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Hilferuf vom katholischen Bischof von Odessa: Putin will die Ukraine vernichten!

5. April 2022 in Aktuelles, 5 Lesermeinungen
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Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk: Ukraine derzeit auf einem "Kreuzweg - und wir wissen nicht, bei welcher Station wir uns befinden" - Entsetzen über "diabolisches" Massaker von Butscha


Kiew  (kath.net/KAP) Der schon bald sechs Wochen andauernde Krieg Russlands gegen die Ukraine ist ein "Vernichtungsfeldzug": Zu dieser Einschätzung kommt der Bischof von Odessa, Stanislaw Szyrokoradiuk. "Russland kann nicht verstehen und will nicht, dass die Ukraine ein selbstständiger Staat ist. Das Geschehen in den vormals besetzten Vororten von Kiew haben aufgezeigt, dass Putin die Ukraine vernichten will", sagte der römisch-katholische Diözesanbischof am Dienstag im Telefonat mit Kathpress.

Über das soeben bekannt gewordene Massaker an Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha äußerte sich der Bischof entsetzt. Dass Menschen zu derart "diabolischen" Gräueln fähig seien, sei furchtbar. Während sich die russischen Truppen aus den Gebieten um die Hauptstadt Kiew zurückziehen, nimmt im Süden in der Küstenstadt Odessa der Beschuss durch russische Kriegsschiffe zu. Am Sonntag wurde ein großes Treibstofflager und umliegende Anlagen zerstört, in der Nacht auf Montag gab es gegen Mitternacht Luftalarm, am Dienstag dann frühmorgens, berichtete der Bischof über die jüngsten Ereignisse. Ziele der Angriffe seien vor allem die am Meer gelegenen Stadtteile, in welchen längst alles geschlossen und das ukrainische Militär stationiert sei. Im Stadtzentrum laufe das Leben dennoch relativ normal: "Die Geschäfte, Lebensmittelläden und sogar der Basar sind geöffnet, auch die Züge funktionieren, nicht aber der Flughafen und der Hafen."


Gut die Hälfte der Bevölkerung sei aus Odessa geflohen, alle anderen - unter ihnen viele ältere, kranke und sozial benachteiligte Menschen - befänden sich weiterhin in der Stadt. In Erwartung des russischen Angriffs sei diese in den vergangenen Wochen zu einer "Festung" verwandelt worden, berichtete der Bischof. Er hoffe, dass die Küstenmetropole aufgrund ihrer Verteidigungskraft und geografischen Lage fernab Russlands nicht das Schicksal des belagerten und völlig zerstörten Mariupols teilen werde. Klar sei: "Die Leute sind bereit, bis zum Ende zu kämpfen. Es gibt dabei keinen Kompromiss, da es um die Unabhängigkeit der Ukraine geht - darum, dass wir unseren Weg weiter gehen wollen in Richtung Europa, aber nicht Richtung Moskau. Die ganze Ukraine hat mittlerweile verstanden, wie Russland ist." Nicht nur mit dem russischen Militär, sondern auch mit der Bevölkerung des zum Feind gewordenen Nachbarlandes ging Szyrokoradiuk hart ins Gericht.

Deren Unterstützung für den Krieg sei Folge massiver Propaganda über viele Jahre, welche Präsident Wladimir Putin weiterhin als seine "stärkste Waffe" nutze. "Eine ganze Nation ist unfähig zu denken und stützt nicht nur den Angriff auf die Ukraine, sondern auch weiterer denkbarer Ziele wie etwa Polen. Viele in Russland sagen: 'Das Blut der Ukraine komme auf uns und unsere Kinder' - genauso wie es einst mit Jesus geschah." Für die Ukraine sei die derzeitige Situation wie ein "Kreuzweg", zog der Bischof Vergleiche. "Wir wissen nicht, bei welcher Station wir uns gerade befinden. Aber wir sind noch nicht ans Ende gelangt und müssen diesen Weg weitergehen." Viele Ukrainer seien tiefgläubig, würden die Geschehnisse auf diese Weise deuten und hätten sich auf das noch Folgende spirituell vorbereitet - "durch Gebet und Fasten".

Von hoher Bedeutung sieht Szyrokoradiuk auch die von Papst Franziskus am 25. März vollzogene Marienweihe Russlands und der Ukraine, "die wir in allen Kirchen und Kathedralen, auch in den Bunkern, zusammen mit dem Papst vollzogen haben. Das war wichtig für uns, die wir weiter auf Gottes Gnade warten und an eine Bekehrung unseres Volkes und auch Russlands glauben." Verständnis müsse dafür geweckt werden, was Krieg und Schuld bedeutet, andernfalls werde die Übernahme von Verantwortung nie gelingen - "und das Töten wird kein Ende nehmen". Eine Reise des Papstes nach Kiew, zu der sich Franziskus erst am Wochenende bei seinem Rückflug aus Malta bereit gezeigt hatte, halte er zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht durchführbar, erklärte Szyrokoradiuk, der selbst einen Papstbesuch in seinem Land - den 2001 von Johannes Paul II. - mitorganisiert hat. "Die Anwesenheit von Franziskus wäre für den Frieden sehr gut.

Doch momentan scheint es unmöglich zu sein", so der dem Franziskanerorden zugehörige Bischof. Szyrokoradiuk ist Referatsbischof der Ukraine der Caritas-Spes und beteiligt sich auch in seiner Bischofsstadt intensiv an den humanitären Maßnahmen des Hilfswerks für die Region. Die Verteilung von Hilfsgütern an die Bevölkerung funktioniere gut, "Gott sei Dank bekommen wir aus Polen und Deutschland viel Unterstützung". Tausende Lebensmittelpakete seien seit Beginn des Krieges bereits geschnürt und an Notleidende verteilt worden, derer es immer mehr gibt. Szyrokradiuk: "Wir machen alles, was möglich ist."

 

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