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Ist die Kirche in diesen ethisch bedeutsamen Zeiten möglicherweise auf der falschen Fährte?

27. Mai 2022 in Prolife, 10 Lesermeinungen
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„Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde der Bundesverband Lebensrecht nicht mit einem Stand zum ZdK-gesteuerten Katholikentag zugelassen.“ Gastbeitrag von Alexandra Maria Linder M.A., Vorsitzende Bundesverband Lebensrecht


Stuttgart (kath.net) Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde der Bundesverband Lebensrecht nicht mit einem Stand zum ZdK-gesteuerten Katholikentag zugelassen, mit der Begründung: „Bei der Prüfung konnte die Programmgruppe nicht feststellen, dass Ihre Organisation eindeutig christlich ist.“ Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, auch angesichts der vielen Grußworte, die der BVL regelmäßig von Bischöfen aller Couleur zum Marsch für das Leben erhält. Linksradikale Kreise werfen uns stetig vor, ganz im Gegenteil christlich-fundamentalistisch zu sein, und haben uns inzwischen zum Hauptgegner erkoren. Mit ebenso haltlosen wie hanebüchenen Behauptungen wird versucht, die seriöse Lebensrechtsbewegung mundtot zu machen, Beispiel: Unsere Referenten erläutern im Vortrag, dass zu den Financiers der internationalen Abtreibungsorganisationen unter anderem die Milliardäre Gates und Soros gehören. Flugs werden wir zu Antisemiten erklärt – weil Herr Soros Jude ist.


Bei der Eröffnung der Woche für das Leben in Leipzig am 30.04.2022 zum Thema Demenz blieb die kirchliche Veranstaltung bei der Nikolaikirche unbehelligt, während bei der BVL-Fachtagung ein paar hundert Meter weiter in der Alten Börse Leipzig eine gewaltbereite „Antifa“-Demo explizit gegen uns stattfand. Solche Demonstrationen sind bei unseren Veranstaltungen inzwischen die Regel, die Polizei ist entsprechend vorbereitet und hat die Lage im Griff. Die Kirche sollte sich anlässlich dieser Situation fragen, ob sie in diesen ethisch bedeutsamen Zeiten möglicherweise auf der falschen Fährte ist, wenn sie keinen Widerstand mehr erfährt. Sie sollte sich fragen, ob es der Sache dient, unter Aufgabe von jahrtausendealten christlichen Positionen und Grundlagen, um Zustimmung aggressiver Lobbygruppen buhlend, einem Strom hinterherzuhecheln, der die Grundlagen der Kirche und unserer Gesellschaft negativ verändern und im schlimmsten Fall zerstören wird.

Angesichts der gesellschaftlichen Situation und der Pläne der Regierung zu Abtreibung, assistiertem Suizid und Fortpflanzungsmedizin wäre ein besonderer Einsatz aller christlichen Konfessionen, Organisationen und Funktionsträger jedweden Geschlechts für das Lebensrecht und die Würde des Menschen notwendig. Noch nie gab es in der Bundesrepublik Deutschland eine Regierung, die so offen und so schnell Werbung für Abtreibung und letztendlich Abtreibung selbst (als „Gesundheitsversorgung“) legalisieren, den assistierten Suizid gesetzlich zulassen und jedem Erwachsenen ein Recht auf Kinder aller Produktionsformen verschaffen will. Es braucht große und vereinte gesellschaftliche Kräfte, um die davon überrollten Familien und das christliche Menschenbild zu vertreten, zu stärken und zu verteidigen.

Hier sind Zusammenarbeit, Synergie, vereintes Vorankommen gefragt. Wir sind allen Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien, die auch gemeinsam mit uns, unseren Mitgliedsvereinen und Experten konsequent, konstruktiv und öffentlich (z.B. beim Marsch für das Leben am 17.09.2022 in Berlin) für die Menschenwürde einstehen, sehr dankbar. Und wir fordern alle anderen auf, es ihnen gleichzutun – mit Gottvertrauen, Mut und Entschlossenheit.

Foto: Logo des Marsch für das Leben 2022 (c) Bundesverband Lebensrecht

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