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Das II. Vatikanische Konzil: Probleme der Interpretation

26. Juni 2020 in Aktuelles, 35 Lesermeinungen
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Zu einer neu entstandenen Debatte über das II. Vatikanische Konzil. Dass es zu Meinungsverschiedenheiten bei der Interpretation von Konzilsdokumenten kommt, ist keineswegs etwas Neues in der Geschichte der Konzilien. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Erstaunlich: der Beginn der Sommermonate 2020 zeichnet sich durch eine erneute intensiv geführte Debatte über das II. Vatikanische Konzil aus. Angestoßen wurde diese durch den mutigen und herausragenden Beitrag vom 9. Juni des ehemaligen Nuntius in den Vereinigten Staaten, Erzbischof Carlo Maria Viagnò. Dieser offenen Analyse, die, wie es so schön heißt, „Ross und Reiter“ nannte, folgte dann eine auf den 24. Juni 2020, Festtag der Geburt Johannes des Täufers, datierte weitere und umfassende Auseinandersetzung.

 

Auch Weihbischof Athanasius Schneider gab seinen ruhigen und ausgewogenen Beitrag. Schneider vertritt die These: wir müssen alles, was in den Texten des Konzils wirklich und wahrhaftig gut ist, in seinem Wert erkennen und wertschätzen, ohne irrational und unehrlich die Augen der Vernunft vor dem zu verschließen, was objektiv und offensichtlich zweideutig und in einigen der Texte sogar fehlerhaft ist.

 

Also: zum Glück ist diese Diskussion eines Kernthemas der jüngsten Kirchengeschichte wieder in Gange gekommen. Es ist zu sehen: man kann zwar den Deckel eines Dampfdruckkochtopfs verschlossen halten und diesen nicht von der Kochplatte nehmen, während man mit anderem herumspielt und sich mit Oberflächlichem begnügt. Doch es wird über kurz oder lang zu einem Überdruck kommen, und dann besteht die Gefahr, dass Sicherheitsventile wie z.B. die These der „Hermeneutik in Kontinuität“ nicht mehr reichen.

 

Bereits im Sommer 2019 hatte sich der bedeutende Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller mit dem immer „heißen Eisen“ des II. Vatikanums in einem umfangreichen Vortrag auseinandergesetzt. Ich danke Seiner Eminenz für die Erlaubnis zu Veröffentlichung seines gerade in dieser Zeit hilfreichen Textes

 

***

 

Das II. Vatikanische Konzil: Probleme der Interpretation. Von Walter Kardinal Brandmüller

 

Dass es zu Meinungsverschiedenheiten bei der Interpretation von Konzilsdokumenten kommt, ist keineswegs etwas Neues in der Geschichte der Konzilien. Bei der Formulierung von Glaubenswahrheiten geht es darum, das unsagbare Mysterium der göttlichen Wahrheit in menschlicher Sprache auszudrücken. Das aber ist und bleibt ein Unterfangen, das schon der hl. Augustinus mit dem Versuch eines Kindes, mit seinem Eimerchen das Meer auszuschöpfen, verglichen hat.

 

Auch ein Allgemeines Konzil vermag bei diesem Unterfangen nicht sehr viel mehr als jenes Kind.

Kein Wunder darum, dass selbst unfehlbare Lehraussagen eines Konzils oder eines Papstes die geoffenbarte Wahrheit zwar definieren – also: gegenüber dem Irrtum abgrenzen -, nie aber die Fülle der göttlichen Wahrheit fassen können.

 

Diese Grundtatsache gilt es im Auge zu behalten, wenn es nun um die Interpretationsprobleme geht, vor die uns das II. Vaticanum stellt. Bei deren Erörterung beschränken wir uns auf jene Konzilstexte, die von sogenannten traditionalistischen Kreisen als besonders anstößig empfunden werden.

Zunächst aber gilt es, einen Blick auf die Besonderheiten zu werden, die das II. Vaticanum von den vorhergehenden Allgemeinen Konzilien unterscheiden.

 

Dazu eine Vorbemerkung: Das II. Vaticanum erscheint dem Konzilienhistoriker zunächst in mehrfacher Hinsicht als ein Konzil der Superlative. Beginnen wir mit der Feststellung, dass noch niemals in der Kirchengeschichte ein Konzil so intensiv vorbereitet wurde wie das II. Vaticanum. Gewiss ist auch das Vorgängerkonzil sehr gut vorbereitet gewesen, als es am 8. Dezember 1869 begann. Vermutlich war die theologische Qualität der vorbereiteten Schemata sogar besser als die des nachfolgenden Konzils. Unübersehbar ist jedoch, dass die Zahl der eingesandten Anregungen und Vorschläge aus aller Welt und die Art ihrer Verarbeitung alles bisher Dagewesene übertraf.

 

Als Konzil der Superlative erwies sich das II. Vaticanum in augenfälliger Weise am 11. Oktober 1962, als die ungeheure Zahl von zweitausendvierhundertvierzig Bischöfen in die Basilika von Sankt Peter einzog. Hatte noch das I. Vaticanum mit seinen ca. 642 Vätern im rechten Querschiff von Sankt Peter Platz gefunden, so hatte man nun das gesamte Längsschiff zur Konzilsaula gemacht. In den hundert Jahren zwischen den beiden Konzilien war die Kirche, wie hier in beeindruckender Weise sichtbar wurde, nicht mehr nur dem Anspruch nach, sondern auch de facto zur Weltkirche geworden. Eine Tatsache, die sich nun in der Zahl der 2440 Väter und ihrer Herkunftsländer widerspiegelte. Hinzu kommt, dass erstmals in der Geschichte der Kirche ein Konzil seine Voten mit Hilfe elektronischer Technik abgab, und akustische Probleme, die noch die Teilnehmer des I. Vaticanums geärgert hatten, nunmehr nicht einmal erwähnt zu werden brauchten.

 

Da wir schon von modernen Kommunikationsmitteln sprechen: Es war bislang noch nie der Fall gewesen, dass, wie 1962 geschehen, etwa 1000 Journalisten aus aller Welt beim Konzil akkreditiert wurden. Damit wurde das II. Vaticanum auch zum bekanntesten Konzil aller Zeiten, zu einem weltweiten Medienereignis ersten Ranges.

 

Konzil der Superlative ist es aber in ganz besonderer Weise hinsichtlich seiner Ergebnisse. Von den 1135 Seiten, die die Ausgabe der Dekrete aller üblicherweise als ökumenisch betrachteten Konzilien umfasst, und das sind also etwa zwanzig, hat das II. Vaticanum allein 315 Seiten, das ist erheblich mehr als ein Viertel, hervorgebracht. So nimmt unser Konzil in der Reihe der übrigen allgemeinen Konzilien ohne jeden Zweifel eine besondere Stellung ein, allein nach eher materiellen, äußerlichen Kriterien.

 

Doch es gibt darüber hinaus noch andere Besonderheiten dieses Konzils, die es vom Hintergrund seiner Vorgänger abheben, so etwa in Bezug auf die Funktionen eines Allgemeinen Konzils. Konzilien sind oberste Lehrer, oberste Gesetzgeber und oberste Richter, unter und mit dem Papst, dem all dies natürlich auch ohne Konzil zukommt. Nicht jedes Konzil hat jede dieser Funktionen ausgeübt.

 

Hat etwa das 1. Konzil von Lyon im Jahre 1245 durch die Bannung und Absetzung Kaiser Friedrichs II. als Gerichtshof gehandelt und überdies Gesetze erlassen, so hat etwa das I. Vaticanum weder Gericht gehalten noch Gesetze erlassen, sondern ausschließlich Fragen der Lehre entschieden. Das Konzil von Vienne von 1311/12 hingegen hat sowohl Gericht gehalten als auch Gesetze erlassen und Glaubensfragen entschieden. Von den Konzilien von Konstanz 1414/18 und Basel-Ferrara-Florenz 1431/39 gilt das gleiche.

 

Das II. Vaticanum hingegen hat weder Gericht gehalten, noch eigentlich Gesetze erlassen, noch Glaubensfragen definitiv entschieden.

 

Es hat vielmehr geradezu einen neuen Typ von Konzil realisiert, indem es sich als ein pastorales, also seelsorgerliches Konzil verstand, das Lehre und Weisung des Evangeliums in eher gewinnender und wegweisender Art und Weise der damaligen Welt nahebringen wollte. Insbesondere hat es keine Lehrverurteilungen ausgesprochen. Johannes XXIII. hatte in seiner Eröffnungspredigt ausdrücklich davon gesprochen: „Die Kirche ist immer den Irrlehren entgegengetreten. Häufig hat sie sie mit der größten Strenge verurteilt.“ Heutzutage dagegen „zieht es die Kirche vor, von der Medizin der Gnade Gebrauch zu machen… Sie glaubt, dass sie den Bedürfnissen der heutigen Zeit entspricht, indem sie lieber die Gültigkeit ihrer Lehren demonstriert als Verurteilungen ausspricht.“ Nun, es wäre, wie wir fünfzig Jahre nach seinem Abschluss wissen, ein Ruhmesblatt für das Konzil gewesen, wenn es, den Fußstapfen Pius‘ XII. folgend, den Mut zu einer wiederholten und ausdrücklichen Verurteilung des Kommunismus gefunden hätte.

 

Indes hat die Scheu davor, ebenso lehrmäßige Verurteilungen wie dogmatische Definitionen auszusprechen, auch dazu geführt, dass am Ende konziliare Äußerungen standen, deren Grad von Authentizität und damit Verbindlichkeit durchaus verschieden war. So etwa besitzen die Konstitutionen Lumen gentium über die Kirche und Dei Verbum über die göttliche Offenbarung durchaus Charakter und Verbindlichkeit authentischer Lehrverkündigung – doch auch hier wurde nichts im strikten Sinne letztverbindlich definiert -, während andererseits etwa die Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae nach Klaus Mörsdorf „ohne ersichtlichen Normgehalt zu Fragen der Zeit Stellung nimmt“. Das gilt namentlich von den disziplinären, die pastorale Praxis regelnden Dokumenten. Den Konzilstexten kommt also ein durchaus unterschiedlicher Grad der Verbindlichkeit zu.


 

In einem weiteren Schritt ist nun die Frage nach dem Verhältnis des II. Vaticanums zur gesamten Überlieferung der Kirche zu stellen. Eine Antwort finden wir, wenn wir untersuchen, wie viel oder wie wenig die Texte des Konzils aus der Tradition schöpften. Es mag genügen, daraufhin exemplarisch die Konstitution Lumen gentium zu überprüfen. Dazu genügt ein Blick auf den Anmerkungsteil der Textausgabe. Dabei ist festzustellen, dass in diesem Text nicht weniger als zehn der vorausgegangenen Konzilien zitiert werden. Von ihnen wird das I. Vaticanum 12 und das Tridentinum 16 mal als Beleg angeführt. Man sieht schon daraus, dass z. B. von einem „Abschied von Trient“ durch Vat. II keine Rede sein kann.

 

Noch enger erscheint das Verhältnis zur Überlieferung, bedenkt man, dass von den Päpsten Pius XII. in 55 Fällen, Leo XIII. an 17 Stellen, Pius XI. 12 mal zitiert werden. Hinzu kommen Benedikt XIV., Benedikt XV., Pius IX., Pius X., Innozenz I. und Gelasius.

 

Am eindrucksvollsten erscheint jedoch die Präsenz der Väter in den Texten von Lumen gentium. Es sind nicht weniger als 44 Väter, auf deren Lehren sich das Konzil beruft. Unter ihnen ragen Augustinus, Ignatius von Antiochien, Cyprian, Johannes Chrysostomus und Irenäus hervor.

Ebenso sind auch die großen Theologen bzw. Kirchenlehrer zitiert worden. Thomas von Aquin an 12 Stellen, zusammen mit anderen sieben klingenden Namen.

 

Allein diese Aufzählung mag zeigen, wie sehr die Väter des II. Vaticanums sich im Strome der Überlieferung stehend verstanden, eingebunden in den Prozess des Empfangens und Weitergebens, der die raison d’être der Kirche ist: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe“, sagt der Apostel. Es ist evident, dass von einem Neuanfang der Kirche, also von einem neuen Pfingsten, auch in dieser Hinsicht keine Rede sein kann.

 

Daraus ergeben sich erhebliche Konsequenzen für die Interpretation des Konzils – und zwar nicht des „Ereignisses Konzil“, sondern seiner Texte. Es war das in vielen seiner Äußerungen greifbare zentrale Anliegen Benedikts XVI., den engen organischen Zusammenhang des Vat. II mit der Gesamtüberlieferung der Kirche aufzuzeigen und damit zu betonen, dass eine Hermeneutik, die im II. Vaticanum einen Bruch mit dieser zu erblicken glaubt, in die Irre geht.

 

Diese „Hermeneutik des Bruches“ vollziehen sowohl jene, die im II. Vaticanum Entfernung vom genuinen Glauben der Kirche, also Irrtum oder gar Häresie erblicken, als auch jene anderen, die mit einem solchen Bruch mit der Vergangenheit einen mutigen Aufbruch zu neuen Ufern wagen wollten.

 

Aber: die Annahme eines Bruches in der Lehre und im sakramentalen Handeln der Kirche ist schon aus theologischen Gründen unmöglich. Wenn wir den Verheißungen Jesu Christi, dass er bei seiner Kirche bis zum Ende der Zeit bleibt, dass er den Heiligen Geist senden werde, der uns in die Fülle der Wahrheit einführen werde, glauben, dann ist es geradezu absurd, anzunehmen, die authentisch überlieferte Lehre der Kirche könnte in dem einen oder anderen Punkt im Lauf der Zeit sich als falsch erweisen, oder ein seither zurückgewiesener Irrtum könnte sich irgendwann als Wahrheit herausstellen. Wer dies für möglich hält, wäre dem Relativismus verfallen, für den Wahrheit grundsätzlicher Veränderlichkeit unterliegt, d. h. eigentlich gar nicht existiert.

 

Zu dieser Überlieferung leistet nun jedes Konzil seinen spezifischen Beitrag. Dieser kann selbstverständlich nicht in einer Hinzufügung neuer Inhalte zum Glaubensgut der Kirche bestehen. Erst recht nicht in einer Ausscheidung bisher überlieferter Glaubenslehren. Es ist vielmehr ein Prozess von Entfaltung, Klärung, Unterscheidung, der sich hier vollzieht, und zwar unter dem Beistand des Heiligen Geistes, und der dazu führt, dass jedes Konzil mit seiner definitiven Lehrverkündigung als integrierender Bestandteil in die Gesamttradition der Kirche eingeht. Insofern sind Konzilien jeweils nach vorne, in Richtung auf umfassendere, klarere, aktuellere Lehrverkündigung offen, nie aber nach rückwärts. Ein Konzil kann seinen Vorgängern niemals widersprechen, es kann ergänzen, präzisieren, weiterführen.

 

Anders ist es freilich mit dem Konzil als Organ der Gesetzgebung. Diese kann, ja muss allemal, freilich wiederum im Rahmen, den der Glaube vorgibt, auf die konkreten Erfordernisse einer bestimmten historischen Situation eingehen und ist insofern dem Wandel grundsätzlich unterworfen. 

 

Eines mag aus diesen Bemerkungen klar geworden sein: All das gilt auch für das II. Vaticanum. Auch dieses ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein Konzil unter, neben, nach anderen. Es steht weder über, noch außerhalb, sondern in der Reihe der Allgemeinen Konzilien der Kirche. Dass dem so ist, ergibt sich nicht zuletzt aus dem Selbstverständnis nahezu aller Konzilien. Es genügt, deren entsprechende Äußerungen sowie die der frühen Väter über diese Frage anzuführen. Sie erblicken in der Überlieferung geradezu das Wesen der Konzilien.

 

Schon Vinzenz von Lerins († vor 450) reflektiert ausdrücklich darüber in seinem Commonitorium: „Was hat die Kirche anderes durch ihre Konzilsdekrete angestrebt, als dass dasselbe, was vor einem Konzil schlicht geglaubt wurde, von da an mit mehr Bestimmtheit geglaubt wurde; dasselbe, was vor ihm ohne Nachdruck verkündigt wurde, von da ab intensiver verkündigt wurde; dasselbe, was vor ihm in aller Sicherheit verehrt wurde, von da ab mit größerem Eifer verehrt wurde. Dies, so behaupte ich, und nichts anderes, hat die katholische Kirche immer, aufgeschreckt durch die Neuerungen der Häretiker, durch ihre Konzilsdekrete erreicht: Was sie zuvor von den „Vorfahren“ allein durch Überlieferung empfangen hatte, hat sie von nun an für die „Nachfahren“ auch schriftlich niedergelegt. Sie tat es, indem sie vieles in wenige Worte zusammenfasste und oft, zum Zwecke des klareren Verständnisses, den unveränderten Glaubensgehalt mit neuen Bezeichnungen ausdrückte“ (Comm. Kap. 36).

 

Diese genuin katholische Überzeugung findet ihren Niederschlag in der Definition des 2. Konzils von Nicaea von 787, das so formuliert: „Da dies sich so verhält, haben wir gewissermaßen den königlichen Weg eingeschlagen und sind der Lehre unserer von Gott inspirierten Väter und der Überlieferung der katholischen Kirche gefolgt, denn diese stammt, wie wir wissen, vom Heiligen Geist, der in ihr wohnt, und beschließen...“, und dann folgen die Kernsätze des Konzilsdekrets. Ganz besonders wichtig auch die letzte der vier Verurteilungen: „Wenn jemand die ganze kirchliche Überlieferung, geschrieben oder ungeschrieben, verwirft, so sei er im Banne“.

 

Indem sie also ein Konzil abhält, realisiert die Kirche ihr eigenstes Wesen. Die Kirche – und damit das Konzil – überliefert, indem sie lebt und sie lebt, indem sie überliefert. Überlieferung ist ihr eigentlicher Wesensvollzug.

 

Die authentische Überlieferung, nicht der Zeitgeist, ist das entscheidende Element des Interpretationshorizonts. Das kann nun keinesfalls Starre und Unbeweglichkeit bedeuten. Der Blick auf das Heute darf keinesfalls fehlen. Es sind die Fragen von heute, die beantwortet werden müssen. Aber die Elemente, aus denen diese Antwort besteht, können nirgendwo anders herkommen als aus der ein für allemal gegebenen göttlichen Offenbarung, die uns die Kirche unverfälscht durch die Jahrhunderte überliefert. Diese Überlieferung stellt dann auch das Kriterium dar, dem eine jede neue Antwort standhalten muss, wenn sie wahr und gültig sein soll.

 

Diese grundsätzlichen Erwägungen sind nun auch bei der Interpretation der am meisten umstrittenen Konzilstexte zu berücksichtigen.

 

Es sind in der Hauptsache die Erklärungen Nostra aetate und Dignitatis humanae, die Widerspruch seitens der Pius-Bruderschaft hervorgerufen haben. Von dort wird der Vorwurf erhoben, das Konzil habe im Glauben geirrt. Dem ist allerdings entschieden zu widersprechen.

 

Es ist doch offenkundig, dass ein im Jahre 1965 formulierter Konzilstext, der damals aus seiner Entstehungssituation und nach seiner Aussageintention zu verstehen war, in die heutige Welt hineingesprochen durchaus im Interpretationshorizont von heute zu betrachten ist.

 

Nehmen wir als Beispiel Nostra aetate. Wer dieser Erklärung heute religiösen Indifferentismus unterstellt, sollte doch diesen Text im Lichte von Dominus Jesus lesen, womit jedes Missverständnis im Sinne von Indifferentismus oder Synkretismus kategorisch ausgeschlossen ist. In immer neuen Anläufen hat das postkonziliare Lehramt mit seinen Klärungen irgendwelchen Missdeutungen der Konzilstexte im traditionalistischen wie im progressistischen Sinn den Boden entzogen.

 

Nach diesen grundsätzlichen Bemerkungen sei nun ein weiterer Auslegungsgrundsatz erläutert, der sich aus der Geschichtlichkeit eines jeden Textes ergibt. So, wie jeder Text – und darum auch jeder lehramtliche Text – aus einer bestimmten historischen Situation entsteht und von den konkreten Umständen seiner Entstehung mitbestimmt ist, so ist er auch mit bestimmter Absicht in diesen bestimmten historischen Augenblick hineingesprochen.

 

Das ist, wenn wir heute daran gehen, einen solchen Text zu interpretieren, im Auge zu behalten.

Nicht weniger ist jedoch zu bedenken, dass dieser solchermaßen bestimmte hermeneutische Horizont sich in dem Maße verschiebt, verändert, je weiter der heutige Interpret vom Entstehungszeitpunkt des Textes entfernt ist. D. h., dass frühere Interpretationen, je weiter sie zeitlich zurückliegen, mehr oder weniger nur noch historisches Interesse beanspruchen können. Diese Erkenntnis ist von besonderer Wichtigkeit, wenn es sich um Texte des kirchlichen Lehr- und Hirtenamtes handelt.

 

Dem mag man sofort entgegenhalten, dass die Wahrheit, besonders die Wahrheit der göttlichen Offenbarung, ewige und unveränderliche Wahrheit ist, die keinem Wandel unterliegen kann. Daran ist nun wirklich nicht zu zweifeln. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“, sagt der Herr.

 

Ebenso wahr aber ist, dass das Erkennen dieser ewigen Wahrheit durch den dem geschichtlichen Wandel unterworfenen Menschen ebenso dem Wandel unterworfen ist wie der erkennende Mensch selbst. D. h., dass je nach dem historischen Augenblick der eine und dann wieder der andere Aspekt der ewigen Wahrheit erblickt, erkannt, neu und tiefer verstanden wird.

 

Eben darum kann auch ein Konzilstext im geistigen, kulturellen etc. Kontext unserer Zeit in deren Licht betrachtet, neu, tiefer, klarer verstanden werden.

 

In dem Maße, in dem wir diese Erkenntnis bei unserem Bemühen, die Lehren des II. Vaticanums heute und für heute zu verstehen, wird es uns gelingen, manchen diesbezüglichen Konflikt zu überwinden. Natürlich ist diese Konzilsinterpretation ein Auftrag an die theologische Diskussion, die seit Jahr und Tag damit beschäftigt ist. Nicht zuletzt sind es ihre Ergebnisse, die dann ihren Niederschlag in den Dokumenten des nachkonziliaren Lehramts gefunden haben.

 

Es wäre – im Lichte des Gesagten – ein schwerwiegender Fehler, bei der Interpretation des Konzils für heute, sie unberücksichtigt zu lassen und so zu tun, als ob seit dem Jahre 1965 die Zeit stillgestanden wäre. Dies sei nun an drei – wie mir scheint – besonders charakteristischen Beispielen dargestellt.

 

Dabei fallen die Erklärung „Nostra aetate“ über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen wie auch das Dekret “Unitatis redintegratio“ über den Ökumenismus ins Auge. Beide unterliegen seit längerem der Kritik durch sogenannte traditionalistische Kreise. Beiden Texten wird von dort mangelnde Klarheit und Entschiedenheit im Eintreten für die Wahrheit, d. h. Synkretismus, Relativismus und Indifferentismus vorgeworfen. Dass es für diese Kritik jemals Angriffsflächen würde geben können, war bei der Verabschiedung dieser Texte kaum vorauszusehen.

 

Es war die Erfahrung des Totalitarismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der gemeinsam erlittenen Verfolgung gewesen, die Juden und Christen, Katholiken, Protestanten und Orthodoxe an ihre fundamentalen Gemeinsamkeiten erinnerte. Das Bemühen um Überwindung alter Gegnerschaft und ein neues Miteinander wurde allgemein als vom Herrn selbst auferlegte Pflicht empfunden. In diesem Geist und vor diesem Hintergrund gelesen, haben beide Dokumente mächtige Impulse gegeben.

 

Nun aber wendete sich das Blatt. Schon wenige Jahrzehnte nach Konzilsende wurde namentlich im angelsächsischen Bereich eine theologische Sicht der nichtchristlichen Religionen entwickelt, die von mehreren mehr oder weniger gleichwertigen Heilswegen für den Menschen sprach, und die christliche Mission darum für fragwürdig erklärte. Kirchliche Verkündigung müsse, meinte man, darauf abzielen, dass aus einem Moslem ein besserer Moslem etc. werde. Es war der Brite John Hick, der seit etwa 1980 ähnliche Ideen propagierte. Vor diesem neu entstandenen Hintergrund konnte nun in der Tat die eine oder andere Formulierung in „Nostra aetate“ missverstanden werden. Überdies spricht „Nostra aetate“ „von Religion nur positiv und lässt dabei die kranken und gestörten Formen von Religion beiseite, die geschichtlich und theologisch von großer Tragweite sind“ (Benedikt XVI., Bd. VII/1, Vorwort).

 

Der besonderen Erwähnung bedarf an dieser Stelle der den Islam betreffende Passus in „Nostra aetate“. Diesem Text wird nun nicht selten Indifferentismus vorgeworfen. Dazu ist zunächst zu bemerken, dass das Dekret gewiss „cum aestimatione quoque muslimos respicit“, keineswegs aber den Islam. Nicht dessen Lehre ist gemeint, sondern die Menschen, die ihr anhängen. Dass hinter den folgenden Formulierungen sich im gleichen oder ähnlichen Wortlaut doch ein sehr unterschiedliches Verständnis verbirgt, ist dem heutigen Islamologen klar. An diese Stelle des Dokuments, das einem friedlichen Dialog den Weg bereiten soll, sollte man nicht die strenge Messlatte dogmatischer Begrifflichkeit anlegen – wiewohl ein entsprechendes Bemühen wünschenswert gewesen wäre. Indes wurde dieser Text im Jahre 1965 publiziert.

 

Für unser heutiges Verständnis stellt sich das Problem aber wesentlich anders dar: Der Islam ist es, der sich in dem vergangenen halben Jahrhundert gründlich gewandelt hat – wie das Ausmaß der islamischen Aggressivität und Feindschaft gegenüber dem „christlichen“ Westen zeigt. Vor dem Hintergrund der Erfahrung der Jahrzehnte seit dem „nine eleven“ müsste ein solches Dekret wesentlich Anderes sagen.

 

Es ist also aus Gründen einer seriösen Konzilshermeneutik geradezu unsinnig, sich an dem Text von 1965 festzubeißen und ständig dagegen zu polemisieren: Das Dekret hat nur noch historisches Interesse. Da nun war es das Lehramt, das mit der Erklärung „Dominus Jesus“ jedem Indifferentismus den Boden entzog, und Jesus Christus als den einzigen Weg zum ewigen Heil und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche Jesu Christi als die einzige Heilsgemeinschaft für jeden Menschen unmissverständlich herausstellte.

 

Ähnliches geschah durch die mehrfache Klarstellung der Bedeutung des berühmten „subsistit in“. Waren im ökumenischen Diskurs Äußerungen gefallen, die den Eindruck erwecken konnten, die katholische Kirche sei nur eine von mehreren Erscheinungsformen der Kirche Jesu Christi, so hat die ebenfalls durch „Dominus Jesus“ bekräftigte Interpretation des subsistit in im Sinne „die katholische Kirche ist die Kirche Jesu Christi“, jedes Missverständnis ausgeräumt. Ein weiteres Scandalum stellt für manche die Erklärung „Dignitatis humanae“ über die Religionsfreiheit dar. Auch ihr wird Indifferentismus, Verrat an der Wahrheit des Glaubens und Widerspruch zum Syllabus errorum des sel. Pius IX. vorgeworfen.

 

Dass dem keineswegs so ist, wird einsichtig, wenn man nur die oben formulierten Interpretationsprinzipien anwendet: Beide Texte sind in einem verschiedenen historischen Kontext entstanden und sollen auf verschiedene Situationen antworten.

 

Der Syllabus errorum – wie schon vorher die Enzyklika „Mirari vos“ Gregors XVI. – zielte auf die philosophische Bestreitung des Absolutheitsanspruchs der Wahrheit, insbesondere der geoffenbarten Wahrheit durch den Indifferentismus und Relativismus. Pius IX. hatte betont, dass dem Irrtum kein Recht gegenüber der Wahrheit zukomme.

 

Dignitatis humanae“ hingegen geht von einer ganz anderen Situation aus, die durch jene Totalitarismen des 20. Jahrhunderts geschaffen worden war, die durch ideologischen Zwang die Freiheit des Individuums, der Person missachtet hatten. Darüber hinaus hatten die Väter des II. Vaticanums die politische Realität ihrer Zeit im Blick, die zwar unter veränderten Bedingungen, doch nicht in geringerem Maße die Freiheit der Person bedrohte. Darum ging es „Dignitatis humanae“ nicht um die – unbestrittene – Unantastbarkeit der Wahrheit, sondern um die Freiheit des Menschen von jedem äußeren Zwang in Bezug auf religiöse Überzeugung.

 

In diesem Zusammenhang seien die Verfechter der „absoluten Ungeschichtlichkeit der Wahrheit“ dessen versichert, dass kein vernünftiger Theologe oder Philosoph von einer Veränderlichkeit, einer Wandelbarkeit der Wahrheit sprechen würde. Was sich aber in der Tat verändert, was dem Wandel unterworfen ist, ist das Erkennen, die Erkenntnis der Wahrheit durch den durchaus sich wandelnden Menschen. Dazu gehört an herausragender Stelle das Glaubensbekenntnis des Gottesvolkes, das Paul VI. auf dem Höhepunkt der nachkonziliaren Krise verkündet hat.

 

In summa: Der Syllabus verteidigte die Wahrheit, das II. Vaticanum die Freiheit der Person. Ein Widerspruch zwischen beiden ist schwer zu erkennen, wenn man beide Dokumente in ihrem historischen Kontext betrachtet und nach ihrer damaligen Aussageabsicht versteht. Dazu kommt, dass für eine zutreffende Interpretation heute das gesamte nachkonziliare Lehramt zu berücksichtigen ist. Schließlich ist auch von jenem weltfreudigen, offenbar etwas naiven Optimismus zu sprechen, den die Väter des Konzils bei der Abfassung von „Gaudium et spes“ beflügelt hatte.

 

Kaum war das Konzil zu Ende, zeigte es sich jedoch, dass diese „Welt“ sich in einem sich rapide beschleunigenden Säkularisationsprozess befand, der den christlichen Glauben, ja die Religion überhaupt, an den Rand der Gesellschaften drängt. Da war nun das Verhältnis der Kirche zu „deser Welt“ – wie Johannes sie nennt – in der Tat neu zu definieren – und der Konzilstext etwa im Sinne der Reden Benedikts XVI. bei seinem Besuch in Deutschland zu ergänzen, zu interpretieren.

 

Das aber bedeutet, dass eine heutige, den Kern der Konzilslehre herausstellende und für den Glauben und die Lehre der Kirche in der Gegenwart fruchtbar machende Interpretation des Konzils dessen Texte im Lichte des gesamten postkonziliaren Lehramts zu lesen, und dessen Dokumente als Aktualisierung des Konzils zu verstehen hat.

 

Wie schon eingangs betont: Auch das II. Vaticanum ist nicht das erste und nicht das letzte Konzil. Das bedeutet, dass seine lehramtlichen Aussagen im Lichte der Überlieferung betrachtet, d. h. in einer solchen Weise interpretiert werden müssen, dass im Vergleich zu dieser zwar Erweiterung oder Vertiefung oder auch Präzisierung erfolgen, nicht aber ein Widerspruch zur Tradition festgestellt werden kann.

 

Überlieferung, Tradition ist nicht das einfache Weiterreichen eines wohl verschnürten Pakets, sondern ein organischer, vitaler Prozess, den Vinzenz von Lerins mit der fortschreitenden Entfaltung des Menschen vom Kind zum Mann vergleicht: Es bleibt immer dieselbe Person, die die Stufen der Entwicklung durchläuft.

 

Dies gilt für den Bereich der Lehre und der sakramental-hierarchischen Struktur der Kirche – keineswegs aber für das praktische pastorale Wirken der Kirche, dessen Effizienz weiterhin von den Anforderungen der jeweiligen Situation der Umwelt bestimmt wird. Dabei ist natürlich jeder Widerspruch der Praxis zum Dogma ausgeschlossen.

 

Es ist ein „Prozess aktiver Rezeption“, der nun auch um der Einheit innerhalb der Kirche willen vollzogen werden muss.

 

Indes gibt es aber auch – nicht auf dem Gebiet der Glaubenswahrheiten, wohl aber auf dem der Moral Fälle, in denen heute geboten sein kann, was gestern verboten war. Hatte etwa das strikte Verbot der Leichenverbrennung vor dem II. Vaticanum die Exkommunikation eines Katholiken zur Folge, der sich für die Kremation entschieden hatte, so konnte dieses Verbot zu einer Zeit aufgehoben werden, da die Leichenverbrennung ihren Charakter als Protest gegen den Glauben an die Auferstehung der Toten längst verloren hatte.

 

In ähnlicher Weise gilt dies im Falle des Zins-Verbotes im 15./16. Jahrhundert, als sich Franziskaner und Dominikaner – namentlich in Florenz – erbitterte Kanzelduelle lieferten, in denen die Kontrahenten um die Höhe des erlaubten Zinssatzes einander der Häresie anklagten und dem Gegner das Höllenfeuer androhten. Es ging um ein moralisches Problem, das mit dem Wandel der Wirtschaftsformen etc. entstanden und dann wieder obsolet geworden war.

 

Gemach also auch beim Streit um das II. Vaticanum und dessen Interpretation, die gleichermaßen vor dem Hintergrund nunmehr gewandelter Zeitumstände zu geschehen hat. Hierzu hat das Lehramt der Nachkonzilspäpste bedeutende – jedoch nicht genügend beachtete – Beiträge geleistet. Sie sollten gerade in den gegenwärtigen Diskussionen zur Kenntnis genommen werden.

 

Alsdann wäre bei diesen Diskussionen die Mahnung des hl. Paulus an Timotheus (2 Tim 4,1f.) zu Geduld und Bescheidenheit erinnert. Leider nehmen solche Auseinandersetzungen immer wieder Formen an, die mit brüderlicher Liebe nicht vereinbar sind. Der Eifer für die Wahrheit lässt sich sehr wohl mit Fairness und Nächstenliebe in Einklang bringen. Insbesondere sollte jene „Hermeneutik des Verdachts“ gemieden werden, die dem Gesprächspartner von vornherein häretische Auffassungen unterstellt.

 

In summa: Probleme der Interpretation von Konzilstexten ergeben sich nicht nur, was den Inhalt betrifft. Es sollte vermehrt auch auf die Art und Weise geachtet werden, in der wir unser Gespräch darüber führen.


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Lesermeinungen

 Eselchen 30. Juni 2020 
 

Es hat mich schon immer sehr begeistert

wenn argumentiert wurde:
Die Anhänger des einen oder anderen Ritus wären gläubiger, intelligenter oder besser gebildet oder auf der anderen Seite offener, freier oder sonst etwas. Ist das denn wirklich etwas, was Jesus Christus interessiert hätte? Petrus war gebildetet und mit Sicherheit redegewandter als ein Petrus. Trotzdem wählt Jesus den einfachen Fischer zum Fels seiner Kirche. Welche Riten haben denn die Jünger ausgeführt, ausser das Brot zu brechen und sich wie Brüder zu verhalten? Auch damals gab es Streit und viele schräge Auswüchse, bitte mal die Apostelbriefe befragen. Das ist nicht der Punkt, sondern die Nachfolge Jesu, der Empfang der Sakramente und die Orientierung an seinem Heiligen Evangelium im täglichen Leben.


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0
 
 Zeitzeuge 29. Juni 2020 
 

Lieber Diadochus,

danke für Ihren amüsanten Kurzbeitrag.

Unsere Disliker scheinen eher mit dem Daumen

zu denken, für eine Diskussion auf der für

kath.net natürlich verbindlichen Basis der

kath. Glaubens- und Sittenlehre reicht offenbar

entweder die intellektuelle Fähigkeit nicht aus

oder aber es fehlt der gute Wille!

Oder soll hier analog der bekannten Trolle

nur Unfriede gestiftet werden?

Liegen evtl. sogar Logins derselben

Person vor? Das prüft die Redaktion!

Auf jeden Fall scheint das Bedürfnis für

kath. Nachhilfe bei diesen "Gästen" groß

zu sein, daher ein weiterer Link!

Viva Christo Rey!

www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Wie-Theologen-den-Glauben-verkuerzen;art312,179521


3

3
 
 Diadochus 28. Juni 2020 
 

@bp255

Ihre Wortmeldung ist selten doof!! Vielleicht schauen Sie mal unter das rote Feld. Das ist ein Dislike. Von mir gibt's eins gratis.


2

7
 
 Zeitzeuge 28. Juni 2020 
 

bp255!

Tun Sie doch nicht so scheinheilig die tolle

Entdeckung meines Tippfehlers "kommentieren"!

Vgl. weiter unten mein Beitrag

Nachhilfe für D i s l i k e r!!

Danke aber, das veranlaßt mich, die

Nachhilfe für Disliker fortzusetzen,

im Link für alle meine Disliker das vollständige

Buch von Prof.Dr. Georg May:

Die andere Hierarchie

Jetzt aber ran, liebe Disliker, natürlich auch

für alle ehrlich Interessierten ist dieser

große Text eine Bereicherung.

Tipp für Disliker:

Bei Tetanie im Daumen mit Karpopedalspasmen

helfen Hausmittel, bei

Bedarf bei Google nachschauen. :-))



Gute Lesefrüchte!

www.blog-frischer-wind.de/2014/07/prof-georg-may-die-andere-hierarchie_23.html


6

10
 
 SCHLEGL 28. Juni 2020 
 

@Fink

Die Sache mit dem Papstaltar und der Ostung der Kirche stimmt so nicht! Schauen Sie sich die Geschichte des Erzbistums Wien Universitätsprofessor Dr. Franz Loidl an. Da ist ein Bild (Gemälde) von der Messe des Papstes Pius VI zu Ostern 1784 im Stephansdom. Der Stephansdom ist nach Osten ausgerichtet. Damals musste der ganze Hochaltar des Domes, mitsamt dem Gemälde mit einem riesengroßen Vorhang verdeckt werden. Für Papst Pius VI wurde ein eigener Altar errichtet, an dem er mit dem Gesicht zum Volk Liturgie zelebriert hat. Das Gemälde konnte das Wiener Domkapitel vor einigen Jahren in Großbritannien bei Sutherby käuflich erwerben.


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 SCHLEGL 28. Juni 2020 
 

@ laudeturJC

Also, ich versuche schon seit 2010 theologische Kommentare auf Kathnet zu schreiben.
Wenn Sie zum Beispiel ganz oben schauen, was der User Diadochus geschrieben hat ("das unselige Konzil,welches nur ZERSTÖRUNG gebracht hat") muss man doch dagegen argumentieren. Ich habe mit Priestern aus ehemaligen Sowjet-Satellitenstaaten gesprochen, die voll Freude und Dankbarkeit über die Möglichkeiten der Liturgie in LANDESSPRACHE für ihr Volk berichtet haben!
Ganz unten finden Sie an 2. Stelle meinen Kommentar zum hervorragenden Artikel von Kardinal Brandmüller, zu dieser Zustimmung kamen sofort 10 Daumen runter. Diadochus bewertet die Aussagen des Kardinals als Versuch, das "Kind, das in den Brunnen gefallen ist" zu retten!
Die Daumen runter kann man mit Sicherheit Anhängern von FSSPX zuordnen. Als Seelsorger des lateinischen und byzantinischen Ritus, mit fast 70 Jahren, habe ich mein ganzes Leben gegen die Extremisten rechts und links gekämpft, glauben Sie mir, es war kein Vergnügen!


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 Diadochus 28. Juni 2020 
 

@laudeturJC

Danke für Ihren Einwand und Ihre Richtigstellung bezüglich Pater Pio. Das unselige Konzil ist Geschichte. Außer Streit und Zerstörung hat es nichts gebracht. Das darf man als Fazit ziehen. Vor uns liegen die Herausforderungen der Gegenwart, die Folgen des Konzils, wenn man so will. Eine Folge davon ist gewiss der Synodale Weg, der die Relativierungen unselig fortsetzt. Das ist die neue Tradition, gewissermaßen der Gegenentwurf zur Tradition, der Marcel Lefebvre gefolgt ist. Darin sehe ich die Lösung zur Überwindung des Grabens. Was ist so falsch daran zu sagen, ich habe mich geirrt? Was im Kleinen gilt, gilt das nicht auch im Großen?


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 Zeitzeuge 28. Juni 2020 
 

Hier die "Glaubensumfrage"!

liturgyguy.com/2019/02/24/national-survey-results-what-we-learned-about-latin-mass-attendees/


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 Zeitzeuge 28. Juni 2020 
 

Die lieben, anonymen Diskliker haben keine Leseschwäche, wie schön,

daher im Link eine Umfrage über den persönlichen

Glauben von Messbesuchern des o. und des a.o.

Ritus!

Ich wünsche gute Lesefrüchte! :-) oder :-(
das ist hier
die Frage!

liturgyguy.com/2019/04/12/the-many-many-many-words-of-pope-francis/


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 Zeitzeuge 27. Juni 2020 
 

Also ehrlich: Nach über 40 Jahren der Beschäftigung mit kath. Theologie

ist klar festzustellen:

Die eigentlichen Häretiker sind nicht bei
den Piusbrüdern beheimatet, sondern sitzen
auf den Lehrstühlen der Staatsfakultäten
und zwar mit "venia legendi" von ROM und
"missio canonica" des jeweils verantwortl.
Ortsbischofs, das ist eindeutig!

Und die Früchte? Sehen wir z.B. oft im Religions-
unterricht, so zitierte bereits vor fast 40
Jahren Prof.Dr. Mock in "Kath. Bildung", 1981,
S. 626-31 das auf Umfragen beruhende Buch des
Soziologen Bernhard Schach: Der Religionslehrer
im Rollenkonflikt, daß ca. 70% der Religions-
lehrer und ca. 40% der Priester nicht mehr auf
dem Boden der kirchl. Glaubensbekenntnisse
stünden!! Das hat sich garantiert nicht gebessert, die Uni-Fundamentaltheologie z.B.
ist weitgehend von "Progressiven" besetzt,
ebenso die Moraltheologie, v.d. Exegese ganz
zu schweigen! Es gibt verdienstvolle Religions-
lehrer wie Msgr. Schlegl, aber die Mehrheit ist
das nicht, wie wir bei unseren Kindern erkennen
mußten! Das schreit zum Himmel, s.Link!

fowid.de/meldung/christlicher-glaube-deutschland-2019


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 myschkin 27. Juni 2020 
 

Unsere Kirche

ist schon auf einem guten Weg.

Damit das so bleibt, wird sie im steten Blick aufs Kreuz unseres lieben Herrn auch streiten, und allgemach auf die Wahrheit zusteuern. Der Text der Eminenz zeigt ja im Wissen um die begrenzte Einsicht der Menschen, dass in der Reflektion über die konziliarische Lehrtradition der Kirche das Gewisswerden um die Glaubensinhalte zunimmt. Ohne Diskurs lässt sich das nicht machen. Aber letztendlich ist die Dynamik des mitunter streitigen Prozesses vom Heiligen Geist durchweht. Der versöhnliche und zuversichtliche Impetus des obigen Textes erfrischt und spornt an zum christlichen Denken. Darin liegt das eminent Katholische, das der Abhandlung des Herrn Kardinal das pfingstliche Feuer gibt.


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 laudeturJC 27. Juni 2020 

@SCHLEGL

Ich bin relativ neu in diesem Forum und las nun schon wiederholt von Ihnen sehr polarisierende Texte, meistens eher mit Bezug zu anderen Lesern statt zum Artikel. Wir sind alle hier, weil uns der katholische Glaube etwas bedeutet, auch wenn es in Einzelfragen verschiedene Meinungen gibt. Auch vermisse ich eine gewisse Sorgfalt: EB Lefebvre war nicht allein, im Caetus waren es 250, darunter mehrere Kardinäle. Der Vergleich mit Luther ist verfehlt. Die Pio-Aussage ist nicht belegt, hingegen ist belegt, dass sich P. Pio weigerte, EB Lefebvre zu segnen, sondern ihn um seinen bischöflichen Segen bat, was auch viel mehr zu seiner heiligmässigen Bescheidenheit passt. - Die aktuelle Kirchenkrise ist schrecklich genug, vergrössern wir nicht noch die Gräben.


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 maxjosef 27. Juni 2020 
 

Erzbischof Lefebvre wurde einmal bezeichnet (von wem, habe ich leider vergessen) als "heiligmäßiger Mann, der alles falsch gemacht hat". Da ist vielleicht was Wahres dran. Ich habe seinen Schritt der unerlaubten Bischofsweihen 1988 seinerzeit sehr bedauert, er war damals wohl bereits zu sehr von Mißtrauen gegen Rom erfüllt und beharrte trotz goldener Brücken, die ihm Papst Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger gebaut hatten, starrsinnig auf den unerlaubten Weihen.
Andererseits wurde erst durch dieses Ereignis die langjährige Diskriminierung der tridentinischen Messe allmählich beendet und das Anliegen der sogenannten Traditionalisten innerhalb der Kirche ernster genommen. Man erinnere sich daran, dass lange Zeit für die Zelebration nach dem Messbuch von 1962 ein Totalverbot bestand! Dieses Totalverbot hat auch Joseph Ratzinger in seinen Erinnerungen als "schweren Fehler" bezeichnet, "der uns sehr geschadet hat".


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 SCHLEGL 27. Juni 2020 
 

@Diadochus

So eine starke Stück ist der Vergleich eben nicht! Luther hat seine Sicht der Kirche und des Glaubens verabsolutiert, ohne auf das ganze des lebendigen Organismus der Kirche zu schauen.
Lefebvre hat sein Verständnis von Kirche (er war bereits einige Zeit vorher von seinem Orden abgesetzt worden!) durchgezogen, und sowohl 2400 Konzilsväter, als auch dem seligen Papst Paul VI gleichsam auf die Anklagebank gesetzt. Das nennt man Hybris!
Haben Sie gewusst, dass der heilige Pater Pio EB Lefebvre ausdrücklich davor gewarnt hat, seinen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen? Der heilige Pater hat bereits vorausgesehen, dass dies in Exkommunikation und Suspendierung endet.Ich habe das immer als sehr interessant empfunden, weil Pater Pio recht behalten hat.


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 Diadochus 27. Juni 2020 
 

@Sagittarius

"Am Ende des Konzils ist etwas anderes herausgekommen, als die Konzilsväter beabsichtigt haben." Das ist ein Kernsatz, der Bände spricht. Genau deshalb fand das Konzil ja statt. Mit dem neuen Konzilsgeist wurden die konservativen Werte eliminiert. Der Missbrauch war pure Absicht von einer Gruppe progressiver freimaurerischer Bischöfe. Das Konzil war die Zäsur, der Moment für den offenen Angriff. Wen interessieren da Inhalte, die kaum einer nachprüfen kann. Der ominöse Konzilsgeist wirkt fort.
@SCHLEGL, es ist ein starkes Stück, EB Marcel Lefebvre mit dem Mönch Martin Luther zu vergleichen. Was wäre, wenn, im Gegensatz zu Luther, Lefebvre doch recht hätte? Der dürre Feigenbaum legt es nahe. Zwischen alter und neuer Messe gibt es keine goldene Mitte. Es gibt das eine oder das andere Extrem.


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 Zeitzeuge 27. Juni 2020 
 

Nachhilfe für meine lieben "Disliker":

Anbei weitere Literatur aus dem nicht
"progressiven" Lager zum Thema bzw.
zur Vertiefung des "eigentlich Katholischen":

Brunero Gherardini: Das Zweite Vatikanische
Konzil - ein ausstehender Diskurs

Msgr. Gherardini (1925-2017) war ein namhafter
it. Theologe und u.a. Dekan der theol. Fakultät
der Lateran-Universität, das Buch ist in deutsch
nur noch anitquiarisch vereinzelt verfügbar, in it. aber
neu lieferbar!

Prof.Dr. Joseph Schumacher: Die Identität des
Katholischen

dto. Theologische
Erkenntnislehre

Der unermüdlich tätige, klassische Freiburger
Fundamentaltheologe ist immer anregend-katholisch

Walter Brandmüller: Das eigentlich Katholische
(Hrsg.)

Ich wünsche gute Lesefrüchte und allen hier
einen gesegneten, besinnlichen Sonntag!

carthusianus.eshop.t-online.de/Gherardini-Brunero-Das-Zweite-Vatikanische-Konzil-Ein-ausstehender-Diskurs


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 SCHLEGL 27. Juni 2020 
 

@ Chris2

Das Problem begann in Westeuropa damit, dass manche Priester meinten "schöpferisch mit der Liturgie umgehen zu sollen". Die Banalitäten "selbstgestrickter Texte" sind ein Ärgernis.
In Slowakei,Slowenien,Kroatien,Polen,Litauen,Ungarn wurde der ordentliche Ritus,ORDENTLICH zelebriert,ohne Probleme angenommen und es gab dort keine Spaltungstendenzen wegen der Liturgie in LANDESSPRACHE.
Es waren die kath. Ostkirchen,die am Konzil die Lateiner aufgefordert haben,die mit dem Volk gesungene Liturgie wiederzuentdecken.Ebenso die Fürbitten wieder einzuführen,den ständigen Diakonat und die Möglichkeit zur Konzelebration.
Bei den Lateinern war in den letzten Jahrhunderten die "stille Messe", oft ohne Volk, zur Norm geworden.
In der Ukraine z.B.singen die Gläubigen abwechselnd mit Diakon und Priester die GESAMTE Göttliche Liturgie auswendig!Es braucht niemand einen Schott.
Nur die variablen Teile (Troparien/Kondakien= Festgesängen des Tages.) werden von Sängern vorgetragen,die Kirchen sind voll.


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 Fink 27. Juni 2020 
 

Die Änderung der Zelebrationsrichtung -> versus Populum war ein

...war ein entscheidender Fehler.
Man lese das neue Buch "Altar und Kirche" von Stefan Heid (ja, ich weiß, 50 Euro sind etwas happig...). Dieses Buch räumt auf mit vielen "modernen Märchen" der Theologie zur frühen Kirche VOR Kaiser Konstantin. Nix "Hauskirchen" ohne Hierarchie! Alles spricht für die gleichgerichtete Zelebration "nach Osten" von Bischof (Priester) und Volk, von Anfang an ! Ein Sonderfall sind mehrere Kirchen in Rom einschl. Petersdom, die baulich nicht "geostet" sind.
Ein sehr wichtiges Buch !
Für mich als Nicht-Theologen enthält es einige "Längen", die der wissenschaftlichen Ausführlichkeit geschuldet sind. Wünschen würde ich mir eine preiswerte Taschenbuchausgabe, damit dieses Buch eine große Verbreitung findet !


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 Chris2 27. Juni 2020 
 

"An ihren Früchten..."

Lieber Monsignore @Schlegl, ob all diese Änderungen nach dem jüngsten Konzil segensreich gewirkt haben? Die vom Priester und Volk gemeinsam gesungene Messe ist sicherlich konstruktiv (ein bewusstes Mitbeten z.B. der tridentinischen Liturgie auf lateinisch oder deutsch anhand des "Schott" aber mindestens ebenso), sofern das Liedgut passt (von "O Jesu" bis zum Te Deum / "Großer Gott") und dessen Menge und Plazierung nicht jeden Moment innerer Sammlung verhindert (ebenso wie der buchstäblich deplazierte Freiedensgruß). Doch ob die Messe in der Volkssprache tatsächlich zu dem versprochenen "tieferen Verständnis" der Geheimnisse geführt hat? Oder eher zu einer Banalisierung des Mysteriums? Besonder (fast immer linke) politischen Fürbitten treiben einen bisweilen schier aus der Messe.
Und nun? Gemäß NT sollen wir sie "an ihren Früchten erkennen": Die Zahl der (tatsächlich) Gläubigen und derer, die noch regelmäßig die Hl. Messe besuchen fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen...


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 SCHLEGL 27. Juni 2020 
 

@ Diadochus

Sie werden wohl zur Kenntnis nehmen müssen, was Kardinal Brandmüller exzellent formuliert hat. Der Fehler liegt in den Ideologien der Zeit nach dem Konzil. Der PROGRESSISMUS glaubte eine neue Kirche sei angebrochen, extreme FUNDAMENTALISTEN wollten die kirchliche Praxis der letzten 400 Jahre zum Dogma erheben.
Genau das hat der selige Papst Paul VI Marcel Lefebvre vorgeworfen. Dieser beriefe sich auf die Päpste von gestern, um den heutigen Papst ungehorsam zu sein.
Mit Kaiser Karl V mochte man diesem Bischof dasselbe sagen, was der Kaiser über Luther gesagt hat: "Es ist eher wahrscheinlich, dass ein einziger Mönch irrt, als das die ganze Kirche irren könne".Wenn Lefebvre als einziger gegen alle 2400 Bischöfe des II. Vatikanums recht hätte, würde der Hl. Geist sie verlassen haben.
Dasselbe gilt für die Progressisten, welche meinen erst mit dem II. Vatikanum sei die Kirche in der Gegenwart angekommen, weshalb auch die Glaubenslehre/Morallehre beliebig sei.


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 Sagittarius 27. Juni 2020 
 

@Diadochus

Sie haben das sehr gut analysiert. Das Konzil hat offensichtlich keine guten Früchte hervorgebracht. Das heißt aber nicht, dass das Konzil in sich schlecht gewesen wäre. Papst Benedikt XVI. spricht in dem Buch von Seewald (Letzte Gespräche) dieses Problem an. Am Ende des Konzils ist etwas anderes herausgekommen, als die Konzilsväter beabsichtigt haben. Papst Benedikt machte u.a. die Medien dafür verantwortlich.
Wenn man einmal unvoreingenommen die Liturgiekonstitution liest, wird man aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Dort steht nichts von einem Volksaltar, Handkommunion, Volksprache im Messbuch usw. Die "Participatio Actuosa" war nicht in dem Sinne gedacht, dass jetzt möglichst viele Laien im Altarraum beschäftigt sind, sondern, dass die Gemeinde die Hl. Messe so verstehen kann, dass sie sie innerlich aktiv mit vollziehen kann und nicht nebenher den Rosenkranz betet, wie es vielerorts üblich war.
Das Konzil hatte eine gute Absicht, aber die Verschlimmbesserungen kamen danach.


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 Diadochus 27. Juni 2020 
 

@SCHLEGL

"Wenn jemand eine Ideologie des PROGRESSISMUS oder extremem KONSERVATIVISMUS anhängt, kann keine sachlichen Argumente vorbringen." Macht ein Disput bei einer vorweggenommenen ideologischen Klassifizierung denn Sinn? Macht eine solche Diskussion über das Vat2 überhaupt noch Sinn? Machen Wortklaubereien Sinn? Der Herr sagt, an den Früchten, erkenne man, ob etwas gut oder schlecht ist. Welche Früchte hat das Vat2 hervorgebracht? Ich erkenne nicht einmal faule Früchte. Ich erkenne nur einen dürren Feigenbaum. Ich gebe zu, der Text von Kardinal Brandmüller ist sehr versöhnlich gestimmt. Kann er aber die harten Gegensätze, neue und alte Messe (Stein des Anstoßes), versöhnen? Davon spricht Kardinal Brandmüller nicht. Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Kardinal Brandmüller wird es nicht herausholen können. Die Kirche ist gespalten.


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 myschkin 26. Juni 2020 
 

Dieser Text

ist eine frohe Botschaft in dem Sinne, dass er den Diskurs öffnet und gleichermaßen Perspektive zeigt. Die Glaubenswahrheiten, so sage ich als Laie, bleiben dabei unverrückt. Wir, als in der Zeitlichkeit unserer Existenz befangene Wesen stehen vor der Aufgabe, durch die Schlacken und (!) die Chancen, die uns die eigen Zeitlichkeit bietet, zur Wahrheit unverschleiert hinzublicken. Das ist für jeden und jede von uns eine riesige Aufgabe: Die Kirche möge uns dabei redlich leiten. Ohne sie schaffen wir Laien das nicht. Wie sagte es Eichendorff? "Ach Herr, führ' uns liebreich zu dir." Dem Herrn Kardinal herzlichen Dank für seine Hilfestellung. Ein Text wie ein Vermächtnis!


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1
 
 lesa 26. Juni 2020 

Bildungsangebot

Dieser in verschiedenster Hinsicht reichhaltige, wunderbar differenzierte Text könnte eine Chance sein, wenn viele ihn vorurteilsfrei lesen!


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1
 
 SCHLEGL 26. Juni 2020 
 

@Chris2

Richtig! Es geht nicht um "sich anklammern", sondern um die mangelnde Bereitschaft die Zeichen der Zeit zu erkennen. Es waren die katholischen Kirchen (ebenso die Orthodoxen), die die Konzilsväter aufgefordert hatten, verschüttete Schätze der Liturgie wieder hervorzuholen. Die Messe in Volkssprache, die ihn vom Priester und Volk gemeinsam gesungene Messe, die Wiedereinführung der verloren gegangenen Fürbitten,der Vorrang der Sonntagsmesse vor Heiligenfesten,wenn diese auf einen Sonntag fallen.Die Einführung des Diakonats und die Möglichkeit zur Konzelebration,wie in den orientalischen Riten. Ebenso die Möglichkeit der Kommunion unter beiden Gestalten (durch Eintauchen). Natürlich auch das Hochgebet mit vernehmlicher Stimme gesungen oder gesprochen.


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 Sagittarius 26. Juni 2020 
 

@Schlegel

Lieber Monsignore, sie haben völlig recht. Die "Daumen runter"-Methode ist völlig destruktiv und behindert eine sachliche Auseinandersetzung. Man weiß nicht einmal, ob damit der Relativismus oder die Gruppe FSSPX verteidigt werden soll. Unser Philosophieleher pflegte zu sagen:
Das Katholische liegt immer in der Mitte von Extremen!


6

3
 
 Zeitzeuge 26. Juni 2020 
 

Ich habe hier schon öfter meinen Standpunkt bzgl. Vatikanum II..., 2. Teil:

Der jetzige Kardinal Kurt Koch als Bischof von
Basel am 11.03.2009 zum Thema:

"Wer kann von sich behaupten, er stehe
"uneingeschränkt" und ohne Reserve hinter dem
Zweiten Vatikanischen Konzil? Haben denn diejenigen, die dies so lautstark fordern, keine
Fragen an das vergangene Konzil? Ich jedenfalls
könnte mich nicht davon ausnehmen; denn auch für
mich gibt es in den Texten des Konzils problematische Punkte, die vertieft werden müssten."

Zwei Bücher ausserhalb der progressiven "Deutungshoheit":

Ein Klassiker:

René Wiltgen SVD: Der Rhein fließt in den Tiber

Barone Roberto de Mattei: Das Zweite Vatikanische
Konzil - eine bislang
ungeschriebene
Geschichte

Hierfür hat der bekannte it. Historiker den
Preis "Premio Acqui Storia" erhalten!

Hinweis: Ich habe hier keinen Dislike vorgenommen, ich schätze S.E. Kardinal
Brandmüller grundsätzlich sehr, seine
Bücher sind wirklich empfehlenswert!


8

4
 
 Zeitzeuge 26. Juni 2020 
 

Ich habe hier schon öfter meinen Standpunkt bzgl. Vatikanum II

dargelegt, so daß ich mich nicht ausführlich zu
wiederholen brauche, bekanntlich teile ich auch
nicht alle Positionen der Piusbrüder, so daß
diese "Keule" mich nicht treffen kann.

Daher nur ein Gedanke, zwei fremde Kurztexte und
zwei Literaturhinweise:

Es dürfte unstrittig sein, daß der "progressive
Flügel" nach dem Konzil die Deutungshoheit über
die Konzilstexte gewonnen hat (Bologna, Karl
Rahner via Herder-Vlg.usw.), mit allen bekannten
Folgen! Wieso aber?

Der em. WB Dick v. Köln (1928) dazu in der Tages-
post: "Durch die Veröffentlichung der Korrespondenz zwischen K. Rahner und H.Vorgrimler
ist später deutlich geworden, daß Formulierungen
gebraucht wurden in der Absicht, die Zustimmung
der Konzilsväter zu erhalten, den Text aber nach-
her ganz anders zu interpretieren. Das hatte es
wohl noch nie in der Kirche gegeben."

Ich denke, wenn alle verfügbaren Briefe und Tage-
bücher der Konzilsteilnehmer
einmal editiert würden, käme es noch zu manchen
Überraschungen!

T. 2 folgt!


9

4
 
 Chris2 26. Juni 2020 
 

@SCHLEGL

Lieber Monsignore, wenn sich jemand allzu verbissen (kann man das?) an die Liturgie der Kirche über 4 Jahrhunderte und deren Lehren über teils 2 Jahrtausende klammert, ist das keineswegs mit jemandem zu vergleichen, der eine "andere Kirche" will, in der selbst die Worte Jesu und die Dogmen seiner Kirche zum Abschuss freigegeben sind. P.S.: Ich war's nicht...


10

4
 
 laudeturJC 26. Juni 2020 

Papst Paul VI.

„Wir dach­ten, dass nach dem Kon­zil ein Tag des Son­nen­scheins für die Geschich­te der Kir­che kom­men wür­de. Statt­des­sen ist ein Tag der Wol­ken, der Stür­me, der Dun­kel­heit, der Suche und der Unsi­cher­heit gekom­men.“ (Pre­digt am 29. Juni 1972).


7

2
 
 SCHLEGL 26. Juni 2020 
 

Was zu beweisen war

Liebe 2 + 3 Daumen runter. Sie haben bewiesen, dass ich recht hatte. Wenn jemand eine Ideologie des PROGRESSISMUS oder extremem KONSERVATIVISMUS anhängt, kann keine sachlichen Argumente vorbringen. Genau darauf hat Kardinal Brandmüller auch in seinem großartigen Artikel hingewiesen. Wer dem nicht zustimmen kann, müsste sich eigentlich fragen, ob er noch zur Kirche gehören will.


11

8
 
 maxjosef 26. Juni 2020 
 

Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit (Hebr 13,8)

Ein sehr weiser und lehrreicher Beitrag von Kardinal Brandmüller! An solchen Texten kann man sich als theologisch interessierter Laie orientieren, in all den Verwirrungen unserer Zeit. So richtig ruhige Zeiten hat die Kirche in ihrer Geschichte eher selten erlebt,trotzdem ist sie noch da, das ist doch ein tröstlicher Gedanke in diesen bewegten Zeiten.


8

3
 
 SCHLEGL 26. Juni 2020 
 

@Daumen runter

Liebe 2 Daumen runter! Versuchen Sie vielleicht auch einmal theologisch und logisch zu argumentieren. Daumen runter heißt nur, dass Sie einer Ideologie anhängen, die Sie nicht argumentieren können.


14

10
 
 SCHLEGL 26. Juni 2020 
 

hervorragende Interpretation

Der Artikel von Kardinal Brandmüller ist großartig! Ich habe den Text gerade an andere Priester/Religionslehrer verschickt.
In sehr klarer Weise erläutert der Kardinal die Intentionen und im Hintergrund dieses großen ökumenischen Konzils. Er zeigt, wie sehr es in der Kontinuität mit den vorangegangenen Konzilen, dem Lehramt der Päpste und den Erklärungen der Kirchenväter und Kirchenlehrer steht.
Sowohl der RELATIVISMUS,dem man dem Konzil unterstellt,worüber sich Papst Benedikt XVI oft geäußert hat, als auch den Irrtümern der Gruppe FSSPX wird ganz klar der Boden entzogen.
Wenn sich jemand auf den "Geist des Konzils" berufen hat, pflegte der Alterzbischof von Wien, Kardinal Dr. König, regelmäßig zu fragen, ob die betreffende Person alle Texte gelesen hätte. Das war meist nicht der Fall!


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10
 
 laudeturJC 26. Juni 2020 

Ein Gedanke zum Text und zum Grundproblem

Ja, es ist richtig, sich in der Analyse nicht nur an den Konzilstexten „festzubeissen“. Es sind noch mindestens 2 andere Aspekte: Der Modernismus des 19. Jahrhunderts, vom hl. Papst Pius X. als Sammelbecken aller Häresien (Protestantismus, Freimaurerei, Marxismus...) bezeichnet. Und es sind die nachkonziliaren Reformen, die teils das Gegenteil dessen realisierten, was im Konzil beschlossen wurde, Bsp. Latein. Alle drei Aspekte sind im Zusammenhang zu betrachten, sonst endet jedes Gespräch darüber nur in Zwist und Streit...


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