Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Eine „Erzbischöfin“ stürzt die Anglikanische Kirche ins Chaos
  2. Was Charlie Kirk Friedrich Merz antworten würde
  3. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  4. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  5. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  6. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  7. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  8. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  9. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  10. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  11. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  12. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  13. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  14. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  15. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"

Fünf Handys und ein Hühnerstall

16. Februar 2024 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Warum ein Fasten in klitzekleinen Schritten uns weit bringen kann. Erkenntnisse aus einem familiären digitalen Detox. Benedicta von Petra Knapp.


Wien (kath.net) Da saßen wir nun. Hinter uns meterhohe Tannen, die der Sturm Tag und Nacht hin- und her peitschte, und die sich auftürmten wie meterhohe Wellen in einem tosenden Meer. Vor uns ein sonnendurchflutetes Tal, wo die Wiesen mitten im Winter schon zaghaft erwacht waren. Wir waren kurz mal weg, ein paar Tage abgetaucht in eine kleine Pension ganz im Norden Österreichs. Die Handys blieben zuhause oder komplett abgeschaltet, ebenso die Laptops. Die Fernbedienungen der Fernseher gaben wir bei der Rezeption ab.

‚Digital Detox‘ lautete mein ehrgeiziges Projekt, das ich mir vorgenommen hatte für unsere Familie. Ich bin gescheitert und gleichzeitig auch nicht. Vierzehn Tage, so mein Plan, weitgehend ohne digitalen Medien verbringen, das ist eine sinnvolle Zeit, wo das Gehirn sich regenerieren kann von dem permanenten Stress, den uns die digitalen Medien bringen. Das habe ich in einem klugen Buch gelesen und wollte es zügig umsetzen.

Die ersten 96 Stunden waren eine Offenbarung. Der „kalte Entzug“ brachte ein Kaleidoskop der Emotionen hervor, vom Protest und Zorn bis zu Erleichterung und Ruhe und ganz viel Langeweile – denn wenn nichts ist, dann muss doch was passieren! Also wurde Wasserball gespielt, Verstecken und Stille Post, herumgelegen in einem Meer aus Büchern, Comics gezeichnet und Pläne für einen Hühnerstall, gelacht und gejammert und natürlich immer wieder geklagt und diskutiert. Wir saßen alle im selben Boot und jeder organisierte sich, suchte sich einen Platz, probierte was aus.


Mit der Rückkehr zuhause scheiterte das Projekt abrupt, weil plötzlich alles wieder in unmittelbarer Nähe war – Handy, Computer und Laptop. Wie sollten wir bloß die restlichen zehn Tage überstehen? Mein Frust war grenzenlos, als ich merkte, dass es zuhause ungleich schwieriger war als an einem Ort, wo es keine digitalen Medien gab. „Ich bin gescheitert“, jammerte ich ins Telefon, als ich am Abend unserer Rückkehr mit meiner Freundin telefonierte.

Sie ermutigte mich und sagte: „Das ist doch toll! Ihr habt vier ganze Tage geschafft!“ Ich brauchte einige Tage, um diese neue Perspektive einzunehmen. Ja: Der Umgang mit digitalen Medien ist ein „long term run“. Es ist die Entwicklung eines Lebensstils, bei dem ich mich selbst disziplinieren lerne. Es ist definitiv  ein Kampf, den ich nicht in vierzehn Tagen gewinnen kann. Jeder kleine Schritt ist besser als nichts und somit ein kleiner Sieg.

Was mich hinein ins geistliche Leben führt und in die Fastenzeit. Wenn ich mir vornehme, 40 Tage auf Süßes zu verzichten, weiß ich jetzt schon, dass ich scheitern werde. Das ist meine Erfahrung der letzten Jahrzehnte. Deswegen nehme ich mir für diese Fastenzeit nur klitzekleine Dinge vor, die ich langfristig bewältigen kann, auch wenn der Alltag fordernd und stressig ist.

Ich bete in der Fastenzeit mehr für andere als sonst, und nicht nur für meine eigenen Angelegenheiten. Ich nehme mir vor, für eine bestimmte Summe pro Woche Almosen zu geben, sei es in Form von kleinen Geschenken, Spenden oder gebackenen Kuchen. Auch das Fasten übe ich in einigen Bereichen, wo ich Abhängigkeiten habe. Mal ist es das Stück Schokolade, das ich nicht mehr esse, mal ist es das Handy, das ich früher abdrehe.

Die Fastenzeit muss alltagskompatibel sein – ebenso wie mein „Digitaler Detox“. Mit vielen klitzekleinen Schritten lässt sich eine lange Strecke zurücklegen. Und mein ehrgeiziges Projekt, das ich zunächst als gescheitert betrachtet habe, hat bemerkenswerte Früchte getragen.

Erstens: Ich erkenne Nuancen eines geänderten Verhaltens im Umgang mit den Medien. Denn jeder, der einmal am eigenen Leib gespürt hat, dass es möglich ist, vier Tage ohne Handy & Co. zu überleben, dem fällt es ungleich leichter, es mal für ein paar Stunden wegzulegen. Man hat doch schon viel mehr geschafft!

Zweitens: Die Handys liegen jetzt immer öfter in einer hölzernen Kiste mit dem Label „Digitales Werkzeug“. Wenn ich das Werkzeug brauche, nehme ich es. Wenn ich es nicht mehr brauche, lege ich es wieder zurück in den Werkzeugkoffer, so wie ich es mit der Bohrmaschine oder dem Akkuschrauber mache. Jeden Tag üben wir das, jeden Tag versuchen wir, kleine Schritte in die Freiheit zu festigen.

Drittens: Die Kreativität, die aus der Langeweile entstanden ist, hat sich übrigens sehr belebend ausgewirkt. Gleich nach der Rückkehr aus dem Kurzurlaub wurde der Hühnerstall gebaut. Drei Hühner sind mittlerweile eingezogen, pünktlich zum Aschermittwoch. Ohne den „Digital Detox“ wäre das Projekt „Hühnerstall“ nie zustande kommen.

„Die Fastenzeit ist nicht wie ein Berg, den es zu erklimmen gilt“, habe ich zuletzt in einem wunderbaren Beitrag auf „Aleteia“ gelesen. Sie sei eher „ein Kieselstein, den man in einen stillen Teich wirft. Während die anfänglichen Wellen vielleicht nur subtil sind, breitet sich ihre Wirkung nach außen aus und verändert nach und nach das gesamte Gewässer. Ebenso haben kleine, beständige Gewohnheiten, die wir während unserer 40 Tage in der Wüste gepflegt haben, das Potenzial, nach außen zu wirken, unser Leben zu prägen und uns Gott näher zu bringen.“


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

BeneDicta

  1. Technisch brillant, geistig obdachlos
  2. Beschließen ohne zu entscheiden?
  3. Die große Täuschung
  4. Hoffnung schlägt Optimismus
  5. Kirche zwischen Riss und Rückbindung
  6. Freu dich, Gott liebt dich
  7. 'Sommer ist, was in deinem Kopf passiert'
  8. Denn der Glaube ist kein Leistungssport
  9. Das Glück dieser Welt kauft man nicht mit Geld
  10. Herabsteigen in die „Tiefe unseres Seins“







Top-15

meist-gelesen

  1. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  2. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  3. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  4. Jesus in Hollywood: Eucharistische Prozession in den Straßen der Filmmetropole
  5. Papst-Vigil in Paris mit Jesus zugeschriebener "Heiliger Tunika"
  6. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  7. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  8. Leo XIV. besucht als erster Papst die wiederaufgebaute Notre-Dame
  9. Die Güte Gottes und die Freude am Glauben
  10. Zum Abschied einer Pastoralraumleiterin
  11. Der 11. September und die Notwendigkeit eines kämpferischen Christentums
  12. Was Charlie Kirk Friedrich Merz antworten würde
  13. Eine „Erzbischöfin“ stürzt die Anglikanische Kirche ins Chaos
  14. Bischof Oster benennt Unterschiede zwischen deutsch-synodalem Weg und vatikanischer Weltsynode
  15. Er war einer der Gründer der polnischen Lebensschutzbewegung: Pfr. Stanisław Małkowski verstorben

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz