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Heute fehlt es den Jugendlichen vor allem an liturgischer Bildung

12. Juli 2010 in Interview, 4 Lesermeinungen
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Drei Jahre nach der Veröffentlichung des Motu proprio "Summorum Pontificum" zieht der Präfekt der römischen Gottesdienstkongregation Bilanz Von Regina Einig / Die Tagespost


Rom (kath.net)
Eminenz, der Heilige Vater sprach im Schreiben an den Weltepiskopat mit Blick auf die Vorgespräche zum Motu proprio „Summorum Pontificum“ von Reaktionen der freudigen Aufnahme bis zu harter Opposition. Hat sich das Klima seitdem verändert?

Kardinal Antonio Cañizares: Das Klima ist im Wesentlichen gleich geblieben. Ich glaube aber, dass eine Bewegung in Gang gekommen ist. Es wird nun viel besser verstanden, worum es bei dem Motu proprio geht. Das Verständnis für die Liturgie in der Tradition der Kirche ist gewachsen. Das Gleiche gilt für die Hermeneutik der Kontinuität. Das alles kommt nicht nur der Akzeptanz und der Umsetzung des Motu proprio zugute, sondern bereichert auch die liturgische Erneuerung und bringt sie voran – in dem Sinne, dass der Geist der Liturgie wieder neu belebt wird.

In Frankreich bilden zwei Diözesanseminare ihre Seminaristen in beiden Formen des römischen Ritus aus. Wie sehen Sie dieses Modell?

Kardinal Antonio Cañizares: Es gibt nur eine einzige Liturgie. Folglich passen beide Formen der Zelebration des römischen Ritus mühelos in dieselbe Ausbildung – eben weil es sich um ein und dieselbe Liturgie handelt. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Kirche aufgrund der Hermeneutik der Kontinuität das Missale Johannes XXIII. nicht einfriert, aber auch nicht damit gebrochen hat. Die Tradition der Kirche wird in der Entwicklung des Zweiten Vatikanischen Konzils weiter integriert.

Darum muss die liturgische Ausbildung für alle immer an Sacrosanctum Concilium ausgerichtet sein. Angesichts des Reichtums des römischen Ritus in seiner gesamten Überlieferung – und dazu gehören auch das Missale Johannes XXIII. und die nachkonziliare Liturgiereform – lassen sich beide nicht gegeneinander ausspielen. Sie sind Ausdruck desselben liturgischen Reichtums.


Teilen Sie die Auffassung des Bischofs von Toulon, der es als ideal betrachtet, seine Seminaristen in beiden Formen auszubilden?

Kardinal Antonio Cañizares: Der Bischof von Toulon, ein hervorragender Mann, möchte die gesamte kirchliche Tradition in diesem Licht der Hermeneutik der Kontinuität sehen. Und weil Sacrosanctum Concilium unverändert gültig ist, führt er diese in dieser Form einzigartige Ausbildung durch, in der die Zelebration in beiden Formen des römischen Ritus gelehrt wird. Die guten Früchte in Toulon sind offensichtlich.

Welche Elemente der außerordentlichen Form könnte man auch in die ordentliche Form des Ritus integrieren?

Kardinal Antonio Cañizares: Den Sinn für das Mysterium und des Heiligen und vor allem den Sinn dafür, was Gottesherrschaft bedeutet. Es geht um die Größe Gottes und das Geheimnis Gottes. Der Mensch ist eigentlich immer unwürdig, an dieser Gottesgabe Liturgie teilzuhaben. Wir müssen Gottes Recht , das „ius divinum“ wieder anerkennen – je eher, desto besser.

Heute erscheint Liturgie oft als etwas, auf das der Mensch ein Recht habe und in dem er handelt. Darin spiegelt sich die Säkularisierung unserer Gesellschaft, während andere Aspekte dahinter verblassen. Das hat dazu geführt, dass die Reform des Zweiten Vaticanum ihren Reichtum und ihre Größe nicht wie erhofft entfaltet hat.

Was empfehlen Sie den Priestern? Wo sollen sie anfangen?

Kardinal Antonio Cañizares: Die Priester sollen sich wieder so auf die heilige Messe vorbereiten, wie es in der außerordentlichen Form vorgesehen ist. Das gilt auch für den Bußritus und das Bewusstsein dafür, dass wir im Grunde der Zelebration nicht würdig sind, aber unser Vertrauen auf die Barmherzigkeit und die Vergebung Gottes setzen und uns so der Gegenwart Gottes in der Zelebration nähern.

Ein Schatz, den wir nicht vergessen dürfen, ist die Opferung wie sie in den Gebetstexten beschrieben ist. Darin kommt eine tiefe Haltung zum Ausdruck. Wir sollten sie verinnerlichen.

In seinem Schreiben an die Bischöfe hat der Heilige Vater unterstrichen, dass es ihm beim Motu proprio um die innere Versöhnung der Kirche geht.

Wie beurteilen Sie die Debatte um die unerlaubten Priesterweihen der Pius-Bruderschaft?

Kardinal Antonio Cañizares: Die Priesterweihen sind ein einschneidendes Moment in einer entscheidungsschweren Zeit. Es wäre sehr zu wünschen gewesen, mit den Weihen zu warten, denn wenn sich eines Tages eine konkrete Gelegenheit zu einer Öffnung und eine Möglichkeit zur Verständigung ergibt, kann die Chance durch das Faktum der Weihen erschwert werden.

Stichwort: Weltjugendtag in Madrid 2011: Was empfehlen Sie den Jugendlichen, die neugierig auf die alte Messe sind?

Kardinal Antonio Cañizares: Die Jugendlichen müssen im Geist der Liturgie erzogen werden. Es wäre ein Fehler, sie auf die eine oder die andere Form in einer polemischen Weise festzulegen. Sie müssen an die Anbetung herangeführt werden und an den Geist des Mysteriums. Ihnen soll der Lobpreis und die Danksagung vermittelt werden – und das Ganze, was die liturgische Feier der Kirche durch die Zeiten ausgemacht hat.

Heute fehlt es den Jugendlichen vor allem an liturgischer Bildung – unabhängig von der Form, die sie besonders verteidigen. Das ist die große Herausforderung für die nahe Zukunft, auch für die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenlehre. Wir brauchen heute eine neue liturgische Bewegung, so wie es sie im 19. und 20. Jahrhundert gab. Dabei geht es nicht um die eine oder um die andere Form, sondern um die Liturgie als solche.

Und wie kann diese neue liturgische Bewegung Wirklichkeit werden?

Kardinal Antonio Cañizares: Wir brauchen eine neue Einführung in das Christentum. Auch für Kinder und für Jugendliche. Eine Einführung in die Liturgie besteht nicht nur darin, etwas über die Zelebration zu wissen, obwohl das natürlich unerlässlich im theologischen und doktrinellen Sinne ist. Jugendliche und Kinder sollen an sehr würdig gefeierten Liturgien teilnehmen, die ganz durchdrungen sind vom Mysterium Gottes und sich der Einzelne mit einbezogen weiß. Aktive Teilnahme bedeutet nicht, etwas zu machen, sondern in den Lobpreis und in die Stille einzutreten, in das Hören und auch in das Bittgebet und in all das, was Liturgie wirklich ausmacht. Solange das nicht geschieht, wird es keine liturgische Erneuerung geben. Wir müssen uns um hundertachtzig Grad drehen. Jugendpastoral soll ein Ort sein, an dem Begegnung mit dem lebendigen Christus in der Kirche stattfindet. Wo Jesus Christus als jemand von gestern erscheint, ist weder liturgische Bildung noch aktive Teilnahme möglich. Solange das Bewusstsein für den lebendigen Christus nicht wieder erwacht, wird nichts aus der so dringend notwendigen Erneuerung.

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Foto: (c) Archiv