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Glaubenspraxis: Journalist räumt mit 'frommen Lügen' auf

22. August 2013 in Weltkirche, 4 Lesermeinungen
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Spieker kritisiert evangelische Glücks-, Gesundheits- und Wohlstandsprediger aus den USA


Berlin/Wetzlar (kath.net/idea) Mit „frommen Lügen“ räumt der ARD-Hauptstadtkorrespondent Markus Spieker (Berlin) auf. Darunter versteht er die vor allem von einigen evangelischen US-Pastoren verbreitete Vorstellung, dass Christen ein glückliches, erfolgreiches und gesundes Leben beschieden sei, wenn sie nur darum beten und dafür spenden. Dagegen spreche zum einen die Bibel und zum anderen die Erfahrungen christlicher „Glaubenshelden“, schreibt Spieker im evangelischen Wochenmagazin ideaSpektrum (Wetzlar).

Segen durch Spenden?

Als Verkündiger eines Erfolgsevangeliums führt er unter anderem die US-Pastoren, Fernsehprediger und Bestsellerautoren Joel Osteen (Houston/Bundesstaat Texas), Benny Hinn (Irving/Texas), Kenneth Copeland (Fort Worth/Texas) und Joyce Meyer (Fenton/Missouri) an. Osteen, Hauptpastor der 45.000 Besucher zählenden Lakewood-Gemeinde in Houston (Texas), predige den „totalen Optimismus“, so Spieker. Er verspreche in seinen Büchern „garantiert zuverlässige Rezepte, wie man sieben Tage in der Woche glücklicher sein kann“. Die extremen Charismatiker Hinn und Copeland beschrieben den Glauben als Transaktion: Wenn Christen mit finanziellen Spenden „säten“, könnten sie dafür Gesundheit, Wohlstand, und Ruhm „ernten“. Meyer, die mit ihren Fernsehauftritten auch im deutschsprachigen Europa präsent ist, propagiere eine Art Selbstsuggestion, so Spieker. Negative Stimmungen könne man durch „Power-Gedanken“ bekämpfen, etwa indem man sich einrede: „Ich werde nicht in Angst leben.“


Nicht Erfolg, sondern das Scheitern ist die Regel

Gegen solche Glücksverheißungen sprechen laut Spieker die realen Erfahrungen: „Bekennende Christen sind nicht oder nur unwesentlich gesünder, reicher, schöner und klüger als Nicht-Christen. Sie leben nicht länger, sie sterben nicht schmerzfreier, sie sind in den Listen der reichsten Menschen der Welt sogar unterproportional vertreten, ebenso unter den Oscar-Gewinnern und den Nobelpreisträgern.“ Auch hätten führende Personen der Kirchengeschichte oft lebenslang unter Krankheiten gelitten – Martin Luther (1483-1546) unter Unterleibsschmerzen, der Schweizer Reformator Johannes Calvin (1509-1564) unter Kopfschmerzen, der dänische Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855) unter Depressionen sowie der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski (1821-1881) unter Sucht und Epilepsie. Spieker: „Die Liste der Christen, die in besonders engem Kontakt zu ihrem Schöpfer standen und dennoch von allerlei Wehleiden geplagt waren, ist endlos.“ Auch widerspreche die Bibel den modernen „Glückspropheten“. So seien Jesus und wahrscheinlich elf seiner zwölf Jünger eines unnatürlichen Todes gestorben. Für das Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift gelte: „Nicht der Erfolg ist die Regel, sondern das Scheitern.“

Muss der Lobpreis „geil“ sein?

Laut Spieker orientieren sich immer mehr kirchliche Angebote besonders in den Vereinigten Staaten an den Bedürfnissen von Teenagern und unreifen Erwachsenen: „Der Lobpreis muss vor allem ‚geil’ sein, die Predigten ‚cool’ oder ‚krass’, die Atmosphäre ‚chillig’.“ Nach Ansicht des US-amerikanischen Religionssoziologen Thomas Bergler von der christlichen Huntington-Universität (Huntington/Indiana) ist ein „jugendlich-naives Christentum“ auf dem Vormarsch. Viele Christen meinten, dass Glauben Spaß machen und Unterhaltung bieten müsse. In Wirklichkeit ist der christliche Glaube – so führt Spieker aus – eine „Liebesbeziehung“ und eine „Leidensgemeinschaft“ mit Jesus.


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