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Kann ein Schisma sinnvoll sein?

5. Oktober 2015 in Kommentar, 37 Lesermeinungen
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Anmerkungen zur Bischofssynode in Rom. Gastkommentar von Prof. em. Hubert Windisch


Vatikan-Freiburg (kath.net) Schismen begleiten die Kirchengeschichte von Anfang an. Immer wieder wurden einzelne, kleinere oder größere Gruppen aus der Gemeinschaft der sich etablierenden Kirche wegen ethischen oder glaubensmäßigen Fehlverhaltens ausgeschlossen. Die ersten Konzilien zumal stehen alle für einen theologischen Klärungsbedarf des Bekenntnisses der Kirche mit nachfolgenden Abspaltungen.

Bekannt sind innerhalb der bereits etablierten Kirche vor allem das Morgenländische Schisma von 1054, das bis jetzt trotz aller Annäherungsversuche zu einer dauerhaften Trennung zwischen Ost- und Westkirche geführt hat, ferner die Zeit des sog. Abendländischen Schismas mit vielen Gegenpäpsten von 1378-1417, das zu einer nur zeitweiligen rein innerkatholischen Spaltung führte, die wesentlich aufgrund von politischen Rivalitäten zwischen Frankreich und Italien ausgelöst worden war, und das letzte große Schisma aufgrund der Reformation von 1517 an, das nicht nur zur Herausbildung einer großen reformatorischen Konfession, sondern zu unzähligen konfessionellen Abspaltungen innerhalb der protestantischen Kirchen führte.

Eine Sonderstellung nimmt dabei die Abspaltung der anglikanischen Kirche unter Heinrich VIII. ein. Als Papst Clemens VII. sich weigerte, die Ehe von Heinrich VIII. zu annullieren, entschieden sich die Bischöfe von England, den Primatsanspruch des Papstes in England nicht mehr anzuerkennen. Dieser schismatische Gründungsakt der anglikanischen Kirche bekommt im Blick auf die Thematik der Bischofssynode „Christliche Ehe und Familie in heutiger Zeit“ eine geradezu pikante Note.


Für ein Schisma kann es viele Gründe geben. Differenzen in der Glaubenslehre oder in der Glaubenspraxis, aber auch kirchenpolitische Interessen können zu Schismen führen. Schuld an einem Schisma ist, wer die Orthodoxie und/oder Orthopraxie der bisherigen kirchlichen Gemeinschaft verletzt. Ein Schisma ist eine Spaltung und daher eine Zerstörung der Einheit der Kirche. Unter diesem Aspekt ist ein Schisma immer ein Vorgang, der nicht sein sollte.

Nun kann allerdings eine Glaubensgemeinschaft um ihrer Identität willen weder jede Meinung noch jedes Verhalten zulassen, außer sie gibt sich selbst auf und geht verloren. Jede Glaubensgemeinschaft hat dogmatische und moralische Vorgaben, die nicht zur Disposition stehen, wenn sie als eine bestimmte Glaubensgemeinschaft erkennbar sein will. Etwas salopp gesagt: „Wo katholisch draufsteht, muss auch katholisch drinsein.“

So gesehen ist die katholische Kirche nicht ein Zuckerguss, unter dem sich allerlei und vielerlei tummeln kann. Das Wort Jesu aus der Bergpredigt (vgl. Matthäus 5,29-30), lieber ein Auge auszureißen oder eine Hand abzuhauen als mit dem ganzen Leib in die Hölle geworfen zu werden, gilt auch für die Kirche als den Leib Christi.

Es kann lange dauern, bis der Konflikt, der einem Schisma zugrunde liegt, zu einer öffentlichen und auch offiziellen Spaltung führt. Oft wird über Jahrzehnte um die rechte Sicht der anstehenden Fragen und um die richtigen Antworten darauf gerungen. Im Augenblick nun scheint die katholische Kirche wieder vor einer schismatischen Zerreißprobe zu stehen. Bis in höchste Kirchenkreise hinein befürchtet man eine Kirchenspaltung, wenn es bei der Bischofssynode nicht gelingt, in Bezug auf eine christliche Ehe und Familie in heutiger Zeit von neuem die katholische Identität zu stärken. Es kann zum Status confessionis nicht nur unter Theologen, sondern auch unter Bischöfen und Kardinälen kommen, wenn man versuchen sollte, pastoral kaschiert die katholische Glaubenslehre in Bezug auf die Ehe als Sakrament und das biblisch fundierte Bild des Menschen als Mann und Frau auszuhöhlen.

Ausgelöst wurde der schon seit langem schwelende Konflikt, der die Bischofssynode bestimmen wird, auch durch eine katholische Winkelzügetheologie vor allem im westlichen Kulturkreis, die sich immer mehr den protestantischen dogmatischen und ethischen Deformationen angeglichen hat und der sich sogar Bischöfe aufgrund einer falsch verstandenen „Liebedienerei der Aktualität“ (Milan Kundera) anschließen. Übersehen wird dabei im ökumenischen Diskurs, dass es bezüglich dogmatischer und ethischer Grundsätze schon lange ein de-facto-Schisma innerhalb der protestantischen Kirchen selbst gibt. Es sind beachtliche evangelische Kräfte, die der Zerfall ihrer Kirchen schmerzlich berührt und die lieber heute als morgen eine respektable Rückkehr in eine gemeinsame katholische Kirche herbeisehnen, die sich nicht in eine irrelevante Zeitgeistverwaltung auflöst. Es wird sich zeigen, ob die Teilnehmer der Bischofssynode samt Papst in Bezug auf Ehe und Familie heute Zeichen setzen, die zu einer neuen Spaltung der Kirche führen oder nicht.

Prof. Dr. Hubert Windisch (Foto) ist emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg


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