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| ![]() "Europa hat die Gefahr der islamischen Republik Iran noch immer nicht begriffen"vor 3 Stunden in Interview, 1 Lesermeinung kath.net-Interview mit dem Exil-Iraner Amir Shariat über die Situation in seiner Heimat - "Das Christentum hat die größte Chance überhaupt im Iran, um sich zu verbreiten" - Von Roland Noé Wien (kath.net/rn) Amir Shariat: Eine sehr tiefe Erleichterung ergreift die Iraner sowohl im Inland (ca. 90 Millionen) als auch im Exil (ca.10 Millionen). Das ist auch klar ersichtlich aus den massiven Demos im Exil und den Bildberichten aus dem Iran. kath.net: Wir beobachten die Situation nun seit einigen Tagen. Wie stellt sich die Lage aktuell dar? Gibt es Anzeichen für eine stabile Neuordnung der Sicherheitskräfte, und sehen Sie die Chance auf einen unumkehrbaren, strukturellen Umbruch im gesamten Land? Amir Shariat: Ich glaube dass der Iran sich seit Jahren im Umbruch befindet, vor allem seit dem Aufstand um Mahsa Amini. Die Iraner sind es einfach satt, ein Leben diktiert zu bekommen mit dem sich unsere Kultur nicht wiederspiegeln kann. kath.net: Kronprinz Reza Pahlavi wird oft als die zentrale Integrationsfigur für eine Übergangszeit genannt. Er selbst hat seine Bereitschaft signalisiert, Verantwortung zu übernehmen. Wie groß ist der Rückhalt für den Sohn des Schahs innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsschichten und der ethnischen Minderheiten im Iran? Amir Shariat: Der Kronprinz lebt seit fast 50 Jahren im Exil und deswegen ist es, meiner Meinung nach, sehr schwer eine Antwort auf diese Frage zu geben. Im Exil ist er sicherlich sehr beliebt und von den Bildberichten her auch im Inland. Der wahre Popularitätsgrad wird sich erst bei potentiellen Wahlen zeigen, sollte das Land endlich befreit werden. Er gilt als das Aushängeschild dieser jüngsten Aufstände und sein Name wird überall ausgesprochen. kath.net: Im Iran leben seit Jahrhunderten christliche Minderheiten, vor allem Armenier und Assyrer. Wie haben diese Gemeinschaften die Unterdrückung der letzten Jahre überstanden, und welche Chancen bietet eine religiöse Erneuerung oder Säkularisierung des Landes für das Christentum und die Religionsfreiheit insgesamt? Amir Shariat: Das Christentum hat die größte Chance überhaupt im Iran, um sich zu verbreiten, da die Iraner sich nicht mehr einer strengen islamischen Doktrin unterwerfen möchten. Anscheinend bekennen sich im Iran nicht einmal 50% als Musulmanen. Man darf auch nicht vergessen, dass die historische Religion der Iraner der Zoroastrismus ist, einer der ältesten monotheistischen Religionen, die auch das Christentum beeinflusst hat. Iran vor 1979 war ja ein multi-religiöses Land, welches alle Religionen akzeptiert hat und wir Iraner sind extrem weltoffen. Das ist der Hauptgrund, weshalb wir als Exilbevölkerung uns sehr gut integrieren können da wir keinem Land unser Denken aufzwingen möchten und gleichzeitig die Bräuche aller Länder (die uns im Zuge der Revolution von 1979 aufgenommen haben) respektieren. Man muss ja nur den Beitrag der Iraner in Österreich betrachten wo wir als Ärzte oder Ingenieure hoch angesehen werden (z.B. mein Bruder Prof. Dr. Shahrokh Shariat) und unsere neue Heimat unterstützen und vorantreiben. kath.net: Während die USA und Israel militärisch Fakten geschaffen haben, wirkt Europa oft zögerlich. Was ist Ihre konkrete Forderung an die europäischen Regierungen und die Zivilgesellschaft: Wie können wir den Menschen im Iran jetzt effektiv beim Aufbau einer stabilen Demokratie helfen? Amir Shariat: Europa hat die Gefahr der islamischen Republik Iran noch immer nicht begriffen. Unser Kronprinz hat vor einer Woche Europa davor sogar gewarnt. Die EU muss sofort alle iranischen Botschaften schließen und die Botschaftsangehörigen ausweisen. Die IRGC ist ja bereits als Terrorgruppe von der EU eingestuft worden, und die illegal beschafften Gelder der IRGC müssen sofort blockiert werden. Ich finde es bemerkenswert wie Politiker die Mullahs öffentlich verpönen, aber gerne ihre Gelder/Investitionen in Immobilien und Krypto gut heißen. Der Fisch stinkt vom Kopf her und die EU muss endlich – wie Israel und die USA – nicht nur sprechen sondern handeln. Talk is cheap! kath.net: Danke für das Gespräch! Foto: (c) privat
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