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Burger: „Kurzum, wie hältst Du es mit Religion und Kirche? Wie geht das mit dem Glauben?“

25. Februar 2026 in Deutschland, 8 Lesermeinungen
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Freiburger Erzbischof schildert bei DBK Gespräch mit Jugendlichen und ihren „Fragen nach dem Glauben, nach Gebet, nach Jesus Christus … Manche so weit weg von Kirche, dass es schon wieder interessiert, sich mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen“


Würzburg (kath.net/DBK) „Was würden wohl diese jungen Menschen alles wissen wollen, mit welchem Rechtfertigungsdruck werde ich wieder umgehen müssen, wenn so manche kirchenpolitischen Fragen kommen, beim Klerikalismus angefangen, über die Frauenfrage bis hin zur Morallehre der Kirche. Und dann – nichts von alledem! Fragen nach dem Glauben, nach Gebet, nach Jesus Christus und nach der Heiligen Schrift standen auf der Agenda: Kurzum, wie hältst Du es mit Religion und Kirche? Wie geht das mit dem Glauben? Manche so weit weg von Kirche, dass es schon wieder interessiert, sich mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen. Ein sehr persönliches Gespräch, ein innerer Austausch. Jugendliche auf der Suche nach Gott, nach dem Sinn ihres Daseins und ihres Lebens.“  So schildert der Freiburger Erzbischof Stefan Burger in seiner Predigt bei der Morgenmesse der DBK Erfahrungen im Gespräch mit Jugendlichen.

kath.net dokumentiert die Predigt von Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) in der Eucharistiefeier zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 25. Februar 2026 in Würzburg in voller Länge:

Diese Generation ist eine böse Generation. Sie fordert ein Zeichen ...
Liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder, 

die Feststellung Jesu ist eine sehr harte. Warum urteilt er so über die Menschen seiner Zeit? Ordnen wir seine Aussage in den Kontext des Lukasevangeliums ein. Im 11. Kapitel, zu dem dieser Abschnitt gehört, lehrt er die Jünger beten. Er ermutigt sie, ihre Bitten an seinen Vater zu richten. Er verweist darauf, dass er die Macht hat, die Dämonen zu besiegen. Und im Nachgang beklagt er das Verhalten der Pharisäer, denen Äußerlichkeiten und die eigene Lehre mehr bedeuten als das Wort Gottes selbst. 

Ständig sich in diesem Verteidigungsmodus zu befinden, sich diesem Rechtfertigungsstatus ausgesetzt zu sehen, dem Unglauben zu begegnen; ständig sich – im übertragenen Sinn - mit Menschen herumschlagen zu müssen, die nicht umkehren wollen, die nicht lernen und nicht erkennen wollen. Das mag eine solche Bezeichnung „diese Generation ist böse“ nachvollziehbar erscheinen lassen. 


Des Weiteren wird Jesus ganz klar zur Entscheidung aufrufen, sich für oder gegen ihn zu positionieren. Der Verweis auf Jona ist da eindeutig. Ninive hatte sich auf die Predigt des Jona hin bekehrt. Maßgebliche Persönlichkeiten zur Zeit Jesu nicht und auch viele Menschen zur Zeit Jesu nicht, obwohl sie die Botschaft Jesu vernehmen konnten und auch seine Zeichen sahen. Aber es war wohl nicht genug.  Was hätte er noch bewirken können? Welches Zeichen noch setzen, um sich auszuweisen? Sicherlich, es gab jene, die an ihn glaubten, die ihn verstehen wollten, die sich mit ihm auf den Weg gemacht hatten, aber es waren noch längst nicht alle, die zu erreichen waren. Und die Jünger, sie hatten wirklich noch viel zu lernen und selbst immer wieder umzukehren, bis sie in der Lage waren, seine Botschaft weiterzugeben.

Hat sich zwischenzeitlich etwas geändert, für uns in der Kirche etwas geändert, die wir uns doch in dieser Nachfolge Jesu sehen? Nicht zuletzt auch aufgrund der mangelnden Übereinstimmung von Lehre und Leben, wie sich dies in den zurückliegenden Skandalen gezeigt hat, ist der Verteidigungs- und Rechtfertigungsdruck für uns nicht geringer geworden. Ansehen und Respekt haben sich dort erhalten hat, wo Lehre und Leben zusammengehen. Dafür steht in der öffentlichen Wahrnehmung das caritative, diakonische Handeln. Aber wissen heutige Generationen noch etwas mit dem Zeichen des Jona anzufangen, mit Jona etwas anzufangen, mit seiner Predigt zur Umkehr, mit der Hinwendung zu Gott? 

Wer weiß noch um das Ereignis der absoluten Lebenshingabe und Liebe Jesu, das mit seinem Tod am Kreuz und in seiner Auferstehung seinen Ausdruck findet? Um es auf den Punkt zu bringen: Ist auch die heutige Generation böse und verweigert sich letztlich dem Anruf Gottes und seiner Botschaft? Und gehören wir mitunter nicht auch selbst auch dazu? Denn wie konsequent leben wir wirklich seine Botschaft?

Dazu ein Erlebnis, das in mir immer noch nachklingt: Es war im April letzten Jahres. Ein Schulbesuch in einer unserer Stiftungsschulen stand an. Ein herzlicher Empfang, Besichtigung der Räume. Einblicke in die verschiedenen Klassen und in den Unterricht, Schulgottesdienst, Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern und natürlich auch einen intensiveren Austausch mit einer Oberstufenklasse, mit dem Hinweis des Religionslehrers, er habe nichts vorbereitet, er sei jetzt auch beim Gespräch nicht dabei, damit die Schülerinnen und Schüler unbefangen mit mir reden könnten. Gesagt, getan. Und ich war gespannt auf die Fragen und Themen. 

Was würden wohl diese jungen Menschen alles wissen wollen, mit welchem Rechtfertigungsdruck werde ich wieder umgehen müssen, wenn so manche kirchenpolitischen Fragen kommen, beim Klerikalismus angefangen, über die Frauenfrage bis hin zur Morallehre der Kirche. Und dann – nichts von alledem! Fragen nach dem Glauben, nach Gebet, nach Jesus Christus und nach der Heiligen Schrift standen auf der Agenda: Kurzum, wie hältst Du es mit Religion und Kirche? Wie geht das mit dem Glauben? Manche so weit weg von Kirche, dass es schon wieder interessiert, sich mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen.

Ein sehr persönliches Gespräch, ein innerer Austausch. Jugendliche auf der Suche nach Gott, nach dem Sinn ihres Daseins und ihres Lebens. Und ein Bischof, der darauf zu antworten versucht, ganz persönlich, aus dem eigenen Leben heraus, keine Vorlesung, keine Literatur, keine vorgegebene und ausgedruckte Handlungsanleitung oder Handreichung für ein besseres oder geglücktes Leben. Eine Erfahrung, die wir im seelsorglichen Dienst immer wieder schon einmal machen durften, die aber immer eine eigene Intensität besitzt, weil sich eine solche Gesprächsatmosphäre nicht machen, geschweige denn erzwingen lässt und sich einer Berechenbarkeit einfach entzieht. Und wie gerne suchen auch wir innerkirchlich nach dieser Berechenbarkeit, nach Sicherheit, nach Klarheit.

Wie gerne wollen auch wir wissen, wie es geht, um zielorientiert und erfolgsgarantiert arbeiten zu können. Solange die Generationen unserer Zeit auf der Suche nach dem Sinn und Ziel des Lebens unterwegs sind und diese Offenheit für die grundlegenden Fragen menschlicher Existenz gestellt werden, solange Generationen es noch von uns wissen wollen und wir mit ihnen diesen Fragen nachgehen können, solange fällt es mir schwer, hier das Attribut „böse“ zu verwenden. Es passt nicht. Genauso wenig, wie es zu denen gepasst hat, die Jesus – bei allen offenen Fragen – damals nachgefolgt sind. Es passt auch deshalb nicht, weil diese Jugendlichen von Gott kein Zeichen fordern. Sehr wohl aber wollen sie verstehen, was es mit dem Zeichen des Jona auf sich hat. 

Das Wort „böse“ ist dort angebracht, wo Menschen sich diesem Anruf Gottes generell verweigern, wo man nicht hören oder verstehen will. „Böse“ mag dort gelten, wo auch wir wider besseren Wissens in schlechtem Verhalten verharren und nicht dazulernen wollen. Böse wird es dort, wo wir selbst der Liebe und Barmherzigkeit Jesu Grenzen aufzeigen. Auf der Suche bleiben – ähnlich den Jugendlichen –, sich mit diesem Zeichen des Jona beschäftigen, um immer mehr zu erahnen, dass es hier um mehr als nur um Jona geht.

Sich dem Ereignis von Kreuz und Auferstehung annähern, es annehmen in Dankbarkeit, sich in das Geheimnis seiner Liebe vertiefen, das mag uns helfen, dem Bösen in dieser Welt und in unserem eigenen Leben zu wehren. Das will uns helfen, so, wie es schon Generationen vor uns geholfen hat, in der Geborgenheit Gottes das Heil zu finden. Und diese Geborgenheit in Gott, dieses Geheimnis seines Lebens und seiner Liebe, dürfen wir jetzt wieder miteinander feiern.

Foto aus dieser Messfeier (c) DBK/Marko Orlovic


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