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Lumen fidei – der Weg, den der Glaube auftut

5. Juli 2013 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Die erste Enzyklika Papst Franziskus’, das letzte Vermächtnis des Denkens und der Lehre Benedikts XVI. Der vierhändig geschriebene ‚starke Text’ - Einführung von Kurienerzbischof Müller - Der Link zum vollen Text - Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Ein starker Text“: mit diesen Worten beschrieb Papst Franziskus den umfangreichen Entwurf der Enzyklika zum Glauben, den ihm sein Vorgänge Benedikt XVI. nach seinem Amtsverzicht hinterlassen hatte. Franziskus entschloss sich, den Text als „vierhändig“ geschriebene Enzyklika zu vervollständigen, zu ergänzen und mit seinem Namen zu unterzeichnen. „Lumen fidei“ kann als Summe des Denkens und der Lehre Benedikts XVI. gesehen werden, Wegbegleiter für den Rest des Jahres des Glaubens, Wegweiser in die Zukunft des gelebten Glaubens.

„Glaube, Hoffnung und Liebe bilden in wunderbarer Verflechtung die Dynamik des christlichen Lebens auf die volle Gemeinschaft mit Gott hin“, so „Lumen fidei“: „Wie ist dieser Weg, den der Glauben vor uns auftut? Woher kommt sein mächtiges Licht, das den Weg eines gelungenen, überaus fruchtbaren Lebens zu erleuchten vermag?“: Vor diesen Fragen entwickelt sich das Lehrschreiben in vier Kapiteln.

Das erste Kapitel setzt sich mit der Geschichte der Annahme des Glaubens auseinander und geht von Abraham, dem Vater des Glaubens, aus, um den Glauben Israels zu beschreiben. Die Fülle des Glaubens liegt im christlichen Glauben, der das Heil bringt uns sich kirchlich gestaltet.

Das zweite Kapitel ist unter der Feststellung „Glaubt ihr nicht, so versteht ihr nicht“ der Thematik „Glaube – Vernunft“ gewidmet und endet mit einer Reflexion über das Verhältnis von Glaube und Theologie.

Im dritten Kapitel wird die Überlieferung des Glaubens in der Kirche, der Mutter unseres Glaubens, besprochen. Das Schreiben setzt sich mit den Sakramenten und der Weitergabe des Glaubens, dem Gebet und dem Dekalog sowie mit der Einheit und Unversehrtheit des Glaubens auseinander.

Das vierte Kapitel thematisiert den Glauben im Verhältnis zur „Stadt“, die Gott für die Gläubigen bereitet. Gemeinwohl, Familie, der Glaube als Licht der Gesellschaft sowie dessen tröstende Kraft im Leiden stehen im Mittelpunkt.


kath.net dokumentiert die Worte von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, dem Präfekten der Glaubenskongregation, zur Enyklika „Lumen fidei“ in voller Länge:

In seinen Meditationen, die er uns täglich durch seine Predigten schenkt, ruft Papst Franziskus oft in Erinnerung: „Alles ist Gnade". Angesichts der Komplexität und Widersprüchlichkeit des Lebens könnte dieses Wort manchem naiv oder abstrakt erscheinen. Es ist jedoch eine Einladung, den positiven Charakter alles Geschaffenen zu sehen.

Genau daran möchte uns die Enzyklika Lumen fidei erinnern: das Licht, das vom Glauben kommt, von der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus und in seinem Geist, erleuchtet die Tiefen der Wirklichkeit und hilft uns zu erkennen, dass es die unauslöschlichen Zeichen des Heilshandelns Gottes in sich eingeschrieben trägt. Dank des Lichtes, das von Gott kommt, kann der Glaube tatsächlich „die gesamte Wegstrecke" (Nr. 1), „das gesamte Sein des Menschen" (Nr. 4) erleuchten. Der Glaube „trennt uns nicht von der Wirklichkeit, sondern erlaubt uns, ihren tieferen Grund zu erfassen und zu entdecken, wie sehr Gott diese Welt liebt und sie unaufhörlich auf sich hin ausrichtet" (Nr. 18).

Dies ist die zentrale Botschaft der Enzyklika, die einige für Benedikt XVI. wichtige Themen aufgreift. „Diese Gedanken über den Glauben möchten", so schreibt Papst Franziskus, „eine Ergänzung zu dem sein, was Benedikt XVI. in den Enzykliken über die Liebe und die Hoffnung geschrieben hat. Er hatte eine erste Fassung einer Enzyklika über den Glauben schon nahezu fertig gestellt. Dafür bin ich ihm zutiefst dankbar. In der Brüderlichkeit in Christus übernehme ich seine wertvolle Arbeit und ergänze den Text durch einige weitere Beiträge" (Nr. 7).

Es ist eine glückliche Fügung, dass dieser Text, wenn man so will, der Feder zweier Päpste entstammt. Wer ihn liest, kann - abgesehen von Unterschieden im Stil, in der Wahrnehmung und in der Schwerpunktsetzung - sofort die grundlegende Kontinuität der Botschaft von Papst Franziskus mit den Lehräußerungen von Benedikt XVI. erkennen.

Am Ursprung von allem steht Gott. An Ihn glauben heißt diese Tatsache anerkennen. Das weitet den Verstand und das Herz des Menschen, eröffnet ihm neue Horizonte, bringt ihn näher zu den anderen Menschen und öffnet die Pforten hin zu einer Lebensweise, die der Höhe seiner Berufung entspricht. Ja, wir müssen es uns eingestehen: Jedes Mal wenn wir den Glauben an Gott durch unsere Gedankenlosigkeit, unser Nicht-Handeln, durch unsere Lieblosigkeit nicht leben, tragen wir nicht zum Aufbau einer menschlicheren Welt bei. Wenn wir so handeln, geben wir vielmehr ein Anti-Zeugnis von Gott und entstellen das Antlitz der Kirche.

Im lebendigen Glauben an Gott, zu dem uns sein eingeborener Sohn Jesus Christus durch seinen Geist hintreten lässt, liegt unsere große Ressource. Von hier aus steht oder fällt jeder Reformversuch nicht nur in der Kirche, denn hier handelt es sich um eine Gabe, die die Kirche nicht für sich allein behalten kann. Der Glaube und das Leben der Gnade, das er uns ermöglicht, sind wahrlich ein Schatz des Guten und Wahren für alle Menschen, denn alle sind gerufen, in Freundschaft mit Gott zu leben und die Horizonte der Freiheit zu erleben, die sich für den eröffnen, der sich von Ihm an der Hand nehmen lässt.

Der Glaube an Gott, den uns Jesus Christus offenbart, ist der wahre Fels, auf den der Mensch sein Leben und das Leben der Welt bauen kann. Beim Glauben handelt es sich um ein Geschenk, das „niemals als etwas Selbstverständliches" vorausgesetzt werden kann, sondern ununterbrochen „genährt und gestärkt werden muss" (Nr. 7). Dank des Glaubens können wir erkennen, dass uns jeden Tag eine „große Liebe" angeboten wird, eine Liebe, die uns verwandelt, den Weg in die Zukunft erhellt und uns die Flügel der Hoffnung wachsen lässt (vgl. Nr. 7). Dank des Glaubens, der uns mit einem tragfähigen Vertrauen beschenkt und dieses in uns nährt, können wir mit Realismus in die Zukunft blicken, ohne uns „die Hoffnung rauben" zu lassen, wie Papst Franziskus ständig wiederholt. „Glaube, Hoffnung und Liebe bilden in wunderbarer Verflechtung die Dynamik des christlichen Lebens" (Nr. 7), des Lebens eines Menschen, der sich öffnet für die Gaben Gottes.

All das unterstreicht die Enzyklika Lumen fidei, die in vier Teile gegliedert ist, die wir gleichsam als vier „Szenen" eines einzigen großen „Gemäldes" auffassen können.

Im ersten Teil wird der Weg aufgezeigt vom Glauben Abrahams als eines Menschen, der in der Stimme Gottes „einen tiefen Ruf, der von jeher in das Innerste seines Seins eingeschrieben ist"(Nr. 11), erkennt, hin zum Glauben des Volkes Israel. Das Volk Israel schwankt ständig zwischen der „Versuchung des Unglaubens" (Nr. 13) und der Anbetung der Götzen, die Werke von Menschenhand sind, und dem „Gedenken der Wohltaten Gottes und an die fortschreitende Erfüllung seiner Verheißungen" (Nr. 12). Die Geschichte Jesu bietet schließlich das Kompendium der Erlösung, in dem alle Linien der Heilsgeschichte Israels sich sammeln und bündeln.

Mit Jesus Christus können wir endgültig sagen, dass wir „die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen" haben (1 Joh 4,16), denn er „ist der vollkommene Erweis der Verlässlichkeit Gottes" (Nr. 15). Mit Ihm erreicht der Glaube seine Vollendung. Dieser Glaube lädt uns ein anzuerkennen, dass Gott nicht in den fernen Höhen seines Himmels verblieben ist, sondern sich offenbart hat in Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist und der mitten unter uns gegenwärtig bleibt.

Wenn wir Jesus folgen, wird dank des Glaubens das ganze Sein des Menschen verwandelt. Das Ich, die Person des Glaubenden, öffnet sich für die ursprüngliche Liebe, die im Glauben geschenkt wird (vgl. Nr. 21), und weitet sich für „ein kirchliches Leben" (Nr. 22). Indem er uns öffnet für die Gemeinschaft mit unseren Brüdern und Schwestern, will der Glaube uns nicht reduzieren „auf ein einfaches Rädchen in einem großen Getriebe" (Nr. 22), sondern uns helfen, dass „jeder sein eigenes Sein bis ins Letzte" gewinnt" (Nr. 22). „Für den, der auf diese Weise verwandelt worden ist, öffnet sich eine neue Sichtweise" (Nr. 22) und der Glaube wird zum wahren „Licht", das einlädt, sich immer wieder neu vom Ruf Gottes verwandeln zu lassen.

Im zweiten Teil legt die Enzyklika mit Nachdruck die Frage nach der Wahrheit vor als die Frage im „Zentrum des Glaubens" (Nr. 23). Der Glaube berührt daher auch die Erkenntnis der Wirklichkeit. Er ist ein Akt der Erkenntnis: „Glaube ohne Wahrheit rettet nicht [... ]. Er bleibt ein schönes Märchen [... ]. Oder er reduziert sich auf ein schönes Gefühl" (Nr. 24).

Die Frage nach der Wahrheit und das tatkräftige Bemühen um die Wahrheitssuche können nicht umgangen werden, so wie man auch nicht a priori den Beitrag ausschießen kann, den die großen religiösen Traditionen zur Wahrheitssuche leisten, insbesondere insoweit sie sich auf die fundamentalen Wahrheiten des menschlichen Seins richten.

Was ist der Beitrag, den diesbezüglich der Glaube an Jesus Christus zu bieten vermag? Der Glaube öffnet uns für die Liebe, die von Gott kommt, er verwandelt unsere Sichtweise der Dinge, „weil die Liebe selber Licht bringt" (Nr. 26). Auch wenn es für den modernen Menschen scheint, dass die Frage nach der Liebe nichts mit der Wahrheitsfrage zu tun hat, da die Liebe heute bloß im Bereich der Gefühle angesiedelt wird, so gilt doch: „Liebe und Wahrheit kann man nicht voneinander trennen" (Nr. 27).

Die Liebe ist authentisch, wenn sie an die Wahrheit gebunden ist, und die Wahrheit lockt uns mit der Kraft der Liebe. „Diese Entdeckung der Liebe als Quelle der Erkenntnis, die zur ursprünglichen Erfahrung jedes Menschen gehört", wird uns „in der biblischen Auffassung des Glaubens" bezeugt (Nr. 28). Das ist vielleicht einer der wichtigsten und schönsten Aspekte der Enzyklika.

Aufgrund der Tatsache, dass der Glaube auf die Erkenntnis bezogen und an die Wahrheit gebunden ist, kann Thomas von Aquin von oculata fides sprechen, „vom sehenden Glauben", vom Glauben als einem Geschehen, das das „Sehen" betrifft (Nr. 30). Der Glaube betrifft das Hören, aber er ist auch „ein Entwicklungsprozess des Sehens" (Nr. 30), der die Wahrheit sucht und erkennt und bei dem „Glaube und Vernunft sich gegenseitig stärken" (Nr. 32). So hatte im Übrigen schon der heilige Augustinus von Hippo „entdeckt, dass alle Dinge eine Transparenz in sich tragen" und so „die Güte Gottes, das Gute widerspiegeln können" (Nr. 33). Der Glaube hilft uns also, die Fundamente der Wirklichkeit in ihrer Tiefe zu ergründen.

In diesem Sinn kann man verstehen, auf welcher Ebene das Licht des Glaubens „die Fragen unserer Zeit über die Wahrheit erhellen" kann (Nr. 34), also die großen Fragen, die im menschlichen Herzen aufsteigen angesichts der gesamten Wirklichkeit mit ihren Schönheiten, aber auch angesichts ihrer Dramen. Denn die Wahrheit - hier kommt der Glaube ins Spiel - ist gebunden an die Liebe und kommt von der Liebe. Die Wahrheit muss uns nicht Angst machen, denn sie drängt sich nicht mit Gewalt auf, sondern trachtet danach, wirklich zu überzeugen fortiter ac suaviter, kraftvoll und mild.

Das ist der Grund, warum die Enzyklika daran festhält, dass „der Glaube die Horizonte der Vernunft [weitet], um die Welt, die sich der wissenschaftlichen Forschung erschließt, besser zu durchleuchten" (Nr. 34). Dies gilt für die wissenschaftliche Forschung, aber auch für die Suche jedes wahrhaft religiösen Menschen. Denn der Glaube offenbart uns, dass derjenige, der die Wahrheit und das Gute zu suchen beginnt, sich bereits Gott nähert und schon von seiner Hilfe unterstützt wird (vgl. Nr. 35), auch ohne sich dessen bewusst zu sein.

Ich möchte keine Zusammenfassung des dritten und vierten Teils der Enzyklika geben, sondern nur auf einige wichtige Aspekte aufmerksam machen. Zum einen möchte ich kurz darauf verweisen, wie der Glaube entsteht. Er ist ein Geschehen, das die Person im Innersten berührt. Der Mensch ist nicht ein isoliertes und isolierendes Ich, das Gott gegenüber steht, sondern er ist in eine Gemeinschaft eingebunden. Der Glaube wird deshalb „in der Form des Kontakts von Person zu Person weitergegeben, wie eine Flamme sich an einer anderen entzündet" (Nr. 37).

Der Glaube ist eingebunden in ein Gewebe von Beziehungen, das uns vorausgeht und uns überschreitet, in ein „Wir", das uns einlädt, aus der Einsamkeit unseres Ichs auszubrechen, um uns einzuordnen in eine größere Sichtweise, in einen Dialog und einen Weg ohne Ende. Die dialogische Struktur, in der sich unser Credo zeigt, wird auch an dieser Tatsache und an dieser Bewegung deutlich, die im Inneren des kirchlichen „Wir" zu verorten ist, in dem neuen Subjekt, dem wir aufgrund des Glaubens angehören.

Die Kirche ist der Ort, in dem diese Bewegung der Person, die aus dem gelebten Glauben hervorgeht, gegründet ist und von dem aus sie ohne Unterlass angetrieben wird. Die Kirche öffnet uns für Gott und für die anderen. Sie wird so zu einer neuen Weltanschauung, einer besonderen Sichtweise der Welt. Sie ist, um das schöne Zitat von Romano Guardini aufzugreifen, „die geschichtliche Trägerin des vollen Blicks Christi auf die Welt" (Nr. 22).

Die Kirche ist der Ort, in dem Glaube entsteht und in dem er eine Erfahrung wird, die man anderen mitteilen und von der man in nachvollziehbarer und vertrauenswürdiger Weise Zeugnis geben kann. Denn „was in der Kirche mitgeteilt wird, […] ist das neue Licht, das aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott kommt" (Nr. 40).

Diese Begegnung mit dem lebendigen Gott ermöglicht es der Kirche, von ihm glaubwürdig Zeugnis zu geben. Werkzeug und wirksame Zeichen dieser Begegnung „sind die Sakramente, die in der Liturgie der Kirche gefeiert werden" (Nr. 40). Deshalb betont die Enzyklika, dass der Glaube eine sakramentale Struktur hat.

Von hier aus kann man gut die dem Glauben eigene Bewegung verstehen: Er setzt an beim Sichtbaren und Materiellen, um uns „auf das Geheimnis der Ewigkeit hin" zu öffnen (Nr. 40). In diese Bewegung wird der Gläubige mit seinem ganzen Sein hineingenommen, in die Wahrheit, die er erkennt und bekennt (vgl. Nr. 45). Er kann daher „die Worte des Credos nicht in Wahrheit aussprechen, ohne dadurch verwandelt zu werden" (Nr. 45). Denn der Glaube drängt zu einem beständigen Wandel und verbietet es dem Menschen, sich in eine bequeme Gelassenheit einzuschließen.

Als Zweites liegt es mir am Herzen, ein Zitat, das sich im dritten Teil der Enzyklika findet und einer Predigt von Papst Leo dem Großen entnommen ist, anzuführen: „Wenn der Glaube nicht eins ist, ist er kein Glaube" (Nr. 47). Wir leben in einer Welt, die trotz aller Tendenzen zur Globalisierung gespalten und zerteilt ist. In den vielen verschiedenen „Welten" stehen die Menschen zwar miteinander in Verbindung, leben aber doch oft isoliert und nur zu oft im Konflikt miteinander. Die Einheit des Glaubens ist deshalb ein kostbares Gut, das der Papst und seine Mitbrüder im Bischofsamt bezeugen, nähren und schützen, und zwar als Vorbotin einer Einheit, die ein Geschenk für die ganze Welt sein möchte.

Dabei handelt es sich nicht um eine monolithische Einheit, sondern um eine Einheit in reicher und lebendiger Vielfalt. Gott selbst ist einer und zugleich dreifaltig. Das Zeugnis für die Einheit gehört zur Sendung der Kirche, die vom II. Vatikanischen Konzil als „Zeichen und Werkzeug" (Lumen gentium, Nr. 1) der Einheit, die von Gott kommt, bezeichnet wurde und deren Bestimmung es ist, die ganze Menschheit zu umfassen.

Diese Einheit wird mit Recht „katholisch" genannt, denn sie ist in der Wahrheit gegründet, der sie zu dienen hat und von der her sie zu bewerten ist. Sie vermag „alles in sich zu assimilieren, was sie in den verschiedenen Bereichen, wo sie hingelangt, und in den verschiedenen Kulturen, denen sie begegnet, vorfindet"(Nr. 48). Denn diese Einheit ist gegründet in der Wahrheit, so nimmt sie uns nichts weg, sondern bereichert uns mit den Gaben, die dem Großmut des göttlichen Herzens und jedes einzelnen Menschen entstammen.

Eben diese Einheit in der Wahrheit, zu der uns Gott, der Vater aller, führt, kann uns auch helfen, die wahre Wurzel der Brüderlichkeit zu entdecken (vgl. Nr. 53). Ohne Wahrheit und ohne Gott kann der Traum der universellen Brüderlichkeit, der am Anfang der Moderne steht, nicht Wirklichkeit werden, sondern nur die traurige Erfahrung von Babel wiederholen. Denn die Brüderlichkeit, „die des Bezugs auf einen gemeinsamen Vater als ihr letztes Fundament entbehrt", vermag „nicht zu bestehen" (Nr. 54). Die Geschichte der beiden vergangenen Jahrhunderte zeigt uns dies sehr deutlich.

Zum Abschluss möchte ich einen Aspekt aus dem vierten Teil der Enzyklika aufgreifen. Es stimmt, dass der echte Glaube mit Freude erfüllt und „das Leben weit" macht (Nr. 53). Das ist übrigens ein Gedanke, der Papst Franziskus eng mit Benedikt XVI. verbindet. Zugleich lässt uns das Licht des Glaubens aber „nicht die Leiden der Welt vergessen" (Nr. 57), sondern öffnet uns zu „einer begleitenden Gegenwart, einer Geschichte des Guten, die sich mit jeder Leidensgeschichte verbindet, um in ihr ein Tor zum Licht aufzutun" (Nr. 57). Nur das Licht, das von Gott kommt, dem menschgewordenen Gott, der den Tod durchlitten und besiegt hat, kann angesichts des vielfältigen Leids, welches das menschliche Leben bedrückt, eine glaubwürdige Hoffnung bieten.

Zusammenfassend könnte man sagen: Die Enzyklika will auf neue Weise bekräftigen, dass der Glaube an Jesus Christus ein Gut für den Menschen ist, und zwar für alle. Der Glaube „ist ein Gemeingut; sein Licht erleuchtet nicht nur das Innere der Kirche, noch dient er allein der Errichtung einer ewigen Stadt im Jenseits; er hilft uns, unsere Gesellschaften so aufzubauen, dass sie einer Zukunft voll Hoffnung entgegengehen" (Nr. 51).

Soweit einige kurze Hinweise, die nur dazu dienen wollen, zur Lektüre dieses reichhaltigen Dokuments anzuregen, gleichsam den Geschmack daran zu wecken. Diese Enzyklika kann wahrhaftig als ein „Dokument" bezeichnet werden: sie bietet uns nicht nur Worte, sondern sie dokumentiert uns den positiven Blick eines Lebens, das sich ganz von Gott anziehen und umfangen lässt. Das ist das Licht des Glaubens. Das ist im Übrigen auch das Zeugnis, für das wir Papst Franziskus und Benedikt XVI., zwei echte Leuchten des Glaubens und der Hoffnung für unsere Zeit, so dankbar sind.


kath.net veröffentlicht den ersten und den letzten Abschnitt der Einleitung zur Enzyklika „Lumen fidei“

Das Licht des Glaubens: Mit diesem Ausdruck hat die Tradition der Kirche das große Geschenk bezeichnet, das Jesus gebracht hat, der im Johannesevangelium über sich selber sagt: »Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt« (Joh 12,46). Auch der heilige Paulus drückt dies mit ähnlichen Worten aus: »Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet« (2 Kor 4,6).

In der heidnischen, lichthungrigen Welt hatte sich der Kult für den Sonnengott Sol invictus entwickelt, der beim Sonnenaufgang angerufen wurde. Auch wenn die Sonne jeden Tag wiedergeboren wurde, verstand man sehr wohl, dass sie nicht imstande war, ihr Licht über das ganze Sein des Menschen auszustrahlen. Die Sonne erleuchtet ja nicht die ganze Wirklichkeit, ihr Strahl vermag nicht bis in den Schatten des Todes vorzudringen, dorthin, wo das menschliche Auge sich ihrem Licht verschließt. »Niemals konnte jemand beobachtet werden, der bereit gewesen wäre, für seinen Glauben an die Sonne zu sterben«, sagt der heilige Märtyrer Justinus.1 Im Bewusstsein des weiten Horizonts, den der Glaube ihnen eröffnete, nannten die Christen Christus die wahre Sonne »deren Strahlen Leben schenken«.

Zu Martha, die über den Tod ihres Bruders Lazarus weint, sagt Jesus: »Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? « (Joh 11,40). Wer glaubt, sieht; er sieht mit einem Licht, das die gesamte Wegstrecke erleuchtet, weil es vom auferstandenen Christus her zu uns kommt, dem Morgenstern, der nicht untergeht.

********

Diese Gedanken über den Glauben möchten — in Kontinuität mit all dem, was das Lehramt der Kirche über diese theologale Tugend ausgesagt hat — eine Ergänzung zu dem sein, was Benedikt XVI. in den Enzykliken über die Liebe und die Hoffnung geschrieben hat. Er hatte eine erste Fassung einer Enzyklika über den Glauben schon nahezu fertig gestellt. Dafür bin ich ihm zutiefst dankbar. In der Brüderlichkeit in Christus übernehme ich seine wertvolle Arbeit und ergänze den Text durch einige weitere Beiträge. Der Nachfolger Petri ist ja gestern, heute und morgen immer aufgerufen, „die Brüder zu stärken“ in jenem unermesslichen Gut des Glaubens, das Gott jedem Menschen als Licht für seinen Weg schenkt.

Im Glauben — der ein Geschenk Gottes ist, eine übernatürliche Tugend, die er uns einflößt — erkennen wir, dass uns eine große Liebe angeboten und ein gutes Wort zugesprochen wurde und dass wir, wenn wir dieses Wort — Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort — aufnehmen, durch den Heiligen Geist verwandelt werden; er erhellt den Weg in die Zukunft und lässt uns die Flügel der Hoffnung wachsen, um diesen Weg freudig zurückzulegen. Glaube, Hoffnung und Liebe bilden in wunderbarer Verflechtung die Dynamik des christlichen Lebens auf die volle Gemeinschaft mit Gott hin. Wie ist dieser Weg, den der Glaube vor uns auftut? Woher kommt sein mächtiges Licht, das den Weg eines gelungenen, überaus fruchtbaren Lebens zu erleuchten vermag?

Die Enzyklika „Lumen fidei“ von Papst Franziskus – der Text in voller Länge in deutscher Übersetzung


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Lesermeinungen

 Dottrina 5. Juli 2013 
 

Wundervoll!!!!

Ich habe mir die Enzyklika bereits ausgedruckt und werde sie kommende Woche lesen. Heute ist ein großartiger Tag! Enzyklika-Veröffentlichung, das Treffen der beiden Päpste anläßlich der Weihe der Statue des Erzengels Michael, die Weihe der Vatikanstadt an Michael und den Hl. Joseph! Dann die "Freigabe" zur Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII und Joh. Paul II! Einfach ein schöner Tag für die Kirche!


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 Wolff 5. Juli 2013 
 

Lumen fidei

Herzlichen Dank für die Möglichkeit, sich den gesamten Text ausdrucken zu können!
Pfr.i.R. Wolff


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