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Sacrosanctum Concilium: Die Liturgie und das Geheimnis Christi

20. Mai 2026 in Aktuelles, 15 Lesermeinungen
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Leo XIV.: Die Liturgie als Quelle und Höhepunkt der Kirche, die Vergegenwärtigung des Pascha-Mysteriums Christi. Die Beziehung zwischen Liturgie, Kirche und Erlösung. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Gott hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, / wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm. Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, / das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen, was im Himmel und auf Erden ist, in ihm“ (Eph 1,9-10).

Bei der heutigen Generalaudienz begann Papst Leo XIV. im Rahmen seiner Reihe von Katechesen über die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils seine Auseinandersetzungen mit dessen ersten Dokument: Sacrosanctum Concilium über die heilige Liturgie.

Die Konzilsväter hätten bei der Ausarbeitung dieser Konstitution „nicht nur eine Reform der Riten in Angriff nehmen, sondern die Kirche dazu führen wollen, jene lebendige Verbindung zu betrachten und zu vertiefen, die sie begründet und eint: das Geheimnis Christi“. Die Liturgie nämlich berühre „das Herz dieses Geheimnisses“: „Sie ist zugleich der Raum, die Zeit und der Zusammenhang, in dem die Kirche von Christus ihr eigenes Leben empfängt.“ Denn in der Liturgie, so zitierte der Papst aus Sacrosanctum Concilium 2, „vollzieht sich das Werk unserer Erlösung“, das aus den Gläubigen „ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums Gottes“ mache.

Im weiteren Verlauf der Katechese verwies Leo XIV. auf die „dreifache Erneuerung - die biblische, die patristische und die liturgische“, die die Kirche im Laufe des 20. Jahrhunderts durchlaufen habe. Das christliche Geheimnis bezeichne keine dunkle Wirklichkeit, sondern „den Heilsplan Gottes, verborgen von Ewigkeit her und offenbart in Christus“, wie der heilige Paulus lehre. Das christliche Geheimnis sei „das Pascha-Ereignis, das heißt das Leiden, der Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung Christi“, der gerade in der Liturgie „sakramental gegenwärtig gemacht wird“. Deshalb würden die Gläubigen jedes Mal, wenn sie an der Versammlung teilnähmen, die „in seinem Namen“ vereint sei, „in dieses Geheimnis hineingenommen“.


Christus selbst sei „das innere Prinzip des Geheimnisses der Kirche, des heiligen Gottesvolkes, geboren aus seiner durchbohrten Seite am Kreuz“. In der heiligen Liturgie handle er mit der Kraft seines Geistes weiter. Er heilige die Kirche und verbinde sie, seine Braut, mit seiner Hingabe an den Vater. Christus übe „sein absolut einzigartiges Priestertum“ aus, „er, der gegenwärtig ist im verkündeten Wort, in den Sakramenten, in den Priestern, die feiern, in der versammelten Gemeinde und in höchstem Maße in der Eucharistie“ (vgl. SC, 7). Der Papst erinnerte in diesem Zusammenhang an den heiligen Augustinus und zitierte dessen Worte aus einer Predigt über die Eucharistie: Die Kirche „empfängt den Leib des Herrn und wird, was sie empfängt“. Dadurch werde sie zum Leib Christi, zur „Wohnung Gottes im Geist“ (Eph 2,22). Dies sei „das Werk unserer Erlösung“, das die Gläubigen Christus gleichgestalte und sie in der Gemeinschaft aufbaue.

Diese Gemeinschaft verwirkliche sich in der heiligen Liturgie „durch die Riten und Gebete“ (SC, 48). Die Ritualität der Kirche drücke ihren Glauben aus nach dem Grundsatz „lex orandi, lex credendi“ und forme zugleich die kirchliche Identität: „Das verkündete Wort, die Feier des Sakraments, die Gesten, das Schweigen, der Raum: all dies stellt das vom Vater zusammengerufene Volk dar und gibt ihm Gestalt, dem Leib Christi, dem Tempel des Heiligen Geistes“. Deshalb werde jede Feier „zu einer wahren Epiphanie der betenden Kirche“, wie der heilige Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Vicesimus quintus annus hervorgehoben habe.

Wenn die Liturgie im Dienst des Geheimnisses Christi stehe, werde verständlich, warum sie in Sacrosanctum Concilium 10 als „der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“ bezeichnet werde. Das Wirken der Kirche beschränke sich zwar nicht allein auf die Liturgie, doch „jede ihrer Tätigkeiten - die Verkündigung, der Dienst an den Armen, die Begleitung der menschlichen Wirklichkeiten - “ strebe auf diesen Höhepunkt zu. Zugleich stütze die Liturgie die Gläubigen, indem sie sie immer wieder in das Pascha des Herrn eintauchen lasse. Durch die Verkündigung des Wortes, die Feier der Sakramente und das gemeinsame Gebet würden sie „gestärkt, ermutigt und erneuert in ihrem Glaubenszeugnis und in ihrer Sendung“. Deshalb sei die Teilnahme der Gläubigen an der liturgischen Handlung zugleich innerlich und äußerlich.

Dies bedeute auch, dass sich die Liturgie konkret im ganzen täglichen Leben entfalten müsse, „in einer ethischen und geistlichen Dynamik“. Die gefeierte Liturgie „übersetzt sich in Leben“ und verlange „eine treue Existenz, die das konkret werden lässt, was in der Feier erlebt wurde“. Auf diese Weise werde das Leben der Gläubigen „zu einem lebendigen, heiligen und Gott wohlgefälligen Opfer“ und verwirkliche ihren „geistigen Gottesdienst“ (Röm 12,1). Weiter führte Leo XIV. aus: „Dabei baut die Liturgie täglich die, welche drinnen sind, zum heiligen Tempel im Herrn auf“ (SC, 2). So forme sie eine offene und aufnehmende Gemeinschaft gegenüber allen. Die Liturgie sei „vom Heiligen Geist bewohnt“, führe in das Leben Christi ein und mache die Gläubigen zu seinem Leib. Dadurch stelle sie „in all ihren Dimensionen ein Zeichen der Einheit des ganzen Menschengeschlechts in Christus dar“.

Zum Ende der Katechese richtete Leo XIV. einen Aufruf an die Gläubigen: „Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns innerlich formen durch die Riten, die Symbole, die Gesten und vor allem durch die lebendige Gegenwart Christi in der Liturgie“, deren Bedeutung in den kommenden Katechesen weiter vertieft werden solle.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, ich lade euch ein, euch in der Feier der Liturgie immer tiefer in das Geheimnis Christi zu versenken, damit er euer Leben durch sein Wort und seine Sakramente bereichern und verwandeln kann. In Erwartung des Pfingstfestes rufen wir gemeinsam mit der Mutter Jesu und den Aposteln den Heiligen Geist an, damit er unsere Herzen und das Antlitz der Erde erneuere.

 


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