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So fühlt sich Nachhausekommen an

8. Jänner 2026 in Familie, 10 Lesermeinungen
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Slow down mit John Eldredge bei der MEHR 2026: Als ich Texte, Beats und Smalltalk hinter mir lasse und dorthin laufe, wo meine Seele zuhause ist. Von Petra Knapp.


Augsburg (kath.net) Die Geschichte beginnt, als ich die Augen schließe und die 11.000 Menschen rund um mich ausblende. Das Handy weglegen, nicht auf die Uhr schauen. So schaut die kleine Übung aus, die der Mann auf der Bühne jetzt mit uns macht. Was belastet dich gerade, welche Menschen und Situationen sind das?

John Eldredge, Speaker bei der MEHR 2026, ist ein Sprecher wie jeder andere, mit einer langen Liste an publizierten Büchern und jeder Menge Referenzen. Aber wenn er auf der Bühne steht, ändert sich die Dynamik. Es wird ruhiger. Mit großer Selbstverständlichkeit lässt er äußere Dinge vorbeiziehen, etwa den Zeitplan. „I don’t care“, sagt er freundlich ins Mikro. Die Redezeit ist vorbei, aber etwas Wichtiges ist noch nicht gesagt. „Es ist eine schöne Sache, mit 11.000 Leuten zusammen zu sein, es ist aber auch chaotisch und stressig für die menschliche Seele.“

Ich nicke. Er geht auf die Knie. „Jesus, ich gebe dir alles…“, betet er jetzt. Jede Sorge, jede Last, alles, was mich die ganze Zeit beschäftigt, lasse ich los, während meine Finger wie von selber von der Tastatur rutschen. „Du kannst alles wieder mitnehmen, wenn du diese Halle wieder verlässt“, lächelt Eldredge. Ist ja nur ein kleiner Moment des Durchatmens. „Du lässt dich einfach mal fallen… Was spürst du da, an diesem Ort? Ängste, Einsamkeit, Wut…?“

„Was brauchst du von mir?“ laute die Frage, die Jesus uns nun stelle, erklärt der Autor. Selbst wenn du noch immer abgelenkt bist - wo auch immer du gerade bist: „Meet me here!“ Lade Jesus genau dorthin ein, wo du geradestehst! Gib Jesus die Erlaubnis: Stelle unsere Einheit, die Beziehung zwischen uns wieder her!“


Diese Minuten sind Gold. Für diese Minuten sind wir 800 Kilometer gefahren, haben im Stau gewartet und sind Schlange gestanden beim WC. Die MEHR ist cool, hip und laut, eine Gelegenheit, gute Lobpreismusik zu singen, spannende Vorträge zu hören und sich über die Bandbreite christlicher Gruppen und Verbände zu informieren.

Aber die professionellste Lichtshow verblasst, wenn Worte ins Herz treffen, so wie jene von John Eldredge, der zusammen mit seiner Frau Stacy seit Jahrzehnten in der therapeutischen Seelsorge in Colorado Springs arbeitet. Die wesentlichen Dinge werden nicht im Kopf gelöst, sondern in unserem Herzen, ist er überzeugt. „Die Seele wird heil durch die innige Verbindung mit Christus. Das ist die beste Nachricht, die wir hören können. Und das steht uns täglich zur Verfügung, egal wo wir leben, egal, welche Mittel wir haben.“

Drei Stufen nennt Eldredge, um in die Einheit mit Jesus Christus zu kommen. Erstens: Das Wahrnehmen der Gegenwart Jesu Christi zu spüren. „Das hast du schon oft gefühlt“, erklärt er. „Wenn du die Bibel gelesen oder gebetet hast oder auch, wenn du deine Lieblingstätigkeiten ausübst, Musik hörst, die du magst... Alles, was du liebst, bringt dir dieses einfache Gefühl seiner Gegenwart und den sanften Trost, den wir brauchen.“ Aber dies ist nur der erste Schritt, bei dem die meisten Christen stehen bleiben.

Der zweite Schritt sollte folgen, nämlich: Sich nach innen wenden, um die Stimme Jesu zu hören. „Die Welt hat deine Aufmerksamkeit auseinandergerissen, fragmentiert. Das zeigt uns die Neurowissenschaft“, erklärt Eldredge. „Wie schwer es ist, einfach nur still zu sein. Sich nach innen zu wenden und Gott und unsere Aufmerksamkeit zu schenken. – mal abzuschalten und unseren Körper rausnehmen aus ständiger Stimulation.“

Wenn du dich danach gesehnt hast, Gott zu suchen, dann wisse: „Er ist schon längst da!“, sagt der Autor. „Nur dass der Feind und die Welt versucht haben, dich davon abzuhalten, dich zu verführen mit anderem Trost, sodass wir diese ganz einfachen Dinge nicht einüben: Einheit und Gemeinschaft.“ Wir können Jesus bitten, an jene Orte unserer Seele zu kommen, wo wir ihn brauchen.

Das führt zu einem dritten Schritt: Durch diese Intimität mit Jesus wird Heilung möglich. „Er bringt plötzlich eine Kindheitserinnerung hervor“, nennt Eldredge als Beispiel. „Du liest etwas in einem Buch. Irgendetwas triggert dich. Und du erinnerst dich an einen Ort in deiner Kindheit, irgendetwas aus deiner letzten Woche, wo die Gegenwart Jesu nötig ist. Er wird immer wieder klopfen durch alle Erlebnisse deines Lebens, er wird sogar zulassen, dass Dinge dich triggern, er fragt dich: Wirst du mich hereinlassen? Ich will Zugang zu deinen Ängsten, deinem Zorn, deinen Enttäuschungen… Alles, was in dir ungelöst ist, genau dort möchte Jesus unheimlich gerne hinein.“ Jesus habe sich „verpflichtet auf die Wiederherstellung deiner Menschlichkeit“.

„Wenn du von heute nur eine Sache mitnimmst, dann das: Du bist bestimmt zur Einheit mit Jesus Christus“, schließt Eldredge. „Stellt euch vor, wenn wir das der Welt bringen können! Das könnte die Heilung für die globale Krise mentaler Gesundheit bedeuten, indem wir Menschen hinführen zu dieser  Einheit mit Christus.“

Inmitten einer Welt, die sich immer schneller dreht, umgeben von Medien, die unsere Aufmerksamkeit abziehen und uns vom echten Leben fernhalten wollen, ist diese Verbindung mit Jesus eine Challenge und Chance für uns alle, ist Eldredge überzeugt. „So fühlt sich Nachhausekommen an. Das ist das Ziel jedes menschlichen Herzens. Das ist wonach der Vater sich sehnt. Ohne das können wir nicht aufblühen.“

Und inmitten der 11.000 Teilnehmer der MEHR 2026 endet diese Geschichte für mich, abrupt und ganz real. Meine Finger laufen über die Tastatur, als mir meine Schwägerin auf die Schulter tippt und ins Ohr flüstert „Da oben gibt es einen Gebetsraum!“. Der Laptop bleibt liegen. Wie von selbst tragen mich meine Füße die Stufen hinauf, als ich Texte, Beats und Smalltalk hinter mir lasse und endlich dort sein kann, wo meine Seele zuhause ist.


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