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Die Sommerresidenz des Papstes im Bombenhagel des II. Weltkriegs

7. Februar 2014 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Im Sommersitz des Papstes fanden vor 70 Jahren zigtausende Menschen Zuflucht. Hunderte von ihnen kamen jedoch bei Bombenangriffen ums Leben. Von Ulrich Nersinger


Castel Gandolfo (kath.net) Etwa fünfundzwanzig Kilometer südöstlich von Rom entfernt erhebt sich über dem Lago di Albano Castel Gandolfo, die Sommerresidenz des Papstes. Der päpstliche Besitz in den Albaner Bergen ist bedeutend größer als die Vatikanstadt selber; auf ihm befinden sich der Apostolische Palast mit seinen Gärten, die Villen Cybo und Barberini, ein Frauenkloster, ein Priesterkolleg der Propaganda Fide und die weltweit bekannte Sternwarte des Papstes. Mit der Gründung des Vatikanstaates im Jahre 1929 erlangte die Sommerresidenz exterritorialen Status, ein Umstand, der in den Jahren 1943-44 mehr als 12.000 Menschen Zuflucht vor den Schrecken des II. Weltkrieges bieten sollte.

Als im September 1943 deutsche Truppen die Ewige Stadt besetzen und SS und Gestapo ihr verbrecherisches Handwerk auch in Rom ausübten, ordnet Papst Pius XII. (Eugenio Pacelli, 1939-1958) an, in Gotteshäusern, Klöstern und kirchlichen Einrichtungen Verfolgten Zuflucht zu gewähren. Vor allem die exterritorialen Besitzungen des Heiligen Stuhls nehmen viele Flüchtlinge auf, unter ihnen auch Tausende Männer, Frauen und Kinder jüdischer Abstammung. So finden auch in Castel Gandolfo zahlreiche Menschen Schutz vor Verfolgung. Sie werden mit großer Diskretion untergebracht, um bei den deutschen Besatzern keinerlei unnötige Aufmerksamkeit zu erregen.

Am 20. Januar 1944 beginnt bei Anzio und Nettuno die Landung anglo-amerikanischer Verbände. Die heranrückende Kriegsfront bringt die Bevölkerung der Albaner Berge in Gefahr. Die unbeteiligten Zivilisten drohen zu Opfern der Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und den Alliierten zu werden. Denn todbringende Bombengeschwader unterstützen die Offensive der amerikanischen und britischen Truppen. Pius XII. lässt in diesen Tagen den höchsten Beamten im Päpstlichen Staatssekretariat, Monsignore Giovanni Battista Montini, den späteren Papst Paul VI., zu sich kommen. Der Pontifex trägt dem Prälaten auf, dafür zu sorgen, dass die Pforten der Sommerresidenz nun auch offiziell geöffnet werden. Jedermann soll Zutritt erhalten – ohne dass er nach Herkunft, Religion oder politischer Gesinnung gefragt wird. Monsignore Montini erhält die Anweisung, die Flüchtlinge mit allem Nötigen zu versorgen: Matratzen, Decken und Lebensmitteln.


Eine beeindruckende Logistik wird geschaffen. Lastwagen mit vatikanischem Kennzeichen bringen aus ganz Mittelitalien Lebensmittel in die Sommerresidenz. Die Wagen hat man gelbweiß angestrichen und mit dem Schriftzug „Vaticano“ versehen; auf den Dächern ist das Kürzel „SCV“ (Stato della Città del Vaticano) aufgemalt worden. Dennoch ist jede Fahrt mit einem großen Risiko verbunden. Die Wagen werden bombardiert und beschossen, manche von ihnen beschlagnahmt und geplündert. Einer der Fahrer, Alberto Bovi, muss seinen Einsatz mit dem Leben bezahlen; er stirbt durch eine Maschinengewehrsalve, die von unbekannter Seite auf ihn abgefeuert wird.

Alle Räumlichkeiten der Sommerresidenz werden für die Unterbringung der Flüchtlinge genutzt. In den Gärten errichtet man Baracken und schlägt Zelte auf. Selbst in den unterirdischen Gängen aus der Zeit Kaiser Domitians werden Schlafstätten eingerichtet. Die medizinische Versorgung auf dem päpstlichen Besitz ist überraschend gut. Das Hospital von Albano hat sich wegen der Bombenangriffe, denen es permanent ausgesetzt war, für eine vollständige Übersiedlung in die Villa Barberini entschieden. Im Priesterseminar der Propaganda Fide richtet man zusätzlich eine Krankenstation ein. Seine Privatgemächer stellt der Papst werdenden Müttern zur Verfügung – das Schlafzimmer des Pontifex wird zur Hebammenstation. 36 Kinder kommen im Apostolischen Palast von Castel Gandolfo wohlbehalten zur Welt. Darunter auch ein Zwillingspaar. Die beiden Jungen erhalten von ihren Eltern, die Vornamen „Eugenio“ und „Pio“. Für die Eheleute Zevini eine Selbstverständlichkeit – obschon sie der Kommunistischen Partei nahe stehen.

Den militärischen Schutz von Castel Gandolfo hat schon im Oktober 1943 eine Abteilung der Päpstlichen Palatingarde übernommen. Die Garde ist eine der vier Palastwachen des Papstes und besteht aus römischen Freiwilligen. Um aber auf dem weitläufigen Gelände unter den Zigtausend Flüchtlingen die nötige Ordnung aufrechtzuerhalten, reicht ihre Präsenz nicht aus. Der Direktor der Päpstlichen Villen, Emilio Bonomelli, improvisiert. Aus ehemaligen Karabinieri und pensionierten Soldaten stellt er eine „Hauspolizei“ zusammen; als Dienstabzeichen streift Bonomelli seinen inoffiziellen Ordnungshütern eine gelbweiße Armbinde über. Castel Gandolfo scheint für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

An allen Gebäuden des päpstlichen Sommersitzes wehen die gelbweißen Fahnen des Vatikans. Sie signalisieren den Kriegsparteien den völkerrechtlichen Status des Territoriums. Der Heilige Stuhl ist in Washington und London vorstellig geworden, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu erreichen. Doch vergebens. Die päpstlichen Bittgesuche werden beiseite geschoben – sie stören die strategischen Pläne der Militärs. Die Alliierten setzen ihre Angriffe unvermindert fort. Und so fliehen die verängstigten Bewohner der Castelli Romani zu Tausenden auf das sichere, vermeintlich sichere vatikanische Hoheitsgebiet.

Am 1. Februar 1944 ändert sich alles. Plötzlich zeigen sich am Himmel über dem Albaner See amerikanische und englische Geschwader. Sie werfen Bomben über die Castelli Romani und Castel Gandolfo ab – auch auf die päpstlichen Villen. Trotz der gutsichtbaren gelbweißen Flaggen des Vatikanstaates. In den Gesichtern der abertausend Flüchtlinge zeigt sich blankes Entsetzen. Gebäude und Zelte werden getroffen. Schreie sind zu hören – von Männern, Frauen und Kindern. Häuser brechen zusammen. Wolken aus Staub steigen auf. Hier und dort haben die Bomben Brände entfacht.

Schon bald ertönen militärische Kommandos. Offiziere der Palatingarde versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen. Unteroffiziere und junge Gardisten leisten Hilfe. Sie transportieren die Verletzten in die Notquartiere und holen Verwundete und Tote aus den Trümmern hervor. „Avanti, avanti“, werden die Gardisten angespornt. In dem Kloster der Klarissinnen haben die Bomben Furchtbares angerichtet. 16 tote Ordensfrauen sind zu beklagen. Die verstümmelten Leichen können nur unter größten Schwierigkeiten geborgen werden.

Am 10. Februar 1944, gegen neun Uhr in der Früh, wiederholt sich das schreckliche Szenario – diesmal jedoch weitaus schlimmer. Beim Kolleg der Propaganda Fide wird die tägliche Milchration verteilt. Hunderte von Menschen haben sich vor dem Gebäude angestellt. Es sind vor allem Mütter mit ihren Kindern. Keiner in der Menge ahnt, was in wenigen Augenblicken geschehen wird. Dann naht ein Bombengeschwader der Alliierten und bringt der päpstlichen Sommerresidenz den Tod. In nur wenigen Sekunden. Das Missionskolleg wird dem Erdboden gleichgemacht. „Ein furchtbares Bild von apokalyptischem Ausmaß. Ein Bombenkrater neben dem anderen, Trümmer auf Trümmer, und Opfer, viele Opfer, überall. Beim Atmen spüre ich den Tod in meinen Lungen“, bericht ein Augenzeuge. Mehr als fünfhundert Tote sind zu beklagen.

Alljährlich gedenkt man in Castel Gandolfo des Bombardements. „Wir begehen den Tag in Trauer, aber auch in Dankbarkeit“, so die „Associazione Vittime Bombardamenti `Propaganda Fide`“ (Vereinigung der Opfer des Bombardements der Propaganda Fide), „in Trauer, weil wir so viele unserer Angehörigen und Mitbürger verloren haben, in Dankbarkeit, weil der Papst die Pforten seiner Sommerresidenz öffnete und Tausenden von Menschen Zuflucht gewährte; kein einziger Flüchtling, der dort aufgenommen wurde, ist den deutschen Besatzern oder den italienischen Faschisten in die Hände gefallen“.

Fotostrecke Castel Gandolfo im 2. Weltkrieg









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