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Rotes Licht für verfolgte Christen

10. November 2025 in Kommentar, 1 Lesermeinung
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Auch in diesem Jahr erinnern Hilfswerke an verfolgte Christen weltweit. Trotz zahlreicher Informationen von verschiedenen Hilfswerken, will man hierzulande nicht viel von Christenverfolgung hören. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Man redet nicht so gerne darüber. Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man sich mit dem Thema Christenverfolgung befasst. Das Christentum ist noch immer die weltweit am meisten verfolgte Religion. Auch in unseren Tagen gibt es christliche Märtyrer und Bekenner. Die beeindruckendste Absurdität daran ist, dass Kirchen in der Bedrängnis wachsen. Der Staat, der Christen am härtesten und am schlimmsten verfolgt, ist Nordkorea. „Werden Christen entdeckt“, so berichtet Open Doors auf seiner Webseite über das Land, „deportiert man sie und ihre Familien als politische Verbrecher in Arbeitslager oder tötet sie auf der Stelle.“

Derzeit häufig in den Medien ist Nigeria. Es kam unter anderem in die Schlagzeilen, weil US-Präsident Donald Trump militärische Maßnahmen gegen das Land androhte, sollte die Christenverfolgung nicht aufhören. Säbelrasseln dürfte nicht die beste Maßnahme gegen Christenverfolgung sein. Dass durch Trumps unkonventionelle Art der Kommunikation die Verhältnisse im Land breiter bekannt wurden, ist dennoch positiv. Nigeria steht bei Open Doors auf Platz sieben des Weltverfolgungsindex. Nach Nordkorea folgen noch Somalia, Jemen, Libyen, Sudan und Eritrea. Pakistan, Iran und Afghanistan belegen die Plätze acht bis zehn. Der Weltverfolgungsindex von Open Doors umfasst 50 Länder, doch sehr viele weitere Länder verfolgen Christen äußerst intensiv. Die Organisation listet 28 weitere auf. Der weltweite Gebetstag für verfolgte Christen ist der gestrige 9. November. Bei Open Doors standen Myanmar und Nicaragua im Fokus des Gebetstages des überkonfessionellen christlichen Hilfswerkes, das seit 1955 in mittlerweile mehr als 70 Ländern im Einsatz für verfolgte Christen ist.

In der katholischen Kirche hat sich das internationale Hilfswerk „Kirche in Not“ der Christenverfolgung angenommen. Mit der Aktion „Red Wednesday“ macht das internationale katholische Hilfswerk auf das Schicksal von Millionen verfolgter, unterdrückter und bedrohter Christen weltweit aufmerksam. In einem Zeitraum vom 1.November bis 23. November 2025 werden Hunderte berühmte Kathedralen, Kirchen, Klöster, Monumente und öffentliche Gebäude von innen oder außen blutrot angestrahlt. Die Farbe erinnert an das Blut, das die Märtyrer für Christus vergießen. Jährlich veröffentlicht das Hilfswerk einen Bericht: „Religionsfreiheit weltweit“. Darin dokumentiert sind Verstöße gegen dieses Grundrecht in allen Ländern und für alle Religionen. Das katholische Hilfswerk weitet hier den Blick auch auf andere verfolgte Religionen.


Auch im Vatikan ist das Thema Christenverfolgung stets präsent. Mit einer großen Feier ehrte die Kirche die verfolgten Christen am 14. September diesen Jahres in der römischen Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern. Die Leitung hatte Papst Leo XIV. übernommen. Geistliche mehrerer christlicher Kirchen haben daran teilgenommen, darunter war auch ein Vertreter des russisch-orthodoxen Patriarchats von Moskau.

„Viele Brüder und Schwestern tragen auch heute noch wegen ihres Glaubenszeugnisses in schwierigen Situationen und unter widrigen Umständen das Kreuz des Herrn: wie Er werden sie verfolgt, verurteilt und getötet“, so der Papst. „Es sind Frauen und Männer, Ordensleute, Laien und Priester, die ihre Treue zum Evangelium, ihren Einsatz für Gerechtigkeit, ihren Kampf für die Religionsfreiheit, da wo sie immer noch verletzt wird, ihre Solidarität mit den Ärmsten mit ihrem Leben bezahlen.“ Das Martyrium nannte der Papst „die intensivste Gemeinschaft, die es mit Christus geben kann“. Er zitierte damit einen Satz aus der Enzyklika Ut unum sint von Papst Johannes Paul II aus dem Jahr 1995. Auch Papst Benedikt XVI. hat immer wieder von einer Ökumene des Martyriums gesprochen.

In Deutschland findet derzeit seit dem 9. und noch bis zum 12. November der Kongress „Christenverfolgung heute“ statt. Er wird vom Christlichen Gästezentrum Schönblick und der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit rund 40 Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen unterschiedlicher Konfession, darunter der Deutschen Vereinigung für Religionsfreiheit, Open Doors und Christian Solidarity International (CSI) veranstaltet. Ziel des Kongresses sei es, so IDEA in einer Pressemeldung, mit bedrängten und verfolgten Christen ins Gespräch zu kommen, ihnen eine Stimme zu geben, die Netzwerke zwischen ihnen und den Christen in der „freien Welt“ auszubauen und Initiativen zum Handeln aufzuzeigen.

Bei dieser beeindruckenden und keineswegs vollzähligen Aufzählung könnte sich der irrige Gedanke einstellen, Christenverfolgung sei für uns Christen im Westen omnipräsent. Das ist leider ein Irrtum. Wer in christlichen Medien veröffentlicht und die Zugriffszahlen anschaut, erkennt schnell, wie (relativ) wenig ausgerechnet die Artikel rund um das Thema Christenverfolgung geklickt und gelesen werden. Wer hat zuletzt in einer Predigt etwas über Christenverfolgung gehört? Wer hat von seinem Bischof etwas zu dem Thema gehört oder gelesen? Die Webseite der Aktion Red Wednesday bietet eine Karte an, auf der man sich ansehen kann, welche Gemeinden mitmachen. Die Ausbeute ist fast peinlich. Auf der anderen Seite ist sie auch ein ehrlicher Spiegel, wie wenig das Thema der verfolgten Brüder und Schwestern in Christus interessiert. Eine saturierte, verweltlichte Kirche, die lieber um sich selbst und ihre Reformfantasien kreist, fühlt sich durch blutig verfolgte Christen eher gestört. In der vergangenen Woche war an dieser Stelle die Rede von einem peinlichen und dramatischen Papier, welches nur durch bischöfliche Trickserei überhaupt veröffentlicht werden konnte. Das Zeugnis für das christliche Menschenbild, welches in diesem Dokument der Schande mit Füßen getreten wird, kostet unter Umständen Menschen in Verfolgungssituation Gesundheit, Freiheit oder Leben. Selbstverständlich haben Bischöfe, die mit solchen Papieren an die Öffentlichkeit gehen, keinerlei Interesse an verfolgten Christen.

Es gibt Länder, da wird der Besitz einer Bibel mit dem Tod bestraft. In Nordkorea kann dies schon einen Menschen ereilen, der nur die Worte eines Gebetes oder Bibelverses spricht. Ein Zusammenkunft von Christen ist in diesem Land eine tödliche Gefahr. Dennoch leben in Nordkorea 400.000 Christen. Das sind 1,5 Prozent der Bevölkerung. Unter welchen Bedingungen leben diese Brüder und Schwestern? Noch einmal Open Doors: „Polizisten und Agenten des Geheimdienstes durchsuchen Wohnungen ohne Vorwarnung. Finden sie christliche Materialien, wird dies als Verbrechen gegen den Staat angesehen. Die gesamte Familie kann verbannt, verhaftet oder hingerichtet werden.“ Schüler werden ermuntert ihre Eltern zu denunzieren. Biblische Geschichten werden – oft getarnt als Märchen – ausschließlich von Mund zu Ohr weitergegeben.

Es ist in der Tat so, dass das Lesen auf einer Seite wie Open Doors nur schwer zu ertragen ist. Die Bedingungen, unter denen manche Christen leben, sind so tödlich, dass man sich wundert, dass die Christen nicht von ihrem Glauben lassen. Wer wollte es ihnen verdenken? Doch es ist, wie es schon in der Antike war und durch alle Zeiten geblieben ist. Wer einmal die Liebe Christi entdeckt hat, wird eher akzeptieren zu sterben, als von dieser Liebe zu lassen.

Stellt sich die Frage, was die größere Last ist: die unendlich grausame Verfolgung oder die unendlich scheinende Freiheit in westlichen Ländern. Wie groß ist die Versuchung, am kommenden Sonntag „anschreiben zu lassen“, wie das Schwänzen der Sonntagsmesse in Westfalen oft genannt wird. In der Versuchung am Sonntag mal auszuschlafen, könnte es helfen, diese Heilige Messe für die Brüder und Schwestern in Nordkorea zu besuchen. Je schwerer es fällt, umso besser. Und, um es mit den Worten eines Exerzitienmeisters zu sagen, wenn man Freude über die Größe des Schmerzes empfindet, den es verursacht, den Schlaf aus den müden Gliedern zu schütteln und sich aufzumachen, dann ist man seiner persönlichen Heiligkeit ein paar Mikrometer näher gekommen.

Nehmen wir bitte die weltweite Verfolgung von Christen ernst. Es ist gerade 80 Jahre her, dass auch in Deutschland Christen verfolgt wurden. Märtyrer wie Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp oder Fritz Gerlich und viele andere sind nicht Tausende Kilometer von hier gestorben, sondern im Konzentrationslager nebenan. Auch in unserer Zeit sind Christen widerständig zur Gender- und LGBTQI+-Agenda, zu den Versuchen mit der Leihmutterschaft den Menschenhandel einzuführen. Wir stehen gegen Transhumanismus. Wir stehen für den Schutz des Lebens in jeder Phase menschlicher Existenz. Schon heute werden Beter vor Einrichtungen, in denen ungeborene Menschen getötet werden, vertrieben und bestraft. Das ist schon näher an Christenverfolgung als es uns lieb sein kann. Wir selbst könnten schneller betroffen sein, als wir denken. Widmen wir in den Novembertagen unsere Aufmerksamkeit also nicht nur unseren verstorbenen Angehörigen, sondern auch den lebenden und verstorbenen Brüdern und Schwestern in Verfolgung und Bedrängnis.

 

Bild oben: Das Bekenntnis zum Kreuz kann in der Verfolgung so tödlich sein, wie das Kreuz selbst. „Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch Euch verfolgen.“ (Joh 15,20) Foto: Pixabay.


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