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Christen beim Thema Islam und Flüchtlinge zu 'leichtgläubig'

23. Februar 2017 in Österreich, 5 Lesermeinungen
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Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, in Zeitschrift "Academia": Antisemitismus in Österreich bereits spürbar - Integration braucht Respekt für hiesige Werteordnung, "nicht die Scharia"


Wien (kath.net/KAP) Österreich hat ein akutes Problem mit dem "politischen Islam" - und dies nicht erst seit der Flüchtlingswelle. Das hat der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Wien, Raimund Fastenbauer, in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Academia" konstatiert. "Der politische Islam ist für uns ein Problem" - gemeint sei damit jener Islam "nahöstlicher Prägung, der durch und durch antisemitisch ist und intolerant gegenüber Andersgläubigen, auch dem Christentum". Diese Prägung des Islam habe schon vor Jahren in den islamischen Institutionen in Österreich Fuß gefasst, so Fastenbauer unter Verweis auf die Muslimbruderschaft und die türkische Organisation Mili Görüs. Auch in der türkischen Community in Österreich sei der Antisemitismus "stark ausgeprägt".

Spürbar sei diese veränderte Großwetterlage inzwischen deutlich, so Fastenbauer - etwa wenn man sich als orthodoxer Jude durch bestimmte Wiener Bezirke bewege. "Da kann es durchaus vorkommen, dass man angestänkert wird. Früher von Hooligans oder Neonazis, heutzutage verstärkt auch von Muslimen" - kein Problem habe man jedoch mit dem liberalen Islam oder den Aleviten, betonte Fastenbauer. Entsprechend kritisch sieht Fastenbauer auch die staatliche Haltung dem politischen Islam gegenüber: Man habe das Problem "sehr lange vernachlässigt" - zunächst aus "Unverständnis", dann aus "parteitaktischen Gründen". Inzwischen jedoch wache man auch auf staatlicher Seite langsam auf.


Kritik übte der IKG-Generalsekretär in diesem Zusammenhang auch an einer gewissen Blauäugigkeit unter Christen im Blick auf die in Österreich ankommenden Flüchtlinge. Es dürfe nicht verleugnet werden, dass es ein Problem mit der Zuwanderung gerade aus jenen Ländern gebe, wo Muslime "bereits mit der Muttermilch (...) den Judenhass in den Elternhäusern und Schulen mitbekommen haben". Dies müsse auch von christlicher Seite deutlicher gesehen werden: "Man sollte hier nicht leichtgläubig sein, und ich wundere mich manchmal, wie wenig Protest ich höre, wenn es um das Schicksal verfolgter Christen in Syrien, dem Iran oder Irak geht". Die Gründe dafür ortet Fastenbauer unter anderem in einer christlichen Haltung, die allzu "konsensfreudig und 'weich'" sei, wenn es etwa um den interreligiösen Dialog und etwaige Kritik am jeweiligen Gegenüber gehe.

Jüdische Zuwanderung forcieren

Zentral ist künftig laut Fastenbauer eine umfassende Integration der Flüchtlinge und Zuwanderer, die auch das Akzeptieren der österreichischen Werteordnung umfassen müsse. "Da gilt österreichisches Recht, nicht die Scharia." Im Judentum gebe es etwa das Grundprinzip, dass staatliche Gesetzes stets einzuhalten sind - "unabhängig davon, welche Vorschriften durch die Religion vorgegeben werden". Konkret brauche es Initiativen, die Zuwanderern etwa die österreichische Geschichte erkläre und die aufzeigen, wohin Fanatismus und Hetze führen könnten.

Die Kultusgemeinde habe in der Vergangenheit einen solchen mühsamen Integrationsprozess etwa mit den jüdischen Zuwanderern aus den zentralasiatischen Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion erlebt. Man habe den Zuwanderern ihre Regeln und Bräuche gelassen, aber etwa massiv auf den Spracherwerb gesetzt, so dass nun in der zweiten, dritten Generation Deutsch zur Muttersprache geworden sei.

Zuletzt verwies Fastenbauer auf ein akutes demografisches Problem der Kultusgemeinde: Die Jugend gehe häufig zum Studium ins Ausland - etwa nach Israel - und kehre dann oft nicht wieder zurück nach Österreich. "Diese jungen Leute fehlen dann bei uns." Daher wünsche sich die IKG eine "organisierte Zuwanderungspolitik gut ausgebildeter Kräfte" etwa aus jüdischen Gemeinden in der Ukraine oder Russland. Mit diesem Ansinnen sei man jedoch bislang gescheitert, nicht zuletzt wegen der Kriterien der Rot-Weiß-Rot-Card. "Gleichzeitig müssen wir mitansehen, wie Zigtausende Menschen ohne jede Qualifikation unter dem Titel 'Flüchtlingswelle' in unser Land strömen. Das stimmt nachdenklich."

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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