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Nach dem Vatileaks-Urteil bleiben die Widersprüche

7. Oktober 2012 in Aktuelles, 6 Lesermeinungen
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Paolo Gabriele war ein enger Papst-Vertrauter, dann gab er brisante Unterlagen weiter. Jetzt muss er 18 Monate in Haft. Rätselhaft bleibt, ob der labile Mann bei der Tat beeinflusst wurde, oder nicht. Von Paul Badde / Die Welt


Vatikanstadt (kath.net/DieWelt) "Ich fühle mich nicht als Dieb", hat Paolo Gabriele (46), der ehemalige Kammerdiener des Papstes, im Schlussplädoyer des Vatikleaks-Prozesses auf die Frage des Richters geantwortet, ob er sich schuldig oder unschuldig fühle. Dieser Einschätzung konnte das Gericht nicht ganz folgen.

Anderthalb Jahre Haft für den Vertrauensmissbrauch des Aktendiebs und die Übernahme der Prozesskosten bilden danach das vorläufige Ende der Affäre. Die drei Richter haben dem Vater von drei Kindern mildernde Umstände zugebilligt, weil er aus "einer subjektiven, wenn auch irrigen Überzeugung heraus gehandelt" habe.

"Paoletto" nahm das Urteil ungerührt zur Kenntnis. Es war, als stände er einsam und in sich selbst isoliert neben sich. Als ginge es gar nicht um ihn. Und an dieser Beobachtung ist etwas dran. Man muss sich Paolo Gabriele als einen entgleisten Menschen vorstellen.

Gericht bescheinigt leichte Beeinflussbarkeit

Das Gericht hat ihm bescheinigt, dass er ein leicht beeinflussbarer Mann ist, ganz und gar abhängig von seiner Umwelt. Immer wieder wurden auch zahllose Einflüsse benannt, denen der gesprächige Mann ausgesetzt war, und Personen namentlich genannt, denen er besonders vertraute.

Doch fast genau so oft hieß es: keiner habe ihn beeinflusst! Dieser Widerspruch bildete gleichsam das Mantra des Prozesses – von Seite der Anklage ebenso wie von Seite der Verteidigung. Er hatte bei seinem gewaltigen Diebeswerk keine Komplizen im strengen Sinn.

Genauso sicher ist aber auch dies: seine vielen und einflussreichen Kontakte haben nicht nur freundlich über den Papst und dessen Mitarbeiter gesprochen, um wenig zu sagen. Er habe sich im Vatikan "von dem Schlechten, das er sah" anleiten lassen, sagte seine Anwältin. Der Anteil des Schlechten, das er hörte, wird in der Motivation seiner Untaten aber nicht geringer gewesen sein.

"Aus Liebe zur Kirche" gehandelt

Nur so macht es auch Sinn, dass er im gewissen Sinn als glaubwürdig gelten muss bei der zunächst absurd erscheinenden Aussage, dass er sich erstens nicht als Dieb fühle und zweitens "aus Liebe zur Kirche und ihrem sichtbaren Oberhaupt" gehandelt habe. Ganz offensichtlich hat der überzeugungsschwache Mann jedenfalls aus einem Klima und Meinungsklima heraus gehandelt, in dem er kein Unrechtsbewusstsein für seine unrechten Taten entwickelte.


Nur so begriff er auch seine systematischen Vertrauensbrüche und fortgesetzten Diebstähle aus dem Haus des Papstes als Teil seiner "Studien" und Akte der "Weiterbildung", mit denen er sich ein "Bild der Situation" machen wollte.

Er hatte "kein Bewusstsein seines Fehlverhaltens", hat sogar der Anklagevertreter festgehalten. Er wollte nach seiner eigenen Auskunft mit seiner Diebesserie und der Weitergabe geheimer Dokumente "Schaden von der Kirche abwenden". Es war verrückt, aber mit System. Nach Auskunft eines psychiatrischen Gutachtens war er "zurechnungsfähig". Im Januar sprach er vor laufender Kamera von etwa zwanzig Personen, mit denen er sich einig wisse.

Gehorsam für jeden Auftrag

Jetzt hieß es, von einem "Komplott" könne keine Rede sein. Auf jeden Fall war der einfältige Geheimnisträger auch eine ausgemachte Plaudertasche, der für jeden Geheimdienst das geborene Opfer und leichteste Beute gewesen wäre. Er war das geborene Instrument in den Händen anderer, persönlich quasi initiativlos, doch gehorsam für jeden Auftrag. Das war im Dienst so, und das kann in seinem Privatleben nicht fundamental anders gewesen sein.

Dieses vielfach belegte Psychogramm macht den Druck ein wenig verständlicher, dem er sich aus seiner Situation heraus ständig ausgesetzt sah. Er genoss die Aufmerksamkeit und konnte sich doch nicht vorstellen, dass in ihm natürlich auch alle zunächst einen der engsten und nächsten Vertrauten des Papstes ansprachen, von seinen Gesprächspartnern im Vatikan bis hin zu Gianluigi Nuzzi, der die geheimen Dokumente, die Gabriele ihm bereitwillig zutrug, zu einem Bestseller machte, der einerseits die Diebesserie beendete, weil er andererseits den Dieb hinter Gitter brachte.

Spionage-Akt ohne Beispiel

Natürlich fühlt sich aber auch Signor Nuzzi an seinem Schicksal ganz und gar unschuldig. Damit steht er unter allen Bekannten Gabrieles nicht allein, an dessen Heldentaten "keiner sonst beteiligt" war. Keiner sonst will auch jemals von dem riesigen "Archiv" gewusst haben, das er daheim anlegte, das die Gendarmerie in 82 Kartons aus der Wohnung schaffte. Für das, was durch ihn und mit ihm geschah, gibt es in der Geschichte des vatikanischen Vertrauensraums keinen Präzedenzfall. Dieser Spionage-Akt ist ohne Beispiel.

Darum war es für die Verteidigung auch leicht, auf unschuldig zu plädieren. Denn weil Gabriele angeblich alle Dokumente nur kopierte, die er nach Hause brachte, könne in seinem Fall von Diebstahl nicht gesprochen werden. Zumal habe er ja alles auch ganz öffentlich gemacht, quasi unter den Augen seiner ahnungslosen Vorgesetzten, die ihm "keine Grenzen" gesetzt hätten.

Der Kammerdiener habe doch generell die Erlaubnis gehabt, im Gemeinschaftsbüro mit den päpstlichen Privatsekretären Kopien anzufertigen. Gesagt wurde es nicht ausdrücklich, doch im Grunde – so klang es hier durch – handle es sich bei dem ganzen inkriminierten Vorgang also um eine Verletzung der Aufsichtspflicht, die der Dieb ja nun wirklich nicht zu verantworten habe.

18 Monate Haft in einem italienischen Gefängnis

Zwischen den Anträgen des Staatsanwalts auf eine dreijährige und der Rechtsanwältin für eine dreitägige Haftstrafe (für angeblich einfachen Diebstahl) entschied sich das Gericht danach halbwegs salomonisch für 18 Monate, von denen der Kammerdiener schon zwei in der U-Haft abgebüßt hat. Da der Kirchenstaat kein eigenes Gefängnis hat, müsste er seine Strafe in einem italienischen Gefängnis absitzen.

Rechtskräftig wird das Urteil aber erst am Dienstag, sollte die Anwältin bis dahin keine Berufung einlegen. Bis dahin kann Gabriele wieder nach Hause und auf eine Begnadigung des Papstes hoffen, den "er liebt wie einen Sohn" – und dem er dennoch für diese Vertrauensstellung wohl nie hätte anempfohlen werden dürfen.

Denn er war der Rolle jedweder dienenden Hintergundfunktion in diesem Machtzentrum ja von Anfang an nie gewachsen – und dem Zwiespalt und der Spannung zwischen gebotener Diskretion und seinem Mitteilungsbedürfnis. Dieses Problem hat sich nun jedoch multipliziert, egal ob er rasch oder weniger rasch begnadigt werden wird.

Seiner neuen Rolle aber wird Paolo Gabriele noch viel weniger gewachsen sein. Als übersehenes Rädchen im Getriebe, als das er sich empfunden haben mag, war er zu einer menschlichen Zeitbombe im päpstlichen Palast geworden. Jetzt ist er aus dem Schatten heraus, ein trauriger Weltstar, und natürlich brisanter als je zuvor.

Angebote für Enthüllungsbücher werden folgen

Denn jetzt müsste es ja mit den Kräften der Erzengel zugehen, wenn ihm nicht bald und weltweit schon unvorstellbare Summen für den Vorschlag angeboten werden, doch selbst einmal umfassend für ein echtes Enthüllungsbuch auszupacken: wie es denn nun wirklich war da oben im Palast und mit "dem Bösen, das er gesehen hat".

Den Angeboten, seine Geschichte selbst zu erzählen, egal ob wahr oder unwahr, wird bald kein Limit gesetzt sein. Vor dieser Versuchung wird ihn keine Gendarmerie mehr schützen können. Nach den Gesetzen des Vatikans ist er also vergleichbar milde davon gekommen. Das wird er mit seinem Redebedürfnis bei den Gesetzen des Marktes nicht mehr erwarten können, denen er von nun an unterworfen sein wird.

Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele, Aufnahmen aus dem Gerichtssaal - Pope´s former butler sentenced to 18 months. Will the Pope grant his pardon? (Rome Reports)


Foto Paolo Gabriele: (c) Rome Reports (Screenshot)


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