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„Wie bitte? Aus der Kirche austreten?“

15. Februar 2022 in Kommentar, 39 Lesermeinungen
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„Mittlerweile denke ich, dass sich die »Deutsche Synodalkatholische Kirche (DSK)« ihr eigenes Grab geschaufelt hat… Ein leichter Druck auf den Ja- oder Nein-Button und die Einheit mit der Kirche war beschädigt“. Gastkommentar von Peter Esser


Bonn (kath.net) »Wie bitte? Aus der Kirche austreten?« – Eine Frage, die noch vor wenigen Jahren verwundertes Kopfschütteln ausgelöst hätte, kennzeichnet nun eine scheinbar echte Option für Katholiken, die mit mir den Schmerz über das gemeinsame Vorgehen von Bischofskonferenz und „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK) in einem nur dem Anschein nach synodalen Debattenformat teilen. Jetzt wurde präzisiert: Der Ausstieg aus dem Kirchensteuersystem vor dem Amtsgericht ist eine reine Formsache. Mit 30 Münzen vor dem Amtsgericht ist man dabei. Doch man steigt damit nicht aus der Kirche aus, sondern aus dem staatsrechtlichen Konstrukt der Körperschaft des öffentlichen Rechts (KöR) »Kirche«. Damit, so die Hoffnung, könne man es »den Bischöfen« zeigen, dass man ihren Synodalen Weg nicht mitvollzieht – und auch die vielfältigen, jetzt schon offenbaren Rechtsbrüche der Hirten nicht akzeptiert.

Mittlerweile denke ich, dass sich die »Deutsche Synodalkatholische Kirche (DSK)« ihr eigenes Grab geschaufelt hat. Wen soll denn eine Kirche interessieren, die nur ein Abbild der Gesellschaft ist, die sie umgibt? Was mit dem Pathos der Dringlichkeit gefordert wurde, als warte die immer wieder beschworene »Basis« darauf, dass es sich endlich, ENDLICH ereigne, das existiert doch bereits längst.


Die Bischöfe mussten sich nicht einmal zu Wort melden. Ein leichter Druck auf den Ja- oder Nein-Button, bestätigen und absenden – und die Einheit mit der Kirche war beschädigt, ohne dass sich jemand hervortun oder eine dramatische Rede halten musste. Gespenstisch still ging der Abbruch vonstatten – nur begleitet von dem Geräusch, das sich eben ergibt, wenn man die kleine Tastatur auf dem Tisch bedient. Die fast meditativen Ansagen der Tagungsleitung (»Wir nähern uns der Zweihundert. Ich schließe die Abstimmung in drei … zwei … eins …«) hätten in der Tat auch eine Phantasiereise ins Land der Grauen Männer* können. Nur einmal kam in diesem Spießerernst so etwas wie ein Hauch von Humor auf, als die Tagungsleitung gebeten wurde, einem Sammelantrag, in dem kodifizierte Änderungen abgesegnet werden sollten, laut vorzulesen: Denn da stand in etwa: Ä1, Ä11, Ä24, Ä35, Ä37 … und so weiter. Mechanisches Abarbeiten einer für das Reich Gottes sicherlich unglaublich wichtigen Änderung.

Und die Bistümer? – Ach, die Bistümer. Ein überforderter Weihbischof, der zufällig für ein paar Monate einen Kahn steuert, der zu groß für ihn ist, bezeichnet die Kirche leutselig als »Täterorganisation«. Und sich als ihren Chef. Natürlich ein reuevoller Chef mit persönlich weißem Kragen. Kaum jemand protestiert gegen diese Vergesellschaftung persönlicher Verantwortung und Schuld.

KöR-Austritt als Protest – für mich eine Option? Nicht so lange nicht eindeutig festgestellt ist, dass der eigene Bischof wirklich nicht mehr katholisch ist. Und das kann nur der Papst, das kann nicht ich nach eigenem Urteilen und Ermessen.

Aber es gibt noch eine andere Überlegung. Ich habe die letzten Tage bei einem Seminar über das Gebet in einer kleinen geistlichen Gemeinschaft zugebracht. Mit dem Betreten des Hauses fiel alle »Kirchenpolitik« von mir ab. Eine geistliche Traurigkeit über die Skandalwut der Menschen blieb, wie ein Schatten der Erschöpfung, aber ich lernte langsam, sie wieder Jesus und Maria hinzuhalten. Und erleichtert stellte ich fest: Der Auferstandene ist lebendiger als alle, die sich jetzt doch nur für kurze Zeit wichtigtun können.

Ich habe Respekt vor jedem, der jetzt dem von Kirchenrechtler und Priester Dr. Gero Weishaupt skizzierten Weg (siehe Link) folgt, aber ich fürchte, ich hätte nicht die geistliche Kraft, diesen Weg der Abwendung (wenn schon nicht von der Kirche, so doch vom Bischof) zu gehen, ohne selber Schaden zu nehmen und bitter zu werden. Wer aus meiner Umgebung könnte das Zeichen des Austritts aus der KöR »Kirche« denn wirklich verstehen, wenn ich selbst mich schon an den Verfahrenswegen intellektuell verhebe? Was die Menschen in dieser Zeit hingegen wirklich brauchen, ist das Zeugnis der Freundschaft mit Jesus.

Der Autor Peter Esser (siehe Link) ist Cartoonist und praktizierender Katholik im Erzbistum Köln. kath.net-Lesern ist er nicht zuletzt durch seine Cartoons bekannt (siehe Link zu kathtube).

Cartoon (c) Peter Esser - Alle Rechte vorbehalten. kath.net dankt für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung

Mehr dazu auf kathtube:


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