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„Die Kirche in Deutschland hat abgehängt“

2. Dezember 2025 in Kommentar, 31 Lesermeinungen
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Während die bundesdeutschen Kirchen munter weiter „abbauen“, blüht das Christentum in anderen Ländern des Kontinents längst wieder auf. Kommentar des evangelischen Pfarrers Dr. Jürgen Henkel


Bonn-Hannover (kath.net/„Auftrag und Wahrheit – Ökumenische Quartalsschrift für Predigt, Liturgie und Theologie“/jh) [Für kath.net erweiterte Fassung des Editorials von Pfarrer Dr. Jürgen Henkel aus der aktuellen Nummer von „Auftrag und Wahrheit – Ökumenische Quartalsschrift für Predigt, Liturgie und Theologie“, Nr. 17/2025, 5. Jg. 2025/2026, Heft 1, S. 3-5]

Wer heute auf Europa blickt, findet einen spirituell sehr unterschiedlich geprägten Kontinent vor. In Deutschland schreitet der kirchliche Niedergang massiv voran. Das Land der Teutonen ist seit langem wieder Missionsland. Die Zahl der Christen ist auf unter 50 Prozent gesunken, die Konfessionslosen sind die größte „Konfession“. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sprach schon 1992 – also vor  über 30 Jahren! – von der Bundesrepublik als einem „heidnischen Land mit christlichen Restbeständen“. Das haben die Kirchenoberen und auch die offizielle und universitäre Theologie nie wirklich ernst genommen, geschweige denn rechtzeitig begonnen, über Gegenstrategien nachzudenken. Schließlich war schon der Begriff der Mission theologisch seit Jahrzehnten verbrämt und geächtet. Wer das Thema des kirchlichen Niedergangs vor zehn oder fünfzehn Jahren bei Pfarrkonferenzen und anderen kirchlichen Treffen und Gelegenheiten angesprochen hat, wurde lange noch als Schwarzmaler kritisiert, der Menschen den Glauben abspreche, die zwar nicht (mehr) so kirchennah seien wie früher, „tief drin“ aber doch religiös und christlich verwurzelt seien. Doch seit Jahren sprechen die Kirchenaustrittszahlen ihre ganz unerbittliche Sprache. Es ist eine millionenfache Abstimmung mit den Füßen.

Statt eine missionarische Gegeninitiative gegen den religiösen Traditionsabbruch und das Verdunsten des Christentums hierzulande zu starten, schwingen die Kirchen in Deutschland jedoch lieber die Abrissbirne und freuen sich über den Zuwachs des Islam als kulturelle Bereicherung. Hektisch, fast schon panisch werden Fusionen von Strukturen, die Streichung von Pfarrstellen und Schließungen von Einrichtungen beschlossen und oft auch gegen Widerstände vor Ort durchgepeitscht. Der Priester- und Pfarrermangel gibt den Kirchenleitungen dabei durchaus Argumente an die Hand. Schließlich können die bisherigen Strukturen tatsächlich nicht mehr mit den immer weniger vorhandenen Priestern und Pfarrern bedient bzw. versorgt werden. Kirchliche Gebäude von Pfarrhäusern und Pfarrämtern über Gemeindehäuser bis hin zu Kirchen selbst sollen verkauft werden. Man rechnet offenbar gar nicht mehr mit Zukunft.


Ganz anders etwa verhält es sich im lange „stolz säkularen“ und laizistischen Frankreich wie auch in Großbritannien. In beiden Ländern gibt es neue Hinwendung zum christlichen Glauben, vor allem zur Katholischen Kirche, und zunehmend auch Taufen junger Erwachsener. Und auch in den USA gibt es positive Aufbrüche. So vermeldete das katholische US-Bistum Bridgeport, dass die Messbesuche seit 2022 um 22 Prozent (siehe Link) gestiegen sind. Der norwegische katholische Bischof Erik Varden wiederum berichtet von einem neuen Interesse junger Menschen an Glaubensfragen und der Katholischen Kirche.

Deutschland ist von dieser Entwicklung scheinbar abgehängt. Beten wir zum Herrn der Kirche, dass auch hierzulande unter der Führung des Heiligen Geistes wieder ein neues Aufblühen des christlichen Glaubens möglich wird. Dazu braucht es aber auch den Willen der Kirchenoberen, die freilich hierzulande inhaltlich mehr mit der Anbiederung an den links-grün-woken Mainstream und dem Abbau beschäftigt sind als mit Mission und Neuevangelisation.

Christliche Bewegungen, die Zulauf haben, und die zunehmende Zahl an Taufen junger Erwachsener etwa in Frankreich werden von den Kirchenoberen und auch dem kirchlichen Juste Milieu sogar noch skeptisch betrachtet. Vielleicht schaffen es die Großkirchen nur nicht mehr, die „einfachen Antworten“ zu geben, die man solchen Strömungen gerne vorwirft. Wer freilich die Evangelien liest, merkt schnell, dass auch Jesus Christus selbst einfache Antworten gegeben hat, wobei diese nie angepasst oder bequem waren.

Wichtig ist dabei natürlich immer auch, wie sich die Kirchen selbst präsentieren, um wahr- und ernstgenommen zu werden. Ob die „Trauung“ von vier sich liebenden Männern durch eine evangelische Pastorin in Berlin dem missionarischen Neuaufbruch und der Neuevangelisation dienlich ist, mag stark bezweifelt werden. Disziplinarverfahren gibt es offenbar keines. Das zeigt, dass in den Kirchen in Deutschland mittlerweile offenbar jeder glauben, lehren und tun kann, was er will. Immerhin hat sich die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg angesichts massiver Kritik davon deutlich distanziert und diese (Pseudo)Handlung kritisiert. Angesichts der Entwicklungen in Theologie und Kirche mag es allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis auch solche Handlungen akzeptiert werden. Immerhin diskutiert die Theologie in Deutschland mittlerweile bereits die Möglichkeit und theologische Beurteilung „polyamouröser Beziehungen“. Man will es eben jedem Recht machen… 

Die katholischen Bischöfe in Deutschland wiederum steuern nach bzw. wohl auch als Folge des „Synodalen Wegs“ auf den nächste Konflikt mit Rom zu, und zwar im Blick auf das Dokument „Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule“ der Deutschen Bischofskonferenz/DBK, das jüngst veröffentlicht wurde. Fast ist man versucht zu sagen: sie können es nicht lassen… Wieder einmal droht ein deutscher Sonderweg, der die Gemeinden, die Christen und katholische Einrichtungen und sogar Klöster spaltet zwischen Befürwortern dieses Dokuments und Vertretern der römischen Linie. Mit Rudolf Voderholzer und Stefan Oster haben sich bereits zwei mutige Diözesanbischöfe von diesem Papier distanziert, das sich deutlich von der bisherigen Lehre der Katholischen Kirche abhebt. Bischof Oster fragt provokativ in seiner Stellungnahme: „Glauben wir noch, was wir glauben?“ Der Shitstorm der Mainstream-Medien ist beiden gewiss, genauso wie der Dank und Respekt derer, die die Heilige Schrift und die Lehre der Weltkirche noch ernst nehmen. 

Ermutigende Beispiele für Glaubenstreue bis in den Tod stellen uns heute in unserem lau und lasch gewordenen Christentum in Deutschland die Kirchen vor Augen, die bis 1989 hinter dem Eisernen Vorhang eingesperrt waren und in Unfreiheit leben mussten. Etliche Heiligsprechungen von Märtyrern der Rumänischen Orthodoxen Kirche und der Katholischen Kirche in Ungarn zeigen uns besonders in diesem Jahr Christen als Modell, die in Treue fest zum Herrn und Heiland ihren Glauben bis zum Martyrium bezeugt haben, sei es in den kommunistischen Lagern in Rumänien bis 1989 (z. B. Ilarion Felea), sei es in der Weigerung, sich vergewaltigen zu lassen von Soldaten der Sowjetarmee 1945 mit der Folge, für diese Verteidigung der Keuschheit und Unbeflecktheit erschossen zu werden (Magdalena Bódi). In Rumänien werden übrigens nach wie vor katholische und orthodoxe Kirchen neu gebaut. Es gibt hier allein weit über 1000 neue orthodoxe Kirchen seit 1990. 

Vielleicht sollten die Strategen in den deutschen Kirchenleitungen auch einmal genau hinschauen und neidlos wahrnehmen, warum das Christentum weltweit und innerhalb der EU auch außerhalb Deutschlands wieder an Attraktivität gewinnt. Noch ist es nicht zu spät. Entscheidend ist dabei, auf den Heiligen Geist zu vertrauen – statt auf den Zeitgeist. 

Der Autor, Dr. Jürgen Henkel, ist Gemeindepfarrer der Bayerischen Landeskirche in Selb (Oberfranken), Professor h. c. an der Universität Babeş-Bolyai in Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien) und Schriftleiter der Zeitschrift „Auftrag und Wahrheit. Ökumenische Quartalsschrift für Predigt, Liturgie und Theologie“; die Zeitschrift erscheint in der Verlagsbuchhandlung Sabat, Kulmbach (vgl. https://www.vb-sabat.de/auftrag-und-wahrheit/). Weitere kath.net-Beiträge von Dr. Henkel: siehe Link.

 


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Lesermeinungen

 persona 4. Dezember 2025 
 

Mit dem sechsten Gebot steht und fällt die Kirche

Das sechste Gebot hat es in sich. Dabei geht es nicht nur um Sexualität, sondern auch darum, den (Ehe-)Bund mit Gott nicht zu brechen.

Der Leib ist der Tempel Gottes. Den Leib zu verderben heißt Gott zu verlieren. JPII hat es uns gesagt: es wird einen großen geistigen Kampf um den menschlichen Leib geben; es geht eigentlich um einen Kampf gegen Gott und das Christentum. Der "Transhumanismus" ist das Credo der Ideologen. Überall hört man nur vom Genderwahn und dergleichen. Warum das ganze? Es geht um den antichristlichen Kampf gegen das Christentum und die Kirche Gottes. Und die Kirche steht und fällt mit der Einhaltung des sechsten Gebotes.


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 Locike 4. Dezember 2025 
 

@ ThomasMoore

Die in Deutschland lebende Polen reagieren unterschiedlich auf das „Angebot“ der Kirche in Deutschland – manche wollen nicht auffallen und machen alles mit, was die deutschen Kirchengemeinden so „anbieten“, manche fallen völlig vom Glauben ab, weil die tragende Kraft der Gemeinschaft (die Gruppendynamik der Gemeinde) nicht mehr da ist und manche wiederum bleiben bei ihrer katholischen Prägung und besuchen lieber die hl. Messen in polnischer Sprache (z.B. bei der PKM - Polnische Katholische Mission) – dort beten sie das große Credo, knien bei den Wandlungsworten „für viele“ und müssen sie sich keine Laienpredigt anhören.
Katholische Kirche in Polen, 1990 – 2022 – siehe Link:

fowid.de/meldung/katholische-kirche-polen-1990-2022


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