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MEHR hippe Missionare in Augsburg

vor 4 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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In der vergangenen Woche trafen sich mehr als 11.000 Christen zum MEHR Glaubensfestival in Augsburg. Natürlich hagelte es kritisierende Unterstellungen ohne Substanz. Der Freude tut das keinen Abbruch. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Augsburg (kath.net)

Quantitativ ist die MEHR erneut gewachsen, es kamen über 11.000 Besucher nach Augsburg zum großen Glaubensfestival. Qualitativ von Wachsen zu reden, wäre wohl verfehlt, doch überall hörte man, es sei „die beste MEHR ever“ gewesen. Glücklich waren die Veranstalter vom Gebetshaus am Ende, als über 60 Missionare und Mitarbeiter auf die Bühne kamen. Kath.net hatte an allen Tagen ausführlich berichtet, so bleibt an dieser Stelle die Aufgabe, ein rückblickendes Fazit zu ziehen. Im Vorfeld des Festivals hatte es eine Reportage im Bayerischen Rundfunk (BR) gegeben, die den Anspruch erhob, unter anderem das Gebetshaus und das MEHR Glaubensfestival zu kritisieren. Davon war leider nichts zu bemerken. An sachlicher und fundierter Kritik kann man wachsen, damit kann man sich auseinandersetzen, wenn es aber – wie im Falle des Gebetshauses – nur um acht Jahre zurückliegende Einzelfälle geht, die gar nicht zu überprüfen sind, weil die handelnden Personen längst nicht mehr im Gebetshaus sind, dann fehlt dem Framing jegliche Substanz, die ernstzunehmende Kritik nun einmal braucht. So blieb von dem TV-Spektakel nur der Begriff „hippe Missionare“, der allerdings überall auf dem Festival auftauchte. Dabei waren vermutlich die O’Bros als einzige auf dem Fest ein wirklicher Maßstab für den Begriff „hip“. Das Verfahren ist keine ernst gemeinte Kritik, es geht um ein Bewerfen mit Schmutz: Irgendwas wird schon kleben bleiben.

So war es ganz klar, dass nach dem Festival noch nachgetreten wird. Sowohl im Deutschlandfunk als auch auf Kirche und Leben, einem Portal, dessen Herausgeber der Bischof von Münster ist, gibt Louis Berger, ein Journalist, der auch für die umstrittene linksextreme Zeitung taz schreibt, seine subjektiven Beobachtungen des Festivals wieder. Der Verein – gemeint ist das Gebetshaus Augsburg – und sein Gründer, so Berger, seien in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten. Berger spielt damit auf die vollkommen substanzlose Reportage des BR an, die die ARD im Nachtprogramm versteckte. Darin sei die Frage aufgeworfen worden, ob sich hinter der glänzenden Fassade des Gebetshauses auch geistlicher Missbrauch, ein bedenkliches Gottesbild mitsamt radikaler politischer Aussagen verbergen würden. Belege dafür bleiben aus. Das ist das Prinzip des zeitgeistigen Verleumdungsjournalismus. Was dann kommt, ist eine Ansammlung von nicht verstandenen Inhalten, Kontaktschuldvorwürfen und verdrehten Anliegen der Aussteller. Da wird die Alliance Defending Freedom (ADF), eine der bedeutendsten Organisationen im Einsatz für die Meinungsfreiheit, unterstellt, sie gebe rechtliche Hilfe, wenn Menschen wegen „Homophobie“, „Transfeindlichkeit“ oder „aggressiver Anti-Abtreibungsproteste“ angeklagt würden: Da wird schon mal die halbe Kampfagenda der woken Lebens- Frauen- und Freiheitsfeindlichkeit aufgefahren. Unter Homophobie muss man sich vorstellen, dass eine finnische Politikerin vor Gericht gestellt wurde, weil sie die Heilige Schrift zitiert hat. Mit Transfeindlichkeit ist schon die Aussage gemeint, dass es exakt zwei Geschlechter gibt. Unter aggressiven Anti-Abtreibungsprotesten versteht man in linken Kreisen auch Gebete vor Abtreibungskliniken. Und nein, dort wird nicht gegen Abtreibungen gebetet, sondern für das Leben von Frauen und ihren ungeborenen Kindern. Werke, die eine Organisation wie ADF aus Liebe zur Freiheit und zur Wahrheit tut, werden hier als Hassprojekte geframt. Hier geht es um die von ADF verteidigte Freiheit, seine Meinung zu äußern gegen eine linke Cancel culture, die jede nicht genehme Meinung mit allen Mitteln unterdrücken will. Schon die Sprache, konkret die Wortwahl, ist mitnichten eine sachgerechte Darstellung der Wirklichkeit, sondern eine zweckgerichtete Verurteilung mit dem Ziel, Menschen zu stigmatisieren, die nicht hinzunehmen ist.


Natürlich auch die Kontaktschuld, die Bücher von Johannes Hartl stehen neben Büchern von Bischof Robert Barron, der Trump nahestehen soll, oder neben Büchern von Jordan Peterson, der hier nicht mit seinem Beruf angeführt, sondern als kanadischer Aktivist geframt wird. In der Tat war Johannes Hartl auf der ARC in London, einer Konferenz, auf der sich konservative und liberale Denker treffen. Wieder ist die Sprache Bergers verräterisch verächtlich, er redet von einem „Vernetzungstreffen der internationalen Rechten“. Es ist übrigens nicht allein Jordan Peterson, der die Versammlung prägt, sondern vielmehr auch die britische Oberhausabgeordnete Philippa Strout und deren internationales Netzwerk konservativer und liberaler Denker. Mit der Kontaktschuld aber nicht genug – die MEHR ist auch noch teuer. Auch dieser immer wieder gehörte Vorwurf taucht bei Berger auf. So richtig lächerlich wird es, wenn die Beschreibung damit weitergeht, dass Familien ihre Mahlzeiten selbst mitbrächten und auf den Bierbänken verzehrten. Hier sei angemerkt, dass auch die Luxusgeschöpfe, die die Mahlzeiten vor Ort kaufen, auf Bierbänken sitzen. Und ja, es ist in Familien so üblich, sich auf solchen Veranstaltungen selbst zu verpflegen. Familien machen das so.

Der Artikel endet mit dem bemerkenswerten Vorwurf, die MEHR wirke seltsam entkoppelt von der Welt. Dazu kann einem nur eines einfallen: Deo gratias! Die Welt holt einen am Tag danach schon wieder ein. Keine Bange, auch hippe Missionare wissen um eine Welt mit steigenden Energiepreisen, einer krisengeschüttelten Wirtschaft, erratischen Politikern, die die Welt von einer Krise in die nächste regieren, und nicht zuletzt eine Medienwelt, der man gerade noch das Tagesdatum glauben kann. Dass dieser Vorwurf in weiten Teilen unsinnig ist, zeigte sich in den Predigten der Bischöfe, in den Fürbitten und natürlich auch in den Gesprächen der Teilnehmer. Die Leserschaft von Kirche und Leben wird den Artikel zu würdigen wissen, wie auch die Hörer beim Deutschlandfunk. Eines versteht zu beruhigen: Die allermeisten Teilnehmer der MEHR dürften „Kirche und Leben“ gar nicht und den Deutschlandfunk gerade noch aus Erinnerung kennen.

Eines nämlich lässt Berger wohlweislich aus – das Glaubensfestival MEHR ist ein Medienereignis. Natürlich ist es wichtig, was in der Halle passiert, wen man an den Ständen trifft. Was bei privaten Begegnungen gesprochen wird. Netzwerken ist auch ein MEHR-Thema. Man sieht sich, man trifft sich, man tauscht sich aus und verabredet sich zu allem Möglichen. Darüber hinaus werden in den Augsburger Messehallen Bilder produziert, die weit über das Festival hinaus wirken: Von den Vorträgen und Interviews gehen Impulse aus, die noch Monate oder Jahre nachwirken. Rund um das Gebetshaus Augsburg hat sich längst ein Netzwerk von – jetzt hätte ich beinahe hippen Missionaren geschrieben – Christen aller Konfessionen versammelt, die es ernst meinen mit dem Glauben an den dreifaltigen Gott, und die eben nicht fertig sind, die suchen, sich bewegen, kurz gesagt, die mit Christus leben wollen. Dabei ist sehr beeindruckend, dass Johannes Hartl von sich selbst auch so etwas sagen würde. Eben auch ein Christ auf dem Weg, mit dem Wunsch, andere auf diesem Weg mitzunehmen. Perfekt? Perfekt sind wir alle nicht, das ist auch nicht gefordert. Absolute Wahrheiten vermag die Kirche zu verkünden und absolute Wahrheiten verkündet jeder, der das lehrt, was die Kirche lehrt. Dieses Bemühen, das aufgrund unserer menschlichen Beschränkungen natürlich an Grenzen stößt, doch nichtsdestoweniger eine tiefe Ernsthaftigkeit enthalten kann, würde ich dem Gründer des Gebetshauses und allen Referenten auf dem Festival ohne jeden Zweifel zusprechen.

Ein Wort noch zur Musik. Johannes Hartl hat es auf Nachfrage auf der Pressekonferenz vor der MEHR auf den Punkt gebracht: Lobpreis ist geistliche Musik, die zeitgemäß ist. Er gab zu, selbst am liebsten klassische Musik zu hören. Doch Lobpreis ist die Art Musik, die jungen Menschen derzeit gefällt. Ein Blick in die Halle mag Beweis genug sein. Zu den Wiederholungen wies der Gründer des Gebetshauses auf die geistliche Tradition der Kirche hin. Wiederholungen in den Gesängen finden sich schon in der Antike. Sie finden sich heute in Taizé und sie finden sich beim Lobpreis. Vergleicht man den Gehalt der Texte der modernen Lobpreismusik mit dem sogenannten Neuen Geistlichen Liedgut (NGL) der 70er und 80er Jahre, so kann man sagen, dass der Lobpreis einen deutlichen Gewinn darstellt. Den Sängerinnen und Sänger sowie den Instrumentalmusikern gebührt Respekt. Vor 11.000 Zuschauern (hier eher Mitbetern) aufzutreten, davon träumt so mancher halbwegs prominente Rockstar.

Nicht jeder wird ein Fan des Glaubensfestivals MEHR werden. Das ist zu akzeptieren. Nicht jeder findet in Augsburg eine Spiritualität, die seinen Vorstellungen entspricht – und die Musik mag man oder man mag sie nicht. Eines aber sollte man unbedingt beachten: Die Fairness gebietet es, Johannes Hartl und den Missionaren und Mitarbeitern des Gebetshauses zu bescheinigen, dass sie ein Werk Gottes tun. Sie sind aufrichtige Missionare, in deren Wirken das Werk des Heiligen Geistes zu erkennen ist. Und was das Hüpfen auf der Bühne angeht, sei an den heiligen Augustinus erinnert, der schrieb: „O Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit Dir anzufangen“. Und wem das nicht reicht, dem sei „Der Ball des Gehorsams“ von Madeleine Delbrêl empfohlen. Frohes Tanzen. Wer Musik dazu braucht, suche nach „Praise the Lord“ auf YouTube. Für geistliche Ohrwürmer und restless legs wird keine Haftung übernommen.


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Lesermeinungen

 Urkatholisch vor 2 Stunden 
 

Danke Herr Winnemöller!

für Ihren klarstellenden Beitrag. Ich habe von den 4 Tagen der MEHR 26 sehr profitiert. Ihre Beobachtungen kann ich bestätigen. Ich bin Dr. Johannes Hartl und dem Gebetshausteam, den Referenten, dem Sicherheitspersonal, allen anderen Mitarbeitern und auch den vielen Teilnehmern sehr dankbar. Wo sonst erlebt man bei einer so großen Veranstaltung in allen Bereichen eine so umfassende Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Rücksicht, ein Erleben der Zusammengehörigkeit bei allen Unterschieden? Da lässt sich die gelegentliche Lautstärke der Musik, die für mein Alter von über 80 nicht so selbstverständlich ist, auch positiv erleben. Ich hatte den Eindruck, dass in diesem Lobpreis so viel gemeinsame Begeisterung für unseren Glauben ausgedrückt werden konnte! Vielleicht sind ja die schon fast bösartig unsachlichen Kritiker nur neidisch auf eine solche Einheit in Freude???


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 modernchrist vor 3 Stunden 
 

Lobpreis hat viel mit Dankbarkeit

zu tun. Und wir sollen doch unsere Bitten mit Dank vor Gott bringen. Darum gehört das Gloria in die Messe. Lobpreis ist vielleicht auch ein bisschen Teilhabe an dem, was die Engel und Märtyrer im Himmel tun. Das ist doch wunderbar. Und wenn 11 000 Menschen stellvertretend Gott loben für die Millionen, die solches niemals tun, dann ist das ebenso wunderbar. Danke an das Gebetshaus, Danke an die Hauptakteure und Referenten mit ihren ergreifenden Zeugnissen. Augsburg kann stolz sein auf die MEHR.


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