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Mit Kardinal Marx und Bischof Bode auf deutsch-katholische Sonderwege

2. März 2015 in Kommentar, 39 Lesermeinungen
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In seltener Klarheit haben Kardinal Marx und Bischof Bode bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz den Sonderweg der Kirche in Deutschland angekündigt. Ein kath.net-Kommentar von Johannes Graf


Hildesheim (kath.net/jg)
Die Tendenzen waren in den letzten Jahren und Jahrzehnten bereits spürbar, so deutlich hat sich bis jetzt aber noch kein deutscher Bischof geäußert: „Wir sind keine Filialen von Rom. Jede Bischofskonferenz ist für die Pastoral in ihrem Kulturkreis zuständig und hat das Evangelium in ureigener Aufgabe selber zu verkünden“, sagt Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vor Journalisten in Hildesheim. Kath.net hat berichtet. Die deutschen Bischöfe wollen deshalb ein eigenes Hirtenwort zu Ehe und Familie im Anschluss an die ordentliche Synode im Oktober dieses Jahres veröffentlichen, gab Marx bekannt.

Gegen ein Schreiben der deutschen Bischöfe zur Ehe- und Familienpastoral wäre grundsätzlich nichts einzuwenden. Die spezifische Situation der Kirche in Deutschland könnte auf diese Weise konkret in den Blick genommen werden. Im Zusammenhang der zitierten Marxschen Aussagen und der Ergänzungen des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode lässt die Ankündigung aber nichts Gutes erwarten.

Nach Bodes Meinung hat die Bischofssynode sogar historische Bedeutung. Die Teilnehmer würden nicht nur über Ehe und Familie beraten sondern eine Grundsatzfrage der Theologie überhaupt neu stellen. Die Grundfrage sei, ob nur Schrift und Tradition Quellen der theologischen Erkenntnis seien oder auch „die Realität von Menschen und der Welt“. Dies würde einen theologischen Paradigmenwechsel bedeuten, schreibt die Tagespost. Bode spricht in diesem Zusammenhang von einer „dialogischen Struktur der Wirklichkeit“, wie sie im ersten Absatz der Pastoralen Konstitution „Gaudium et spes“ des II. Vatikanischen Konzils zum Ausdruck komme. „Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen (denen der Jünger Christi, Anm.) seinen Widerhall fände“, heißt es dort (GS 1). Bode schließt daraus, dass nicht nur die christliche Botschaft Resonanz in den Menschen finden müsse, sondern „die Menschen müssen Resonanz bei uns finden“.


Dieser Gedankengang kann durchaus im Sinne der Kirche gemeint werden, wäre dann allerdings kein Paradigmenwechsel. Denn selbstverständlich muss die Kirche in ihrer Pastoral die jeweiligen menschlichen, gesellschaftlichen und politischen Umstände berücksichtigen. Jesus hat ihr den Auftrag gegeben, den konkreten Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen das Wort Gottes zu verkünden und die Sakramente zu spenden.

Ein Paradigmenwechsel ist es erst dann, wenn die jeweilige Lebenswirklichkeit als maßgebend für die Lehrinhalte und als normgebend für die Gebote herangezogen wird. Darauf läuft Bodes Gedanke letztlich hinaus. Die Lehre der Kirche wird dann von den Zeitumständen abhängig. Bode hat die von ihm ins Spiel gebrachte Grundsatzfrage für sich offenbar bereits beantwortet und bestätigt dies mit einer weiteren Aussage auf derselben Pressekonferenz. Auf die Frage nach richtungsweisenden Theologen nennt er den Freiburger Professor für Moraltheologie Eberhard Schockenhoff. Dessen Thesen zur Ehe hat Maria Prügl vom Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg bereits ausführlich für kath.net analysiert.

Schockenhoff ist der Ansicht, dass das individuelle Gewissen die letzte Entscheidungsinstanz in moralischen Fragen ist. Wendet man dieses Prinzip auf das „heiße Eisen“ des Kommunionempfangs für zivilrechtlich geschiedene Wiederverheiratete an, ist die Frage dem Gewissensurteil des Betroffenen überlassen. Ähnlich haben die Bischöfe Deutschlands in der unglücklichen Königsteiner Erklärung vom 30. August 1968 argumentiert. In zweideutigen Formulierungen wird einerseits die päpstliche Autorität betont, andererseits die „verantwortungsbewusste Gewissensentscheidung der Gläubigen“ beschworen. Auf ähnliche Weise versucht Kardinal Marx den Spagat. In der Lehre bleibe man in der Gemeinschaft der Kirche, in Einzelfragen der Seelsorge „kann die Synode nicht im Detail vorschreiben, was wir in Deutschland zu tun haben“, zitiert ihn die Tagespost. Konkret heißt das wohl im Licht der Thesen Bischof Bodes: Die deutschen Bischöfe werden – wenn sie gefragt werden – weiterhin lehren, dass die Ehe unauflöslich ist. Ob eine zivilrechtliche Scheidung und Wiederverheiratung ein Grund für den Ausschluss von Empfang der heiligen Kommunion sind, bleibt der Gewissensentscheidung des einzelnen überlassen.

Die Kirche vertritt eine andere Auffassung von Gewissen. Es ist „der ursprüngliche Statthalter Christi“ im Inneren des Menschen, schreibt Kardinal Newman. Wie alle menschlichen Fähigkeiten ist auch die Urteilsfähigkeit des Gewissens nach dem Sündenfall beeinträchtigt. Es bedarf daher der Bildung des Gewissens, die ein wesentlicher Teil der Erziehung ist. „Ein gut gebildetes Gewissen urteilt richtig und wahrhaftig“ (KKK 1783). Maßstab ist das göttliche Gesetz, das jedem Menschen „ins Herz geschrieben ist“ (Röm 2,15).

Die Ausführungen von Kardinal Marx und Bischof Bode zeigen trotz ihrer manchmal zweideutigen Formulierungen in seltener Klarheit, was hinter der Diskussion um pastorale Fragen der Ehe und Familie eigentlich steckt. Es geht um das rechte Verständnis von Gewissen, um die Sakramente der Ehe, der Eucharistie und der Buße, es geht letztlich um eine andere Theologie. Dahinter steht die Theologie, die an den meisten katholischen Fakultäten des deutschen Sprachraums seit mindestens einer Generation gelehrt wird. Die Früchte dieser Theologie ernten wir jetzt. Eine andere Theologie – Stichwort Paradigmenwechsel – führt irgendwann zu einer anderen Kirche. Das wird jetzt langsam deutlich.


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