Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Brasilianischer Erzbischof droht Teilnehmern an der Alten Messe Exkommunikation an
  2. Österreich: Liturgische Kommission wirbt für Kommunion in beiderlei Gestalt
  3. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  4. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  5. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  6. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  7. Ab Juli müssen Besucher Eintritt für den Kölner Dom bezahlen
  8. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  9. Ein Gott, der nichts mehr verlangt
  10. Der Apostolische Stuhl und die FSSPX: Wenn Extreme sich berühren
  11. „Gemeinnutz vor Eigennutz“: Bischof erntet Kritik für NS-Vergleich in Richtung AfD
  12. Papst antwortet auf Leserbrief eines Atheisten
  13. 'Ein Katholizismus ohne Beichte ist wie ein Krankenhaus ohne Medikamente'
  14. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  15. Kärntner Ordinaritaskanzler: Rechthaberei in der Kirche überwinden

Kardinal Müller äußert sich zur weiteren Einschränkung von Traditionis custodes

27. Februar 2023 in Interview, 33 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Die Bischöfe oder Ortsordinarien in diesen Fragen sekundären Rangs zu Bittstellern bei der höchsten Autorität (sprich der Bürokratie des Dikasteriums für den Gottesdienst) oder untergeordneten Befehlsempfängern herabzustufen, beschädigt…“


Rom (kath.net) Papst Franziskus hat in einem vieldiskutierten Reskript die Zuständigkeit der Bischöfe für die Messe in der Außerordentlichen Form weiter eingeengt, kath.net hat berichtet. Für das spanischsprachige Internetportal „InfoVaticana“ fragte der Redakteur Javier Arias beim emeritierten Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, um Stellungnahme an und veröffentlichte die Antwort in spanischer Sprache. kath.net dankt S.E. Kardinal Müller für die freundliche Erlaubnis, die deutschsprachige Originalantwort in voller Länge publizieren zu dürfen:

InfoVaticana: Glauben Sie, dass dies einem Machtmissbrauch des Papstes gleichkommen könnte, indem er die Unabhängigkeit der Bischöfe einschränkt?

Kardinal Müller: Papst Benedikt XVI. hat dem Papsttum hohes Ansehen verliehen sogar bis zu kirchenfernen Agnostikern hin (Paolo Flores D'Arcais, Jürgen Habermas, Piergiorgio Odifreddi) durch seine hohe theologische Kompetenz und intellektuelle Redlichkeit. Er hatte es nicht nötig, autoritär auf einem formalen Gehorsam zu beharren, weil nicht einmal der heilsentscheidende Glaubensgehorsam gegenüber Gott eine blinde Unterwürfigkeit fordert, sondern eine Hingabe an den dreifaltigen Gott mit Vernunft und freiem Willen ist – also ein obesequium rationabile (II. Vatikanum, Dei verbum 5).


Beim Gehorsam gegenüber der kirchlichen Autorität ist zu unterscheiden zwischen dem religiösen Gehorsam, der sich auf die autoritative Vorlage des geoffenbarten Glaubens bezieht und der Bereitschaft, dem Papst und den Bischöfen willig zu folgen auch in Fragen des Disziplin der kirchlichen Organisation und der Ordnung der Liturgie.

Wir unterscheiden zwischen der Substanz der Sakramente, über die Papst und Bischöfe keinerlei Verfügungsgewalt besitzen und dem liturgischen Ritus, der geschichtlich gewachsen ist in den verschiedenen legitimen Riten innerhalb der einen katholischen Kirche. Auch die lateinische Liturgie kennt eine Geschichte und einige Varianten.

Das II. Vatikanum wollte aber keineswegs vom Schreibtisch der Liturgiewissenschaftler aus einen neuen Ritus der westlichen katholischen Kirche konstruieren, sondern nur den ehrwürdigen römischen Ritus an einigen Stellen verdeutlichen, damit die participatio actuosa der Gläubigen erleichtert wird.

Papst Benedikt hat theologisch kompetent und pastoral sensibel die entstandenen Spannungen überwunden durch die Unterscheidung von ordentlicher und außerordentlicher Form des lateinischen Ritus.

Die gewalttätige Intoleranz gegen die Freunde des außerordentlichen Ritus mit der Polemik, sie seien Feinde des Konzils und Rebellen gegen die Autorität des Papstes überhaupt ist nicht nur pastoral kontraproduktiv, sondern ein erschreckendes Beispiel der theologischen Inkompetenz in der Unterscheidung der unverfügbaren Substanz der Sakramente und des Formenreichtums der liturgischen Riten oder Ordo.

Die Bischöfe oder Ortsordinarien in diesen Fragen sekundären Rangs zu Bittstellern bei der höchsten Autorität (sprich der Bürokratie des Dikasteriums für den Gottesdienst) oder untergeordneten Befehlsempfängern herabzustufen, beschädigt nicht nur die pastorale Verantwortung des Bischofsamtes, sondern verdunkelt den wahren Sinn des Papsttums, nämlich die Einheit der Kirche in der Wahrheit des Glaubens und der sakramentalen Gemeinschaft darzustellen und zu realisieren (Lumen gentium 18; 23).

Die Anerkennung der päpstlichen Autorität wird nicht gefördert, sondern auf die Dauer geschwächt durch den Eindruck, dass hier nicht der kluge Hausvater und der gute Hirte handelt, sondern ein autokratischer Befehlshaber am Werke ist, wie es der protestantische Antipapismus und der liberal-aufgeklärte Antikatholizismus seit 500 Jahren behauptet.

InfoVaticana: Warum wird mit Bezug auf bestimmte Gruppen so viel über „Inklusion“ geredet, aber über Traditionalisten so hart?

Kardinal Müller: Es müsste umgekehrt sein: In Fragen des geoffenbarten Glaubens muss die päpstliche Autorität unerbittlich sein. In Fragen unterschiedlicher menschlicher Traditionen dagegen großzügig.

Um es zu verdeutlichen: Die Ehe ist göttlichen Rechtes und deshalb darf ihre Unauflöslichkeit nicht mit pastoralen Erwägungen prinzipiell in Frage gestellt werden, wie in einigen falschen Auslegungen von Amoris laetita.

Die Ritenreform des II. Vatikanums ist nur kirchlichen Rechtes und deshalb ist hier ein absoluter Gehorsam unter Androhung von heilsrelevaten Kirchenstrafen abwegig.

Es wäre gut, wenn man sich an der überlegenen Weisheit des Papstes Benedikt XVI orientieren würde, statt ihn in falschem Gruppendenken für die eine oder andere Seite zu instrumentalisieren. Papst Franziskus hat ihn selbst einen großen Lehrer der Kirche genannt und damit auch ein gutes Beispiel für die Ausübung kirchlicher Autorität.

Link zum Originalbeitrag auf „InfoVaticana“: El cardenal Müller advierte que el nuevo rescriptum sobre Traditionis custodes degrada a los obispos y daña su responsabilidad pastoral

Archivfoto Kardinal Müller im Presseraum des Vatikans (c) Michael Hesemann


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDUNG nur mehr bis 25. MÄRZ möglich!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  4. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  5. "Europa hat die Gefahr der islamischen Republik Iran noch immer nicht begriffen"
  6. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  7. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  8. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  9. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  10. Brasilianischer Erzbischof droht Teilnehmern an der Alten Messe Exkommunikation an
  11. Der Apostolische Stuhl und die FSSPX: Wenn Extreme sich berühren
  12. Österreich: Liturgische Kommission wirbt für Kommunion in beiderlei Gestalt
  13. 'Ein Katholizismus ohne Beichte ist wie ein Krankenhaus ohne Medikamente'
  14. Ein Gott, der nichts mehr verlangt
  15. „Gemeinnutz vor Eigennutz“: Bischof erntet Kritik für NS-Vergleich in Richtung AfD

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz