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Alles für das Leben?24. April 2020 in Prolife, 3 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Grundrechte: Klare Konsequenzen. Gastbeitrag von Bernd Posselt
München-Berlin (kath.net/Dolomiten) Seit dem Ende totalitärer Regime wie Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus wurden in Europa nicht ein einziges Mal die elementaren Grund- und Menschenrechte so sehr angetastet oder gar suspendiert wie derzeit. Wenn auch sachlich gerechtfertigt und im Rahmen demokratischer Rechtsstaatlichkeit limitiert, ist dieses Vorgehen unserer Regierungen ein beispiellos schwerer Eingriff in nahezu alles, was uns bislang heilig war: Freiheit, Religion, Eigentum, Familie und soziales Gefüge. Die einzige Legitimation dafür ist ein Recht, das allen anderen übergeordnet ist und auf dem alle anderen aufbauen, nämlich das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Um dieses zu gewährleisten, sind unsere Staaten entstanden, unsere völkerrechtlich abgesicherten Rechts- und Friedensordnungen sowie die Europäische Union.
Wie kann es dann aber sein, daß wir ein so elementares naturrechtliches Prinzip seit Jahrzehnten zum Teil der Wegwerfgesellschaft gemacht haben? Ein typischer Materialistenspruch lautet, daß jeder Mensch ersetzbar sei. Das Gegenteil gilt! Jeder ist ein Ebenbild Gottes und von daher unersetzlich. Daraus zieht die katholische Soziallehre klare Konsequenzen, wenn sie sagt, daß die Wirtschaft für den Menschen da ist und nicht der Mensch für die Wirtschaft. Dasselbe gilt für den Staat: Er hat dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt. Beides ist vielfach in Vergessenheit geraten. Menschliches Leben, an sich unantastbar von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, wurde immer mehr zur Disposition gestellt, vor allem, wenn es sich um ungeborene Kinder, um Alte, um Schwache oder um Behinderte gehandelt hat.
Derzeit spüren wir wieder ganz deutlich, wie kostbar das Leben ist - das unserer Lieben, unserer Umgebung und auch das eigene. Vielleicht gelingt es uns aber auch, das wieder zu entdecken, was Papst Johannes Paul II. und Mutter Teresa, die in den Slums von Kalkutta persönlich den dort grassierenden Seuchen entgegentrat, als "Kultur des Lebens" bezeichneten.
Bernd Posselt ist CSU-Politiker, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Von 1994 bis 2014 war er Abgeordneter im Europäischen Parlament.

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