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Ein Priester der Zukunft muss authentisch-nachkonziliar sein

26. Mai 2010 in Spirituelles, 17 Lesermeinungen
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Heiligenkreuzer Rektor P. Karl Wallner bei Priestervortrag über den Priester der Zukunft in St. Pölten gegen "pathetische Berufung" auf den "Geist des Konzils" - In der westlichen Kirche fehlen die "Starzen", die geistlichen Väter


St. Pölten (kath.net/dsp/red)
Ein Priester der Zukunft müsse „wesentlich auf Gott konzentriert“ sein, betonte P. Dr. Karl Wallner OCist bei einem Vortrag über die Priester im 3. Jahrtausend an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Werde über die Kirche geredet, so gehe es meist nicht um Christus, sondern um „eine Institution zur Aufrechterhaltung familiärer Zeremonien und religiöser Sentimentalitäten“, kritisierte der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Vom Wesentlichen fehle oft jede Spur, doch „was ohne Wesen ist, wird verwesen“, so der Zisterzienser.

Das Hauptproblem des kirchlichen Lebens sei die „Veräußerlichung“, die sich auch in einer oberflächlichen Einschätzung des Priesterlichen Dienstes zeige, analysierte Rektor Wallner. Ein Pfarrer gelte dann als „gut“, wenn er gesellig, menschlich und teamfähig sei. Diese menschlichen Eigenschaften seinen zwar wichtig, so wie die „Normalität der Persönlichkeit“ eine wichtige Grundlage für das Priesteramt sei. Dennoch seien Themen wie Pfarrfeste, Kirchenrestaurierungen oder die Pfarrblattfinanzierung nur „das instrumentale Brimborium für das Wesentliche“, so P. Karl wörtlich. Und das Wesentliche der Kirche liege darin, „das göttliche Licht Christi in die Welt hinein zu strahlen.“


Damit sei jedoch nicht nur gemeint, dass der Priester oft und viel über Gott, die Dreifaltigkeit und andere „substanziellen Themen“ predigen soll, unterstrich P. Karl: „Der Priester soll den Bezug auf Gott immer durchscheinen lassen.“ So müsse ein Priester der Zukunft auch „Zeuge“ sein.

„Dogmatik ist out, Zeugnis ist in“, sei der Trend der Zeit. In einer Zeit des „Super-Mega-Subjektivismus“ und des Wahrheitsrelativismus stelle „das Objektive“ keinen Wert mehr dar, stellte P. Karl Wallner kritisch fest.

Obwohl für Gläubige das Dogma etwas „zuhöchst Beglückendes“ sei, würde in der Welt nicht danach gefragt, was Jesus oder die Kirche lehrten, sondern „wie ich mich subjektiv dazu verhalte“, erklärte P. Karl. Mit dem dogmatischen Argument „Jesus sagt …“ werde man auf wenig Verständnis stoßen. Es klinge jedoch sehr authentisch, wenn man beginne: „/Mir/ sagt /mein/ Jesus …“ Auf die Frage „Warum sind Sie im Kloster“ antworte er, P. Karl: „Weil ich Gott liebe.“ Diese Antwort werde nach seiner Erfahrung „bedingungslos akzeptiert“.

Ein Priester der Zukunft müsse auch unbedingt „authentisch-nachkonziliar“ sein. P. Karl grenzte den Begriff sowohl in Richtung zu großer Liberalität, als auch gegenüber einem starren Traditionalismus ab. Der Dogmatiker wandte sich gegen die „pathetische Berufung“ auf „den Geist des Konzils“: Es müsse nüchtern die Frage gestellt werden, ob alles, was sich „populistisch als nachkonziliar“ bezeichne, tatsächlich dem Geist des Konzils entspringe oder eher dem „Geist der 68er“. Das Konzil sei eine doktrinäre Realität, ein „Werk des Heiligen Geistes“. Ein Priester der Zukunft müsse daher die Texte des Konzils kennen, besonders auch das Dekret über die Priester „Presbyterium ordinis“. Weiters sei auch die „Allgemeine Einführung in das Messbuch“ eine „Offenbarung“.

*Der westlichen Kirche fehlen die „Starzen“

Das „vielleicht Entscheidendste“ für einen Priester des 3. Jahrtausends sei seine „Rückbindung in die Frömmigkeit“, betonte Rektor Wallner. Anstatt des alten deutschen Wortes „fromm“ könnten auch die Begriffe „geistlich“ oder „spirituell“ verwendet werden. Papst Benedikt XVI. habe bei seiner Ansprache im Stift Heiligenkreuz beklagt, dass der Begriff „Geistliche“ zusehends verschwinde. „Unsere früheren Geistlichen haben sich in Seelsorger verwandelt“, sagte P. Karl. „Es geht nicht mehr um ein Sein, sondern um ein Tun.“

Viele Priester hätten sogar Angst, als fromm zu gelten, da dies nicht in die moderne, säkulare Welt passe. Dabei fehlten in der westlichen Kirche zusehends die „Starzen“, die geistlichen Väter und Begleiter. „Öffnen wir bitte unsere Augen“, forderte P. Karl auf, „rund um uns hat sich ein gigantischer Markt für Spirituelles und dessen Surrogate gebildet.“ Der Mensch sei auf seine „Erfüllung im Raume Gottes“ hin angelegt, und die Vermittlung in diesen Raum Gottes hinein sei „unsere Kernkompetenz“. Die Priester der Zukunft müssten aus ihrer persönlichen Frömmigkeit heraus agieren, „um andere in ihre Gottesbeziehung hinein zu ziehen“, schloss Rektor Wallner.

UPDATE: Bitte lesen Sie den Vortrag in voller Länge exklusiv auf kath.net unter www.kath.net/detail.php?id=26848


Foto: (c) Diözese St. Pölten


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