Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:








Top-15

meist-diskutiert

  1. "Wenn Impfung wichtiger als Jesus wird"
  2. Papstbesuch in der Slowakei nur für Geimpfte!
  3. "Eine klare, kirchenpolitische Kriegserklärung an die traditionelle Hl. Messe"
  4. „Papst sollte nunmehr schleunigst auch klare Leitlinien für die Feiern des Novus Ordo herausgeben“
  5. Theologe Kwasniewski: Lateinische Lesungen in außerordentlicher Form beibehalten
  6. ‚Traditionis custodes’ – der Begleitbrief
  7. Der 'Masken-Ball' in den Kirchen geht weiter
  8. "Hüter der Tradition" klingt leider zynisch in vielen Ohren...
  9. Trauer um "Stimme des Papstes" P. Bernd Hagenkord
  10. ‚Einheit kann nicht erzwungen, sondern nur gefördert werden’
  11. Traditionis Custodes - Erschütternd, wie man mit uns treuen Gläubigen umspringt!
  12. Traditionis custodes – Wächter der Tradition
  13. Hat der Sexualkundeunterricht junge Schüler in Wien schwer verstört?
  14. Rod Dreher: ‚Traditionis custodes’ zeigt, wie Liberale sich nicht an ihre Prinzipien halten
  15. "Sie schneiden uns einfache Gläubigen von unseren Zufluchtsorten ab ..."

Die Kirchen und die atomare Abschreckung

22. Juli 2020 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Nicht nur ein Krieg mit strategischen Atomwaffen, sondern auch ein Krieg mit konventionellen Waffen kann ein solches Verbrechen sein. Der Zweite Weltkrieg bietet auf beiden Seiten der Kriegsgegner solche Beispiele.“ Gastkommentar von Manfred Spieker


Osnabrück (kath.net) Die Kirchen wollten das Konzept der nuklearen Abschreckung nicht mehr tolerieren, schreibt Thomas Jansen in der FAZ vom 24. Juni 2020 („Auf ethische Distanz zu Atomwaffen“). Die EKD habe dies schon 2007 in einer Denkschrift deutlich gemacht, und die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragene Kommission Justitia et Pax sei 2019 zu dem Schluss gekommen, dass die bisherige moralische Duldung der Strategie der nuklearen Abschreckung aufgegeben werden müsse, weil sich die Hoffnung auf substantielle Fortschritte in der atomaren Abrüstung nicht erfüllt habe. Die moralische Verurteilung der nuklearen Abschreckung würde Papst Franziskus voranbringen können, so Jansen, wenn er die Ächtung der Atomwaffen im Katechismus der Katholischen Kirche „festschreiben“ ließe.

 

Papst Franziskus würde mit einer solchen Verurteilung den Dilemmata der Friedenssicherung nicht entrinnen. Schon das II. Vatikanische Konzil sah sich 1965 gezwungen, wie Anfang der 80er Jahre auch zahlreiche Bischofskonferenzen in der Nachrüstungsdebatte der NATO, die verschiedenen Dilemmata der Friedenssicherung unter den Bedingungen der atomaren Rüstung zu reflektieren. Das Konzil hat zwar erklärt, dass mit der Entwicklung wissenschaftlicher Waffen das Zerstörungspotential der Rüstung „ins Unermessliche“ wachse und mit ihrer Anwendung „die Grenzen einer gerechten Verteidigung weit überschritten“ würden. Aber es hat die Möglichkeit einer gerechten Verteidigung auch unter den Bedingungen atomarer Rüstung nicht in Frage gestellt und die „Verurteilung des totalen Krieges“ nicht an der Waffengattung, sondern an der Intention der Kriegführenden festgemacht: „Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist“. Nicht nur ein Krieg mit strategischen Atomwaffen, sondern auch ein Krieg mit konventionellen Waffen kann ein solches Verbrechen sein. Der Zweite Weltkrieg bietet auf beiden Seiten der Kriegsgegner solche Beispiele. Andererseits können taktische Nuklearwaffen so zielgenau eingesetzt werden, dass sie die Einhaltung der Kriterien einer gerechten Verteidigung nicht von vornherein ausschließen. Es bleibt das Risiko der Eskalation. Aber der Besitz von Atomwaffen ist nicht a priori verwerflich.


 

Zusammen mit einer glaubwürdigen Strategie, das heißt Abschreckung durch flexible Optionen statt durch massive Vergeltung, mindern die Atomwaffen seit 75 Jahren das Risiko einer militärischen Aggression. Um diese flexible Antwort zu gewährleisten, war Anfang der 80er Jahre die Nachrüstung der NATO mit nuklearen Mittelstreckenraketen geboten. Diese Nachrüstung war die Voraussetzung für den INF-Vertrag von 1987. In den langen Bemühungen um atomare Abrüstung war dies ein großer Erfolg, der zum Ende des Kalten Krieges beitrug.

 

Die Versuchung zu einem Nuklearpazifismus war in den Kirchen schon in der Nachrüstungsdebatte der NATO verbreitet. Der Reformierte Bund in Deutschland erhob die Frage der Nachrüstung 1982 in den status confessionis: Die Bereitstellung und Anwendung von Atomwaffen sei unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Auf katholischer Seite neigten die amerikanischen Bischöfe 1982 im zweiten Entwurf ihres Friedenshirtenbriefes zu einem Nuklearpazifismus light. Sie forderten die NATO-Staaten auf, zu erklären, dass sie nicht als erste Atomwaffen einsetzen würden.

 

Nach Konsultationen mit Vertretern des Vatikans und der Bischofskonferenzen einiger NATO- Staaten führten sie in die endgültige Fassung ihres Hirtenbriefes 1983 eine methodologische Unterscheidung von grundsätzlicher Bedeutung ein, die im zweiten Entwurf noch fehlte: Die Unterscheidung zwischen Urteilen zu moralischen Prinzipien einerseits und Aussagen zu konkreten Fragen, sogenannte „prudential judgements“, andererseits. Die „Klugheitsurteile“ würden auf Bedingungen beruhen, „die sich ändern können oder die von Menschen guten Willens unterschiedlich interpretiert werden können (zum Beispiel die Stellungnahme zu ‚kein Ersteinsatz‘)“. Der Verbindlichkeitsgrad der Klugheitsurteile ist also geringer als der von Urteilen zu moralischen Prinzipien. Christen können zu konkreten Fragen der Rüstungstechnologie und der Militärstrategie unterschiedlicher Meinung sein. Deshalb ist der Katechismus nicht der geeignete Ort, um ein Urteil über die nukleare Abschreckung zu fällen.

 

Prof. Dr. Manfred Spieker ist emeritierter Professor für Christliche Sozialwissenschaften am Institut für Katholische Theologie der Universität Osnabrück.

Foto: Archivbild des zerstörten Köln am Ende des Zweiten Weltkriegs


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Konrad Georg 22. Juli 2020 
 

Das ist das Elend der Gutmenschen

Sie sind durch ihre Ignoranz unfähig, die zwei Seiten der Medaillen zu sehen.


1

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Aberglaube

  1. Kardinal Zen und das Leid bringende Ärgernis von ‘Traditionis custodes’
  2. Erste Messe am Papstaltar seit 15 Monaten: Priesterweihen im Petersdom
  3. „Kirche in Not“ startet neues Großprojekt im Irak
  4. MATER DEI
  5. Kardinal Pell: Anhaltspunkte, aber keine Beweise für vatikanische Intrige

Katechismus

  1. Neuer Kinderkatechismus für die Familie
  2. Erzbischof Schick, die Tötung eines Terrorchefs und das 5. Gebot
  3. Aufruhr in Rom oder nur ein Disput unter Kardinälen?
  4. Gelehrte fordern Wiedererlaubnis der Todesstrafe im Katechismus
  5. Gelehrte fordern Wiedererlaubnis der Todesstrafe im Katechismus

Krieg

  1. Myanmar: „Das Morden muss sofort aufhören"
  2. Myanmar: „Ich befürchte ein Blutbad“
  3. Berg-Karabach: Kirchen fordern Neuverhandlung des Waffenstillstands
  4. Karabach: Armenischer Patriarch fordert internationales Eingreifen
  5. „Pater Werenfried war überragender Europäer und Motor der Versöhnung“







Top-15

meist-gelesen

  1. Traditionis Custodes - Erschütternd, wie man mit uns treuen Gläubigen umspringt!
  2. Bitte helfen Sie kath.net - Die Stimme der Diaspora-Katholiken im deutschen Sprachraum!
  3. Kardinal Zen und das Leid bringende Ärgernis von ‘Traditionis custodes’
  4. "Hüter der Tradition" klingt leider zynisch in vielen Ohren...
  5. ‚Traditionis custodes’ – der Begleitbrief
  6. Papstbesuch in der Slowakei nur für Geimpfte!
  7. "Wenn Impfung wichtiger als Jesus wird"
  8. "Für einen Großteil kirchenamtlicher Texte in Deutschland trifft in der Tat das Wort Amtskirche zu!"
  9. "Eine klare, kirchenpolitische Kriegserklärung an die traditionelle Hl. Messe"
  10. Weishaupt: „‚Traditionis custodes‘ wirkt wie eine Kanone, mit der der Papst auf Spatzen schießt“
  11. Trauer um "Stimme des Papstes" P. Bernd Hagenkord
  12. "Der Wolf kommt und sie laufen davon"
  13. Theologe Kwasniewski: Lateinische Lesungen in außerordentlicher Form beibehalten
  14. „Papst sollte nunmehr schleunigst auch klare Leitlinien für die Feiern des Novus Ordo herausgeben“
  15. Hat der Sexualkundeunterricht junge Schüler in Wien schwer verstört?

© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz