Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbrüder lehnen Dialog mit Rom ab und beharren auf Bischofsweihe
  2. Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der Kirche
  3. Der Tod der Theologie in Deutschland
  4. Erzbistum Paderborn: Hunderte Protest-E-Mails gegen ‚Harry Potter Gottesdienst‘
  5. Kirche im Verfall
  6. Kritik an Kanzler Merz nach Ramadan-Grüßen
  7. Offener Brief an Kardinal Marc Ouellet
  8. Donald Trump und Keir Starmer grüßen Christen am Aschermittwoch, Merz und Van der Bellen die Muslime
  9. Zwei (renommierte und namentlich bekannte) Missbrauchsopfer „blitzen mit ihren Protesten ab“
  10. Mein Held des Monats: Marco Rubio – Ein Weckruf für das Abendland
  11. Früherer Bundestagsvizepräsident Kubicki: „Der ZDF-Skandal muss politische Konsequenzen haben“
  12. 'Man kann mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, die Demokratie nämlich auch abschaffen'
  13. THESE: Warum die UNO weg muss!
  14. „Warum bin ich noch in der Kirche?“, fragte der Theologe Joseph Ratzinger bereits 1970
  15. „In unendlicher Liebe durch das Leben geführt“

Bischof Timmerevers bei DBK-Vollversammlung: „Ich frage mich, woher kommen diese Taufberufungen?“

25. September 2025 in Spirituelles, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Predigt in Bonifatius-Vesper: „Ich sehe immer wieder, hier wächst etwas Neues, vor allem sehe ich, hier ist Gott am Werk, hier ist der Auferstandene am Werk, inmitten der Welt. Er spricht die Menschen an, er bringt etwas in Bewegung.“


Fulda-Bonn-Dresden (kath.net/DBK) kath.net dokumentiert die Predigt von Bischof Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) in der Bonifatiusvesper zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 24. September 2025 in Fulda in voller Länge:

Lesung: Jes 43,18–19
Der Herr spricht:
Denkt nicht mehr an das, was früher war;
auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr!
Siehe, nun mache ich etwas Neues.
Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?
Ja, ich lege einen Weg an durch die Wüste
und Flüsse durchs Ödland.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst!
Gegen Ende meines zweiten Jahres als Bischof von Dresden-Meißen – ich komme gebürtig aus dem Oldenburger Münsterland, Bistum Münster – hatte ich mich mit einem Anliegen an eine mir seit Langem bekannte Person ganz im Westen der Bundesrepublik Deutschland gewandt. Am Telefon konnten wir die Frage besprechen. Dann gab es noch einen kurzen Wortwechsel, meine Gesprächspartnerin merkte an: „Sie Ärmster, Sie mussten in den Osten gehen!“ Ich antwortete ihr: „Ach, hier ist es ganz schön.“ Darauf fragte sie: „Was ist denn im Osten schön?“ Im ersten Moment habe ich geschwiegen, aber dann flog mir gewissermaßen ein Satz heraus, den hatte ich vorher noch nie gedacht und gesprochen: „Wissen Sie, das Schönste für mich hier ist: dem lieben Gott bei der Arbeit zuzuschauen!“ Sofort folgte die Reaktion: „Wie das?“ Ich antwortete: „Wenn ich die Lebensgeschichten und die Wege der Erwachsenen sehe, die um die Taufe bitten, kann ich nur staunen. Hier ist Gott am Werk!“

Dazu einige Zahlen: Im Erzbistum Berlin wurden in diesem Jahr bis jetzt 190 erwachsene Personen getauft, im Bistum Erfurt sind es 33, im Bistum Magdeburg 39, im Bistum Görlitz 13, im Bistum Dresden-Meißen sind es 61. Im Bistum Pilsen, unser Nachbarbistum in Tschechien, waren es am Osterfest 90. Vielleicht haben Sie die Zahlen aus Frankreich gehört. Hier waren es an diesem Osterfest 10.000 Erwachsene und 7.000 Jugendliche! Wie ist das möglich?

Für unser Bistum jedenfalls kann ich sagen, das ist nicht das Ergebnis unserer missionarischen Arbeit und unseres pastoralen Bemühens. Zwar finden in einer Reihe von Gemeinden, immer im Herbst beginnend, Glaubenskurse statt. Die Personen, die sich anmelden, kommen mit ganz unterschiedlichen Beweggründen und Motiven zu diesen Kursen.


Wir sind mit dem ZaP, dem Zentrum für angewandte Pastoral der Universität Bochum, vor einiger Zeit intensiver der Frage nachgegangen, woher kommen diese erwachsenen Taufbewerber?

Drei Gruppen lassen sich ausmachen: die erste Gruppe: das sind Personen, die durch irgendeinen Umstand auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, auf die Frage nach Gott gestoßen sind. Z. B.: Da ist ein junger Intensivpfleger, und er stellt nüchtern fest: manchmal sterben mir die Patienten unter meinen Händen weg, und ich frage mich, in welche Hände fallen sie jetzt. Er geht der Frage nach, begibt sich auf eine lange Suche und findet schließlich im Glauben der Christen eine Antwort und lässt sich taufen.

Ein IT-Spezialist öffnet bei der Auflösung des Haushaltes seiner Großeltern auf dem Dachboden eine Bücherkiste. Dort findet er eine Bibel in altdeutscher Schrift. Das weckt sein Interesse. Bis dahin hatte er in seinem Leben überhaupt keinen Kontakt zu Religion, zum Glauben an Gott und zur Kirche. Er liest die ganze Bibel vom Anfang bis zum Ende und stellt fest, die Begegnung, die Beschäftigung mit Jesus hat in seinem Herzen einen Frieden zurückgelassen, den er vorher nicht kannte. Dem ist er nachgegangen, über viele Umwege und Hindernisse, in seiner Familie und seinem Bekanntenkreis gab es keinen Christen, sein beharrliches Suchen führte zur Bitte um die Taufe.

Ein drittes Beispiel: Eine blinde Muslima, in Deutschland geboren, nahm Abstand zu ihrer Religion. In ihrer Blindengruppe lernt Sie einen blinden Mann kennen, der katholisch ist. Sie schließen Freundschaft, durch ihn nähert sie sich dem christlichen Glauben, gemeinsam besuchen sie einen Glaubenskurs. Und auf meine Frage, warum sie getauft werden möchte, erhielt ich die Antwort: „Wissen Sie, Herr Bischof, die Blindheit der Augen ist nicht so schwerwiegend wie die Blindheit des Herzens.“

Das sind Zeugnisse aus der ersten großen Gruppe unserer Erwachsenentaufen.

Eine zweite Gruppe Erwachsener lässt sich ausmachen. Erwachsene Frauen und Männer, die auf einer spirituellen Suche sind. Sie sind oft allein unterwegs und stoßen durch irgendwelche religiösen Events, an Wallfahrtsorten, auf Rituale, finden durch Meditation und geistliche Impulse zu einer vertieften Innerlichkeit und entdecken in der katholischen Kirche eine Geborgenheit und Faszination vor allem in der Liturgie. Das gibt ihnen Halt, ein Zugehörigkeitsgefühl und Orientierung. Schließlich bitten sie um die Aufnahme in die katholische Kirche, um die Taufe. Allerdings finden diese Getauften kaum einen Platz in unseren Gemeinden.

Dann lässt sich eine dritte Gruppe ausmachen: Da kommen Ehepartner, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in kirchlichen Einrichtungen in Kontakt mit einem lebendigen Christen, einer lebendigen Christin in Ehe und Familie, in christlichen Gruppen, wenn man so will im „Kleinstmilieu“ der katholischen Kirche: Familie, Freundeskreis, Arbeitsplatz. Da fragt ein sechsjähriges Mädchen – ihr Vater und die beiden Geschwister sind katholisch – die Mutter, die ohne den Kontakt mit Religion und Kirche aufgewachsen ist: „Mama, warum gehst du am Sonntag nicht mit uns zum Gottesdienst?“ Auf diese verunsichernde Frage ihrer Tochter beschließt die Mutter, einen Glaubenskurs zu besuchen, um dafür Argumente zu finden, warum sie nicht zum Gottesdienst geht. Am Ende des Kurses bittet sie um die Taufe.

Liebe Schwestern und Brüder, für mich sind das die Wunder, die Gott in den Herzen von Menschen bewirkt. Dabei habe ich folgende Beobachtung gemacht: Hinter jeder Taufbewerberin und jedem Taufbewerber steht in der Regel ein Gläubiger und aktiver Christ/eine aktive Christin. Diese Taufbegleiter und Taufbegleiterinnen sind eigentlich in Wirklichkeit die Taufpaten. Manchmal sind es Familienmitglieder, Arbeitskollegen, Freunde, die mit einer großen Offenheit und Zugewandtheit den fragenden und suchenden Menschen begegnen und mit ihnen eine Wegstrecke gemeinsam gehen. Sie sind unverzichtbare Stützen auf dem Weg zur Taufe, sie geben Anteil an ihrem eigenen Leben, an ihrem Glaubensleben, geben Zeugnis von ihrer Hoffnung. Sie sind auskunftsfähig. Wenn ich am ersten Fastensonntag die Taufbewerberinnen und Taufbewerber treffe und sie offiziell zum Empfang der Taufe zulasse, erlebe ich ihre gespannte und erwartungsvolle Freude. Aber ebenso stark freuen sich die Taufbegleiter und Taufbegleiterinnen. Das Zeugnis für Christus, die Freude am Glauben, ihn zu leben und anderen zu erschließen, sind stärker als unsere Klagelieder.

Warum erzähle ich Ihnen das? Ich erlebe unsere Kirche in einem großen Umbruch, manchmal auch im Abbruch, davor kann ich meine Augen nicht verschließen. Vertrautes bricht zusammen, und nicht Weniges von dem, was wir in der Pastoral auf den Weg zu bringen versuchen, fruchtet nicht wirklich. Und: Wir bleiben unter uns. Wie kann Kirche neu werden, wodurch nährt sich unsere Hoffnung? Da hilft mir sehr das Wort des Propheten Jesaja, der den Herrn selbst sprechen lässt: „Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ Freilich, die Zahl der Erwachsenentaufen steht in keinem Verhältnis zu den Kirchenaustritten.

Ich frage mich, woher kommen diese Taufberufungen? Ich sehe immer wieder, hier wächst etwas Neues, vor allem sehe ich, hier ist Gott am Werk, hier ist der Auferstandene am Werk, inmitten der Welt. Er spricht die Menschen an, er bringt etwas in Bewegung. Für mich ist das die Einladung, Sie, liebe Schwestern und Brüder, in Ihrem Glaubensleben, in Ihrem Leben mit Jesus Christus zu ermutigen und zu stärken und offen zu sein für Fragende und Suchende. Und dabei den Mut zu haben, sich den Menschen, mit denen Sie unterwegs sind, als Christen zu bekennen: glaubend, hoffend und liebend. In all den Veränderungsprozessen, in denen wir stehen, mit all den Fragen um die Zukunft unserer Kirche, ist Ihr Glaubenszeugnis von Bedeutung, mehr als Sie es jetzt vielleicht erahnen. Denn der Herr selbst ist am Werk.

Das Wort, der Psalm 127, gibt mir Halt und Hoffnung:
„Wenn nicht der Herr das Haus baut, mühen sich die Bauleute umsonst.“
Der Herr baut, wir wirken mit! Wirken wir mit?
Gebe es Gott!
Amen.

Foto aus der Bonifatiusvesper (c) DBK/Marko Orlovic


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Deutsche Bischofskon

  1. Zwei (renommierte und namentlich bekannte) Missbrauchsopfer „blitzen mit ihren Protesten ab“
  2. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  5. Auch Bischof em. Hanke/Eichstätt erhebt Einwände gegen DBK-Papier zur sexuellen Vielfalt
  6. „Die Kirche in Deutschland hat abgehängt“
  7. Bischof Voderholzer schließt sich Bischof Oster bei Ablehnung des DBK-Papiers an!
  8. "Der Dialog war erneut von einer ehrlichen, offenen und konstruktiven Atmosphäre geprägt"
  9. Bätzing spaltet politisch! Ein absoluter Tiefpunkt in der deutschen Kirchengeschichte!
  10. Bischof Oster: Das DBK-Papier zur sexuellen Vielfalt „spricht nicht in meinem Namen“







Top-15

meist-gelesen

  1. Einmal im Leben nach ISLAND - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Piusbrüder lehnen Dialog mit Rom ab und beharren auf Bischofsweihe
  4. Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der Kirche
  5. Der Tod der Theologie in Deutschland
  6. Zwei (renommierte und namentlich bekannte) Missbrauchsopfer „blitzen mit ihren Protesten ab“
  7. Offener Brief an Kardinal Marc Ouellet
  8. Kirche im Verfall
  9. Erzbistum Paderborn: Hunderte Protest-E-Mails gegen ‚Harry Potter Gottesdienst‘
  10. Mein Held des Monats: Marco Rubio – Ein Weckruf für das Abendland
  11. „In unendlicher Liebe durch das Leben geführt“
  12. Donald Trump und Keir Starmer grüßen Christen am Aschermittwoch, Merz und Van der Bellen die Muslime
  13. 'Man kann mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, die Demokratie nämlich auch abschaffen'
  14. 'Reiner Bullshit': Macron sorgt mit Attacke auf Meinungsfreiheit für Entsetzen
  15. „Warum bin ich noch in der Kirche?“, fragte der Theologe Joseph Ratzinger bereits 1970

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz