Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Unwahrscheinlich aber eindeutig: Gemeinsamkeiten zwischen der Piusbruderschaft und Priesterinnen“
  2. Vatikan sieht Kirche vor Traditionsbruch
  3. AfD-Gemeinderat muss Katholische Landjugendbewegung verlassen
  4. Vatikan: Bischöfe fordern langfristige Begleitung von Ehepaaren
  5. „Die trügerische Taktik der stillen Revolution“
  6. Britischer Erzbischof Longley erlaubt zwei Messfeiern im vortridentinischen Sarum-Usus
  7. USA: Zahl der Teenager-Mädchen, die sich als lesbisch oder bisexuell bezeichnen, sinkt stark
  8. Hartl: Wenn das in Frankreich „Schülerproteste sind, warum weht so oft die Palästinenserfahne?“
  9. Good news - Vatikan: Papst Leo ist krebsfrei und braucht keine weitere Therapie!
  10. Herabstürzendes Kruzifix tötet Priester während der Messe
  11. Was wir mit unserem Körper tun, ist theologisch“
  12. Papst Leo sagt die Assisi-Reise ab!
  13. „Wenn du ihn verstehst, ist es nicht Gott“
  14. Ohne Furcht und Heuchelei. Die Freiheit für das Gute ohne Kompromisse
  15. Norwegischer Bischof Erik Varden über „Laetitiae amor“ und „Amoris laetitia“

Sensationell: Kirche nicht mehr heilig – Drewermann Prophet

17. Dezember 2018 in Kommentar, 36 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Wenn Bischof Heiner Wilmer den Esoteriker Eugen Drewermann zum Propheten ernennen möchte, ist dies nur zynisch. Die Aussagen von Wilmer gehören definitiv von der Kongregation für die Glaubenslehre überprüft - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)
Wer einen ungefähren Blick auf das gegenwärtige Ausmaß der Erschütterung im Episkopat haben möchte, lese jüngste Stellungnahmen von Bischöfen zum Missbrauchsskandal in den deutschen Bistümern. Päderasten im Priesterrock hatten sich zuweilen jahrelang ungehindert und ungestraft an Kindern sexuell vergangen. Es wurde vertuscht und unterdrückt. Opfer wurden nicht selten durch solche Vorgehensweise erneut zu Opfern. Geistliche Macht wurde nicht nur zum Begehen der Straftaten, sondern auch zu deren Verdunkelung gebraucht.

Manche Bischöfe verlieren über diesen von ihren zum Teil verstorbenen Vorgängern verschuldeten Skandal jegliches Maß. Dabei zeigen sie zuweilen eine erstaunliche theologische und philosophische Schwäche. Da spricht der eine von der Kirche als „Täterorganisation“ (Bischof Georg Bätzing, Limburg) und ein anderer fabulierte jüngst im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger darüber, der Missbrauch von Macht stecke in der DNA der Kirche (Bischof Heiner Wilmer, Hildesheim). Beide Bischöfe sind neu im Amt und man ist geneigt, ihnen die Erschütterung abzunehmen. Was man nicht wahrhaben möchte ist die offensichtliche Inkompetenz, den Sachverhalt klar zu benennen.

Fakt ist: Es sind einzelne Personen durch ihr zuweilen schwer sündiges Handeln schuldig geworden. Dazu kommt: Verantwortliche in der Verwaltung der jeweiligen Bistümer bis hinauf zu einzelnen Bischöfen sind persönlich zum Teil ebenfalls schwer schuldig geworden, indem sie derartige Taten nicht angemessen geahndet und die Täter nicht aus dem Verkehr gezogen haben.


Ein falsch verstandener Korpsgeist im Klerus wurde zu einem mehrschichtigen Verhängnis, das der Kirche nun als Bumerang in den Rücken fliegt. Statt also angemessene Worte zu finden, geben diese Bischöfe in lehrmäßig fragwürdiger Weise das Ansehen der Kirche der Lächerlichkeit preis.

In dem Zusammenhang dann, wie es Bischof Heiner Wilmer tat, den Esoteriker Eugen Drewermann zum Propheten zu ernennen ist einfach nur zynisch. Das auch bei Psychologen methodisch umstrittene Buch „Kleriker“ ist keinesfalls ein Schlüssel zum Verstehen dessen, was wir unter dem Begriff Missbrauchsskandal zusammenfassen.

Die fragwürdigen tiefenpsychologischen Thesen Drewermanns haben sich in keiner Weise als hilfreich zum Verstehen klerikaler Strukturen erwiesen. Als Priester des Bistums Hildesheim darf man sich jetzt durchaus Sorgen machen, wenn der eigene Bischof ein solches Werk lobpreist.

Die Dissertation und Habilitation des suspendierten und aus der Kirche ausgetretenen Priesters Drewermann erschien, wie Bischof Wilmer erwähnt als Trilogie unter dem Titel „Strukturen des Bösen“.

Dieser Zyklus bezieht sich allerdings keineswegs auf die Kirche an sich, sondern legt in drei verschiedenen Aspekten die Sündenfallerzählung aus.

Eine weitere theologische Figur, die „casta meretrix“ wird im Interview verwirrend fehlgedeutet. Es geht darum, die Heiligkeit der Kirche zu bestreiten. Allein das ist für einen Bischof der Kirche ein unerhörter Vorgang. Es hat an dieser Stelle schon fast diabolische Züge (von grch. diaballo = durcheinanderwerfen), da Ambrosius von Mailand (übrigens als einziger der lateinischen und griechischen Kirchenväter) diese Figur gerade dazu verwendet, die Heiligkeit der Kirche zu begründen und erläutern. Nachzulesen bei Ambrosius von Mailand: Expositio in Lucam III 23 (http://www.unifr.ch/bkv/werk121.htm).

Kardinal Giacomo Biffi folgend ist somit der Ausdruck “casta meretrix “ in keiner Weise ein Hinweis auf etwas Sündiges und Verwerfliches. Der Begriff will nicht nur im Adjektiv, sondern auch im Nomen auf die Heiligkeit der Kirche hinweisen. Diese Heiligkeit, so der Kardinal weiter, bestehe darin, „ohne Zögern und ohne Inkohärenz Christus nachzufolgen, ihrem Bräutigam (“casta”), wie auch im Willen der Kirche, alle zu erreichen, um alle zum Heil zu bringen (“meretrix”)“. Es handelt sich um das Gegenteil dessen, was der Bischof von Hildesheim behauptet, der hier dem Interviewer ganz offensichtlich in eine plumpe Falle gegangen ist. Für einen Bischof sollte das zumindest peinlich sein, da das Interview ja nachträglich noch autorisiert worden ist. Was machen die Mitarbeiter des Bischofs eigentlich den lieben langen Tag? Den Begriff „casta meretix“ in eine Suchmaschine einzugeben, sollte nicht die ganz große Herausforderung sein.

Es kommt aber noch besser. „Wir werden“, sagt der Bischof im autorisierten Interview wörtlich, „den Glauben an die, heilige Kirche‘ in Zukunft nur noch dann redlich bekennen können, wenn wir mitbekennen: Diese Kirche ist auch eine sündige Kirche.“ Ein solcher Satz gehört definitiv von der Kongregation für die Glaubenslehre überprüft und falls nötig beanstandet. Es geht nicht an, dass ein Bischof der Kirche einen Satz aus dem Credo ganz offen untergräbt.

Als Gläubiger kann man ruhig bleiben. Was das Credo von Nicäa / Konstantinopel über die Kirche aussagt, ist und bleibt die Wahrheit. Die Heiligkeit ist, auch wenn ein deutscher Provinzbischof anderes vorgibt zu glauben, immer noch eines der vier Attribute der Kirche. Diese ist einig, heilig, katholisch und apostolisch.

Bis zum Erweis des Gegenteils gilt jeder, auch jeder Bischof, als rechtgläubig. Das sei hier bei aller Kritik festgestellt. Dieser Kommentar ist also nicht geeignet, als Urteil angesehen zu werden. Es geht darum, das Ausmaß der Erschütterung festzustellen und das ist allerdings nötig(!) eindeutige Kritik an einschlägigen Fehlreaktionen zu üben.

Es braucht im Episkopat wieder eine klare Sprache – auch wider den Zeitgeist. Es braucht eine saubere theologisch und philosophisch begründete Redeweise von den Vorkommnissen und den zu ziehende Konsequenzen. Es ist niemandem gedient, wenn als Folge des Skandals, vor lauter Panik eine gesunde Ekklesiologie oder gar die Theologie des sakramentalen Amtes über Bord geworfen wird.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Montagskick

  1. Apostolisch und nix anderes
  2. Was auch immer Synodalität sein soll
  3. Bischöfe beauftragen Familien als Missionare
  4. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  5. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  6. Die Krise des Bischofsamtes
  7. Der Bischof und der Denunziant
  8. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  9. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  10. Mehr Kirchensteuer bei weniger Mitgliedern







Top-15

meist-gelesen

  1. Gott inmitten von Töpfen und Geschirr
  2. War der katholische Soldat Gus March-Phillipps (+1942) ein Vorbild für die Filmfigur James Bond?
  3. „Lourdes ganz nah: Komm und begegne der heiligen Bernadette“
  4. Papst beruft Wiener Uni-Professor Tück in die Internationale Theologenkommission
  5. Papst sprach auch mit Selenskyj über Lage in Frontstadt Oleschky
  6. Apostolisch und nix anderes
  7. Die Bibel schweigt nicht zur Abtreibung. Es gibt die Zehn Gebote: Du sollst nicht töten!'
  8. Norwegischer Bischof Erik Varden über „Laetitiae amor“ und „Amoris laetitia“
  9. "Ministrant Putins": Tück übt scharfe Kritik an Moskauer Patriarch
  10. „Mehr Katholiken in Afrika als in Europa“
  11. Was wir mit unserem Körper tun, ist theologisch“
  12. Ohne Furcht und Heuchelei. Die Freiheit für das Gute ohne Kompromisse
  13. Genesungswünsche für Papst: "Lieber Papst Leo ..."
  14. Vatikan: Bischöfe fordern langfristige Begleitung von Ehepaaren
  15. Medjugorje-Seher: "Ich bin nur ein Werkzeug"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz