Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  2. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  3. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  6. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  7. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  8. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  9. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  10. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  11. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  12. Die Stunde der Heuchler
  13. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  14. Eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts!
  15. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs

'Im Hause des Vaters'

14. Juli 2008 in Weltkirche, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Die Sommerresidenz der Päpste im II. Weltkrieg - Von Ulrich Nersinger


Castel Gandolfo (kath.net)
Seit fast vier Jahrhunderten pflegen die Päpste sich für die Zeit des heißen römischen Sommers in die Albaner Berge zu begeben, nach Castel Gandolfo. Der klimatisch angenehme Ort liegt ungefähr fünfundzwanzig Kilometer südöstlich von Rom entfernt, mit einem herrlichen Ausblick auf den Lago di Albano. Der exterritoriale Besitz der Päpste vor den Toren der Ewigen Stadt ist bedeutend größer als die Vatikanstadt selber; auf ihm befinden sich unter anderem der Apostolische Palast mit seinen Gärten, die Sternwarte des Heiligen Vaters, ein ökologisch geführter Bauernhof, die Villa Cybo und die Villa Barberini.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die päpstliche Sommerresidenz zur Zufluchtsstätte für fast 15.000 Menschen. Als im September 1943 deutsche Truppen die Ewige Stadt besetzten und SS und Gestapo ihr verbrecherisches Handwerk auch in Rom ausübten, ordnete Pius XII. (Eugenio Pacelli, 1939-1958) an, in Gotteshäusern, Klöstern und kirchlichen Einrichtungen Verfolgten Zuflucht zu gewähren.

Vor allem die exterritorialen Besitzungen des Heiligen Stuhls nahmen viele Flüchtlinge auf, unter ihnen auch Tausende Männer, Frauen und Kinder mosaischen Bekenntnisses. Der Heilige Stuhl sah sich in die schwierige Pflicht genommen, den kaum möglichen Spagat zu wagen, einerseits seine Neutralität in diesem Krieg zu wahren, andererseits aber allen, die um seine Hilfe baten, diese auch zukommen zu lassen.


Eine Reihe von Zwischenfällen zu Beginn der deutschen Besatzung zeigte, dass der Vatikan, seine Besitzungen in Rom und die päpstlichen Villen in den Albaner Bergen erkennbar ge¬schützt werden mussten. Als Schutztruppe für die exterritorialen Gebiete bestimmte Pius XII. die Päpstliche Palatin-garde. Das Korps war 1850 als Miliz römischer Bürger begründet worden; es leistete bei Papstmessen und sonstigen feierlichen Zeremonien im Vatikan Ordnungs- und Ehrendienste. Da die Mannschaftsstärke von fünfhundert Mann für die neue Aufgabe nicht ausreichte, wurde mit Zustimmung des -Papstes die Anwerbung von Hilfsgardisten betrieben – 16.000 Aufnahmeanträge (!) gingen beim Kommando des Korps ein. Noch im Oktober des Jahres 1943 wurde eine Abteilung der Päpstlichen Palatingarde nach Castel Gandolfo verlegt.

Die Landung anglo-amerikanischer Verbände bei Anzio und Nettuno (20. Januar 1944) brachte die Bevölkerung der Albaner Berge in beträchtliche Gefahr. Die unbeteiligten Zivilisten drohten zu Opfern der Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und den Alliierten zu werden. Pius XII. befahl, die Pforten seiner Sommerresidenz nun auch offiziell zu öffnen – ohne dass nach Herkunft, Religion oder politischer Gesinnung gefragt wurde. „Im Hause des Vaters ist jeder willkommen“ hatte der Papst zu Monsignore Giovanni Battista Montini, einem seiner engsten Mitarbeiter und dem späteren Papst Paul VI. (1963-1978), gesagt. Monsignore Montini bekam auch den Auftrag, die Flüchtlinge mit Matratzen, Decken und Lebensmitteln zu versorgen.

Seine Privatgemächer hatte der Papst werdenden Müttern zur Verfügung gestellt. Sechsunddreißig Kinder kamen im Apostolischen Palast von Castel Gandolfo wohlbehalten zur Welt, darunter auch ein Zwillingspaar. Die beiden Jungen erhielten von ihren Eltern, den der Kommunistischen Partei nahestehenden Eheleuten Zevini, die Vornamen „Eugenio“ und „Pio“. Sie sollten nicht die einzigen bleiben, die in diesen Tagen aus Dankbarkeit auf die Namen des Papstes getauft wurden. Die eineiigen Zwillinge Eugenio und Pio Zevini sind noch heute fest davon überzeugt, dass sie ihr Überleben Pius XII. verdanken.

Aber auch in der Sommerresidenz des Papstes musste dem Krieg Tribut gezollt werden. Am 1. Februar warfen alliierte Geschwader Bomben über Albano und Castel Gandolfo ab – auch auf die päpstlichen Villen, obwohl an deren Gebäude die gelbweißen Flaggen des neutralen Vatikanstaates wehten.

Offiziere und Mannschaften der Palatingarde leisteten sofort Hilfe. Sie transportierten die Verletzten in die Notquartiere, holten Verwundete und Tote – darunter sechszehn Klarissinnen – aus den Trümmern hervor. Neun Tage später sollte sich das ganze schreckliche Szenario wiederholen; nur das diesmal noch mehr Tote und Verletzte zu beklagen waren – allein im dortigen Kolleg der Propaganda Fide hatten fünfhundert Menschen ihr Leben verloren.

In Castel Gandolfo und Umgebung ist bei vielen älteren Menschen die Erinnerung an diese Zeit nicht verblasst. Diejenigen von ihnen, die damals im Sommersitz des Papstes Zuflucht gefunden hatten, empfinden noch immer Dankbarkeit gegenüber Pius XII., „der alles nur Menschenmögliche tat, um Menschenleben zu erhalten und vorstellbare Leiden zu lindern (Papst Paul VI. beim sonntäglichen Angelusgebet vom 9. März 1975).

Foto: (c) Fotoarchiv Nersinger


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Vatikan

  1. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  2. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  3. Vatikan prüft Teilnahme an Trumps Friedens-Rat für Gaza
  4. Kurienerzbischof Gallagher: Leihmutterschaft ist eine „neue Form des Kolonialismus“
  5. „Synoden sind gute, nützliche Instrumente zur Entwicklung praktischer pastoraler Strategien, aber…“
  6. Vatikan hebt Pfarraufhebungen in US-Diözese Buffalo auf
  7. Latein nicht mehr erste Amtssprache im Vatikan
  8. Nicht nur Kardinäle an der Spitze: Papst ändert Vatikanverfassung
  9. Vatikan kündigt bevorstehende Veröffentlichung eines Dokuments zu Monogamie an
  10. Bemerkenswert großer Andrang bei „Alter Messe“ im Petersdom - Kard.-Burke-Predigt in voller Länge!






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  5. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  6. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  7. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  8. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  9. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  10. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  11. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  12. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  13. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  14. "Ich glaube, dass Gott das erste Selfie geschossen hat.“
  15. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz