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Die Bischöfe müssen klar und verständlich sprechen

8. Dezember 2007 in Österreich, keine Lesermeinung
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Sechs Wünsche zur Ausübung des Bischofsamtes von P. Karl Wallner, Rektor der Päpstlichen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz.


Heiligenkreuz (www.kath.net)
Einige persönliche Anmerkungen: Man darf von Bischöfen, Äbten oder Oberen nicht alles erwarten. Je mehr ich als Rektor einer Hochschule selber Entscheidungen über Glück und Unglück, Zukunft und Ende fällen muss, desto mehr fühle ich mich überfordert.

Vor allem bedrückt es, wenn einem als kirchlichen Verantwortlichen gleichsam „der andere“, „der Mitbruder“, „der Student“, „der Professor“ vorgeworfen wird, als wäre man an deren Fehlverhalten schuld, oder als könne man dieses mit einem strengen Wort, einem klärenden Brief, einer ernsten Mahnung – Schnipp-Schnapp – beseitigen.

Ähnlich wie der Ehemann, der mir in einer Ehekrise eine genaue Analyse seiner Ehe auf drei A4-Seiten vorgelegt hat. Und was glaubt er dann: Dass er das nur seiner Frau vorlesen muss, sie sagt: Okay, das sehe ich ein. Und dann ist alles wieder gut? – Der heilige Benedikt sagt, der Abt müsse bedenken, dass er nicht die „Tyrannei über gesunde Seelen“, sondern die „medizinische und psychologische Versorgung kranker Seelen“ zu bewältigen hat.

Ein schiefer Blick des Bischofs kann unter Klerikern jahrzehntelange Beleidigtheit, Depression und manchmal auch Aggression schaffen. Wir müssen viel für die Bischöfe beten, mit ihnen leiden und noch mehr für sie leiden! Trotzdem erlaube ich mir, Wünsche zur Ausübung des Bischofsamtes auszusprechen:

1. Die Bischöfe müssen fachgerecht mit den Medien umgehen.

Wir brauchen mediengeschulte Bischöfe, gute Mediensprecher. Kurz und pointiert. Der Mediensprecher muss nicht immer dem hierarchischen Rang entsprechen, aber er muss mit den Medien umgehen können. Sachlich, freundlich, klar und präzise. Ambrosius und Augustinus wären nicht die großen Kirchenlehrer geworden, hätten sie nicht ordentlich Rhetorik gelernt. Das war damals die Kunst des Auftretens, des Argumentierens und des Plausibilisierens, das vor allem Anwälte brauchten.

2. Die Bischöfe müssen in den Medien präsent sein.

Und zwar auch in den kontroversen Medien. Das ist ihr Amt. Der heilige Ignatius von Antiochien, der es wünschte, von den Löwen zerrissen zu werden, sei hier in Zukunft unser Fürsprecher. Wir brauchen solche mutigen Bischöfe; denn die Medien sind die „Kathedra“ der säkularen Gesellschaft. Wir sollten sie besser nützen.

3. Die Bischöfe müssen in ihrem Auftreten einmütig sein.

Die dogmatische Kollegialität muss sich als menschliche und auch als medialpräsente Kollegialität zeigen. Sie müssen sich gut koordinieren. Oft ist Koordination auch eine Frage der Technik. Und die Einordnung in die Kollegialität erfordert Disziplin.

4. Die Bischöfe müssen klar und verständlich sprechen.

Ein „Ja – aber“ ist zu wenig, vor allem wenn das „Aber“ das „Ja“ wieder negiert. Das Bischofsamt verlangt Ausgewogenheit. Aber in der plakativen Medienwelt braucht es auch das pointierte Statement. Bischofsworte und auch römische Schreiben sind oft zu lang. Alles sehr klug, aber ungriffig. Vor einer 10-seitigen Enzyklika Pius XII. erbebte die Kirche, vor zehn Mal so langen Papieren erbeben nur noch jene, die sich von Amts wegen in Pflicht genommen fühlen, das auch zu lesen.

Fatal ist dabei, dass sich die Medien ohnehin nur die „hot spots“ suchen, also die Sensationsmacher, die sie dann meist zuungunsten der Kirche plakativ aufbauschen. Außerdem muss die Kirche in den Medien häufiger und lauter von Gott sprechen, gleichsam müsste Gott in jedem Satz vorkommen! Wir stehen im Wettbewerb mit anderen theozentrischen Religionen und müssen Gott als den Hintergrund all unseres Tuns und unseres Handelns aufleuchten lassen.

5. Die Bischöfe müssen volksnah sein.

Das bedeutet nicht die Jovialisierung des Bischofsdienstes, doch gehört der Bischof „unter die Leute“! Bischöfe dürfen nicht nur „für ihre Gremien leben und sprechen“. Die Gremien und Räte müssen reduziert werden. „Rat“ heißt auf Russisch „Sowjet“. Ist die Kirche heute nicht eine Art unbewegliche „Sowjetunion“ geworden, wo wunderschöne Protokolle, Papiere und Leitlinien verfasst werden, aber der Effekt auf das Leben gleich null ist?

Fällt uns nicht das Fehlen der Früchte auf? Immer mehr Papier, immer mehr Fachartikel, immer mehr Bücher stehen immer weniger Gläubigen gegenüber! Die Kirche lebt aber vom Volk Gottes her, und der Bischof muss dieses Volk kennen und seine Sprache sprechen. Konkret könnte es um eine Intensivierung der Einrichtung der Visitationen gehen. Das war ja das Reformmittel des Tridentinums. Der heilige Reformbischof Karl Borromäus sollte hier Vorbild und Fürsprecher sein.

6. Die Bischöfe müssen ostentativ eins mit dem Petrusamt sein.

Sie dürfen sich ruhig trauen, deutliche Zeichen der Einheit mit dem Papst zu setzen. Animositäten gegen „den Vatikan oder Rom“ gehören nicht in die Öffentlichkeit, auch wenn es Manches an der Kurie auszusetzen gibt. Ein „antirömischer Affekt“ hat die Kirche noch nie fruchtbar gemacht. Unfair ist auch das verbale Abschieben der Verantwortung in unliebsamen Punkten auf „Rom“ oder den „Vatikan“. Die Verantwortung, die das 2. Vatikanum dem einzelnen Bischof zuspricht, muss er auch dann tragen, wenn es um Unpopuläres geht.

Dieser Aufsatz erschien in KIRCHE heute Nr. 12/2007



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