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Menschsein erschöpft sich nicht darin, immer mehr zu erleben

13. Dezember 2010 in Deutschland, 6 Lesermeinungen
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Erzbischof Zollitsch: 'So genannte Weihnachtsmärkte beschleunigen Unlust' - In ein Fest wie Weihnachten können wir nicht einfach so hineinstolpern - Münster-Renovation in Breisach zeigt die Bedeutung von Advent


Breisach / Freiburg (kath.net/pef). Der tragische Unfall in der ZDF-Sendung „Wetten dass ..?" ist nach den Worten von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Freiburg) ein Indiz dafür, welches Motto mittlerweile in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft gilt: "Schneller – Weiter – Höher!" In einer Predigt am Sonntag (12.12.) in Breisach sagte Zollitsch wörtlich: "Viele Zeitgenossen haben Angst, etwas zu verpassen, fürchten sich, zu kurz zu kommen. Dann jagt ein Erlebnis das andere." Nicht selten nehme "die Suche nach Abwechslung, nach einem neuen Erlebnis, nach ständiger Unterhaltung den Atem".

Oft steckt hinter diesem Lebenshunger nach Überzeugung des Erzbischofs von Freiburg "insgeheim die Angst, das Leben, nach dem wir suchen und streben, zu verpassen." Der Glaube an Jesus Christus nehme diese Angst: "Er zeigt uns, dass sich das Menschsein nicht darin erschöpft, immer mehr zu erleben oder so viel wie möglich an Besitz anzuhäufen. Im Glauben erkennen wir, dass es vielmehr darauf ankommt, unser Leben mit Sinn zu füllen." Dass es sich lohne, Geduld zu haben und warten zu können, sei bei der 20 Jahre dauernden Renovierung des Münsters in Breisach erfahrbar geworden - am Sonntag wurde der Abschluss der Außenrenovierung gefeiert. Das verdeutliche die Zeit des Advents, die klar mache, "dass wir nicht einfach in ein Fest wie Weihnachten hineinstolpern können". Advent meine gerade nicht, alles sofort zu bekommen: "Es bedeutet, den Wert zu erkennen, auf etwas hin zu leben. Die Zeit zu nehmen für das, was wir nicht erzwingen können: Glaube, Hoffnung und Liebe!"


Das Warten auf Weihnachten fällt unserer Gesellschaft nach Meinung von Erzbischof Zollitsch immer schwerer: "Die sogenannten Weihnachtsmärkte beginnen an vielen Orten bereits vor dem ersten Advent". Auch das Weihnachtsgebäck schmecke an Heilig Abend schon kaum mehr, "weil man bereits so viel davon gegessen hat", bemerkte der Erzbischof von Freiburg. Was auf den ersten Blick sympathisch wirke, "weil das Gute einem ja schon früher gegönnt wird", erweise sich bei näherer Betrachtung als trügerisch: "Es entsteht ja keineswegs ein Zugewinn an Gaben – sie werden nur immer schneller konsumiert; und umso schneller stellt sich dann die Unlust ein – und damit wieder ein neuer Wunsch, der befriedigt werden will."

Im Advent lässt sich nach Meinung von Erzbischof Robert Zollitsch eine für unsere Gesellschaft wertvolle Grundhaltung einüben: "Wieder neu zu lernen, dass ich nicht dann reich bin, wenn ich alles habe oder problemlos erwerben kann; sondern dass wir dann erfüllt sein können, wenn unser Leben ein Ziel hat, wenn es eine Ausrichtung hat, die sinnvoll ist." Nicht zuerst das Machen und Umsetzen werde dabei wertvoll, sondern vor allem die Zeit, die nötig sei, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Bei den Erneuerungsarbeiten des Münsters in Breisach sei deutlich geworden, dass es diese Zeit brauche: "Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, dass sich hinter dem Gerüst kaum etwas tut und es lange Zeit an derselben Stelle steht." Ein langer Advent liege hinter der Gemeinde in Breisach - "eine Zeit des gespannten Wartens und Erwartens, zu sehen, was sich hinter den Gerüsten getan hat." Nun werde sichtbar: "Das Warten hat sich gelohnt!" Die Geduld und die Beharrlichkeit seien nicht umsonst gewesen, sagte Zollitsch. Nun brauche es die Freilegung dessen, "was in den Steinen an Möglichkeiten schlummert, nicht nur an Ihrem Münster, sondern vor allem in unserem Leben und im Leben unserer Kirche."


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