Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  2. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  3. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  4. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  5. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  6. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  7. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  8. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  9. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  10. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  11. Viel Lärm um nichts?
  12. Kardinal Koch betont den zutiefst christozentrischen Charakter des Pontifikats von Papst Leo XIV.
  13. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  14. "Derselbe Polarstern"
  15. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger

„Als katholischer Christ und als Hochschullehrer macht mich dieser Vorgang tief traurig“

27. November 2025 in Aktuelles, 23 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Welches Bild von Kirche, Theologie, Philosophie zeichnen Sie, wenn nicht einmal mehr ein Vortrag über klassische Gottesbeweise möglich ist?“ Brief an Präsident Prof. Wallacher/Hochschule für Philosophie München. Gastbeitrag von Prof. Riccardo Wagner


München-Würzburg (kath.net) Den nachfolgenden Brief versandte Prof. Dr. Riccardo Wagner an Prof. Dr. Johannes Wallacher, den Präsidenten der Hochschule für Philosophie München. Vorausgegangen war die Absage der Hochschule an den Philosophen und „Tagespost“-Mitarbeiter Dr. habil. Sebastian Ostritsch, sein neustes Buch „Serpentinen. Die Gottesbeweise des Thomas von Aquin nach dem Zeitalter der Aufklärung“ an der Hochschule mit einem Vortrag vorzustellen. 

Sehr geehrter Herr Prof. Wallacher,
mit großer Verwunderung und nicht geringer Bestürzung habe ich von der Absage des geplanten Vortrags von Herrn Dr. Sebastian Ostritsch an der Hochschule für Philosophie in München erfahren. 

Nach allem, was öffentlich darüber zu hören und zu lesen war, wurde Herr Ostritsch im Zusammenhang mit dieser Absage als „fundamentalistisch“ und sogar als „rechtsextrem“ bezeichnet – und das, obwohl er nichts anderes ist als ein lehramtstreuer katholischer Philosoph, der sich in bester akademischer Tradition mit den Gottesbeweisen und der Argumentation Kants und des hl. Thomas von Aquin auseinandersetzen wollte.


Dass eine jesuitische Hochschule ausgerechnet bei einem solchen Thema und einem solchen Referenten einknickt, weil von bestimmter Seite Protest angekündigt wird, empfinde ich als beschämend. Es ist peinlich – im wörtlichen Sinn: es tut weh und beschämt nicht nur Herrn Ostritsch, sondern es beschädigt auch die Glaubwürdigkeit Ihrer Institution und zu allererst die Integrität, des menschlich wie fachlich hervorragenden Kollegen, gegenüber der Kirche. Eine Hochschule, die sich der philosophischen Wahrheitssuche verpflichtet weiß, sollte doch gerade dort standhaft bleiben, wo Druck aufgebaut wird und wo Meinungs- und Glaubensfreiheit zur Disposition gestellt werden.

Die Tradition der Gesellschaft Jesu und der katholischen Geisteswelt steht für intellektuelle Redlichkeit, Mut zum Streit der Argumente und die Freiheit, Fragen zu stellen – auch und gerade dann, wenn sie dem Zeitgeist nicht gefallen. Eine katholische Philosophische Hochschule, die einen ausgewiesenen, lehramtstreuen Katholiken unter dem Druck lautstarker Gruppen auslädt, sendet das Gegenteil dieses Zeugnisses: Sie vermittelt den Eindruck, dass orthodoxer Glaube verdächtig sei, dass man sich seiner schämen müsse und dass letztlich nur noch Positionen geduldet werden, die sich reibungslos in das aktuelle Klima der kirchlichen und gesellschaftlichen Debatten einfügen.

Ich frage Sie offen: Welches Signal geben Sie damit Ihren Studierenden? Welches Bild von Kirche, Theologie und Philosophie zeichnen Sie, wenn nicht einmal mehr ein Vortrag über klassische Gottesbeweise möglich ist, weil der Referent öffentlich als „Fundamentalist“ denunziert wird? Wollen Sie wirklich zulassen, dass Verleumdungen und Schlagworte wichtiger werden als Argumente und wissenschaftliche Qualität?

Als katholischer Christ und als Hochschullehrer macht mich dieser Vorgang tief traurig – und ehrlich gesagt auch wütend. Nicht, weil ich oder sonst jemand jede Position von Herrn Ostritsch im Detail teilen müsste, sondern weil hier ein Bruder im Glauben und Kollege in der akademischen Arbeit in Schutz genommen gehört und nicht fallen gelassen werden darf. 

Wer in Treue zum Lehramt steht, gehört in einer katholischen, jesuitischen Hochschule nicht auf die schwarze Liste, sondern an den Tisch des Diskurses.

Ich möchte Sie daher eindringlich bitten, diesen Vorgang intern selbstkritisch zu reflektieren und, wo möglich, zu korrigieren – sei es durch eine öffentliche Klarstellung und idealerweise auch Entschuldigung, sei es durch eine erneute Einladung oder durch ein deutliches Signal, dass lehramtstreue Positionen an Ihrer Hochschule ausdrücklich willkommen sind. Die Hochschule für Philosophie München hat das Potenzial, ein Ort wirklicher Freiheit im Denken und Glauben zu sein. Mit Entscheidungen wie der Absage des Vortrags von Sebastian Ostritsch verspielen Sie genau dieses Kapital.

Ich schreibe Ihnen in allem Ernst, aber nicht aus Feindseligkeit. Gerade weil mir die Kirche, die katholische Geistestradition und auch Ihre Hochschule am Herzen liegen, kann ich zu einem solchen Vorgang nicht schweigen.
Mit bestem Gruß und der Hoffnung auf eine klare, glaubwürdige Korrektur.

Prof. Dr. Riccardo Wagner

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Jesuiten

  1. Eklat durch NS-Vergleich gegenüber Israel bei interreligiösem Kongress in Rom
  2. Weniger Gläubige in der Münchner Jesuitenkirche
  3. Jesuitenorden erinnert an Bekehrung Ignatius von Loyolas
  4. USA: Pro-Abtreibungspolitiker wird Jesuit
  5. Jesuitengeneral Sosa: Es gibt einen Kampf in der Kirche
  6. Jesuitengeneral: Satan ist nur eine ‚symbolische Realität’
  7. Und wieder ein Jesuiten-Skandal

Philosophie

  1. "Am Ende wartet Gott – warum Denken in die Anbetung führt"
  2. ,Die Geschichte des Westens ist eine Geschichte des Mutes‘
  3. Gibt es eine Vielfalt der Geschlechter? – Versuch einer Orientierungshilfe
  4. „Deutschlandfunk“ interviewt Philosophen Markus Gabriel: „Das Böse nimmt spürbar zu“
  5. „Selbstrechtfertigung seiner sündhaften Leidenschaften“
  6. Vom Verstummen der Wahrheit in der Schweigespirale
  7. "Im Aschenputtel lebt das Magnificat"







Top-15

meist-gelesen

  1. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  2. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  3. Sängerin Nina Hagen bereut ihre Abtreibungen
  4. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  5. "Derselbe Polarstern"
  6. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  7. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  8. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  9. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  10. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger
  11. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  12. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  13. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  14. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  15. „Die Generation Z, die in Manhattan zur Messe kommt, sucht keine alternative Clubszene“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz