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Bischof Küng: „Es ist nicht leicht, als Christ zu leben“

14. Februar 2018 in Spirituelles, 4 Lesermeinungen
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„Wir müssen wachsam sein, um uns nicht durch die in unserer Wohlstandsgesellschaft weit verbreitete Lauheit anstecken zu lassen.“


St. Pölten (kath.net/dsp) kath.net dokumentiert den Fastenhirtenbrief 2018 von des St. Pöltner Bischofs Klaus Küng in voller Länge:

Liebe Brüder und Schwestern!

Einmal mehr sind wir am Aschermittwoch in die Fastenzeit eingetreten und bitten Gott, er möge uns durch diese Zeit der Umkehr und der Buße die Gnade schenken, in der Erkenntnis Christi voranzuschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch unser Leben aus dem Glauben sichtbar zu machen (vgl. Tagesgebet 1. Fastensonntag).

Gott spricht uns alle an. Am 1. Fastensonntag vernehmen wir die Botschaft: „Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,14).

Wir müssen wachsam sein, um uns nicht durch die in unserer Wohlstandsgesellschaft weit verbreitete Lauheit anstecken zu lassen. Viele Menschen haben das religiöse Leben weitgehend oder ganz aufgegeben, nicht wenige begnügen sich mit einem nur fallweisen Mittun bei bestimmten Anlässen und Feiern. Ihnen ist das religiöse Leben anscheinend nicht besonders wichtig.

Seien wir davon überzeugt: Jesus ist unter uns, auch heute und jetzt, und er spricht uns und alle an. Vielleicht werden Sie einwenden: Aber viele Mitmenschen hören nicht auf ihn, auch unsere eigenen Kinder haben sich abgewendet, obwohl wir alles getan haben, um ihnen unseren Glauben vorzuleben und mitzugeben.

Es ist wahr, dass in unserer Gesellschaft die Einflüsse vielseitig und zum Teil massiv sind. Es ist nicht leicht, als Christ zu leben und nicht den weit verbreiteten Trends nachzugeben. Wahr ist aber auch, dass es gerade deshalb notwendig ist, konsequent zu sein. Seien wir zuversichtlich! Gott ist treu, auch wenn die Menschen untreu sind. Er hat versprochen: „Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen“ (1.Lesung). Wir haben die Taufe empfangen. „Sie ist“ – so lehrt der hl. Petrus – „eine Bitte an Gott um ein reines Gewissen auf Grund der Auferstehung Jesu Christi, der in den Himmel gegangen ist; dort ist er zur Rechten Gottes, und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen“ (2. Lesung).

Was also sollen wir tun? Berichtigen wir unsere Haltung, wo wir nachgelassen haben: Z. B. wirklich regelmäßiger Gottesdienstbesuch am Sonntag und wenn möglich auch mehrere Male oder sogar täglich am Werktag, um die Sehnsucht nach Christus wieder zu spüren. Beten wir täglich, mehrmals und verbinden wir unsere täglichen Gebete immer in der Früh beim Aufstehen mit dem Blick nach vorne und abends mit einer kurzen Rückschau und Gewissenserforschung, um unsere Seele zu stärken. Auch das Gebet vor und nach den Mahlzeiten ist eine wichtige Pause im Alltag. Ein wertvolles Stelldichein mit der Gottesmutter ist „Der Engel des Herrn“, als Gebetsschatz empfehle ich immer auch das Gebet des hl. Rosenkranzes - wenigstens ein Gesätzchen müsste täglich möglich sein. Das persönliche Reden mit Gott, jeden Tag und wenigstens für zehn Minuten, empfinde ich als besonders hilfreich, um ihn mit unseren Fragen und Bitten aufzusuchen und um seinen Willen zu erkennen. Von großem Nutzen ist zudem die tägliche Lektüre der Heiligen Schrift und eines geistlichen Buches, das uns Anregungen vermittelt. Das geht dank elektronischer Medien und Hilfestellungen heute leichter denn je. Zu all dem gehört ein besonderes Bemühen im Kampf gegen die Fehler, die uns häufig passieren, und um Wachstum in jenen Bereichen, in denen wir uns verbessern können. Ohne unseren Willen wird es nicht gehen.

Empfangen wir auch das Bußsakrament mit einem ehrlichen, persönlichen Bekenntnis, mit Reue über unsere Sünden, einem echten Hinhören auf den Rat des Priesters und einigen festen Vorsätzen! Jesus hat sein Leben hingegeben zur Versöhnung des Himmels und der Erde durch sein Blut (vgl. Kol 1,20). Lassen wir uns von ihm mit Gott versöhnen! Er ist auferstanden. Er lebt!

Auch junge Menschen werden früher oder später den Weg finden, wenn sie Christen erleben, die glauben und trotz der eigenen Fehler um ein authentisches christliches Leben bemüht sind. Es ist notwendig, Jung und Alt anzusprechen. Es werden erneut Berufungen kommen und christliche Familien entstehen. Es gibt diesbezüglich Keime in der Diözese, die am Wachsen sind. Wir haben allen Grund zu guter Hoffnung. Das Gute zieht an und verbreitet sich.

So wünsche ich allen eine gesegnete Fastenzeit und ein Osterfest voll Freude und Zuversicht!



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