Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kardinal Burke kritisiert liturgische Änderungen nach dem II. Vatikanischen Konzil
  2. Papst an Ministranten: Denkt über Priesterberuf nach
  3. Lebensschutz ist und bleibt ein Kernthema für Christen
  4. Offensichtlich geht es heute auch ohne Religion
  5. Ist der Begriff „Neger“ mit dem des „parasitären Zellhaufens“ verfassungsrechtlich vergleichbar?
  6. Großbritannien: Junge Menschen kehren in die Kirchen zurück
  7. Papst Leo XIV. betet für die Opfer des Attentats auf eine katholische US-Schule
  8. Papst Leo an Politiker: Man kann nicht katholisch sein und gleichzeitig für Abtreibung sein
  9. USA werden im Jahr 2100 ein katholisches Land sein
  10. Sozialethiker Rhonheimer: Jesus war kein Kapitalismuskritiker
  11. Das einzige Land mit der Bibel auf seiner Flagge
  12. Australien wirf Iran Steuerung von antisemitischen Terroranschlägen vor
  13. Wir sind hier, um der Welt zu erklären, dass auch Wladimir Putin für seine Verbrechen bezahlen muss"
  14. US-Erzdiözese Denver: Pfarreien nominieren 900 junge Männer für das Priestertum
  15. „Schick diese Artikel gerne an alle neugierigen und fragenden Freunde weiter!“

'Man hält sich nicht an das, was der Papst uns sagt'

2. Februar 2010 in Österreich, 13 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Gerhard Wagner, verhinderter Weihbischof in Linz, will angesichts der Katastrophe von Haiti "über einen möglichen Zusammenhang von Sünde und Unglück nachdenken" – Interview von Stephan Baier / Die Tagespost mit dem Pfarrer von Windischgarsten


Linz (kath.net/Tagespost.de)
Vor einem Jahr ernannte der Papst den Pfarrer von Windischgarsten, Gerhard Wagner, zum Weihbischof für die oberösterreichische Diözese Linz. Widerstand kam vor allem von den Dechanten der Diözese und fand in den Medien heftigen Widerhall. Auf Drängen des Diözesanbischofs bat Wagner den Papst schließlich um Rücknahme der Ernennung. Mit dem beliebten Pfarrer, der weiter in Windischgarsten wirkt und dennoch immer wieder für Schlagzeilen sorgt, sprach für „Die Tagespost“ Stephan Baier.

Sie wurden vor einem Jahr von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof für Linz ernannt und machten dann nach heftigem Widerstand des kirchlichen Mittelbaus einen Rückzieher. Wie sehen Sie heute die turbulenten Tage zwischen der Ernennung und der päpstlichen Dispens vor einem Jahr?

Wagner: Natürlich kann man auch ein Jahr später nicht einfach vergessen, was alles gewesen ist. Das ist schon etwas, das mich bewegt. Andererseits muss ich ehrlich sagen, dass ich fest davon überzeugt bin, dass mein damaliger Schritt angesichts der Situation richtig war. Nicht aus persönlicher Befindlichkeit, sondern weil ich sah, dass ich so nicht für die Diözese arbeiten kann. Es waren die Widerstände doch sehr groß. Ich habe meinen Schritt nicht bereut. Mit jedem Tag wird mir klarer, dass ich kirchlich gehandelt habe.

Sie wurden damals vor allem von Mitbrüdern in der eigenen Diözese massiv angegriffen. Hat sich einer der Dechanten, die öffentlich gegen Sie Stellung nahmen, je bei Ihnen entschuldigt?

Wagner: Aussprache gab es keine. Mit einigen Mitgliedern des Domkapitels konnte ich ein gutes Gespräch führen. Man kann nicht von einer Aussöhnung sprechen, aber ich bin auch nicht verbittert, habe keinen Hass gegen irgendwen. Mir geht es nach wie vor um unsere Diözese und um die Kirche.


Der Diözesanbischof stand am Anfang hinter Ihnen, bat Sie zuletzt aber um Ihren Rückzug, als es turbulent wurde. Wie ist heute ihr Verhältnis zu Bischof Ludwig Schwarz?

Wagner: Der Bischof hat damals Angst bekommen. Gespräche mit ihm gab es immer wieder. Er hat zuletzt deutlich gesagt, dass er gegen Hetze ist. Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass ich an seiner Seite stehe und der Kirche diene. Mit dem Bischof gibt es ein gemeinsames Bemühen. Im Grunde merken wir dieselbe Not. Nur die Frage ist: Was soll man tun?

Aktuell gibt es Aufregung um eine Aussage von Ihnen in der Sonntagsausgabe der Zeitung „Kurier“. Auf die Frage, ob bei der Naturkatastrophe in Haiti ein „strafender Gott am Werk“ gewesen sei, sagten Sie: „Das weiß ich nicht. Gott lässt sich nicht in seine Karten schauen. Aber es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind.“ Also doch ein strafender Gott?

Wagner: Ich habe zunächst meine Trauer und mein Erschrecken zum Ausdruck gebracht. Ich habe das Wort Strafe nicht in den Mund genommen, aber ich lade ein, über einen möglichen Zusammenhang von Sünde und Unglück nachzudenken. Da gibt es schon im Alten Testament einige Hinweise, die uns diesen Zusammenhang bedenken lassen. Im Neuen Testament auch, wenn ich an das Gleichnis vom Feigenbaum denke. Wir können den Zusammenhang zwischen Sünde und Unglück nicht einfach ausschließen. Wir müssen biblisch und katholisch argumentieren, über diesen Zusammenhang nachzudenken. Auch das Fatima-Geheimnis macht uns das deutlich. Aber Gott entzieht sich unserem Zugriff. Mich hat erschreckt, dass auf Haiti 80 Prozent katholisch sind, aber angeblich mehr als 80 Prozent zugleich diesem Voodoo-Zauber anhängen. Das erschüttert mich. Für mich steht die Frage im Raum, was Gott hier vorhat und wie er uns Menschen führt.

Grundsätzlich zum sogenannten „malum physicum“: Kommen nicht bei jeder Naturkatastrophe unzählig viele unschuldige Menschen um?

Wagner: Das ist es ja, was uns erschüttert. Als Seelsorger sind wir den Menschen zugewandt. Trotzdem: Was ist aus einem Land geworden, in dem solche geistliche Not vorhanden ist? Hier sind ja Menschen auch im Glauben in Not geraten.

Nach Ihrem „Kurier“-Interview hat sich noch am Sonntag der Linzer Generalvikar Severin Lederhilger zu Wort gemeldet, um Sie zu kritisieren: Die heutige Theologie halte es für völlig unangebracht und für unverantwortlich, Naturkatastrophen als Strafe Gottes für unmoralisches Verhalten der Opfer zu interpretieren. Hat der Generalvikar auch mit Ihnen persönlich gesprochen?

Wagner: Nein, das hat er nicht. Er hat schon früher ausrichten lassen, dass er ein Gespräch zu diesem Thema mit mir sucht, aber das ist bis heute nicht geschehen. Da stehen schon zwei Positionen im Raum. Man sollte den Gesamtzusammenhang sehen und mich nicht nur in Richtung „Strafe“ auslegen.

Auch Bischof Schwarz hat Sie jüngst kritisiert. Sie hatten in einer Zeitschrift geschrieben, viele Priester und Laienmitarbeiter würden „Rebellion gegen Papst und Kirche“ betreiben. Ihr Bischof meinte daraufhin in der Linzer Kirchenzeitung: „Einseitige Schuldzuweisungen und pauschale Verdächtigungen helfen nicht, um die Einheit zu stärken.“ Reagiert die Diözesanleitung bei Ihnen immer besonders sensibel?

Wagner: Ja, eine gewisse Sensibilität ist schon festzustellen. Auf der einen Seite kommen Fragen, die an mich herangetragen werden, auf der anderen Seite reagiert die Diözese sehr sensibel auf das, was ich mitunter feststelle. Ich bestreite nicht, was an Gutem in der Diözese Linz da ist, aber man wird doch auch die Probleme nicht übersehen! Ich habe den Eindruck, dass unser Bischof die Probleme auch sieht. Gerade im Zusammenwirken von Priestern und Laien sind Defizite da. Man hält sich offenkundig nicht an das, was der Papst uns sagt, und was auch der Bischof gesagt hat. Etwa bei der Laienpredigt, bei der Verantwortung in der Pfarrei, wenn das Team so in den Vordergrund gestellt wird, dass der Priester in seiner Bedeutung geschwächt wird. Ich halte es für ganz wichtig, was der Papst uns für dieses Jahr aufgetragen hat, nämlich die Identität des Priesters zu stärken.

In Linz wird neuerlich ein Weihbischof gesucht. Nach Ihren Erfahrungen: Würden Sie einem geschätzten Mitbruder empfehlen, ein solches Amt anzunehmen?

Wagner: Nach all dem, was geschehen ist, ist es sicher nicht leicht. Andererseits braucht es sicher einen, der im Glauben fest ist und Beziehung zu den Menschen möglich macht. Und einem solchen würde ich sehr viel Mut wünschen, um all das durchzustehen, was da wahrscheinlich auf ihn zukommt.

Die Tagespost - Lesen Sie, was Kirche und Welt bewegt. Fordern Sie jetzt Ihre kostenlose Leseprobe für 2 Wochen (6 Ausgaben) an - völlig unverbindlich für Sie!

Foto: (c) Christoph Hurnaus


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Gerhard Maria Wagner

  1. Pfarrer Wagner: WJT soll in der Pfarre weiter wirken
  2. Gerhard Maria Wagner: 'Gott lässt sich nicht in seine Karten schauen'
  3. 'Machtkämpfe innerhalb der Kirche'
  4. Pfarrer Wagner: Alle müssen sich bemühen, mit der Kirche zu gehen
  5. 'Der Linzer Weg ist kein katholischer und spaltet die Kirche'
  6. 'Wir brauchen keinen Papst. Wir sind selber katholisch'
  7. Investiturstreit mit pastoralem Gespür
  8. Papst nimmt 'Rücktritt' von Gerhard Maria Wagner an
  9. 'Rom darf sich nicht erpressen lassen'
  10. Linzer Priesterkreis: Der Bischof hat Gerhard Wagner fallen gelassen






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Oktober 2025 mit kath.net in MEDJUGORJE mit P. Leo MAASBURG
  3. Papst Leo an Politiker: Man kann nicht katholisch sein und gleichzeitig für Abtreibung sein
  4. Das einzige Land mit der Bibel auf seiner Flagge
  5. Kardinal Burke kritisiert liturgische Änderungen nach dem II. Vatikanischen Konzil
  6. Großbritannien: Junge Menschen kehren in die Kirchen zurück
  7. USA: Dominican Sisters of St. Cecilia heißen dieses Jahr 21 Postulantinnen willkommen
  8. Papst Leo XIV. betet für die Opfer des Attentats auf eine katholische US-Schule
  9. Ist der Begriff „Neger“ mit dem des „parasitären Zellhaufens“ verfassungsrechtlich vergleichbar?
  10. Papst an Ministranten: Denkt über Priesterberuf nach
  11. Lebensschutz ist und bleibt ein Kernthema für Christen
  12. Wie zwei Konvertiten spannend den Glauben vermitteln
  13. US-Erzdiözese Denver: Pfarreien nominieren 900 junge Männer für das Priestertum
  14. Offensichtlich geht es heute auch ohne Religion
  15. Ökumenische Begegnungen zwischen Rom und Konstantinopel

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz