heute , die wir nur in unser Ich verliebt sind, keinen Wert mehr darstellt. Wir leben in der Zeit des Wahrheitsrelativismus und es fehlt nicht an zeitgeistigen Philosophien, die nicht von einer Wahrheit, sondern von vielen Wahrheiten, die einander auch diametral widersprechen, ausgehen.

Dogma aber ist das Objektive.

Lassen wir Katholiken uns nie den Begriff „Dogma“ schlechtreden, denn für uns ist Dogma etwas zuhöchst Beglückendes – entgegen dem pejorativen Sprachgebrauch! Dogma ist das, was uns Gott um unseres Heiles willen offenbart hat.

Dogma ist das Gegenteil von der partikulären „Meinung“ von irgendjemandem. Im Dogma spricht Gott zu uns, gibt uns Grund, Sinn und Fundament, letzte Wahrheit! Das Dogma trägt und formuliert uns die freudige Botschaft, dass Gott unser rettendes Heil ist. Die Dogmen sind die „Schutzwälle der Offenbarung“ . Dieses „Dogma“ umfasst also alles für uns Wichtige, darum spricht Vinzenz von Lerins Anfang des 5. Jahrhunderts vom „dogma catholicum“, „allesumfassenden Dogma“. Aber eben dieses Objektive, das sich in der Lehre der Kirche niederschlägt, das von den Formulierungen der Konzilien und Päpste, von den Absicherungen des Kirchenrechtes geschützt wird, ist out.

Das heißt konkret: Heute wird nicht mehr danach gefragt, was Jesus oder die Kirche denn nun „objektiv“ (also „dogmatisch“) lehren, sondern wie man sich subjektiv dazu verhält. Mit einem dogmatischen Argument - also: „Jesus sagt, dass…“, - wird man wenig Erfolg haben. Wenn man sich aber in seiner Subjektiverfahrung absichert, schaut die Sache plötzlich ganz anders aus. Es klingt doch sehr authentisch, wenn man sagt: „Mir sagt mein Jesus, dass…“

Wir Mönche etwa erleben eigentlich eine gute Zeit in der medialen Wahrnehmung, denn wir Mönche – also wir geheimnisvollen Wesen, die an so mystischen Orten wie Klöstern leben – werden für authentischen Subjekte gehalten.

Bei uns sehen die Leute irgendwie, dass wir aus einer persönlichen, also subjektiven Entscheidung, in dieser Lebensform sind. Nicht, dass sie unsere Lebensform deshalb verstehen würden, sondern sie finden uns authentisch, weil sie Subjektivität respektieren.

„Pater, warum sind sie im Kloster? – Weil ich Gott liebe“ wird bedingungslos akzeptiert. So wie man für sich erwartet, dass man in seinem eigenen „Ich denke mir“ respektiert wird, so ist man heute auch bereit, das „Ich glaube das“ zu akzeptieren, wenn es durch persönliche Überzeugung gedeckt ist.

Und das lässt sich auch für die Verkündigung fruchtbar machen: Priester der Zukunft sollten auch den Mut haben, persönlich zu bezeugen, was sie objektiv vertreten. Vorauszusetzen ist dabei freilich, dass jeder Priester wirklich das glaubt, was der Glaube der Kirche lehrt, dass er also persönlich deckungsgleich mit dem ist, woraus er lebt und was er verkündigt. Der Erfolg der Verkündigung wird weitgehend dann gegeben sein, wenn vermittelt werden kann, dass diese und jene Glaubenswahrheit auch für den Verkündiger persönlich bedeutsam ist. Das objektive Dogma kommt dabei dann nicht zu kurz, denn es wird vom Priester der Zukunft in Gestalt von persönlichen Überzeugungen glaubhaft verkündet. „Personae personas attrahunt“, sagten die Lateiner: Überzeugte Persönlichkeiten ziehen andere an, stecken andere an, formen zu neuen überzeugten Persönlichkeiten.

4. Ein Priester der Zukunft muss persönlich fromm sein

Uns in der der westlichen Kirche fehlen zusehends die „Starzen“. Starez heißt in der östlichen Kirche der geistliche Vater und Begleiter, also der gottes- und weltkluge Weise. Starez ist der in geistlichen Dingen erfahrene Seelenführer und Beichtvater, einer, der zumindest Zeit hat und der im Gespräch den Horizont ausweitet hin auf Gott. Unsere frühen „Geistlichen“ haben sich zu „Seel-Sorger“ gewandelt. Nomen est omen. Es geht nicht mehr um ein Sein (Geistlich-Sein), sondern um ein Tun (Seel-Sorgen, Pastoral-schaffen, Pfarre-organisieren). Unsere Seelsorger lassen eher den Typ des managenden Organisators und Entertainers heraushängen, die meist auch dem Begriff nach dezidiert nicht mehr das sein wollen, was man sie früher genannt hat: „Geistliche“.

Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Ansprache bei uns im Stift Heiligenkreuz am 9. September 2007 beklagt, dass dieser Begriff „Geistliche“ zusehends abkommt. Es ist eine Tragödie, dass unsere Seelsorger immer weniger „Geistliche“ sind, weil sie immer weniger „geistlich“ sind. Wörtlich sagte der Papst: „Bischof Sailer von Regensburg hat einmal gesagt, die Priester müssten vor allem geistlich-Geistliche sein. Ich fände es schön, wenn der Ausdruck ‚Geistliche’ wieder vermehrt in Gebrauch käme.“ Vielleicht ist ein Grund dafür, dass die Menschen zu den Gurus und Wunderheilern laufen darin zu sehen, dass wir Priester zu wenig „geistlich“ sind.

In dem Buch „Von Gott reden ist gefährlich“, hat die aus aus Sowjetrussland ausgewiesene Dissidentin Tatjana Goritschewa ihre Erfahrungen der Emigration in den Westen schildert. Während in der Sowjetunion das Reden über Gott von außen her gefährlich war, diagnostiziert sie im Westen innere Blockaden der Gläubigen und auch der Priester, Gott zu thematisieren bzw. ein Milieu der Gottesbegegnung zu schaffen. Sie schildert dabei u. a. ihren Schock über die Teilnahme an einem Pfarrausflug, wo kein einziges Gebet gesprochen wurde, wo Gott nie thematisiert wurde.

Das vielleicht Entscheidendste, das von einem zukünftigen Priester einzufordern ist, ist seine Rückbindung in die Frömmigkeit. Ich verwende hier das alte deutsche Wort „fromm“, ich könnte auch den Begriff „geistlich“ oder „spirituell“ verwenden. Es kommt auf die Sache an. Leider habe ich das Gefühl, dass sich viele Priester oft ihrer Gottbezogenheit schämen. Und es gibt die Angst vieler Priester, als fromm zu gelten. Das passe nicht in die „moderne“ säkulare Welt. Dabei übersieht man, dass es die rationalistische und antimystische Moderne schon lange nicht mehr gibt. Wir sind schon lange hinübergeglitten in die spiritualitätsfreundliche Postmoderne. Wenn ich mir eine Kritik erlauben darf: viele haben in Kirche und Theologie noch nicht begriffen, dass der Rationalismus der Moderne schon lange durch den Irrationalismus der Postmoderne abgelöst wurde. Um es in der Jugendsprache zu sagen: Fromm ist cool.

Öffnen wir hier bitte unsere Augen: Rund um uns hat sich ein gigantischer Markt für Spirituelles und dessen Surrogate gebildet. Den immer mehr Getauften, die nie persönlich zu beten gelernt haben, die in ihrer Beziehung zu Gott wahrhaft „tot“ sind – das ist der eigentlich Begriff des Todes, wie ihn die Bibel prägt -, steht die steigende Zahl derer gegenüber, die irgendwo und irgendwie nach Sinn und spiritueller Erfüllung suchen. Der Mensch ist eben rettungslos auf seine Erfüllung im Raume Gottes hin angelegt und wenn die Kirche, wenn der Priester vergisst, dass genau die Vermittlung in diesen Raum Gottes hinein unsere Kernkompetenz ist, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich die Kirchen leeren und zugleich die Esoterik-Seminare boomen.

Es ist doch eine Tragik der letzten Jahre, dass wir im kirchlichen Leben viele Dimensionen aufgegeben haben, wo die Kirche dem Menschen diese mystisch-personale Gottesbegegnung ermöglicht hat. Das gilt vor allem für die Liturgie. Wir haben leichtfertig unsere Kompetenz für das, was ich die „mystische Gänsehaut“ nennen möchte, verspielt.

In das geistige Vakuum sind, wie wir heute sorgenvoll feststellen müssen, abergläubische Riten, Kulte, Sekten sonderlichster Art nachgedrungen. Man kniet nicht mehr vor dem Allerheiligsten, sondern liegt auf teuren New-Age-Seminaren in verrenkter Verzückung auf Matratzen, angebliche Urlaute ausstoßend…

Die Kirche hat sich immer von der Spiritualität her erneuert, von den Heiligen her, von der verinnerlichten Geistigkeit. „Contemplata aliis tradere“, lautet ein alter Grundsatz: das Verinnerlichte, Kontemplierte, Durchbetete hat Anziehungskraft genug in sich selbst. Die Priester der Zukunft müssen aus dieser persönlichen Beziehung, aus ihrem Frommsein heraus, agieren, um andere in ihre Gottesbeziehung hineinzuziehen.

5. Ein Priester der Zukunft muss zeitrelevant sein

Die Priester der Zukunft müssen aber auch zeitrelevant sein, das heißt, sie müssen so reden und agieren, dass sie die Menschen des 21. Jahrhunderts treffen. In der Substanz ist der Glaube, den wir von Christus zu verkünden übernommen haben, immer relevant. Was die dogmatische Substanz betrifft, so sollte man sich schleunigst von den Minderwertigkeitskomplexen verabschieden, die uns die Theologie der 60er und 70er-Jahre eingeredet hat. Damals dachte man ja tatsächlich, dass man mit den „alten Dogmen“ von der Menschwerdung Gottes, vom Sühnetod Christi, von seiner Auferstehung von den Toten, von seiner Gegenwart im sakramentalen Leben der Kirche, keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockt.

Ich denke hier nur an den giftigen Spott von Hans Küng über das christologische Dogma von Chalcedon in seinem Buch Christ-Sein. Unter dem Motto „Das gibt den Menschen nichts mehr“, meinte man in den 60er und 70er Jahren die Relevanz des Glaubens von der Peripherie her festmachen zu können. Daher hat man damals begonnen, das Randständige, das Sekundäre zu betonen. Und das war immer das, was der Zeit entsprach: soziale Betroffenheit und politisches Engagement; es kam zu den vielen Genitivtheologien von der „Theologie der Befreiung“ bis hin zur „Theologie der Zärtlichkeit“.

Meine Deutung der Zeichen der Zeit geht dahin, dass sich das Relevanz-Problem von selbst her zu lösen beginnt, denn die Religiosität der Menschen, die Sehnsucht nach Göttlichem zunimmt. Mitten unter uns etablieren sich Religionen, die noch weit Zeitgeist-Ungemäßeres verkünden als wir, der Islam mit seinen weit strengeren moralischen Vorschriften. Wer in der Jugendseelsorge ist wird merken, dass die Jugendlichen nicht primär deshalb kommen, weil wir ihnen in der Kirche Diskoabklatsch oder Actionkitsch bieten, sondern weil sie etwas über Gott hören wollen, weil sie das Unerfahrbare erfahren wollen.

Was uns in die Zukunft tragen wird, das sind die Aufbrüche, quantitativ vielleicht klein, von Gebetskreisen, Jugendbewegungen. Das Heil, das die Menschen heute in der Kirche suchen, ist nicht etwas Weltliches, sondern etwas Geistiges, etwas, das die „Seele“ betrifft. Es ist geistlich-relationales Heil, also Heil, das aus der Begegnung mit dem Göttlichen kommt. Ein Zeichen dafür ist, dass kontemplative Orden mehr Nachwuchs haben als andere.

Zugleich aber möchte ich hier deutlich feststellen, dass gerade diese spirituelle Rückbindung des Priesters ihn nicht davon abhalten darf, den Glauben zeitgemäß, eben zeitrelevant zu verkündigen. Im Gegenteil: gerade der spirituelle Eros muss doch dazu treiben, auf dem realen Boden der Wirklichkeit zu stehen. Die Zeichen der Zeit zu deuten. Die Mittel der Zeit zu ergreifen! Ist es nicht erstaunlich, dass es gerade die frömmsten Priester, die frömmsten Kreise und Gruppierungen waren, die das Internet für die Verkündigung entdeckt haben. Mittlerweile gibt es sogar ein Wort des Papstes, wo er die Pfarrer dazu aufruft, auch die modernen Medien, etwa die sozialen Netzwerke zu verwenden, um den Glauben zu verkünden.

Sosehr die Priester der Zukunft in der Substanz in der katholischen Tradition und Spiritualität verwurzelt sein müssen, ebenso sehr sollten sie jedoch in den Mitteln, die sie zur Verkündigung ergreifen, modern und zeitgemäß sein. (Don Bosco betrieb eine aufwändige und kluge Öffentlichkeitsarbeit, was sich z. B. darin zeigte, dass er stundenlang mit den Jugendlichen vor dem – gerade erst erfundenen Fotoapparaten – posierte, damit eine Aufnahme über die Beichte der Jugendlichen entsteht. Er wusste um die Suggestivkraft der Fotographien, der damals allermodernsten Medien. Auch Therese von Lisieux wurde wiederholt auf dem Sterbebett fotografiert, so als wüssten die Mitschwestern schon, dass man damit einmal wird Propaganda für die Heiligkeit machen können.)
Ausblick

Am Schluss eines solchen Vortrages, indem ich viele persönliche Wünsche und Visionen äußern durfte, muss die Reduktion in den Raum der Gnade stehen. Sonst wirken solche Forderungen nicht nur realitätsfern, sondern auch überheblich. Darum muss ich am Schluss den Glauben der Kirche an die Sakramentalität des Priestertums bekräftigen und damit den Glauben an die letztlich übernatürliche Wirkmacht Gottes im Priestertum.

Das Priestertum ist nicht unsere Sache, es ist Gottes Sache, denn es ist ein Sakrament. Der katholische Glaube ist davon überzeugt, dass es nur einen einzigen Priester gibt, und das ist Christus, und das es folglich in der Kirche nur ein einziges Priestertum gibt, das unseres Herrn Jesus Christus. Der Priester wird kraft der Weihe hineingestellt in dieses Priestertum Christi, oder anders gesagt, er wird zum Ort der Anwesenheit des erhöhten und gnadenwirkmächtigen Christus. Es geschieht durch die Weihe eine seinsmäßige Entselbstung, ein Ordo, ein Hinordnung auf den gnadenhaft einwirkenden Christus.

Der Priester ist nur sekundär menschlicher Mittler, primär ist er personaler Ort, wo sich die göttliche Mittlerschaft Christi ereignet. Thomas Schuhmacher spricht in seinem jüngst erschienen Buch „Bischof, Presbyter, Diakon“ von einer Asymmetrie zwischen dem menschlichen Beitrag und dem göttlichen Beitrag. Der Priester übernimmt mit seiner Weihe die Platzhalterschaft für den eigentlichen Akteur, den erhöhten Herrn Jesus Christus. Katholisches Priestertum ist das der menschlichen Freiheit überantwortete „Vikariat“ des unsichtbar agierenden Gott. Der geweihte Priester ist nicht primär kraft seiner menschlichen Qualitäten Mittler zwischen Gott und den Menschen, sondern er ist es durch die Wirksamkeit Christi in ihm und durch ihn.

Ein katholischer Priester ist etwas total anderes ist als ein Guru, ein Imam, ein esoterischer Lehrer oder sonst etwas, der in eigener Kraft – „de suo“ – seine Jünger zum Göttlichen hin führen will.
Wenn ich also argumentiert habe, dass ein Priester der Zukunft 1. authentisch-nachkonziliar, 2. wesentlich-auf-Gott-konzentriert, 3. zeugnismutig, 4. gläubig-fromm und 5. apostolisch-zeitrelevant sein soll, so sind dies alles sekundäre Aspekte gegenüber dem einen und einzig wichtigen, das die Fruchtbarkeit jeder priesterlichen Existenz ausmacht: dass der Geweihte sich täglich immer tiefer mit Christus verbindet, um so immer mehr Instrument für Gottes Wirken in diese Welt hinein zu werden.

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Lesermeinungen

 Claudia Caecilia 29. Mai 2010 
 

Bedauern und Freude

@Marcus
Ich bedauere auch den Wegfall dieser Dinge. \"Sonntage im Jahreskreis\" heißen sie jetzt und hatten doch so aussagekräftige Namen.
In der Gregorianik gibt es für jeden Sonntag einen Introitus, der thematisch auf den jeweiligen Sonntag ausgerichtet ist z. B.: Quasimodogeniti, Misericordias Domini, Jubilate, Cantate, Rogate, Exaudi usw.
Unlogisch ist auch der Wegfall der Sonntage nach Epiphanie, dem doch ursprünglichen Weihnachtsfest und auch das Fehlen der Oktavtage nach Pfingsten und der Sequenz finde ich bedauerlich, aber trotzdem hat das II.Vat. sehr viel Gutes und Wichtiges ausgesagt.
Die Umsetzung ist allerdings vielfach sehr mangelhaft, wie ich leider auch gerade wieder selbst erleben mußte. Die Statio des Pastoralreferenten (sowas müßte eigentlich ohnehin verboten werden!) war so daneben, daß ich wohl noch nie so wütend an der Orgel gesessen habe. Durch und durch antirömisch und voller Begeisterung für Fr. Käßmann. Vermutlich habe ich mich nach der Messe um Kopf und Kragen geredet, aber ich konnte den Mund nicht halten. Ich kann einfach nicht verstehen, daß der zelebrierende Priester nichts zu dem Mist sagte.
Ich sehe also die Folgen der von vielen Priestern falsch verstandenen \"Freiheit\" in der Liturgie durchaus sehr kritisch, aber ich erlebe auch sehr häufig die richtige Umsetzung und dort spürt man die Lebendigkeit, die unser Glaube hat. Es gibt, interessanterweise gerade viele junge Priester, die mit einer Liebe, Hingabe und Ehrfurcht zelebrieren, daß man das Wirken des Hl. Geistes wirklich spüren kann und wir keine Angst zu haben brauchen, daß Christus SEINE Kirche \"von den Pforten der Hölle\" überwinden läßt.


1
 
  29. Mai 2010 
 

@Claudia Caecilia

Gegen den Vorwurf der Engstirnigkeit möchte ich mich verwahren.

Meine Ansichten sind aus vielen Erfahrungen, Aufenthalten außerhalb des deutschen Sprachgebietes und weitläufiger Lektüre geschöpft.

Je länger ich forsche, desto mehr wird mir klar, daß die \"Liturgiereform\" einfach eine Katastrophe ist. Gerade der heutige Tag - Samstag nach Pfingsten - belegt das übrigens: Die Abschaffung der Pfingstoktav macht schon aus dem Pfingstmontag einen \"Tag im Jahreskreis\". Im überlieferten Ritus atmet die Liturgie aber auch am heutigen Samstag noch den Geist von Pfingsten. Auch die Sequenz wird heute noch gebetet. Die praktische Abschaffung der Sequenzen ist auch Teil der Verwüstung.

Ich sage nicht, daß sich das aus Sacrosanctum Concilium des II. Vat. ableiten läßt. Aber die Konzilsverfechter verteidigen normalerweise eben auch die Bugnini-Reform.

Warum?


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 Claudia Caecilia 29. Mai 2010 
 

Gefühle

@Monika Elisabeth
Das wollte ich mit meinem Beitrag u.a. auch ausdrücken. Gott berührt einen oder eben halt nicht, aber das ist nicht entscheidend für unseren Glauben. Trotzdem bestehen wir aus Verstand und Gefühl und das darf auch so sein, solange das Gefühl \"geerdet\" ist.
Protestanten blenden das aus, da geht es nur um den Verstand und damit berauben sie sich der Möglichkeit wirkliche Tiefe zuerfahren.


1
 
 Monika Elisabeth 28. Mai 2010 

Das \"Spüren\" und das \"Fühlen\"

hat mit der Liturgie in erster Linie nicht viel zu tun. Es geht auch in der \"alten Messe\" nicht um das Spüren und Fühlen, auch wenn diese Form des Römischen Ritus sinnlicher ist. So geht es auch nicht in der \"neuen Messe\" um das Gefühlte.

Bitte nicht den Fehler machen und den Glauben sowie die Wahrheit an Gefühle koppeln, das ist ein Haus auf Sand gebaut.

Die Gefühle eines Menschen können so trügerisch sein, dass man sich - richtet man sich nach dem Gefühlten - wirklich böse verirren kann.


2
 
 Kathole 28. Mai 2010 
 

Ich \"oute\" mich hier gerne als \"Verfechter\" des II. Vatikanischen Konzils,

habe ich meinen Glauben nebst der hauptwirkenden Gande Gottes doch gerade dem Apostolat eines Mitschülers zu verdanken, der damals schon einer Gemeinschaft angehörte, die ganz aus dem Impuls des verkanntesten Konzils aller Zeiten, des II. Vatikanum, entstanden war.

Dort, in einem anderen Erdteil, las man, obgleich weit außerhalb des deutschen Kulturkreises gelegen, schon vor 30 Jahren die Schriften eines gewissen Joseph Ratzinger. Dort durfte ich auch die kostbare Erfahrung machen, wie unter 80-90% überdurchschnittlich gebildeten Jugendlichen die Heilige Messe im Novus Ordo Missae in tiefster Andacht und Ehrfurcht sowie gleichzeitig zutiefst apostolischem Gemeinschaftsgeist gefeiert werden kann.

Das Glück währte nicht lange, kaum 18 Monate, und ich kam, als junger fast Erwachsener, nach Deutschland zurück, in den industriellen Großraum Mittlerer Neckar im Herzen der Diözese Rottenburg Stuttgart.

Dort war es mir in über 2 Jahrzehnten nur in Ausnahmefällen gelungen, eine Meßfeier miterleben zu dürfen, die wenigstens annähernd nach den Vorschriften des Novo Ordo Missae gefeiert wurde. Ich halte es für keinen Zufall, daß das Zentrum der Piusbruderschaft in Deutschland gerade in Stuttgart entstand, wo nebst Rottenburg und seiner Kaderschmiede Tübingen, Rom so entfernt zu liegen scheint, wie sonst nur am Nordpol.

Ich mußte auch erleben, daß gerade diejenigen besonders häufig das II.Vatikanische Konzil anführten, die sich mit seinen schriftlichen Beschlüssen, den Konzilstexten, ganz gewiß nie abgegeben hatten. Ihnen genügte der \"Konzilsgeist\", den sie von dessen selbsternannten Interpreten, fast alle deutscher Sprache, vermittelt bekommen hatten.

Ich denke, daß vor diesem Hintergrund auch die Äüßerungen vieler Anhänger der Piusbruderschaft zu verstehen sind. Sie haben den \"Novus Ordo Missae\" im deutschsprachigen Gebiet einfach nicht anders erlebt als in mehr oder weniger schweren Liturgiemißbräuchen. Sie haben wohl noch nie jemanden vom II. Vatikanischen Konzil schwärmen hören, der von der allgemeinen Berufung aller Getauften zur Heiligkeit gesprochen hat, die Papst Paul der VI. als die Kernbotschaft dieses Konzils bezeichnet hat, oder von den wunderbaren und feierlichen Texten der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium, über die Kirche und über die Rolle Mariens in der Heilsordnung in Bezug auf die Kirche und jeden einzelnen Gläubigen.

Es haben ihnen gegenüber nur diejenigen immer wieder vom \"II. Vatikanum\" geschwafelt, die für liturgische Anarchie, theologische Beliebigkeit, Zölibatabschaffung und Frauenpriestertum sowie den Abschied von jeder kirchlichen Sexualmoral eingetreten sind. Wer vermag schon unter solchen Umständen das II. Vatikanum und die neue Meßornung noch als einen Gewinn zu verstehen?

Ich denke, man kann den Zulauf zur Piusbruderschaft in Deutschland nur vor diesem bedauerlichen Hintergrund, geprägt von den zahllosen Verrätern am Konzil, bis hin in die Bischofsränge, richtig verstehen und bewerten.


3
 
 Claudia Caecilia 28. Mai 2010 
 

Würdige Messen

@Dismas
Wenn sich jemand als \"Verfechter\" des II. Vat. outet, kann man davon ausgehen, daß er sich seine eigene Messe strickt. Ich kann das aus langer Erfahrung als Kirchenmusikerin und Gregorianikdozentin sagen. Gute Priester wollen, egal in welchem Ritus, die Hl. Messe würdig feiern. Die schreckliche \"Kreativität\" ist natürlich nur im neuen Ritus möglich, aber dafür habe ich bei tridentinischen Messen auch schon schreckliche Starrheit und Gesetzlichkeit erlebt. Alles steht und fällt mit der Gottesliebe des Priesters, unser Papst sagte, mit der Heiligkeit des Priesters und da habe ich, Gott sei Dank! doch sehr viele kennenlernen dürfen.
@kathi
Ich habe es oft erleben dürfen, daß ich mich beim Novus Ordo Gott ganz nahe fühlen durfte, aber das bleibt immer Geschenk Gottes.
@FingO
Ich freue mich über das, was Sie geschrieben haben. Mir geht es ähnlich wie Ihnen. Ich liebe das Alte, bin aber kein Traditionalist. Ich glaube daran, daß der Hl. Geist in unserer Kirche wirkt und das II: Vat. wichtig war, so wie alle Konzile.
@Marcus
Mit Ihren Ansichten kann ich mich nicht anfreunden und das muß ich ja auch nicht. Sie sind mir einfach zu engstirnig.


2
 
 studiosus 28. Mai 2010 

@ Monika Elisabeth

Danke fuer den Balsam auf meine Seele - solch vernuenftige Einstellungen erfreuen das Gemuet :D


1
 
 Rick 28. Mai 2010 

Reaktionszeit

Auch nach dem Tridentinischen konzil hat es etwa 50 Jahre gedauert, bis sich die Inhalte durchgesetzt haben. Stets hat das Pendel nach Konzilien erst in die eine dann wieder in die andere Richtung ausgeschlagen. Ich finde die Diskussionen um vor- und nachkonziliar viel zu aufgeregt - vor allem weil es vor und nach dem Vat2 immer ein- und dieselbe Kirche war und ist (würde jemand auf die Idee kommen, von eine \"vortridentinischen Kirche\" zu sprechen?).


1
 
 Monika Elisabeth 28. Mai 2010 

studiosus

du sagst es. Wir brauchen hier mehr Nüchternheit und keine Verklärung eines Konzils von vielen.

Nachkonziliar ist die Kirche schon so lange, insofern es Konzilien gab, aus die man zurückblickend schöpfen konnte und davon gab es ja mehrere.

Aber hier wird immer nur das zweite Vatikanische Konzil gemeint, welches man als einzigartig hinstellt, obwohl objektiv nachweislich nicht die erwünschten Effekte eingetreten sind.

Kann man nicht einfach einmal das tun, was katholisch ist, ohne ständig zu erwähnen: das wollte das Konzil? Was will denn die Kirche? Sicher auch, dass wir uns an Konzilien halten, sofern sie nicht widersprüchlich sind. Aber muss man deswegen ständig den Stempel \"Vaticanum II.\" auf sämtliche Amtshandlungen anbringen? Die Kirche wurde schließlich nicht auf ein Konzil gegründet.


0
 
 studiosus 28. Mai 2010 

Was

Was auch etwas befremdlich ist, dass man immer behauptet man muesse \"nachkonziliar\" sein und dann freilich \"das Konzil\" meint...

Man sollte das gemeinte zweite Vatikanum einfach seinem Stellenwert nach beurteilen und nicht anders behandeln als auch die restlichen 20 universalen Konzilien...allein das koennte schon zahlreiche Probleme zu loesen helfen, ohne dass man jeden I-Punkt dogmatisiert oder das Konzil in seiner Gesamtheit verwirft.

das letzte Konzil ist keinesfalls verbindlicher als die uebrigen Konzilien, und wird auch, wie ALLE anderen 20 Vorgaengerkonzilien, seine Maengel haben - es waere das erste fehlerfreie Konzil der Kirchengeschichte gewesen, wenn dem nicht so waere.

Von daher sollte man mit einer groesseren Normalitaet und Nuechternheit an die entsprechenden Fragen herangehen.


0
 
 Monika Elisabeth 28. Mai 2010 

Also

dass die Liturgiemissbräuche im NOM so selten sind, stimmt einfach nicht. Wenn etwas innerhalb der Kirche selten vorkommt, wird wohl kaum ein Papst auf breiter Plattform darauf Bezug nehmen, sondern höchstens die Bischöfe der Ortskirchen dazu anhalten, dem falschen Konzilsverständnis entgegen zu wirken.

Aber bereits in den 90er Jahren hat der damalige Kardinal Joseph Ratzinger im Interview mit Peter Seewald vom \"Ungeist des Konzils\" gesprochen, womit er natürlich nicht das Konzil abwertete, sondern lediglich die vielverbreiteten falschen Auslegungen dieses zweiten Vatikanischen Konzils als irrig abwies. Die Liturgie leidet sehr unter diesen falschen Auslegungen des Konzils und auch das hat der Heilige Vater erkannt und Verbesserungen in die Wege geleitet. Nicht umsonst sitzt man gerade an der Reform der Reform.


1
 
 Dismas 28. Mai 2010 

Der NOM ist anthropzentristisch nicht theozentristisch.

@ Claudia Caecilia , schön, was sie über die Kirchenmusik sagen (Caecilia, die Heilige der Musik). Aber genauer hingeschaut, wer von den sich als \"Verfechter\" des Vat II verstehenden Priester und Bischöfe hält den selber die Bestimmungen des Konzils ein: Kaum einer!! Das ist ja ein großer Teil der Misere. Viele rennen einem \"Geist des Konzils\" nach, den sie sich selbst zusammenwünschen, der aber nicht den Texten entspricht. Es ist nach de Konzil viel gelogen worden, so z.B. bei der Einführung des \"Volksaltars\". Von einem alten Priester weiß ich, dass damals behauptet wurde das müsse vom Konzil her so sein, was nicht stimmt. Es gibt viele Beispiele, ja der NOM ist eine Verwüstung der Hl.Liturgie. Viele Schätz wurden dem Abfall preisgegeben-...


0
 
  28. Mai 2010 
 

\"Konzilstexte zur Buße lesen\" - Das kann bei manchen Texten eine sehr harte Buße sein.

Noch viel härter wäre die Buße allerdings, wenn der Beichtende die Kommentare von Rahner und Vorgrimler lesen müßte.
Da würde er dann darum betteln, nur 100 Rosenkränze beten zu müssen.


1
 
 monika. 28. Mai 2010 

die Auffassung...

die Priester vor dem Konzil von ihrem Amt hatten, unterscheidet sich wesentlich von der heutigen und wäre der Kirche absolut förderlich.


3
 
  28. Mai 2010 
 

@Claudia Caecilia: Entgegnung

Man soll erstens das II. Vaticanum nicht wichtiger nehmen, als es sich selbst genommen hat.

Zweitens muß man bedenken, daß die hl. Messe des II. Vaticanums das jetzt praktisch vergessene Meßbuch von 1965 war (!).

Das Meßbuch Pauls VI., eine Erfindung des mutmaßlichen Freimaurers Erzbischof Bugnini, gehört weder zeitlich noch inhaltlich zum II. Vaticanum. Wer ist hier also \"ungehorsam\"? Man muß die Kirche im Dorf lassen.

Wer den überlieferten römischen Ritus und die orientalischen Riten kennt, kann den \"Novus Ordo\" (komischer Name eigentlich, erinnert mich an Novus Ordo Seclorum auf der Ein-Dollar-Note) nur als Verwüstung betrachten. Das tue ich auch weiterhin.


2
 
  28. Mai 2010 
 

So sollten Priester nicht nur in Zukunft sein, so wären sie

immer schon richtig und Zeit gemäß gewesen und geblieben.
Danke für diese punktgenaue Rezeptur für Priester,
Danke, Pater Karl Wallner.


1
 
 kathi 28. Mai 2010 
 

Ritus

Beide Riten stehen gleichberechtigt nebeneinander. Man muss nicht den einen hervorheben oder den anderen niedermachen. Ich gehe auch zur tridentinischen Messe. Ich stimme zu, dass der Novus Ordo sehr würdigt zelebriert werden kann. Allerdings habe ich bei manchen Priestern das Gefühl, sie wollten auch conferencier sein. Beim näheren kennenlernen entdecke ich dann eine Frömmigkeit, die er während der Messe zu verstecken scheint - aus welchem Grund auch immer.
Und doch gibt es einen Unterschied zwischen der tridentinischen Messe und dem Novus Ordo, auch wenn er würdig zelebriert wird. Ich hatte einmal bei einem Novus Ordo das Gefühl, der Zelebrant bringt meine Seele direkt vor den Thron Gottes. Das habe ich beim Novus Ordo nie wieder erlebt, wohl aber bei der tridentinischen Messe.


1
 
 rosenberg 28. Mai 2010 

Selbstsäkularisierung der Kirche

Zitat P. Wallner: \"Wir Priester der Zukunft müssen das Konzil kennen, und wenn wir es authentisch kennen, werden wir es lieben. Das Unwissen hier ist erschreckend, anstelle von Wissen über das Konzil sind vage Vermutungen und fixierte Vorurteile zu finden. Das Konzil war nicht die Selbstsäkularisierung der Kirche, als die es von Traditionalisten leider ausgegeben wird. \"

Diesen Vorwurf kann man auch den Modernisten machen. Anstelle authentisch umgesetzter Konzilstexte, sind größtenteils eigene Wunschvorstellungen der nachkonziliaren Bilderstürmer umgesetzt worden. Als Beleg kann eine Vielzahl grausam enstellter Sakralbauten angeführt werden. Zur äußerlichen Verwüstung der wahren Kirche Jesu Christi, kam die schlimmere innerliche hinzu, die wachsende Selbstsäkularisierung der Kirche ist eine traurige Realität . Was hier an Verrat gegen die Gebote der Kirche, und gegen den vielbeschworenen Geist des Konzils, durch Häretikern vom Schlage eines Herrn Hasenhüttl verübt wird, spottet jeder Beschreibung. Heiligenkreuz mag da anders sein, dafür gebührt auch Pater Wallner aufrichtigen Dank. Es ist aber ein allseitsbekanntes Faktum das Pater Wallner eine ziemliche Aversion gegen die Traditionalisten hat. Nun gut, auch ich halte die FSSPX, nicht für treu gegenüber Papst und Lehramt der Kirche. Dieses verdeckte Traditionalistenbashing ist aber höchst unfair, gegenüber den treuen Dienern unseres Herrn Jesus Christus in der Petrusbruderschaft, die sicher ebenso authentisch-konziliar sind wie Pater Wallner. Die Schlagwörter „vorkonziliar“ und „nachkonziliar“, ersteres negativ und letzteres positiv zu besetzen, verbietet sich bei richtig verstandener Weitergabe der Traditionen von selbst, und sind einem sachlichen Umgang des Themas abträglich.


1
 
 Antonius10 27. Mai 2010 

Da ist schon lange auch meine Meinung und teilweise auch Erfahrung

Eine lateinische Messe im Ordo von 1970 kann ebenso erhaben sein wie die tridentinische Messe.
Und sie ist noch durch weitere Rufe ergänzt. Wichtig ist, daß kein Zeitdruck zu ungerechtfertigten Kürzungen führt.


2
 
 FingO 27. Mai 2010 
 

Danke

Danke an Herrn Wallner und Claudia Caecilia! Beiträge wie der Ihre lassen mich nicht verzweifeln , denn zwischen der Skylla der extremen modernisten und der Carybdis der nicht minder extremen Traditionalisten fragt man sich manchmal, ob man allein steht. In solchen Momenten ist es wunderschön zu sehen, daß es noch andere \"nachkonziliare\" Christen gibt, die aber nicht dem Zerrbild der Modernistenkirche entsprechen.


3
 
 Claudia Caecilia 27. Mai 2010 
 

Sehr gelungener Vortrag

Ich kann P. Wallner nur voll und ganz zustimmen.
@Marcus
Wir regen uns hier ständig über die \"ach so liberalen Bischöfe\" auf und daß es so viel antirömische Kräfte in unserer Kirche gibt. Sich ständig gegen das II. Vaticanum aufzulehnen, ist für mich absoluter Ungehorsam. Das Konzil war nötig und wichtig und wir können doch wohl davon ausgehen, daß dort auch der Hl. Geist gewirkt hat. Ungehorsam bleibt Ungehorsam egal, von welcher Seite.
Es gibt keine Verwüstung der Liturgie durch das Meßbuch von 1969/70 und die Aussage, das dieser heilige Ritus zum Glaubensabfall geführt habe, ist für mich mehr als nur bedenklich.
Zum Glaubensabfall führt die \"tolle Kreativität\" einiger Priester. Sie meinen zeigen zu müssen, daß sie sich sorgfältig vorbereitet haben und nicht einfach nur alles so \"runterbeten\". Den Sinn dessen, was sie da tun, haben sie wohl nicht begriffen.
Man hat viele Möglichkeiten andere für das wirklich Heilige zu begeistern. Ich selber leite eine Choralschola und bin immer wieder überrascht wenn mich Leute ansprechen und mir sagen, daß es schön ist, daß einmal etwas Neues zu hören ist. Wenn ich ihnen dann sage, daß dies die älteste Musik ist, sind sie sehr überrascht. Viele Menschen haben ein Gespür für das Heilige und werden gerade von der Gregorianik tief berührt. Trotzdem haben die Lieder des Gotteslobes natürlich ihre volle Daseinsberechtigung. Die alten Gesänge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und trotzdem die neuen (damit meine ich die Gesänge aus dem Gotteslob, nicht die z.T. stumpfsinnigen Gitarrenlieder) gerne zu singen, ist der richtige Weg.
Es ist gut, daß der alte Ritus bestehen bleibt, aber der neue, in würdiger Weise gefeierte, ist aus gutem Grund der tagtäglich praktizierte.


6
 
 Don Quichotte 27. Mai 2010 

... nochmals sorry ! und danke P.Karl Wallner !

hatte ein Problem mit der ENTER-Taste :-( der eigentliche Beitrag ist jetzt weg...

Wollte darin aufzeigen, daß die Reform der 60/70er Jahre aus heutiger Perspektive vielleicht harmlos erscheint - seinerzeit aber von vielen älteren Geistlichen (Pater Pio, J.Escriva, etc.) nicht mitgetragen wurde.

Danke P.Karl Wallner für den guten Vortrag !


1
 
 jolie 27. Mai 2010 

die indirekt abwertende haltung des alten ritus

durch hw. pater wallner ist für mich eine große enttäuschung und passt leider in das bild, das er bisher in puncto alte messe abgegeben hat. niemand bestreitet, dass das vat. II zum glauben der kirche gehört. aber diese unterschwellige abwertung des vorkonziliaren glaubens ist im gegenwärtigen kontext ausgesprochen missverständlich


6
 
 Don Quichotte 27. Mai 2010 

Sorry! - Korrektur zum letzten Absatz ...

... was mir weniger bei P.Karl Wallner gefällt, ist die beinahe gehässige Einstellung zu den seiner Meinung nach \"ewig gestrigen\" Traditionalisten.
Die brüderliche Nächstenliebe gebietet da meines Erachtens mehr Einfühlungsvermögen und Respekt.


4
 
 Dismas 27. Mai 2010 

Durchaus unterschiedlich...

Sicher kann man jeden Ritus schlampig zelebrieren. Als Kind - ich hatte gerade noch die Freude, den VOM als ordentlichen Ritus erlaben zu dürfen - habe ich das aber nie erlebt. Dann kam der \"NOM\" mit vielen Irritationen, die man gläubig hin- und schließlich annahm. Es fehlte einfach so Vieles...
Also ich stimme den Statements von \"Marcus\" und \"studiosus\" voll zu. Und @ catolica\" kann ich mich leider nur fragen: wo lebt sie wohl, auf welcher \"Insel der Seligen\"?? Und hat sie die Kenntnis und Erfahrung den Vergleich mit \"früher\" durchzuführen?? Ich schätze Hw.P. Wallner, aber hier kann ich leider absolut nicht folgen. Ich bestreite nicht die Gültigkeit des ordnungsgemäß gefeierten NOM, nein keineswegs, nur ist dieser a) recht selten und b) er ist dem VOM gegenüber eher die \"light\" Form (dürre Form) der Liturgie. Diese Form kann den Hunger meiner Seele nach würdiger Verehrung des HERRN nicht stillen und ist für sie gewissermaßen \"leichte Kost\", wenn mir dieser profane Vergleich mal erlaubt ist.


4
 
 studiosus 27. Mai 2010 

also ich

Also ich wuerde auch generell meinen dass man bei JEDEM Ritus zwei Dinge unterscheiden muss: a) wie wird er konkret zelebriert und b) wie ist der Ritus in sich (theoilogisch) gebaut.

zu a) Man kann jeden Ritus schlecht lesen und schlampig zelebrieren und entstellen. Der beste Ritus ist davor nicht gewahrt. Das hat mit dem Ritus an sich noch nicht unbedingt etwas zu tun, sondern mit dem Zelebranten.
b) Allerdings, und das schliesst an a) an, gibt es Riten die mehr dazu verleiten und solche die es weniger tun. Doch auch hier gilt trotz allem: der \"Wert\" eines Ritus schoepft sich in erster Linie daraus, wie er selbst gedacht ist, nicht ob er (gegen seine eigene Intention) veraendert wird oder nicht.

Und da muss man schon sagen, dass meist ein grosser Unterschied besteht zwischen dem was der NOM will und das was man aus ihm machte.
Man kann also mit Recht behaupten, dass der NOM die Auswuechse selbst nicht wollte, aber man muss auch sagen, dass er mehr dazu einlaedt als der viel striktere VOM.

Allerdings ist es, wie schon bemerkt wurde, schon auch so, dass derr VOM gegenueber dem NOM in seiner Theologie klarer und eindeutiger ist. Der NOM ist leider eben sehr oft recht interpretabel weil wenig eindeutig. Er schweigt auch von vielem, wovon der VOM noch sprach.


3
 
  27. Mai 2010 
 

sehr guter vortrag

der novus ordo ist der ordentliche ordo der kirche und wird auch meist würdig und gut gefeiert---die auswüchse der 70er jahre sind doch oft geschichte---auch im tridentinischen ordo gab es viele schlampereien,die aber die jungen menschen,die sich für diese art der messe sehr interessieren,nicht mehr kennen--wo die alte messe heute gefeiert wird,wird sie würdig gefeiert,da sie seltenheitscharakter hat und man mit ihr wie mit einem kostbaren alten bild umgeht-------früher war das aber nicht immer so.ich stimme pater wallner völlig zu


5
 
 bernhard_k 27. Mai 2010 
 

Vielen Dank!

Besten Dank für Ihren Vortrag!


3
 
  27. Mai 2010 
 

Der \"Novus Ordo Missae\" verkörpert eine andere Theologie als das Meßbuch des hl, Pius V.

Insofern kann ich P. Karl - bei allem Respekt für sein Wirken - nicht folgen.

Die Verwüstung der Liturgie im Meßbuch von 1969/70 hat zum Glaubensabfall maßgeblich beigetragen.
Wer Augen hat, der sehe.


9
 

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