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Krise des Glaubens oder Rückkehr der Religion

5. Oktober 2012 in Kommentar, 38 Lesermeinungen
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Was ist los mit dem Christentum nach 2.000 Jahren. Von Pater Bernd Hagenkord SJ


Vatikan-Stadt (kath.net/KNA) «It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, it was the epoch of belief, it was the epoch of incredulity,» - so beginnt Charles Dickens seinen Roman «A Tale of Two Cities». Und genau so weit voneinander entfernt scheinen zunächst auch die beiden Möglichkeiten zu sein, das Christentum heute zu beschreiben.

Es sind beides verlockende Antworten, wenn man wissen will, wo das Christentum heute steht. Die eine Antwort wendet sich an die Vergangenheit mit der Wertung, dass etwas schlecht wurde, was vorher gut war, wobei die Klage bereits ein Urteil über ein Scheitern anderer enthält. Die zweite Antwort sieht ebenfalls in Richtung Vergangenheit, die Rückkehr des Bekannten im fremden Gewand.

Rückkehr: Es gibt neue Formen von Religion und Religiosität, die überall auf der Welt auftauchen, vielleicht noch am wenigsten in Westeuropa. Wir leben hier auf dem wahrscheinlich religiös unmusikalischsten Flecken des Planeten. Diese neuen Formen, die ja immer Kreativität, Bedürfnis, Wagemut und Glauben von Menschen ausdrücken, passen sich aber nicht an das an, was wir in unserer Geschichte und Kultur mit uns tragen. Die Rückkehr - wenn es sie denn gibt - beantwortet nicht die Probleme, die wir heute in unseren Breiten mit Religion haben. Sie rettet nicht die Kirche, die wir kennen.


Krise: Es wird immer weniger über den Glauben gewusst, immer weniger in den Gottesdienst gegangen, immer weniger von den Kriterien erfüllt, die wir gewöhnlicherweise mit dem Glauben in Verbindung bringen. Man traut sich nicht mehr - jedenfalls nicht mehr aus den traditionellen Religiosität heraus - über seinen Glauben öffentlich zu sprechen. Und so verdorrt die mitgebrachte Form des Glaubens. Auch hier also keine Rettung für die Kirche. Auch das zynische Sprechen über das «Gesundschrumpfen» kann diese Deutung nicht positiv wenden.

Letztlich kann man beiden Betrachtungen unserer Glaubenssituation die gleiche Aussage entgegensetzen: Die Gegenwart ist nicht wie die Vergangenheit. Beide Male wird das gegenwärtige Erleben an dem gemessen, was war. In dem einen Fall sieht man einen Wegfall, in dem anderen einen Aufbruch nach der Abwesenheit von Religion. Letztlich sind es aber dieselben Betrachtungsweisen.

So gefährlich es auch ist, die Geschichte nicht zu kennen, so falsch liegt man darin, im Gestern die Messlatte für das Heute zu sehen. In den Worten des Soziologen Michael Hochschild: Es ist paradox, von einer Krise zu sprechen, nur weil das Heute einfach anders ist als das Gestern. Das gleiche gilt dann auch für die famose Rückkehr: Das Alte kehrt nie wieder zurück. Der Glaube der Großeltern ist kein Maßstab für den Glauben heute, weder als Klage noch als Lob der Rückkehr. Noch schlimmer sind die Maßstäbe, die einer imaginierten und idealisierten Vergangenheit abgewonnen werden.

Zunächst müssen wir also diese Art der historischen Perspektive über Bord gehen lassen: Vorstellungen von Vergangenheiten geben keine Modelle für die Gegenwart oder Zukunft. Das wird auch bei der Lektüre der Dokumente für die anstehende Bischofssynode zur Neuevangelisierung sehr deutlich: Nicht etwas Altes soll gerettet oder erhalten werden; es geht um die angemessene Ausdrucks- und Lebensweise unseres Glaubens für das Heute. Dasselbe gilt ebenso für das Jahr des Glaubens, das ja eng mit dieser Synode zusammenhängt.

Die Gegenwart des Christentums nach 2.000 Jahren ist - in Europa - von einer Umkehr der «Erfolgsgeschichte» geprägt. Was stark und prägend war, wird schwach und zur Minderheit. Daher sind die oben genannten Antworten, wenn sie verabsolutiert vorgebracht werden, Versuchungen. Das «wieder» ist verführerisch, weil es die Stärke und Größe von früher wieder ins Spiel bringt.

Es darf aber nicht um eine «Wiederevangelisierung» gehen, als ob das Alte in irgendeiner Weise bewahrt oder erhalten werden könnte. Die Phänomene des ökonomischen, sozialen, medialen, psychologischen Wandels müssen ohne den wertenden Blick des Vergangenen wahrgenommen werden.

Das wird sehr deutlich im Vorbereitungsdokument für die Synode formuliert: «Es kommt darauf an, diese Szenarien, diese Phänomene zu betrachten, und es dabei zu schaffen, die emotionale Ebene des verteidigenden Urteils und der Angst zu überwinden, um in objektiver Weise die Zeichen des Neuen gemeinsam mit den Herausforderungen und den Schwächen annehmen zu können.» Wie es also der Kirche nach 2.000 Jahren geht, müssen wir erst noch feststellen. Das 'Jahr des Glaubens' wäre für ein breites Gespräch darüber ein passender Anlass.

Der Autor, Bernd Hagencord (Foto), ist Leiter der deutschsprachigen Redaktion von
Radio Vatikan.

(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto Pater Bernd Hagenkord SJ: © Radio Vatikan/M. Chwalek


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