Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Belgischer Bischof Johan Bonny kündigt Weihe verheirateter Männer zu Priestern an
  2. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  3. Leo XIV. möchte bei "Alter Messe" "konkrete und großzügige Lösungen"
  4. Papst Leo gratuliert der neuen Erzbischöfin von Canterbury
  5. Spanien am moralischen Abgrund
  6. „Genau das, was wir heute in Deutschland beim Synodalen Weg erleben, dieselben Themen, Ansichten“
  7. Euthanasie-Skandal in Spanien: Wurde Noelia Castillo Ramos der Widerruf verweigert?
  8. Christliche Werte unerwünscht - Einschränkung der Meinungsfreiheit in Finnland!
  9. Besser keine Laienpredigt
  10. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ wird neuer Bischof von Münster
  11. Die ÖVP - eine "Wählertäuschung"
  12. Dienst, Ordnung, Sendung: Die hierarchische Gestalt der Kirche
  13. Norwegen: Bischof Hansen bittet, dass jeder Gläubige des Bistums Oslo zur Beichte geht
  14. Wien: Einziger Christ in der Klasse wird "Schwein" genannt
  15. Kardinal Eijk zelebriert erstes Hochamt im Vetus Ordo: „Eindrückliches, unvergessliches Erlebnis“

Erfurt: Evangelische Kirche spricht Bußwort für ihre DDR-Vergangenheit

23. November 2017 in Deutschland, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland: „Wir beklagen, dem SED-Staat nicht klarer und kompromissloser entgegen getreten zu sein... Wir erkennen darin ein geistliches Versagen“. Von Petra Lorleberg


Erfurt (kath.net/pl) Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland versucht 28 Jahre nach dem Fall der Mauer mit einem umfassenden Bußwort ihre DDR-Vergangenheit aufzuarbeiten: „Wir beklagen, dem SED-Staat nicht klarer und kompromissloser entgegen getreten zu sein. Wir haben dabei die Erkenntnisse aus der Barmer Theologischen Erklärung nicht ernst genommen. Wir erkennen darin ein geistliches Versagen.“ Das Bußwort wurde zum Auftakt der Landessynode der evangelischen Landeskirche in der Erfurter Michaeliskirche in einem Gottesdienst verlesen. Die Evangelische Kirche In Mitteldeutschland umfasst in etwa die Gebiete der beiden deutschen Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Im Bußwort heißt es wörtlich weiter: „Wir beklagen die Fälle, in denen Pfarrer und Pfarrerinnen und kirchliche Mitarbeitende mit staatlichen Stellen konspiriert, Vertrauen verletzt und Anderen Schaden zugefügt haben und dass wir unsere Verflochtenheit in diese Schuld bis heute nicht bekennen.“

Im Einzelnen wird aufgelistet: „Wir beklagen die Fälle, in denen Mitarbeitende in Kirche und Diakonie, die aus politischen Gründen drangsaliert und auch in ihren Kirchen disziplinarisch belangt, im Stich gelassen oder gar entlassen wurden. Bis heute übernehmen wir als Kirche nicht die nötige Verantwortung für Menschen, die unter Mithilfe oder nach Verrat aus kirchlichen Kreisen inhaftiert, gedemütigt, traumatisiert oder zur Ausreise gedrängt wurden. Dazu gehört auch, dass Pfarrerinnen, Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitenden, die in schwerer persönlicher Bedrängung keinen anderen Weg als die Ausreise aus der DDR gesehen haben, die Freigabe zum Dienst in westdeutschen Kirchen verweigert wurde.“


Außerdem beklagt die Evangelische Landeskirche Mitteldeutschlands expliziet, „dass Aufarbeitung und Schuldeingeständnis bisher nur teilweise geschehen“ seien.

Gleichzeitig zeigte man sich aber auch dankbar dafür, „dass wir unter staatlichem Druck in der Zeit der SBZ und der DDR als Kirche dem Auftrag Jesu Christi folgen konnten. Die Machthaber und ihre Sicherheitsbehörden sind damit gescheitert, den christlichen Glauben zu beseitigen oder das kirchliche Leben ihren Zielen vollständig zu unterwerfen. Viele Christen haben widerstanden, sich nicht erpressen und locken lassen.“

Hintergrund

Die Christen in der DDR fanden sich in einem Gesellschaftssystem wieder, das in vielen Punkten ihrem Glauben aktiv unterdrückte. Wer etwa zur Konfirmation statt zur Jugendweihe ging, wurde deshalb möglicherweise nicht für Abitur und Studium zugelassen. Die Konfessionen reagierten unterschiedlich darauf:

- Die Katholiken verstanden sich nicht als Kirche im Sozialismus, sondern beschrieben sich als in „fremdem Haus“ lebend. Der Vatikan erkannte als einer von wenigen Staaten die DDR nicht an, die über die Mauer hinweggehenden Bistümer wurden nicht geteilt. Beim einzigen Katholikentag in der DDR in Dresden 1987 sagte der Vorsitzende der Berliner Bischofskonferenz, Joachim Kardinal Meisner, mit Blick auf den Stern als Symbol für die kommunistische Weltanschauung, dass man keinem anderen Stern folgen werde als dem Stern von Bethlehem

- Die landeskirchlich-evangelischen Gemeinschaften versuchten nach harten Konfrontationen in der Anfangszeit der DDR dann einen eher kompromissbereiten Weg zu gehen. Gleichzeitig wuchs aber auch unter ihrem Schutz und in ihren Räumen Widerständigkeit, so trugen auch ihre Friedensgebete mit den dazugehörigen mutigen Montagsdemos bsp. in Leipzig, Dresden und anderswo zum Aufweichen der DDR bei.

- Die Situation der – zahlenmäßig allerdings nicht herausstechenden – evangelischen Freikirchen war ähnlich der der Landeskirchen.

Erste Reaktionen

Nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, zum Bußwort: „Besser spät als nie“. Er bezeichnete es als wichtig, das Bild zu korrigieren, wonach die evangelische Kirche ein Hort der Opposition gewesen sei. „Als Institution hat sie vielmehr den Staat gestützt und sich mit vielem arrangiert“.

Der MDR zitierte auch den Vorsitzenden der CDU Thüringen, Mike Mohring: „Auf die Worte wird mancher Christ gewartet haben, der sich in der Auseinandersetzung mit dem SED-Regime von seiner evangelischen Kirche im Stich gelassen sah.“

Foto: Symbolbild


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Evangelische Gemeins

  1. „Die Kirche in Deutschland hat abgehängt“
  2. Evangelische Pfarrerin segnet VIER Männer in sogenannter „Polyhochzeit“
  3. "Interviews mit Bedford-Strohm oder Margot Käßmann nur noch schwer an Kitsch zu übertreffen"
  4. Reiner Haseloff: Luther ist den Katholiken heute näher als der evangelischen Kirche
  5. Kunstaktion: Plastikmüll in Taufbecken
  6. Evangelische Kirchengemeinde streicht klassischen Sonntagsgottesdienst
  7. „Respektvolle Trennung statt endlosen Streits“
  8. EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm erhält Morddrohungen
  9. Stehen die Methodisten unmittelbar vor weltweitem Schisma?
  10. „Jetzt hat auch die EKD ein Problem“






Top-15

meist-gelesen

  1. Euthanasie-Skandal in Spanien: Wurde Noelia Castillo Ramos der Widerruf verweigert?
  2. Große SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Spanien am moralischen Abgrund
  4. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  5. Leo XIV. möchte bei "Alter Messe" "konkrete und großzügige Lösungen"
  6. Belgischer Bischof Johan Bonny kündigt Weihe verheirateter Männer zu Priestern an
  7. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ wird neuer Bischof von Münster
  8. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  9. Papst Leo gratuliert der neuen Erzbischöfin von Canterbury
  10. „Genau das, was wir heute in Deutschland beim Synodalen Weg erleben, dieselben Themen, Ansichten“
  11. Wenn das künftige nominelle Kirchenoberhaupt mit dem eigenen Glauben fremdelt
  12. Belgischer öffentlich-rechtlicher Sender lässt Moderatoren Marien- und Jesus-Statuen zertrümmern!
  13. Kardinal Eijk zelebriert erstes Hochamt im Vetus Ordo: „Eindrückliches, unvergessliches Erlebnis“
  14. Norwegen: Bischof Hansen bittet, dass jeder Gläubige des Bistums Oslo zur Beichte geht
  15. Besser keine Laienpredigt

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz