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Ängstigen sollte man sich nur vor dem Verrat an Christus

18. Juli 2006 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Die Botschaft des Jerzy Popieluszko - "Laßt Euch nicht durch die Mächte des Hasses bezwingen."


Warschau (www.kath.net/Vision2000)
Die Mörder von Jerzy Popieluszko täuschten eine Autopanne vor, um den Pfarrer zum Anhalten zu bewegen. Als Popieluszko ausstieg, um zu helfen, schlugen die drei Offiziere des Geheimdienstes ihn mit Fäusten und Holzknüppeln bewußtlos. Dann wurde der Geistliche gefesselt, geknebelt und in einen Kofferraum gesperrt.

Die drei Geheimdienstler brachten den Pfarrer an den Stausee bei Wloclawek. Dort banden sie Steine an Popieluszkos Füße und warfen ihn ins Wasser. Popieluszko, an Händen und Füßen gefesselt, den Mund geknebelt hatte keine Chance. Er ertrank.

Polen 1980: Die Angst hatte keine Macht mehr über die Menschen. Zuerst streikten die Arbeiter in Danzig, dann an der Küste, schließlich in der ganzen “Volksrepublik" Polen. Die kommunistischen Funktionäre versuchten alles, um den Freiheitswillen zu brechen. Doch die alten Instrumente, Terror und Einschüchterung, Erpressungen, Verhaftungen, Bespitzelung, Folger, Denunziation, halfen nicht mehr.

Unter dem Banner der freien Gewerkschaft Solidarnosc versammelten sich alle freiheitsliebenden, demokratischen Kräfte. Einer ihrer geistlichen Betreuer war Pfarrer Jerzy Popieluszko. Er war in den Streiktagen ihr Seelsorger und stand mit den Arbeitern bei Kälte vor den Werkstoren.

Ausgelaugt, geschwächt und frustriert stimmten die Machthaber im August 1980 der Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft zu. Zum ersten Mal seit Bestehen des Ostblocks mußte eine kommunistische Staatspartei den Alleinvertretungsanspruch, ja ihre führende Rolle, aufgeben.

“Der August 1980", erinnert sich Adam Michnik, ein Solidarnosc-Gründer, “gab dem menschlichen Gefühl für Freiheit, Würde und Wahrheit seinen Sinn zurück. Wir atmeten damals frische, saubere Luft."

Doch die Freude dauerte nicht allzu lange. Noch immer drohte eine sowjetische Invasion wie in Ungarn oder der Tschechoslowakei. Im Dezember 1981 verhängten die polnischen Kommunisten das Kriegsrecht. Die Solidarnosc war wieder illegal und mußte bis zum “Frühling der Freiheit" 1989 im Untergrund arbeiten.

Popieluszko bot mit “Predigten für das Vaterland" den Despoten die Stirn. Er forderte politische und Glaubensfreiheit. Er betete für Frieden im Land, für die Gefangenen und Internierten und deren Familien.

Dadurch nannte er Namen und die Verhafteten kamen aus der anonymen Masse. Besonnen rief er die Menschen auf, die Gewalt den Kommunisten zu überlassen. Mit großer Selbstdisziplin kämpften die Solidarnosc-Anhänger gewaltfrei und entschieden.

Von überallher strömten Menschen, um die monatlichen Gottesdienste “Für die Heimat und für die, die leiden" mitzuerleben. Die Kirche St. Stanislaus platzte regelmäßig aus allen Nähten. Nach den Gottesdiensten gingen Popieluszkos Worte von Mund zu Mund durch ganz Warschau und von dort durch ganz Polen. Auf Tonträgern und auf Flugblättern erreichten seine Predigten tausende von Menschen.

Argwöhnisch und ärgerlich beobachtete der Geheimdienst diesen “kleinen Pfarrer", der eine so große Wirkung hatte. Agenten brachen in das Pfarrhaus ein, zerstörten den Hausrat, hinterließen Drohbotschaften. Um Popieluszko aus der Öffentlichkeit zu zwingen, wurde er mehrmals festgenommen, streng verhört und mit falschen Anklagen bedroht.

Bomben fanden sich in seinem Wagen und die Autounfälle häuften sich. Jeder, der wollte, konnte sehen, daß die Staatsmacht alles tat, um den Geistlichen zum Schweigen zu bringen.

Doch es gelang ihnen nicht. Unerschrocken und leidenschaftlich kämpfte Popieluszko für die Würde der Geschöpfe Gottes. Erst mit dem Mordanschlag vom 19. Oktober 1984 verstummte der Pfarrer. Kurzsichtig und auf rohe Gewalt setzend verkannten die Tyrannen, wie zu jeder Zeit, daß der Drang nach Freiheit nicht aufhört, auch wenn man tausende tötet.

Auf der Trauerfeier wurden Popieluszkos letzte Worte verlesen: “Laßt Euch nicht durch die Mächte des Hasses bezwingen! Verzeiht und Ihr werdet frei. Die Wahrheit und das Kreuz als Symbole der Aufopferung und der verzeihenden Liebe stellen unseren Weg in die Freiheit dar."

Aus: Stimme der Märtyrer 11/2005

ZUR PERSON

Jerzy Popieluszko wurde in dem polnischen Dorf Okopy bei Suchowola geboren. Seine Eltern waren Bauern. Kardinal Stefan Wyszynski weiht ihn am 28. Mai 1972 in Warschau zum Priester. Ab diesem Zeitpunkt arbeitet er in verschiedenen Warschauer Pfarren vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Später wird er als Seelsorger in verschiedenen medizinischen Einrichtungen eingesetzt. Darüberhinaus engagiert er sich mit großem Engagement bei der Gründung von Arbeitergemeinden.

Im Sommer 1980 hält er die erste Messe für streikende Schweißer auf dem Gelände ihrer Fabrik. P. Jerzy organisiert eine eigene “Schule" für Arbeiter. Das ist einen Vorlesungszyklus über verschiedenste Themenbereiche, die von Fachleuten gehalten werden. Am 8. Februar 1997 begann der Seligsprechungsprozeß des Dieners Gottes P. Jerzy Popieluszko.

Worte von Jerzy Popielusko:

Wehe der Gesellschaft, deren Bürger keinen Mut haben! Wenn der Bürger auf die Tugend der Tapferkeit verzichtet, dann wird er zum Sklaven. Damit fügt er sich selber, seiner Persönlichkeit, seiner Familie, seinen Arbeitskollegen, seinem Volk, seinem Staat und seiner Kirche das größte Leid zu.

Der nicht tapfere Bürger kann leicht für den Preis der Angst, des Brotes und der nebensächlichen Gunst geworben werden. Wehe den Regierenden, die den Bürger für den Preis der Verängstigung und der Sklavenfurcht gewinnen wollen.

Ängstigen sollte man sich nur vor dem Verrat an Christus. Der Christ soll der wahre Zeuge, Vertreter und Verteidiger der Gerechtigkeit, Güte, Wahrheit, Freiheit und Liebe sein. Für diese Werte soll er sich mutig für sich und die anderen einsetzen.

Aus der Predigt am 8. Oktober 1984.

Foto: (c) Vision2000



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